| 27. November 2025 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Obenauf? Die Wirklichkeit war zumindest in der vergangenen Saison in der Summe ein bisschen anders für Ben Büscher (mit Ball) und seinen TV Korschenbroich, der gegen den TV Aldekerk beide Begegnungen in der 3. Liga mit 28:31 verlor. Viel hatten davon unter dem Strich aber auch Fabian Küsters (Nummer 23) und Thomas Plhak (14) mit den Aldekerkern nicht: Am Ende mussten beide zurück in die Regionalliga – wo sie sich jetzt zum Top-Spiel treffen. (Foto: Carsten Wulf)
Tim Gentges hat da eine klare Meinung. „Korschenbroich ist für mich die kompletteste Mannschaft in dieser Liga und auch die stärkste. Sie sind für mich der Top-Favorit für den Aufstieg“, sagt der Trainer des TV Aldekerk, der mit seinem Team heiß ist aufs Treffen der Drittliga-Absteiger am Freitagabend in der Waldsporthalle: „Die Vorfreude ist riesig – nicht nur, weil es immer ein geiles Spiel ist. Aus meiner Sicht spielen wir gegen den Liga-Primus.“ Aktuell liegt der TV Korschenbroich (9:3 Punkte) als Dritter allerdings „nur“ auf der Lauer hinter dem HC Weiden (10:4/ein Spiel mehr) und dem TSV Bayer Dormagen II (10:6/zwei Spiele mehr), bei dem der TVK zuletzt seine erste Niederlage in dieser Saison hinnehmen musste. Dessen Trainer Frank Berblinger glaubt dabei nicht, dass jenes knappe 27:28 einen bleibenden Schaden bei seiner Mannschaft hinterlassen hat: „Auch in Dormagen haben wir kein schlechtes Spiel gemacht. Wir haben vergessen, den Sack zuzumachen, uns für eine gute Leistung zu belohnen. Wir freuen uns auf das emotionale Derby und die Zuschauer können sich auf einiges freuen, ihnen wird einiges geboten. Wir wollen die Niederlage aus dem Dormagen-Spiel vergessen machen.“
Aldekerk seinerseits nimmt zurzeit mit 7:5 Punkten noch hinter der HSG am Hallo Essen und der TSV Bonn rrh. (beide 8:4) den sechsten Rang ein – und fühlt sich dort nicht völlig verkehrt eingeordnet. „Wir sind auf einem guten Weg und wir sehen auch, dass wir dran sind an den Spitzenmannschaften“, findet Trainer Gentges, „aber uns fehlt noch so ein bisschen, wir sind noch nicht auf diesem Level. Aber da wollen wir hin, dafür arbeiten wir – und dafür sind solche Spiele perfekt. Wir haben nichts zu verlieren, wir können ganz frei aufspielen. Und natürlich ist Korschenbroich schlagbar, doch dazu müssen wir an unser Limit kommen. Wir dürfen uns keine großartige Schwächephase leisten und wir werden Korschenbroich den größtmöglichen Kampf liefern.“ Dass die Gastgeber besonders in einem Heimspiel konsequent andere Pläne verfolgen, liegt auf der Hand, zumal sich den Hausherren eine Gelegenheit bietet, sich den eben verlorenen ersten Platz zurückzuholen – wozu zunächst ein entsprechendes eigenes Ergebnis die Voraussetzung ist.

Der Zweite Dormagen ist diesmal gar nicht im Einsatz, weil er die zunächst fürs kommende Wochenende vorgesehene Partie beim VfL Gummersbach II (14./3:11) vorgezogen bereits absolviert und am 19. Oktober mit 31:25 für sich entschieden hat. Dann tritt der Erste Weiden zur sicher nicht einfachen Partie beim Fünften Bonn an – zu einem Duell zweier Teams, die zuletzt ganz gut unterwegs waren. Weiden gewann zum Beispiel mit 29:27 in Aldekerk und fertigte anschließend den SSV Nümbrecht (Zehnter/5:7) mit 38:23 ab, während die TSV nach dem 34:34 gegen Borussia Mönchengladbach (Elfter/4:8) ein 35:30 bei der HSG Refrath/Hand folgen ließ (Zwölfter/3:9). Viele Varianten sind denkbar: Gewinnt etwa der TVK und trennen sich die Konkurrenten mit einem Unentschieden, rückt Korschenbroich wieder nach ganz oben – dem für diesen Fall sogar eine eigene Punkteteilung reichen würde. Unter Umständen könnte selbst Bonn den ersten Platz einnehmen, wenn es sich selbst relativ klar gegen Weiden durchsetzt, Korschenbroich gegen Weiden verliert und gleichzeitig die Essener nicht bei der Unitas Haan (Siebter/6:6) gewinnen.
Der HC Weiden wiederum bleibt Spitzenreiter, indem er aus der Halle an der Ringstraße in Bonn mindestens einen Zähler mitnimmt (ebenfalls am Freitagabend) und der TV Korschenbroich gleichzeitig keinen Heimsieg gegen Aldekerk schafft. HC-Trainer Marc Schlingensief hat zwar eine Menge Respekt vor den Gastgebern und er rechnet auch mit einer sehr schwierigen Aufgabe, sich allerdings auf der anderen Seite auch etwas aus: „Uns erwartet eine sehr homogene und gut eingespielte Truppe. Alles in allem wird das eine große Herausforderung für uns. Für uns wird wichtig sein, den Schwung aus den letzten beiden Siegen mitzunehmen und darauf aufzubauen. Bonn ist zu Hause der Favorit, ich erwarte aber grundsätzlich ein Spiel auf Augenhöhe, wo die Tagesform entscheidend sein wird.“

So eng wie oben – wenn nicht zum Teil noch enger – ist es auch im Mittelfeld, das zurzeit mit dem Siebten Unitas Haan, dem Achten OSC Rheinhausen und dem Neunten HC Gelpe/Strombach drei Klubs bietet, die über ein ausgeglichenes Konto verfügen (6:6). Die Sicherheit ist hier jedoch eher relativ übersichtlich, weil bis zum Vorletzten BTB Aachen (3:9) und zum Schlusslicht VfL Gummersbach II (3:11) auf den beiden festen Abstiegsplätzen nur drei Zähler als Polster da sind. Duelle mit Konkurrenten aus dem direkten Umfeld sind deshalb gerade doppelt und dreifach wichtig – wie das bevorstehende zwischen den Aachenern und Borussia Mönchengladbach (Elfter/4:8). Aachen hofft, dass es nach drei Partien ohne einen Sieg (1:5) mal wieder sein Heimrecht nutzen kann, während die Borussia definitiv nichts gegen den ersten Auswärts-Erfolg in der laufenden Serie einzuwenden hätte. Richtungsweisende Partien bestreiten zudem die HSG Refrath/Hand (Zwölfter/3:9) gegen den HC Gelpe/Strombach und der SSV Nümbrecht gegen den OSC Rheinhausen. Der mit drei Siegen und zwei Unentschieden gestartete Aufsteiger HSG am Hallo Essen (Vierter/8:4) muss bei Unitas Haan vor allen Dingen beweisen, wie er seine erste Niederlage und das 29:32 zuletzt in Gelpe/Strombach verkraftet hat.
VfL Gummersbach II – Unitas Haan 30:31 (17:18). Der Aufwärtstrend der Gummersbacher, die nach vier Auftakt-Niederlagen zuletzt ein 27:25 gegen Gelpe/Strombach und ein 30:30 in Aachen geholt hatten, ist zumindest fürs Erste wieder vorbei. Und Trainer Jan Schwenzfeier wurde hinterher das Gefühl nicht los, dass für seine sehr junge Mannschaft (diesmal ausschließlich aus A-Jugend-Spielern berstehend) an diesem Mittwochabend im Nachholspiel vom vierten Spieltag (11./12. Oktober) gegen wesentlich erfahrenere Haaner mehr drin gewesen wäre. „Alles in allem ist es natürlich bitter, dass wir uns am Ende nicht mit mindestens einem Punkt belohnen“, fand der VfL-Coach, „die letzte Aktion von Haan ist ein Durchbruch – in der absoluten Breite eigentlich gar keine gute Wurfsituation. Im Gegenzug schsffen wir es leider nicht mehr, auszugleichen. Es war aus meiner Sicht ein sehr intensives und sehr hartes Spiel.“ Der VfL hatte in der Endphase gerade das 27:30 (54.) durch das Tor von Julien Kübler (54.) und die beiden von Jakob Patzelt verwerteten Siebenmeter (57./60.) am Anfang der letzten Minute zum 30:30 ausgeglichen, als Thorben Richartz im Anschluss an eine Auszeit der Gäste zum 31:30 für Haan traf. Sechs Sekunden vor der Schluss-Sirene nahm dann Gummersbach ebenfalls seine letzte Auszeit, fand jedoch keinen Weg mehr für den Ausgleich. Ähnlich schmerzhaft für die Hausherren: Nach ihrer fünften Saison-Niederlage rutschten sie mit jetzt 3:11 Zählern vorläufig ans Ende der Tabelle – und die nächste Aufgabe am 6. Dezember gegen den Dritten TV Korschenbroich sieht erneut nicht gerade einfach aus. Haan, im dichten Mittelfeld auf Rang sieben (6:6) verbessert, macht bereits am kommenden Sonntag gegen den Vierten Essen weiter (8:4).

Der VfL erwischte mit dem 5:1 (5.) einen Blitzstart und hatte auch beim 11:7 (13.) noch alles unter Kontrolle. Nach dem 9:12 (16.) startete allerdings die Unitas einen eigenen 5:1-Lauf, übernahm mit dem 14:13 (22.) zum ersten Mal die Führung und verteidigte ihren Vorsprung übers 18:17 (29.) bis weit in die zweite Halbzeit hinein – 21:18 (35.), 24:21 (38.), 26:23 (41.), 26:25 (43.), 29:26 (49.). Dass sich Gummersbach im Anschluss an jenes 27:30 nicht aufgab und sich vielmehr in der extrem torarmen Schlussphase (bloß sechs Treffer in den letzten elfeinhalb Minuten) noch eine Chance auf was Zählbares erarbeiten konnte, nahm Trainer Schwenzfeier als Zeichen der Hoffnung für die nächsten Wochen mit: „Kompliment an meine Mannschaft. Am Ende sind es in der Summe Kleinigkeiten, die entscheiden und uns um die Punkte bringen. Der Kader war nicht optimal, aber über weite Strecken war das eine sehr gute und kämpferische Leistung in einem dreckigen Handballspiel.“
VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt – Shimizu (1), Kübler (2), Bohnenkamp (6), Rath (4), Paulsen, Haglund (4/1), Kiesewalter (2/2), Hartmann (2), Patzelt (2), Ulmerich (4), Riedel (3).
Unitas Haan: Seher, Joest – R. Korbmacher, Schulz, Mensger (6), Richartz (6), Wöstmann (4/3), Brandenburg (3), Maesch, Hinkelmann, Rath, Völker, Bleckmann (7), Schusdzarra, Austrup (5).