| 11. Dezember 2025 | Zurück zur Artikelübersicht » |

So gehts auch! Torhüter Benedikt Schüler und seine Aachener können jeden Punkt gut gebrauchen und sie hätten nun im Derby gegen Weiden erst recht nicht gegen was Zählbares einzuwenden. Ob einzelne Aktionen so im Lehrbuch stehen? Geschenkt. (Foto: Thomas Schmidt)
Dieses Spiel war nie ein gewöhnliches, es ist kein gewöhnliches und es wird nie ein gewöhnliches sein. Es spielt dabei auch keine große Rolle, ob einer weiter oben zu finden ist und der andere weiter unten – wie jetzt. Falls es nach dem bisherigen Verlauf der Saison ginge, wären die Punkte an diesem Samstagabend sonst schon fest verteilt. Schließlich liegt da der HC Weiden als Vierter mit seinen 12:6 Punkten in einer Gruppe von Verfolgern des Spitzenreiters TV Korschenbroich (13:3), während der BTB Aachen als Vorletzter bei 4:12 Zählern zurzeit einen Kellerplatz einnimmt und dringendst nach einem Weg ans rettende Ufer sucht. Jetzt aber ist Derbyzeit und die Aachener erwarten die Weidener in der Halle Gillesbachtal – wo sie bisher alle ihre vier Punkte einfahren und am zweiten Spieltag selbst dem Spitzenreiter Korschenbroich bis weit in die Schlussphase hinein auf die Füße treten konnten. HC-Trainer Marc Schlingensief weiß ebenfalls sehr genau, dass es eine der verkehrtesten Ideen wäre, die Aachener an ihrer aktuellen Position zu messen. „Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein und genau das macht die Aufgabe in meinen Augen schwieriger“, findet Schlingensief, „ohnehin zählen im Derby zwangsläufig keine Saisonverläufe. Wenn man die Ergebnisse von BTB sieht, erkennt man klar, dass sie oft auf Augenhöhe agieren und Kleinigkeiten am Ende entschieden haben. Ich sehe beim BTB viel Qualität. Ihre Abwehr stellen sie beispielsweise sehr gut gestaffelt und sie haben dann noch mit Bene Schüler einen sicheren Rückhalt im Tor. Im Angriff haben sie auch einige individuelle Qualität, mit der sie punkten können.“ Der HC-Coach ist wie alle Weidener heiß auf die Partie: „Fakt ist, das Momentum ist auf unserer Seite. Das wollen wir für unsere eigenen Ziele nutzen. Im engen Gilles wird natürlich auch entscheidend sein, wer seine Emotionen gewinnbringender einsetzen kann. Auch in meinem zehnten Derby als Cheftrainer freue ich mich auf eine einzigartige Atmosphäre, die nur Derbys hergeben.“

Besonders den letzten Punkt würde Kollege Breuer für den BTB ohne jedes Zögern unterschreiben: „Das ist natürlich grundsätzlich das Spiel, wo in der Saison die Halle brechend voll ist, wo die Stimmung das ganze Spiel über von zwei Seiten kommt. Das ist eine laute und allgemein schöne Atmosphäre, deswegen freuen wir uns drauf.“ Die eigene Lage, die sich die Aachener sehr viel besser erhofft hatten, kann Breuer allerdings bei allem Derby-Reiz nicht völlig ignorieren. „Wir sind schlecht gestartet und wir haben bisher wenig Punkte“, stellt Breuer fest, „deswegen ist es im Endeffekt egal, wer da am Wochenende kommt. Wir versuchen, unser Bestmögliches rauszuholen gegen eine Mannschaft, die zu den Top-Teams der Liga gehört, letztes Jahr Dritter geworden ist und aktuell Vierter ist. Sie hat lediglich drei Spiele bei den drei Mannschaften davor verloren. Von daher ist die Favoritenfrage sehr eindeutig. Es ist immer auch eine Chance, so ein Spiel als Außenseiter zu gestalten, aber es wird unglaublich schwer, Punkte zu holen. Es kann sein, dass es selbst mit einer guten Leistung nicht dafür reicht – weil der Gegner mit dafür verantwortlich ist. Wir versuchen, die Chance bestmöglich zu nutzen, wenn sie sich uns bietet.“ Dass der Kader komplett aussieht, aber nicht alle Spieler hundertprozentig fit sind, macht die Aufgabe nicht einfacher und fordert den BTB zusätzlich heraus: „Seit Saisonbeginn sind zwei, drei wichtige Spieler dauerhaft angeschlagen oder fehlen immer wieder, in dem Fall Milan Monteiro Pai und Tim Schnalle. Sie sind gerade erst wieder ins Training eingestiegen oder weiter angeschlagen, sodass uns da ein bisschen Power fehlt. Das müssen wir über Geschlossenheit ausgleichen.“ Fast logisch: Monteiro Pai und Schnalle werden trotzdem dabei sein, falls es irgendwie möglich ist.
Der TV Korschenbroich hat ganz vorne die Chance, den ersten Platz zunächst fürs Jahr 2025 über die Ziellinie zu bringen. Dabei sind allerdings die beiden restlichen Aufgaben am Samstag gegen den Zehnten SSV Nümbrecht (7:9) und am 21. Dezember beim Fünften HSG am Hallo Essen (10:6) nicht im Vorbeigehen zu bewältigen. Nümbrecht etwa überraschte zuletzt den TV Aldekerk (Achter/7:9) in dessen eigener Halle mit einem 31:30 und sorgte dafür, dass der TVA seinen Blick fürs Erste sogar nach unten richten muss. Was das für die Aufgabe der Aldekerker beim Zweiten TSV Bonn rrh. (12:4) bedeutet, steht für Trainer Tim Gentges glasklar fest: „Das war schwer zu verdauen am Wochenende und es sind deutliche Worte gefallen. Ich habe eine Reaktion der Mannschaft gefordert und wenn ich mir die Trainingseinheiten ansehe, die wir bis jetzt hatten, hat die Mannschaft schon eine Reaktion gezeigt. In Bonn geht es mir einzig und allein darum. Die Mannschaft hat alles, was sie braucht, um sich zu belohnen und etwas Zählbares aus Bonn mitzunehmen, aber das ist erst mal zweitrangig. Für mich zählt am Samstag die Reaktion. Alles andere kommt dann von ganz alleine.“ Dass die TSV, in dieser Saison bisher zu Hause ungeschlagen, erstens damit rechnet und zweitens konsequent eigene Interessen verfolgt, um Verfolger Nummer eins des TVK zu bleiben, dürfte Gentges gleichzeitig nicht überraschen. Was für Bonn spricht: Das Team von Trainer Florian Benninghoff-Lühl erzielte bisher in acht Partien einen Durchschnitt von 33,75 Toren – was der zweitbeste Wert hinter dem OSC Rheinhausen ist (34,75). Was für Aldekerk spricht: Die 28,75 Gegentreffer pro Spiel (insgesamt 230) sind der viertbeste Wert der Klasse.

Bereits fertig mit seinem Programm für dieses Jahr ist der TSV Bayer Dormagen II (12:6), der Rang drei über das Torverhältnis (plus 27) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behalten wird – es sei denn, die Essener (plus 8) gewinnen erstens beim Schlusslicht VfL Gummerbach II (3:13) und zweitens mit fast 20 Treffern Unterschied. Geschenke darf die HSG am Hallo allerdings im Oberbergischen keine erwarten, zumal das Team von VfL-Trainer Jan Schwenzfeier durch einen Erfolg eventuell den letzten Platz abgeben könnte – falls der BTB Aachen gegen Weiden nicht gewinnt. Ähnlich drückende Sorgen hat der OSC Rheinhausen zwar nicht mal ansatzweise, weil er auf dem sechsten Platz wie der Siebte Unitas Haan über ein ausgeglichenes Konto verfügt (beide 8:8), aber gegen noch mehr Sicherheit hätte die Mannschaft des Trainergespanns Sascha Wistuba/Nico Biermann wenig einzwenden. Im Endspurt für 2025 bekommt es der OSC dabei sowohl am Samstag beim HC Gelpe/Strombach (Elfter/6:10) als auch am 20. Dezember gegen die Aachener mit zwei gefährdeten und deshalb doppelt gefährlichen Kontrahenten zu tun. Für die HSG Refrath/Hand (Neunter/7:9) wird sich bei den Haanern zeigen, ob sie nach dem 27:26 gegen den Gelpe/Strombach und dem jüngsten 27:23 gegen Aachen ihren Weg ins zumindest halbwegs sichere Mittelfeld fortsetzen kann.