3. Liga
Wo Ratingen sogar besser ist als Longerich
Interaktiv erwartet den LSC und ist Außenseiter, kassiert bisher aber ein Gegentor weniger pro Partie. TuS 82 Opladen trifft auf Spitzenreiter HG Saarlouis, Panther müssen zum Zweiten HSG Nieder-Roden.

Objekt der Begierde: Heiß auf das Spielgerät werden im Duell zwischen Interaktiv und dem LSC nicht nur die Ratinger sein (Nummer 27 Tomislav Nuic, 34 Alexander Poschacher), sondern auch die Longericher (links Nico Pszora, rechts Malte Nolting). Wer sich am Ende in der Halle Gothaer Straße zwei vorweihnachtliche Punkte sichern kann, ist aber ziemlich offen. (Foto: Thomas Schmidt)

Beide haben vorgearbeitet und damit ihr Ziel irgendwie erreicht. Der Aufsteiger Interaktiv.Handball und der Longericher SC gehen vorzeitig in die Pause über Weihnachten und Neujahr, die damit für sie länger dauert – während die meisten anderen Drittligisten noch am 19. oder 20. Dezember auf der Platte stehen. Noch was haben die beiden gemeinsam: Sportlich besonders erfolgreich war die Aktion „Früher Ferien“ unter dem Strich nicht. Während die Ratinger (Zehnter/12:18), die als einziges Ziel den Klassenerhalt anpeilen, von ihrer Dienstreise nach Hessen zur TSG Münster (Vierter/19:9 Punkte) am vergangenen Samstag mit einem 30:33 heimkehrten, erwischte es die bis dahin auf Rang vier geführten Kölner (Sechster/18:10) mit einem 35:37 ausgerechnet in eigener Halle, ausgerechnet nach einer Serie von zuvor acht Spielen hintereinander ohne Niederlage und ausgerechnet gegen das eher um den Klassenerhalt kämpfende HLZ Friesenheim-Hochdorf II (Zwölfter/11:17). Ob sich alleine daraus die Möglichkeit für was Zählbares ergibt, wird sich zeigen müssen, aber für Interaktiv-Trainer Filip Lazarov ist die Lage offensichtlich nicht aussichtslos: „Das ist ein Gegner, der Respekt verdient, aber in dieser Saison auch gezeigt hat, dass er verwundbar ist – und hier sehen wir unsere Chance. Wir glauben, dass wir jeden Gegner in dieser Liga schlagen können, besonders auf heimischem Boden. Wir sind bereit, unser Bestes zu geben.“ In der Einschätzung über den LSC ist vermutlich auch dessen 29:38 vom 20. September gegen Münster enthalten.

Das mit der Wertschätzung des jeweils anderen beruht im Übrigen auf Gegenseitigkeit. „Da freuen wir uns extrem drauf, weil auf jeden Fall Würze drin ist“, meint Longerichs Trainer Chris Stark, „Interaktiv ist eine Mannschaft aus dem Mittelfeld und trotzdem super gefährlich. Es kommt darauf an, eine Top-Leistung abzurufen. Wir wollen das Handballjahr des LSC unbedingt mit einem positiven Ergebnis abschließen.“ In der Vorbereitung haben die Kölner gezielt jene Schwachstelle bearbeitet, die nach Starks Ansicht der Hauptgrund für die Pleite gegen Friesenheim war: „Wir haben es hinten ein bisschen verkaspert und da liegt diese Woche im Training der Hauptansatz, dass wir da einen Schritt nach vorne machen.“ Ein Blick in die Statistik zeigt sogar, dass Interaktiv defensiv überraschend einen Vorteil gegenüber Longerich hat: Die 431 Gegentore aus 15 Spielen führen zu einem Durchschnitt von 28,72 pro Partie, die 414 des LSC aus 14 Spielen bedeuten 29,57 pro Begegnung. Auf der anderen Seite geht Starks Team selbst ohne den seit einigen Wochen verletzten Lukas Martin Schulz (Schulter) vorne mit deutlichen Vorteilen an den Start: Hier treffen 32,28 Tore pro Spiel (insgesamt 452) auf 26,86.

Ebenfalls am vergangenen Wochenende aktiv war der TuS 82 Opladen – allerdings mit dem vom 30. Spieltag (8./9. Mai 2026) vorgezogenen Spiel gegen den Tabellenführer HG Saarlouis. Was in den Trend aus Ratingen und Köln passte: Die Opladener, denen die Bielerthalle 2026 wegen der im April beginnenden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten ab dem Frühjahr vorerst nicht zur Verfügung steht, waren dabei letztlich chancenlos und sie zogen trotz einer 12:10-Führung aus der ersten Halbzeit mit 20:27 den Kürzeren. Im letzten Heimspiel für 2025 könnten die Aussichten auf einen Sieg für den TuS 82 gegen die gefährdete MT Melsungen II (13./8:18) wieder größer sein, während sie sich zum Jahres- und Hinrunden-Abschluss am 20. Dezember in Saarlouis realistisch eher im unteren Prozentbereich bewegen dürften – zumal der Spitzenreiter zu Hause als einzige Mannschaft der 3. Liga Süd-West bislang keinen einzigen Zähler abgegeben hat (12:0). Erst einen Minuspunkt in eigener Halle (13:1) musste der Tabellenzweite HSG Rodgau Nieder-Roden hinnehmen (31:31 am 27. September gegen Longerich) und seine insgesamt 21:5 Punkte bedeuten vor allem, dass jetzt auf die Bergischen Panther (Elfter/11:15) im hessischen Landkreis Offenbach eine ganze Menge Arbeit zukommt.