Regionalliga Nordrhein
Der Jäger und der Gejagte: Nur Weiden kann Korschenbroich folgen
HCW bleibt mit 36:31 gegen Haan dran am TVK, der in Essen ein 31:31 rettet. Refrath überrascht Dormagen II mit 33:31, Bonn stolpert beim 28:31 in Nümbrecht. Aachen bleibt Letzter.

So nämlich! Die Weidener und ihr Trainer Marc Schlingensief gehen als Verfolger Nummer eins des Tabellenführers TV Korschenbroich ins Jahr 2026. Zum direkten Duell der beiden derzeitigen Top-Teams in der Regionalliga kommt es am 21. Februar 2026 in Weiden – knapp eine Woche nach der Meisterschaftspause über Karneval und dem Rosenmontag am 16. Februar. (Foto: Thomas Schmidt)

HC Weiden – Unitas Haan 36:31 (14:14). Es bleibt dabei, dass die Weidener erstens im bisherigen Verlauf der Hinrunde nur drei Spiele gegen Konkurrenz aus dem näheren Umfeld verloren haben – 23:30 beim Spitzenreiter TV Korschenbroich (16:4), 27:36 beim Dritten TSV Bayer Dormagen II (12:8), 36:40 beim Fünften TSV Bonn rrh. (12:8). Alle acht Spiele gegen Mannschaften, die aktuell auf Rang sechs oder dahinter liegen, konnte das Team von Trainer Marc Schlingensief demgegenüber für sich entscheiden – wie jetzt das letzte Heimspiel des Jahres gegen die Haaner. Für die Fortsetzung dieser Serie musste Weiden allerdings noch einmal sehr viel investieren, denn die Unitas erwies sich nach zuletzt 8:2 Punkten aus fünf Spielen als starker Widersacher – der bis in die Schlussphase hinein selbst für was Zählbares in Frage kam. Gut sechs Minuten vor dem Ende war nach dem Ausgleich der Unitas zum 28:28 (54.) plötzlich wieder völlig offen, in welche Richtung sich die Partie entwickeln würde. Dass schließlich der HC das Happy End schaffte, sorgte bei Schlingensief und allen Weidenern für eine Mischung aus Erleichterung und Stolz: „Haan war der erwartet starke Gegner. Beim 28:25 verlieren wir kurzzeitig den Faden und die Partie war danach wieder ausgeglichen. Aber zum wiederholten Male in der Saison haben die Jungs einen kühlen Kopf bewahrt. Als Haan hinten aufmacht, konnten wir das Spiel etwas höher gewinnen, als der Spielverlauf es hergab. Wir können jetzt mit einem richtig guten Gefühl in die Weihnachtspause gehen und ausreichend regenerieren Wir freuen uns auf die Aufgaben im neuen Jahr.“ Während Weiden dann unverändert als Zweiter (16:6) weitermacht, setzt Haan die Hinrunde im Jahr 2026 als Achter mit einem ausgeglichenen Konto (10:10) fort.

In der ersten Halbzeit mit wechselnden Führungen konnte sich keins der beiden Teams absetzen – 1:0 (4.), 6:7 (13.), 10:9 (19.), 13:13 (28.), 14:14 (30.). Nachher schien sich der HC übers 18:15 (35.) oder 21:18 (38.) brauchbare Vorteile verschafft zu haben, doch Haan fand hier mit dem 21:21 (41.) ebenso eine passende Antwort wie etwas später nach dem 24:27 (51.) und 25:28 (51.) mit dem 28:28-Ausgleich (54.) von Thorben Richartz. Weil Weidens Jonas Scheidtweiler gleichzeitig noch eine Zeitstrafe kassierte, nahm Schlingensief angesichts der drohenden Gefahr, wieder in Rückstand zu geraten, sofort eine Auszeit, um die Dinge neu zu sortieren. Keine zwei Minuten darauf war der HC dann die gröbsten Sorgen wieder los, weil nun Haans Philipp Hinkelmann ebenfalls für 120 Sekunden runter musste (55.) und Sven Xhonneux sowie Jan Stolzenberg das 29:28 (55.) und 30:28 (56.) vorlegten. Wenig später sorgten erneut Stolzenberg mit dem 32:29 (58.) und Joshua Frauenrath mit dem 33:29 (59.) für die Entscheidung. „Ein Sonderlob geht heute an Sven Xhonneux, der in der Abwehr sowieso immer alles reinhaut, aber auch im Angriff zur alten Stärke zurückfindet“, fand Weidens Trainer“, ansonsten war es wieder so, dass das Kollektiv zu glänzen wusste.“ Rückraumspieler Xhonneux und Rechtsaußen Joshua Frauenrath waren mit jeweils acht Treffern auf jeden Fall in der Summe eine starke rechte Seite. 

HC Weiden: Keller, Riechmann – T. Meurer (2). J. Frauenrath (8/2), Scheidtweiler (1), Wolff (2), Xhonneux (8/1), Rojko (1), Göbbels, Bösel (2), K. Fauenrath (3), Richter, Bergerhausen, S. Meurer, Stolzenberg (6), Eissa (3).

Unitas Haan: Seher, Joest – Schulz (4), Mensger, Richartz (1), Wöstmann (3/1), Brandenburg (2), Maesch (3), Hinkelmann (4), Rath (3), Völker (3), Bleckmann (7/1), Austrup (1).

 

OSC Rheinhausen – BTB Aachen 32:23 (17:9). Ein Muster haben inzwischen beide produziert – obwohl sie rein sportlich gerade in verschiedenen Welten unterwegs sind. Gastgeber Rheinhausen, der klare Gewinner in dieser bereits zur Pause fast entschiedenen Partie, hat jetzt alle Duelle mit Kontrahenten aus der unteren Tabellenhälfte gewonnen (vorher 32:30 gegen die HSG Refrath/Hand, 37:28 bei Borussia Mönchengladbach, 41:31 beim SSV Nümbrecht, 34:29 beim HC Gelpe/Strombach) und sich selbst deshalb als Vierter mit 12:8 Punkten in der oberen Hälfte festgesetzt. Klar: Rheinhausens Trainergespann Sascha Wistuba/Nico Biermann war sowohl mit der aktuellen Leistung als auch mit der Entwicklung zufrieden: „Nico und ich sind sehr stolz auf das Team. Unsere Jungs haben zum Jahresabschluss noch einmal gezeigt, wozu sie im Stande sind. Aachen hält das Spiel die ersten 15 Minuten noch offen, aber ab dann dominieren wir, stellen eine starke Abwehr, einen gut aufgelegten Torwart und fahren einen völlig verdienten Sieg ein.“ Die Aachener auf der anderen Seite kommen zurzeit kaum über gute Ansätze hinaus und deshalb auf keinen grünen Zweig: Das Team von Trainer Simon Breuer konnte keins der vergangenen sieben Spiele für sich entscheiden (zwei Unentschieden, fünf Niederlagen) und mit dem 25:22 vor mehr als zwei Monaten gegen Unitas Haan überhaupt erst einen Erfolg auf sein Konto überweisen – das für den Tabellenletzten am Ende des Jahres 2025 bei 4:16 Zählern entsprechend im Minus steht. 

Der BTB ging in der ausgeglichenen ersten Viertelstunde sogar drei Mal in Führung – 1:0 (1.) durch Oscar Panse, 2:1 (3.) durch Maximilian Büchel, 7:6 (15.) durch Noah Wudtke. Bis zum 8:8 (17.) sah anschließend weiter viel nach einem ausgeglichenen Duell aus, ehe Rheinhausen mit einem 5:0-Lauf zum 13:8 (25.) die ersten Weichen stellte und sein Polster nach dem 13:9 (26.) über eine 4:0-Serie bis zum 17:9 (30.) ausbaute. Später waren die Gäste beim 15:21 (46.) noch einmal bis auf sechs Treffer dran, ehe sie gegen Ende wenigstens die drohende Niederlage im zweistelligen Bereich verhinderten – 15:24 (48.), 18:28 (53.), 19:29 (54.), 21:30 (55.), 23:32 (58.). Glücklich ist nun mit der Situation in Aachen nachvollziehbar niemand, doch nach der Pause über Weihnachten/Neujahr wollen sich Trainer Simon Breuer und seine Mannschaft mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Trend stemmen: „Wir sind gut reingekommen mit dem 8:8. Ab da haben wir den einen oder anderen technischen Fehler gemacht und zu schnell abgeschlossen – und haben sehr schnell ein paar Tore kassiert. Dann läuft es so, wie es läuft, wenn es nicht läuft. Wir sind bis zur Pause hoch in Rückstand geraten und nach einem 1:9-Lauf war das Spiel nur  noch sehr schwierig zu drehen. Wir müssen schauen, dass wir jetzt zur Ruhe kommen und im nächsten Jahr wieder aufstehen. Da liegen schwierige Aufgaben für den Rest der Saison vor uns. Jetzt ist Pause und darüber sind wir ganz froh in der aktuellen Lage. Wir versuchen, ab Januar neu anzugreifen.“

OSC Rheinhausen: Lenz, Seemnn – Adrian (1), Flach (3), Mook, Ernst (1), Kauwetter (2), Dreier (2), Zwarg (3), Hüller (9/1), M. Molsner (5), Käsler (1), Kölsch, Schlögl (5).

BTB Aachen: Zaghloul, Schüler – Monteiro Pai (2), Jacobs (7/3), Wudtke (2), Büchel (2), Käsgen, Klinkenberg (1), Wagner (3), Schmitz, Herzog (2), Denert, Schnalle (2), Panse (1), Tölke (1).

 

TV Aldekerk – HC Gelpe/Strombach 32:28 (18:14). Vor knapp zwei Wochen war die Welt beim Drittliga-Absteiger Aldekerk nicht mehr ganz in Ordnung, nachdem die Mannschaft von Trainer Tim Gentges als Endpunkt einer Serie von vier Spielen ohne Sieg höchst selbstverschuldet mit 30:31 gegen den Aufsteiger SSV Nümbrecht verloren hatte. Mittlerweile sieht Gentges darin aber erstens einen rechtzeitigen Weckruf und zweitens den durchaus wesentlichen Teil eines Entwicklungsprozesses der im Umbau befindlichen Mannschaft mit vielen jungen Leuten. Nach dem 34:32 zuletzt beim damaligen Zweiten TSV Bonn rrh. gabs nun gegen die auf Platz elf abgerutschten Gäste aus dem Oberbergischen (6:14/fünfte Niederlage in Folge) den zweiten Sieg hintereinander, sodass sich der TVA mit dem wieder positiven Konto von 11:9 Punkten nach dem letzten Einsatz für 2025 auch auf den sechsten Platz vorarbeiten konnte. Gentges zeigte sich mehr als nur einfach zufrieden: „So stelle ich mir einen Jahres-Abschluss vor. Wir konnten genau an das anknüpfen, was wir in Bonn geleistet haben. Natürlich waren da ein, zwei Phasen, wo wir ein bisschen den Faden verloren haben. Da hat sich meine Mannschaft aber hervorragend selber wieder rausgezogen und da muss ich noch mal ein Riesenkompliment an die Truppe setzen. Wir mussten wieder auf diverse Stammspieler verzichten. Aber da haben sich heute andere Fenster aufgetan. Das zeigt wieder, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben auf alles eine Antwort gefunden, die Abwehr war gut, der Torwart war gut, der Angriff war clever.“ 

Bis zum 2:3 (4.) gerieten die ohne die Stammkräfte Fabian Küsters, Niels Poot und Oliver Perey angetretenen Hausherren jeweils ins Hintertreffen, ehe sie mit dem 5:4 (8.) zum ersten Mal die Führung übernahmen. Mit dem 11:6 (14.), 14:8 (19.) oder 18:12 (28.) lag der TVA jeweils klar vorne, doch der HC kam im zweiten Durchgang noch einmal zurück, indem er vom 14:19 (31.) auf 18:19 (37.) verkürzte und wieder eine echte Gefahr für die Hausherren zu sein schien. Sechseinhalb Minuten und einen 5:1-Lauf später zum 24:19 (44.) hatten die Aldekerker jedoch ihre Sicherheit zurück und sie gerieten auch nicht mehr stärker in Gefahr, nachdem Gelpe/Strombach auf 22:25 (47.) oder 27:29 (58.) herangekommen war. Nic Kirschbaum erzielte das 30:27 (58.), bevor Maximilian Tobae (59.) und Tim Könnes (60.) mit dem 31:28 (59.) und 32:28 (60.) als Anwort aufs 28:30 (58.) der Gäste durch Arvid Pötz  letzte Zweifel am Aldekerker Erfolg beseitigten. „Es macht mich unglaublich stolz, wie die gesamte Mannschaft heute wieder agiert hat“, stellte Gentges fest. Ein Sonderlob hatte er ebenfalls auf Lager – für die beiden A-Jugendlichen Lennard Pasch (17), der sein Debüt in der ersten Mannschaft gab, und Luis Niederholz (18). Erfolgreichster Werfer war allerdings in Thomas Plhak (35) der erfahrenste Spieler – der zwölf Tore erzielte und auf dem Weg dorthin alle neun Aldekerker Siebenmeter verwandelte.

TV Aldekerk: Schoemackers, Keutmann – Pasch, Grützner (1), Kirschbaum (1), Brockmann (1), Plhak (12/9), Hahn (1), Könnes (5), Tobae (6), Kahl (4), Niederholz (1), Thelen, Gangelhoff.

HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger, Makowiecki, Maier (9/2), Altjohann, Pötz (5), Viebahn (3), Heinzerling (5), Meinhardt (6), Walch, Rostalski, Schimanski.

 

HSG Refrath/Hand – TSV Bayer Dormagen II 33:31 (14:17). Für die Refrather war es an diesem vierten Advent ein perfektes vorweihnachtliches Geschenk – und die Mannschaft von Trainer Kelvin Tacke genoss den sicher nicht zu erwartenden Triumph am Ende auch in vollen Zügen. Dormagen, nach dem 28:27 zuletzt über den Spitzenreiter TV Korschenbroich und dem folgenden 36:28 bei der HSG am Hallo Essen als Dritter der klare Favorit, versäumte es in erster Linie vor der Pause, für noch klarere Verhältnisse zu sorgen – als die Refrather die frühe Rote Karte (13.) gegen Michel Geerkens und knapp zehn Minuten später jene gegen Cosmin Capota zu verkraften hatten (23./dazu zeigten die Unparteiischen im Nachgang noch die Blaue Karte, sodass auf jeden Fall eine Sperre folgen wird). Nachher steigerten sich die Hausherren fast in einen Rausch, dem die Dormagener grundsätzlich vor allem ihre ausgeprägt hohen Zweikampf-Qualitäten entgegenzusetzen hatten – was unter dem Strich etwas zu wenig war. Am Ende entschied die ebenfalls um viel Tempo bemühte HSG das Duell, das bis kurz vor dem Ende jeden Sieger hätte finden können, über die Leidenschaft für sich – und nicht zuletzt dank des überragenden Linkshänders Lukas Dibowski, der als letzte Stationen auf dem Weg zu zwölf Treffern wie auf Knopfdruck das 27:26 (47.), 28:27 (48.), 30:28 (52.), 32:29 (56.) und 48 Sekunden vor Schluss das entscheidende 33:31 (60.) produzierte. Während sich die Refrather als Neunter auf 9:11 Zähler steigerten und ihre allgemeine Lage im Kampf um den Klassenerhalt deutlich verbesserten, war die Niederlage fürs junge Dormagener Team ein Rückschlag beim Versuch, einen der Plätze ganz vorne zu behaupten. Auf Ranng drei hat die Mannschaft von Trainer Peer Pütz mit 12:8 Punkten jedenfalls vorerst den direkten Kontakt zu den Korschenbroichern (16:4) und dem HC Weiden (16:6) verloren. 

Beim 8:6 (14.) lagen die Hausherren noch vorne, ehe sie vier Gegentreffer in Folge einstecken und ab dem 8:10 (19.) zunächst hinterherlaufen mussten – 11:15 (25.), 13:17 (29.). Die drei Tore Rückstand mit dem 14:17 (30.) am Ende der ersten Halbzeit war dann wohl fast das Beste für die HSG, die somit weiter in Reichweite lag – und den zweiten Durchgang schnell zum 18:18 (35.) nutzte. Selbst durch die nächsten Führungen des TSV Bayer mit dem 22:20 (40.) und 23:21 (42.) ließ sich die Mannschaft von Trainer Kelvin Tacke nun nicht mehr aus der Bahn werfen – und fast war das Gegenteil der Fall. Was wohl niemand ahnte: Das 22:23 (42.) blieb sogar der letzte Rückstand der Hausherren in dieser auf ein furioses Finale zusteuernden Partie, in der beide Seiten ausreichend Möglichkeiten (Fehler) zu einem Sieg für den jeweils anderen boten. Dass den Gastgebern dabei das Happy End gelang, war insgesamt mit diesem Lukas Dibowski sicher nicht ungerecht – und für Tacke der Anlass, seine Spieler allgemein in den höchsten Tönen zu loben: „Wir sind alle total happy und wir haben das Spiel am Ende verdient gezogen. In der ersten Halbzeit waren wir chancenlos, in der zweiten haben wir die Abwehr umgestellt und sind Schritt für Schritt rangekommen. Der Knackpunkt zu unseren Gunsten war in der 52. Minute, als wir mit 30:28 in Führung gehen, das auch halten und über die Ziellinie bringen. Heute haben wir den Bock umgestoßen. Wir haben es über einen maximalen Willen und eine richtig gute Teamleistung geschafft, das Spiel an uns zu reißen. Da war alles drin, was die Entwicklung der Mannschaft ausmacht.“

HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer – Neukirch, Branding (2), Willers (3), Schallenberg (1), Faust (3), Geerkens, Georgi, Bürger (4), Speckmann, Noll (8/4), Merz, Baur, Dibowski (12), Capota.

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (3), Srugies (3), Hinrichs, Kasper, Emmerich (1), Döpner, Ostrowski (1), Bahns (3), Scholl (3), Leitz (8), Hein, Adam (9/6), Schindler, Kriescher.

 

HSG am Hallo Essen – TV Korschenbroich 31:31 (14:16). Vielleicht war dieses Unentschieden sogar das passende Ergebnis am Ende eines ereignisreichen Handball-Sonntags mit wechselnden Führungen sowie entsprechenden Hochs und Tiefs auf beiden Seiten. Essen, das zuletzt mit einem 32:33 beim im Keller feststeckenden VfL Gummersbach II komplett ausgerutscht war, konnte den Auftritt als eine Art Wiedergutmachung sehen – und die Mannschaft von Trainer Niklas Rolf trat tatsächlich den Beweis an, dass sie als der beste der drei Aufsteiger mit Recht einen Platz im vorderen Drittel für sich beanspruchen kann. Ärgernd mussten sich die Essener allerdings darüber, dass sie fünf Minuten vor dem Ende nach dem 31:29 (56.) von Tim Schupe ausgerechnet in der entscheidenden Phase des Duells für fast fünf Minuten gar keinen Treffer mehr erzielten, während auf der anderen Seite Korschenbroichs Ben Büscher sowohl den 30:31-Anschluss (57.) als auch den 31:31-Ausgleich erzielte (58.), der dreieinhalb Minuten vor der Schluss-Sirene bereits der Endstand war. „Wenn man sich am Ende des Tages den Spielverlauf anschaut, ist es auf jeden Fall ein verlorener Punkt“, meinte HSG-Coach Rolf, „aber gegen den Tabellenführer einen Punkt zu holen, darüber kann man sich eigentlich nie beschweren, Und ich bin stolz auf die Mannschaft, weil sie eine sehr gute Reaktion gezeigt hat. Wahrscheinlich ist es trotz allem ein faires Unentschieden.“ Beide Seiten versuchten im Übrigen in einer Auszeit jeweils in der letzten Minute noch, ein Mittel fürs Happy End zu entdecken – was dem TVK nicht und schon gar nicht der HSG gelang, weil hier offiziell nur noch zwei Sekunden auf der Uhr standen. Der Schaden hielt sich später für die Korschenbroicher im Übrigen trotzdem in Grenzen, weil sie mit nun 16:4 Zählern als Spitzenreiter vor den HC Weiden (16:6) als momentan einzigem verbliebenen Verfolger in die Pause über Weihnachten/Neujahr gehen. Die HSG am Hallo macht 2026 von Rang sieben aus weiter – wie der Sechste TV Aldekerk ausgestattet mit 11:9 Punkten. 

Der Spitzenreiter steckte das 3:5 (12.) relativ unbeeindruckt weg und drehte den Spieß übers 7:7 (16.) zu seinen Gunsten um – 10:7 (19.). Essens schnelle Antwort bestand im 10:10 (22.), ehe sich Korschenbroich mit dem 14:11 (27.) erneut Vorteile erarbeitete und am Ende der ersten Halbzeit ein 16:14 (30.) auf der Anzeigetafel sah sowie kurz darauf eine 17:14-Führung (31.). Mit dem 23:22 (43.) von Max Zimmermann lag Korschenbroich dann zum letzten Mal vorne und Essen schien sich durch eine 5:0-Serie beim 27:23 (49.) in seiner besten Phase endgültig auf den Weg zu einem Heimsieg gemacht zu haben. Noch beim 29:25 (52.) sprach alles für die Hausherren und bei jenem 31:29 immerhin einiges – und gleichzeitig wenig für Korschenbroich. Bester Werfer des Abends war für den TVK zwar Max Zimmermann (zehn Tore), doch in der Summe ein paar Prozent mehr Gewicht hatten am Ende die beiden letzten Büscher-Treffer. TVK-Coach Berblinger fand zwar, dass mit einer besseren Wurfquote (unter anderem drei Siebenmeter nicht genutzt) wohl mehr drin gewesen wäre, wusste jedoch das Unentschieden ebenfalls zu schätzen: „Wir können vom Verlauf her mit dem Unentschieden sehr gut leben. Am Anfang der zweiten Halbzeit waren wir in der Deckung ein bisschen zu passiv und im Angriff haben wir ein bisschen zu überhastet agiert – und dann haben wir immer mit drei, vier Toren hinten gelegen. Aber wir kämpfen uns wieder heran und 30 Sekunden vor Schluss haben wir den Ball – und können noch einen Angriff machen, aber der Wurf aus dem Rückraum geht an den Pfosten. Essen hat auch alles rausgehauen – und es war ein gutes Spiel. Wir haben von einem richtig guten Gegner einen Punkt mitgenommen.“

HSG am Hallo Essen: Stecken, Christmann – Sinkovec, Blum (9/2), Enders (3), K. Bekston, Basholli (2), Neitsch (3), Szczesny (7/1), Ellwanger, Lange, Ciupinski (4), Genkel, A. Bekston (1), Schupe (2).

TV Korschenbroich: Bartmann – Schiffmann, Krantzen (4), Schneider, Hartz (4), Brinkhues, Wolf (1), König, Zimmermann (10/1), Büscher (7/1), Franz (2), Bitzel (3).

 

SSV Nümbrecht – TSV Bonn rrh. 31:28 (14:11). Den Abschluss des Jahres 2025 hatten sich die Bonner ganz anders vorgestellt. Nach dem 32:34 vor einer Woche gegen den TV Aldekerk wäre im Oberbergischen aus ihrer Sicht ein Sieg das richtige Mittel gewesen, um die Enttäuschung zu verarbeiten, aber die TSV ging zum zweiten Mal hintereinander als Verlierer von der Platte und sie bildet nun auf Rang fünf gemeinsam mit dem Dritten TSV Bayer Dormagen II und dem Vierten OSC Rheinhausen (alle 12:8 Punkte) ein Trio, das den direkten Kontakt zum Ersten TV Korschenbroich (16:4) und zum Zweiten HC Weiden (16:6) etwas verloren hat. Für Bonns Trainer Florian Benninghoff-Lühl stand ganz klar fest, wo die beiden Ursachen fürs unbefriedigende Ergebnis lagen – eine auf Nümbrechter Seite und eine im eigenen Verantwortungsbereich: „Wir haben unseren Meister im Nümbrechter Torhüter gefunden über die gesamte Partie. Vor  allem von Rechtsaußen hatten wir zwölf bis 15 Würfe und konnten nicht mal die Hälfte in Tore ummünzen. Dabei waren es alles aussichtsreiche Winkel, das hat uns den Punkt oder den Sieg gekostet.“ Für was Zählbares kamen die Bonner jedenfalls in der ersten Halbzeit gar nicht in Frage und nachher verpassten sie ebenfalls die Wende, die im letzten Viertel bis zwei Minuten vor dem Ende wohl möglich gewesen wäre. Dass sie den Sieg ins Ziel retteten, sorgte bei den Nümbrechtern auf der anderen Seite für Erleichterung – und der Aufsteiger kann nun mit 9:11 Zählern als Zehnter ruhiger ins neue Jahr 2026 starten: Der VfL Gummersbach II (13./5:13) und der BTB Aachen (14./4:16) liegen nun ein Stück weiter weg.

Bis zum 3:2 (5.) durch Franz Krohn schien die Welt für die Gäste in Ordnung zu sein, ehe sie nach dem 6:7 (13.) immer stärker unter Druck gerieten – 7:11 (20.), 8:13 (27.). Über die drei Tore Rückstand beim 11:14 (29.) nach der ersten Hälfte gabs nach der Pause auch mit dem 15:17 (39.) noch Hoffnung für Bonn, das selbst gegen den 16:20-Rückstand (42.) noch einmal ankämpfte und bis zum 22:23 (49.), 25:26 (55.) oder 26:27 (58.) auf eine Wende hoffen durfte. Die letzten 137 Sekunden gehörten jedoch wieder klar dem SSV, für den Tobias Schröter mit dem 29:26 (59.), Tim Hartmann mit dem 30:27 (59.) und Dominik Donath mit dem 31:27 (60.) entscheidend zur Stelle waren. Benninghoff-Lühl war ein ehrlicher Verlierer: „Das ist die zweite Niederlage in Folge für uns – sehr ärgerlich, wenn auch am Ende verdient. Nümbrecht führt von der ersten Minute an und wir kommen nur ein, zwei Mal auf ein Unentschieden ran in der zweiten Halbzeit durch eine super kämpferische Leistung. Die Mannschaft hat jeden Nackenschlag wegzustecken versucht und immer wieder Gas gegeben. Dann sind unsere Beine irgendwann auch ein bisschen müde in der Abwehr und es fallen noch ein, zwei Dinger zu viel. Aber ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf. Das nächste Mal wird wieder besser.“

SSV Nümbrecht: Winkler, Rydzewski – Benger (1), Urbach, Last, Witthaut (3/1), P. Donath, Hartmann (8), Schröter (6/1), A. Seinsche, Dissmann (2), Lang, D. Donath (6), Weber (1/1), Henrichs, Miebach (4).

TSV Bonn rrh.: Krouß, Meißenburg, Czerwinski – Krohn (4), Hoffmann (1), Bullerjahn (3), Santen (1), Heitkötter, Fricke (4), Bitzer (5), Weber (2), Fischer (1), Worm (4/3), Bohrmann (2/1), Danz (1).