| 10. Januar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Nichts für schwache Nerven: Chris Stark und der Longericher SC hatten auch gegen die HG Saarlouis einen echten Krimi zu bestehen. Dieses Mal standen die Kölner am Ende mit leeren Händen da. (Foto: Thomas Schmidt)
Longericher SC – HG Saarlouis 29:30 (12:17). Mehr Drama geht nicht und wieder stand Longerichs Lennart Niehaus im Mittelpunkt. Der Linkshänder hatte bereits im letzten LSC-Auftritt vor Weihnachten am 13. Dezember bei Interaktiv.Handball Düsseldorf/Ratingen mit dem Schlusspfiff einen Siebenmeter zum 32:32-Ausgleich verwandelt. In der ersten Partie der Kölner in 2026 war er dann direkt wieder gefragt. Diesmal hatte er den Strafwurf sogar selbst rausgeholt und trat nach Ablauf der Uhr erneut an. Sieben Mal hatte Niehaus bis dahin vom Strich getroffen – doch mit dem achten Versuch scheiterte er am HG-Keeper. Der versank unmittelbar in einer saarländischen Jubeltraube, während die Longericher ihrem Kollegen Niehaus sofort den nötigen Trost spendeten. Mit seinen zwölf Treffern war der Rückraumspieler der beste Schütze des Abends und überhaupt erst der Grund, dass die Hausherren so spät noch von etwas Zählbarem gegen den Tabellenführer träumen durften. Dass es – anders als in Ratingen – diesmal nicht für einen Punkt reichte, ist vielleicht so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. In der Tabelle führt das dann ganz nüchtern dazu, dass der LSC im Januar 2026 als Siebter mit 19:13 Punkten eher im grauen Mittelfeld unterwegs ist. Mit dem Abstiegskampf hat die Mannschaft von Trainer Chris Stark natürlich nichts zu tun. Die Spitzenplätze hinter Saarlouis (30:4) und dem TV Gelnhausen (25:5) sind aber – anders als in der Vorsaison – auch schon ein ganzes Stück weg. Dass die Longericher in der Lage sind, auch mit diesen Teams mitzuhalten, können sie direkt in der kommenden Woche erneut unter Beweis stellen, wenn es am Samstag um 19.30 Uhr nach Gelnhausen geht.
Die Zuschauer sahen in Köln von der ersten Minute an ein offenes Spiel mit wechselnden Führungen, in dem beide Seiten durchaus einige Fehler einstreuten. Bis auf das 6:8 (19.) lag in den ersten 25 Minuten keine Mannschaft mal mit mehr als einem Treffer vorne. Auch nach Niehaus‘ Siebenmeter zum 12:11 für die Hausherren (25.) sah alles zunächst nach einer offenen Angelegenheit aus. Doch offensichtlich hatte die Halbzeitpause für den LSC fünf Minuten zu früh begonnen, denn in den nächsten Angriffen funktionierte bei den Kölnern überhaupt nichts mehr. Mit einer heftigen Serie an Fehlern verlor Starks Team immer wieder den Ball und kassierte sechs Gegentreffer in Folge zum 12:17-Halbzeitstand. Immerhin: In der Kabine fanden die Longericher den Faden wieder und kamen durch den Doppelschlag von Jonas Kämper und Lennart Wörmann (33.) zum 14:17 wieder näher ran. Und tatsächlich: Über das 17:19 (40.) und 20:21 (43.) erkämpfte der LSC sich den 22:22-Ausgleich (45.). Bis zum 27:27 (54.) bewegten beide Seiten sich jetzt wieder auf Augenhöhe. Dann schien es wieder, als würde die HG sich bereits entscheidend absetzen – 27:30 (59.). Doch mit einer offensiven Deckung und zwei Ballgewinnen verkürzten Niehaus und Kämper noch einmal auf 29:30 (59.) und in der Schlussminute bescherte ein Schrittfehler von Saarlouis den Kölnern tatsächlich noch die Chance zum Ausgleich. Stark nahm seine letzte Auszeit für die finalen Anweisungen. Der Angriff fand Niehaus, der nur unfair gestoppt werden konnte – sich und sein Team vom Strich aber nicht mehr belohnen konnte. „Wir haben heute ein hervorragendes Spiel abgeliefert gegen den Tabellenführer. Mindestens der eine Punkt wäre in meinen Augen verdient. Ich fand, über 55 Minuten waren wir die bessere Mannschaft. Wir haben leider Gottes zum Ende der ersten Halbzeit drei Fehlwürfe, einen Fehlpass und geraten dann völlig unnötig innerhalb von kurzer Zeit in so einen hohen Pausenrückstand rein. Wir haben dann eine überragende Moral abgeliefert, hier für ein Tollhaus gesorgt und uns dann leider Gottes nicht belohnt mit einem Remis“, fand Stark.
Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (5), Pyszora (1), Henrich (1), Richter (3), Gerfen, Bertenbreiter, Niehaus (12/7), Leitz, Kaysen (2), Nolting (1), Kremp (1), Becker, Kämper (3).
TV Kirchzell – Bergische Panther 34:33 (17:18). Über diese Phase von genau sechs Minuten werden sich die Panther vielleicht noch lange ein paar Gedanken machen müssen. Florian Müller hat die Gäste durch sein 24:20 (40.) gerade zum ersten Mal an diesem Abend mit vier Toren Unterschied in Führung gebracht – und das Team des Trainergespanns Alexander Oelze/Jens-Peter Reinarz scheint hier auf dem besten Weg zu einem wertvollen Auswärtssieg zu sein. Was keiner ahnt: Darin lag doch eher der Anfang vom Ende, weil für amtlich gemessene 358 Sekunden nur die Hausherren zu wissen scheinen, was zu tun ist – wovon bis zu diesem Zeitpunkt eher selten die Rede sein konnte. Nun aber gelingt dem TVK ein 7:0-Lauf, der aus dem klaren Rückstand eine 27:24-Führung macht (46.) und der Partie plötzlich die komplette Wende gibt. Die Panther kämpfen sich zwar in der Schlussphase wieder heran, müssen allerdings die Heimfahrt aus Unterfranken mit leeren Händen antreten. Durch die Niederlage verpasste die Mannschaft gleichzeitig die Gelegenheit, sich ein noch dickeres Polster für den weiteren Kampf um den Klassenerhalt zuzulegen, und sie musste den bisherigen Platz neun abgeben – während Kirchzell (15:17 Punkte) sogar noch den TuS 82 Opladen überholte (jetzt Neunter/14:20) und vom achten Platz aus weitermacht – den durch einen Erfolg die Panther übernommen hätten, deren 13:19 Zähler zurzeit für Rang zehn reichen.
Das schnelle 0:2 (2.) beeindruckte die Panther nicht besonders und mit dem 7:6 (13.) durch den von Louis Elsässer verwandelten Siebenmeter lagen sie zum ersten Mal vorne – was sich übers 10:7 (16.) oder 13:10 (20.) zu einer festen Basis für zwei Punkte zu entwickeln schien. Kirchzell lag zwar beim 14:14 (25.) und 16:16 (29.) wieder gleichauf und legte kaum 30 Sekunden darauf sogar das 17:17 (29.) hinterher, konnte daraus jedoch (noch) keine Wende einleiten – im Gegenteil. Beim 19:17 (31.) und 22:19 (36.) sowie erst recht bei jenem 24:20 für die Panther deutete alles auf eine Heimniederlage des TVK hin. Was anschließend nach dem 20:27 für die Mannschaft von Oelze/Reinarz sprach: Sie gab trotz der fatalen sechs Minuten nicht auf und kam nach dem 29:30 (52.) durch Florian Müller noch einmal für zwei Punkte in Frage. Weil Kirchzell jedoch nach der Zeitstrafe gegen Conner Schütte (53.) mit zwei Toren eine Überzahl gut zu nutzen wusste und anschließend direkt das 33:29 (56.) hinterherlegte, behielt es letztlich beide Punkte. Das Tor zum 34:31 (59.) für die Hausherren war dann die endgültige Entscheidung und für die beiden Treffer von Pascal Hermann zum 32:34 (60.) und von Ben Vornehm zum 33:34 (60.) jeweils in der letzten Minute kamen für die Panther zu spät.
Bergische Panther: Eigenbrod, Mohr – Müller (6), Hermann (3), Flemm (3/3), Meurer (4), Taymaz, Lindemann (3), Zulauf, Exner (3), Lorenz, Vornehm (1), Schütte, Ballmann (3), Schön (1), Elsässer (6/5).