| 17. Januar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Lande-Anflug: Max Zimmermann (beim Wurf), der hier auf dem Weg zu einem seiner fünf Tore ist, und die Korschenbroicher lagen am Ende ein paar Zentimeter besser als Niklas Weis (links) und Keeper Jonah Erkes (links) mit ihren Mönchengladbachern. (Foto: Sven Frank)
TV Korschenbroich – Borussia Mönchengladbach 28:27 (14:12). Mehr Freitagskrimi geht nicht. Und wer ein derart dramatisches Derby über die Bühne bringt, hat tatsächlich alle Chancen, sich am Ende der Saison die Meisterschaft und den Aufstieg zu sichern – wie die als Favorit geltenden Korschenbroicher, denen der als klarer Außenseiter geltende Aufsteiger Mönchengladbach von Anfang an hartnäckigsten Widerstand leistete – und den Hausherren beinahe noch richtig in die Suppe gespuckt hätte. Und plötzlich verdichtete sich der komplette Abend vor 700 Zuschauern in der rappelvollen Waldsporthalle auf die letzte Minute, die zunächst das 26:26 der Borussia durch Niklas Berner sah. Im Gegenzug antwortete Florian Krantzen mit dem 27:26 für die Hausherren, ehe Paul Lipok auf der anderen Seite mit dem 27:27 erneut den Ausgleich der Mönchengladbacher erzielte – nach der offiziellen Statistik im Spielbericht genau sechs Sekunden vor der Schluss-Sirene. Logisch: Korschenbroichs Trainer Frank Berblinger nahm sofort die letzte verbliebene Auszeit. Wenig später konnte er wie alle Korschenbroicher tatsächlich doch feiern, denn Mats Wolf traf zum 28:27 – zu kurz vor dem Ende, als dass die Borussia noch Zeit für eine Antwort gefunden hätte. Unter dem Strich konnte der Spitzenreiter dadurch seinen erste Platz mit jetzt 20:4 Punkten weiter festigen, während die bei 5:15 Zählern angekommene Borussia zumindest vorübergehend wieder ans Ende der Tabelle gerutscht ist. Was das Team von Trainer Ronny Rogawska für den Augenblick kaum trösten dürfte: Die Mannschaft spielte nicht im Ansatz wie ein Absteiger. Das sah Rogawska ähnlich: „Für uns geht es jetzt darum, alles mitzunehmen, was positiv war. Wenn wir daraus lernen und so spielen wie heute, haben wir gute Chancen, drinzubleiben. Wir haben nicht mal die Hinrunde hinter uns und immer noch einige Spiele vor uns.“
Warum der Erfolg der Hausherren am Ende zwar ein Stück weit glücklich, doch in der Summe nicht unverdient war: Korschenbroich lag über die gesamten 60 Minuten kein einziges Mal hinten und vor der irren Schlussphase gab es darüber hinaus bloß ein Mal einen Gleichstand für die Borussia – mit dem 1:1 (5.) durch Niklas Berner am Anfang. Übers 5:2 (8.) setzten sich die Hausherren anschließend im Eilverfahren bis auf 10:4 (15.) ab, ehe Mönchengladbach deutlich besser in die Partie fand und den Rückstand übers 7:19 (19.) und 9:12 (24.) auf 12:13 (27.) verkürzte, sodass sich der TVK nach dem 14:12 (29.) am Ende der ersten Halbzeit seiner Sache längst nicht sicher sein durfte. Selbst das 20:16 (41.), 24:20 (49.) oder 25:22 (52.) war nach der Pause keine Entscheidung und auf der Zielgeraden spitzte sich das Duell erst richtig zu. Auf das 26:24 (58.) durch den von Max Zimmermann verwandelten Siebenmeter antwortete Domenik Roth mit dem 25:26 (59.) und Niklas Berner glich kurz darauf zu jenem 26:26 aus, das eine vollkommen verrückte Schluss-Sequenz mit vier Toren innerhalb von 44 Sekunden einleitete. Bemerkenswert war später außerdem die Tatsache, wie sehr sich beide Seiten jedenfalls meistens innerhalb des Regelwerks bewegten: Die Unparteiischen verhängten insgesamt nur fünf Zeitstrafen – drei gegen Korschenbroich, zwei gegen die Borussia. Weniger geht kaum in einem solchen von vielen Emotionen begleiteten Derby, in dem für beide Seiten auch sportlich einiges auf dem Spiel stand.
Dass die Gastgeber dem Ergebnis hinterher mehr abgewinnen konnten, erklärt sich von selbst. TVK-Coach Berblinger wirkte erleichtert: „Es war das typische Derby. Wir waren zwar immer vorne, haben aber den Sack nicht zugemacht. Wir haben viele freie Bälle verworfen. In der Deckung haben wir grundsätzlich gut gestanden und am Ende war es so, dass Gladbach tatsächlich den Ausgleich macht. Dann hatten wir noch mal eine Auszeit und wir gehen auf sieben gegen sechs und Mats Wolf macht mit einem freien Wurf aus dem Rückraum das 28:27. Man muss Ronny und seinen Jungs ein Riesenkompliment machen, die haben alles rausgehauen. Meinen Jungs muss ich auch ein Kompliment machen, dass sie dieses schwierige und komplizierte Spiel so angenommen haben. Am Ende des Tages sind wir einfach froh, dass wir die zwei Punkte behalten haben.“ Kollege Rogawska fand das Resultat eher unglücklich, nahm jedoch vor allem die starken Leistungen seiner Keeper Johna Erkes und Joel Heck im Zusammenwirken mit der Deckung als wertvolle Puzzleteile für den weiteren Saisonverlauf mit. „Durch eine sehr starke Leistung in der Abwehr und im Angriff haben wir in der 59. Minute den Ausgleich geschafft – was megacool war für uns. Trotzdem haben wir mit einem verloren. Das ist für uns sehr schade, ich hätte mir was anderes erhofft. Für uns geht es jetzt darum, alles mitzunehmen, was positiv war. Wenn wir daraus lernen und so spielen wie heute, haben wir gute Chancen, drinzubleiben. Wir müssen aber diesen Willen und die bärenstarke Abwehrleistung immer abrufen.“
TV Korschenbroich: Bartmann, Köß – Schiffmann (4), Krantzen (7), Eugler, Hartz, Brinkhues, Wolf (3), König (2/2), Zimmermann (5/1), Büscher (1), Schneider, Franz (5), Bitzel (1).
Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann, Erkes – Prinz, Jennes (2), Weis (5/3), Bremges (2), Semrau (3), Weisz (5/2), Berner (5), Westhofen, Nix (1), Lipok (1), Markovic (1), Slabospytskyi (1), Roth (1).