Regionalliga Nordrhein
Preis des Trainers für zwei Punkte: Tim Gentges plötzlich sieben Jahre älter
Torhüter Paul Keutmann rettet Aldekerker 28:27 gegen Unitas Haan. HC Weiden bleibt in der Regionalliga mit 37:31 gegen Gummersbach II der erste Verfolger des Spitzenreiters TV Korschenbroich.

Applaus, Applaus! Auch Aldkerks Co-Trainer Nils Wallrath (links) und der zehnfache Torschütze Thomas Plhak (rechts) waren nach dem Sieg gegen Haan erleichtert. Was sie von Tim Gentges (Mitte) unterschied: Wallrath war nachher noch immer 45, Plhak unverändert 35 Jahre alt. Nur Trainer Gentges hatte es nach eigener Aussage auf besondere Art erwischt: Der 38-Jährige fühlt sich hinterher, als sei er in einem Blitzverfahren plötzlich ebenfalls 45. Für die beiden Punkte schien er es aber ganz gerne in Kauf zu nehmen. (Foto: Ralf von der Heyden)

TV Aldekerk – Unitas Haan 28:27 (17:18). Tim Gentges kann eine Menge wegstecken – auch und gerade handballbedingten Stress. Das maximal spannende Duell mit den Haanern brachte aber selbst den Trainer der Aldekerker an die Grenzen seiner Leidensfähigkeit – und es beförderte ihn innerhalb von gut 60 Minuten nahezu im Rekordtempo nach vorne: „Vor dem Spiel war ich 38 und jetzt bin ich mindestens 45.“ Für den immerhin sieben Jahre umfassenden Altersprozess sorgte der TVA, indem er erst lange einem Rückstand hinterherlief, dann auf der Zielgeraden durch Thomas Plhak sowohl das 27:26 (55./Siebenmeter) als auch das 28:27 (57.) vorlegte und trotzdem noch massiv um den Erfolg zittern musste. Dass schließlich doch beide Zähler in der Vogteihalle blieben, hatten die Hausherren vor allen Dingen ihrem Torhüter Paul Keutmann zu verdanken – der wenige Sekunden vor Schluss auch die letzte Gelegenheit der Unitas vereitelte. „Wir haben in der zweiten Halbzeit ein Stück weit in der Abwehr zugelegt und hinten heraus hält Paul Keutmann natürlich weltklasse“, fand Gentges, „die letzte Minute hat mich altern lassen. Wir haben da zweimal die Chance, das Spiel zuzumachen, scheitern aber frei vor dem Tor.“ Weil dem Drittliga-Absteiger dieses Happy End gelang, verbesserte er sich auf 13:11 Punkte und den sechsten Tabellenplatz – wo er zur oberen Hälfte gehört und zumindest Rang vier (OSC Rheinhausen/14:10) im Blickfeld hat. Haan führt als Achter ein mit jeweils 10:14 Zählern ausgestattetes Trio an, das der Neunte HC Gelpe/Strombach und der Zehnte SSV Nümbrecht komplettieren.

Was bei den Aldekerkern wohl niemand ahnte: Das 2:1 (3.) durch Benjamin Kahl sollte für einen erstaunlich langen Zeitraum die letzte Führung der Hausherren bleiben. Mit dem 9:6 (13.) legte die Unitas sogar drei Tore vor, ehe der TVA übers 11:11 (19.) und 15:15 (25.) für eine ausgeglichene Partie sorgte und doch wieder ins Hintertreffen geriet – 16:18 (30.). Das 20:19 (35.) oder später das 24:23 (46.) der Gastgeber ließ die Unitas ziemlich unbeeindruckt und durch drei Treffer hintereinander drehte sie die Partie ins eigene 26:24 (52.). Es folgte dann die verrückte Schlussphase mit den überragenden Routiniers Thomas Plhak (35), der drei der letzten vier TVA-Tore erzielte (insgesamt zehn Treffer als bester Werfer des Abends), und Keutmann als Lebensversicherung zwischen den Pfosten. „Der Sieg heute ist unfassbar gut für den Kopf und die Moral der gesamten Mannschaft“, fand Trainer Gentges, „dann ist es manchmal auch völlig egal, ob man dafür einen Schönheitspreis bekommt oder nicht. Wir haben diese zwei wichtigen Punkte ganz, ganz hart erkämpft und wir hoffen, dass wir nächste Woche daran anknüpfen können.“ Viel einfacher dürfte es allerdings am kommenden Samstag beim Dritten TSV Bayer Dormagen II (14:8) nicht werden.

TV Aldekerk: Schoemackers, Keutmann – Grützner (3), Kirschbaum (1), Poot (4), Brockmann, Plhak (10/5), Hahn, Könnes (3), Perey, Tobae (1), Küsters (1), Kahl (3), Hinz (2), Thelen, Gangelhoff, Rutten.

Unitas Haan: Seher, Joest – Schulz (2), Mensger (1), Wöstmann (2/1), Brandenburg (2), Maesch (6), Völker (4), Hinkelmann (6/1), Rath (2), Austrup (2).

 

OSC Rheinhausen – TSV Bayer Dormagen II 24:32 (12:14). So sieht wohl die allgemeine Chancenlosigkeit aus. Rheinhausen, das aus den vergangenen drei Partien die maximale Ausbeute von sechs Punkten erzielt und sich dadurch auf den dritten Platz vorgeschoben hatte, stand diesmal praktisch von der ersten Minute an auf verlorenem Posten und kam im Duell mit dem Tabellen-Nachbarn höchstens am Ende der ersten Halbzeit vorübergehend mal für zwei Punkte in Frage – was sich aber im zweiten Durchgang als Thema schnell erledigt hatte. OSC-Trainer Sascha Wistuba brachte die Kräfteverhältnisse klar auf den Punkt: „Das ist ein verdienter Sieg für Dormagen, die solide ihren Stiefel runterspielen. Die erste Halbzeit können wir noch ausgeglichen gestalten, kommen dann aber unter die Räder und laufen nur hinterher. Wir haben zu viele technische Fehler und eine schwache Abschlussquote und somit keine Chance, das Spiel zu unseren Gunsten zu gestalten.“ Mit 24 Treffern boten die Hausherren, die in allen elf vorherigen Spielen 30 oder mehr Tore erzielte hatten, die bisher schwächste Angriffsleistung in dieser Saison und bei jetzt 14:10 Punkten sind sie „nur“ noch Vierter, während Dormagen mit 14:8 Zählern auf den dritten Platz hinter dem TV Korschenbroich (20:4) und dem HC Weiden (18:6) vorrückte. Ob das junge Team von Trainer Peer Pütz noch einmal nach ganz oben angreifen kann, ist dabei wieder eine andere Frage.

Rheinhausen steckte das 0:2 (4.) ganz gut weg und war danach zunächst auf Augenhöhe unterwegs – 5:5 (12.), 9:9 (24.), 12:13 (30.). Dann sorgte Julius Hein kurz vor der Pause noch fürs 14:12 (30.) der Dormagener, die direkt nach dem Wechsel wie ein Orkan über die Hausherren hinwegfegten und mit einem 6:0-Lauf auf 20:12 (38.) wegzogen. Durch eine eigene 4:0-Serie kam der OSC zwar mit dem 16:20 (41.) wieder bis auf vier Treffer heran, doch das letzte Drittel des Abends brachte den Gästen keinerlei Gefahr mehr. In Gefahr geriet eher die Mannschaft des Trainergespanns Wistuba/Nico Biermann, der gegen Ende sogar eine Pleite mit mehr als zehn Treffern Differenz drohte – weil aus dem 21:27 (52.) plötzlich ein 21:32 (58.) wurde. In den letzten 107 Sekunden holten Joshua Rippelmeier (59.) und Nik Dreier (59./60.) die Lücke wenigstens in den einstelligen Bereich zurück und die acht Tore Unterschied sahen immerhin minimal freundlicher aus. Dormagens Trainer Peer Pütz hatte wenig gegen Ergebnis oder Leistung der Gäste einzuwenden: „Wir sind froh, dass wir so ein Top-Spiel auswärts relativ souverän gewinnen konnten. Wir haben über das gesamte Spiel sehr gut gedeckt mit einem sehr guten Max Conzen dahinter im Tor. Wir haben im Angriff eigentlich auch am Anfang schon gut gespielt, da aber zu viele freie Chancen liegen lassen, wodurch das in der ersten Halbzeit noch ziemlich knapp war. In der Summe bin ich sehr zufrieden.“

OSC Rheinhausen: Lenz, Seemann – Adrian (3/1), Flach, Rippelmeier (5), Genzmer, Mook, Ernst (3), Kauwetter, Dreier (5), Zwarg (1), Hüller (4), M. Molsner, Käsler (3), Kölsch, Schlögl.

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (2), Leis (6), Hinrichs (1), Kasper, Emmerich, Döpner, Ostrowski (1), Bahns (5), Böckenholt (1), Leitz (5), Hein (4), Adam (6/6), Schindler Kriescher (1).

 

HC Weiden – VfL Gummersbach II 37:31 (19:17). Zwei Siege vor der Pause über Weihnachten/Neujahr, zwei Siege in den beiden ersten Einsätzen 2026, darüber hinaus zum sechsten Mal hintereinander eine Ausbeute von mehr als 30 Treffern – die Weidener sind nicht von ungefähr der erste Verfolger des Spitzenreiters TV Korschenbroich (20:4 Punkte), der am Freitagabend mit dem 28:27-Krimi im Derby gegen Borussia Mönchengladbach vorgelegt hatte und weiterhin zwei Zähler vor der Mannschaft von HC-Trainer Marc Schlingensief liegt (18:6). Ganz anders sieht die Welt im Moment für die Gummersbacher aus, die sich über weite Strecken ganz gut verkauften, aber die siebte Niederlage in ihrem zehnten Spiel nicht verhindern konnten, wieder ans Tabellenende abrutschten und zusammen mit Borussia Mönchengladbach (jeweils 5:15) die beiden festen Abstiegsplätze einnehmen. Schlingensief hielt den Erfolg der Hausherren trotzdem nicht für selbstverständlich: „In einem äußerst fairen Spiel mit viel Tempo und wenigen Zeitstrafen schaffen wir es, Gummersbach auf Distanz zu halten. Das Spiel hat auch gezeigt, dass keine Mannschaft in dieser Liga im Vorbeigehen geschlagen wird.“ Kollege Jan Schwenzfeier fand, dass für sein extrem junges Team vielleicht mehr drin gewesen wäre: „Wir machen gerade in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Spiel – wenn man unsere Abschlussquote ein bisschen rausrechnet. Wir kommen ganz gut aus der Halbzeit und dann kommt die Phase, in der wir das Spiel weggeben. Beim 19:20 wollen wir ein bisschen viel und die Anzahl der Fehler häuft sich – und wir laden Weiden ins Tempospiel ein, sodass wir einen 0:5-Lauf kassieren. Davon haben wir uns nicht mehr erholt.“

Weiden eröffnete die Partie mit einem 2:0 (3.) und legte hier die Basis für einen über weite Strecken ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Einen großen Schritt nach vorne machten die Hausherren durch ihre 5:0-Serie vom 7:6 (10.) zum 12:6 (16.), doch der VfL gab sich nicht auf und verkürzte gegen Ende der ersten Halbzeit vom 13:18 (26.) innerhalb von vier Minuten auf 17:18 (30.). Übers 18:19 (31.) und 19:20 (32.) blieb Gummersbach dran, kassierte nun allerdings wiederum ein 0:5 und Schwenzfeier nahm beim Stande von 19:25 (36.) erneut eine Auszeit, um Schlimmeres zu verhindern. Das gelang den Gästen zwar, doch Weiden konnte die Partie gleichzeitig durch einen ausreichend großen Vorsprung ziemlich mühelos über die Bühne bringen – 29:21 (43.), 29:24 (49.), 32:26 (54.), 35:28 (56.), 37:30 (60.). Schlingensief war insgesamt zufrieden: „Am Ende der ersten Halbzeit machen wir ein paar unnötige Fehler, aber ziemlich schnell in der zweiten Halbzeit erreichen wir ein gutes Polster. Alles in allem haben wir diese Aufgabe souverän gemeistert und die Aufgaben gut auf viele Schultern verteilt.“

HC Weiden: Keller, Riechmann – T. Meurer (4). J. Frauenrath (7/3), Scheidtweiler (6), Wolff (3), Xhonneux (5), Rojko (1), Bösel, Richter, Deutz (1), Keller (3), Bergerhausen, Stolzenberg (4), Eissa (3).

VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt (1) – Shimizu, Britz (8), Kübler (2), Bohnenkamp (2), Rath (4/2), Haglund (4), Kiesewalter (1), Hartmann (4/2), Fleisch (1), Patzelt (2), Ulmerich (2).

 

TSV Bonn rrh.  – HC Gelpe/Strombach 29:37 (15:18). Es war einmal eine Mannschaft, die in der Regionalliga ganz vorne mitmischte und unter anderem den Zweiten HC Weiden (40:36) bezwingen sowie anschließend beim Vierten OSC Rheinhausen (38:34) gewinnen konnte. Das passierte am 28. November 2025 und eine Woche später am 6. Dezember. Damals stand das Konto der Bonner auch bei sehenswerten 12:4 Punkten, doch hinzugekommen ist seitdem nichts mehr: Erst beendete die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl das Jahr 2025 mit einem 32:34 gegen den TV Aldekerk und einem 28:31 beim SSV Nümbrecht, nun begann es das Jahr 2026 mit dem 31:36 gegen den Spitzenreiter TV Korschenbroich und einer am Ende noch sehr deutlichen Pleite gegen Gelpe/Strombach. Benninghoff-Lühl wirkte schon sehr nachdenklich: „Ich bin traurig, dass wir es nicht geschafft haben, die guten spielerischen Ansätze über 60 Minuten fortzusetzen. Wir haben uns immer wieder rangekämpft, trotzdem hat man gespürt, dass ein bisschen der Glaube gefehlt hat. Das wird uns in der Schluss-Viertelstunde gnadenlos vorgehalten und Gelpe/Strombach gewinnt völlig verdient. Auch spielerisch waren wir klar unterlegen.“ Mit 12:12 Punkten steht die TSV, deren Kontakt nach oben komplett abgerissen ist, inzwischen als Siebter bei einem ausgeglichenen Konto im klassischen Niemandsland der Tabelle – mit nicht mehr besonders viel Luft auf Unitas Haan (Neunter) sowie auf die TSV-Bezwinger Gelpe/Strombach (Zehnter) und Nümbrecht (Elfter/alle 10:14). Wovon die Bonner ausgehen müssen: Geschenkt werden sie am kommenden Samstag beim tief im Kampf um den Klassenerhalt steckenden BTB Aachen (Zwölfter) zum Abschluss der Hinrunde wieder nichts bekommen.

Eins der größten Hindernisse aus der Sicht der Hausherren stand bei den Gästen zwischen den Pfosten; Islam Ahmed Elnoamany – jener junge Keeper (22), der bis zum Sommer 2023 bei den Bonnern aktiv war und nun gegen seinen früheren Klub eine ganz starke Leistung abieferte. Mit dem 1:0 (1.) und 2:1 (2.) gelang der TSV in der Anfangsphase trotzdem zwei Mal eine Führung, doch das 2:2 (3.) war bereits der letzte Gleichstand und ab dem 2:3 (4.) liefen die Hausherren für die restlichen 56 Minuten nur noch hinterher. Bis zum 6:8 (14.), 7:9 (17.) und 13:15 (28.) kämpften sie sich vor der Pause ebenso wieder heran wie im zweiten Durchgang – 16:21 (35.), 23:24 (45.), 26:27 (48.), 27:29 (50.). Nach der 0:4-Serie zum 27:33 (54.) war die Angelegenheit allerdings beizeiten zu Gunsten der Gäste geklärt, die wenig später mit einem in dieser Form nicht zu erwartenden hohen Sieg ins Oberbergische zurückkehren konnten. „Wir verlieren das Torhüterduell deutlich, aber eher gefällt mir unsere Wurfquote frei vor dem Tor einfach nicht“, stellte Benninghoff-Lühl fest, „so bekommen wir in Phasen, in denen wir uns Selbstvertrauen erarbeiten könnten, immer wieder den Dämpfer. Wir werden jetzt eine Analyse versuchen, woran es liegt, und wir werden versuchen, den Karren aus dem Abwärtstrend zu ziehen.“

TSV Bonn rrh.: Krouß, Meißenburg – Krohn (5), Bullerjahn (3), Santen (2), Heitkötter, Fricke (3), Bitzer (1), Fischer (3), Sander (3), Kästner (1), Worm (3/3), Bohrmann (5).

HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Gerhard – Maier (7/2), Altjohann, Pötz (1), Viebahn (8), Soldanski, Heinzerling (6), Roth (1), Müller (3), Meinhardt (7), Walch (4), Rostalski, Schimanski.

 

SSV Nümbrecht – BTB Aachen 28:28 (11:14). Es dürfte keine Frage sein, dass die Hausherren mit dem Ergebnis am Ende besser leben konnten als die Gäste, die im Laufe der zweiten Halbzeit teilweise deutlich führten und am Ende gegen nur noch vier Nümbrechter auf der Platte eine gute Chance zum Sieg vergaben. Der BTB verpasste es zudem, sich nach dem 33:30 zum Jahresauftakt gegen den TV Aldekerk noch weiter aus dem Tabellenkeller freizustrampeln. Mit 7:17 Punkten sind die Aachener im Moment Zwölfter – was soeben für den Klassenerhalt reichen könnte. Borussia Mönchengladbach und der VfL Gummersbach II (beide 5:15) haben aber jeweils noch zwei Spiele mehr zu absolvieren. Auch Nümbrecht ist als Elfter (10:14) natürlich weiter gefährdet, konnte den Abstand zu Aachen durch das Remis jedoch wahren. Trotz allem überwog für BTB-Coach Simon Breuer nach dem Spiel das Positive: „Das ist der erste Auswärtspunkt für uns. Mit 3:1 Punkten ist das natürlich ein guter Start ins Jahr für uns. Die ersten Minuten lagen wir zurück, dann hatten wir bis zur Pause defensiv eine sehr gute Phase und auch offensiv bessere Lösungen. Wir hatten gute Emotionen und eine gute Kontrolle. Nach der Pause kommen wir sehr gut rein und führen mit 17:11. Danach hatten wir eine kleine Schwächephase, führen aber mit 22:17 – und haben da schon den einen oder anderen Fehler mehr gemacht. Nach dem Ausgleich sind wir trotzdem stabil geblieben und nicht in Rückstand geraten. Das haben wir gut gemacht. In der Schlussphase haben wir es nicht geschafft, bei mehreren Zeitstrafen und Überzahl-Situationen, auch im letzten Angriff noch mit fünf gegen drei, einfach unsere Chancen zu nutzen. Wir hatten auch Angst, da Fehler zu machen. Das tut natürlich weh, aber unter dem Strich haben wir nicht verloren. Von daher geht es darum, weiter positiv zu bleiben. Wir haben den Anschluss und wir sind weiter voll bei der Musik.“

Der SSV fand zunächst den besseren Start in die Begegnung und legte das 3:1 (6.) sowie das 5:2 (8.) vor. Das 6:3 (12.) drehten die Gäste dann allerdings durch sechs Treffer in Serie zum eigenen 9:6 (20.) und sie bauten die Führung noch vor der Pause zum 13:8 (25.) aus. Kurz nach dem Seitenwechsel bedeutete das 17:11 (34.) durch Carsten Jacobs (mit 15 Toren bester Werfer des Abends) die höchste Aachener Führung der Partie, doch Nümbrecht gab nicht auf, verkürzte auf 16:18 (40.) und ließ sich in der Folge nicht abschütteln. Nach dem 19:23 (47.) glich der SSV zum 23:23 aus (53.), ehe die Tür in der spannenden Schlussphase für den BTB noch einmal weit aufging, als Nümbrechts Tobias Schröter und Tim Hartmann beim Stande von 26:26 (59.) jeweils Zeitstrafen kassierten – bei ohnehin nur noch weniger als zwei Minuten auf der Uhr. Jacobs erzielte das 28:27 (60.) für Aachen, bevor er selbst glatt Rot sah. Weil zeitgleich auch Johannes Urbach vom SSV eine Zeitstrafe kassierte, wurde es für die letzten Sekunden übersichtlich auf der Platte. Im Vier gegen Sechs erarbeiteten sich die Hausherren schließlich einen Siebenmeter, den Mats Weber zum 28:28-Ausgleich (60.) verwandelte. In den letzten Sekunden kam nun keine Seite mehr durch, sodass es bei der Punkteteilung blieb.

SSV Nümbrecht: Winkler, Rydzewski – Benger (1), Urbach (2), Hampel (1), Last, Witthaut (1/1), P. Donath (1), Hartmann (9), Schröter, Dissmann, D. Donath (8), Weber (2/2), Henrichs, Miebach (3).

BTB Aachen: Zaghloul, Schüler – Huckemann (1), Jacobs (15/5), Horn, Wudtke (3), Büchel (2), Käsgen, Klinkenberg (1), Wagner (3), Schmitz, Münster (1), Herzog, Denert, Schnalle (1), Panse (1).

 

HSG Refrath/Hand – HSG am Hallo Essen 29:27 (15:13). Eines der Puzzleteile für den Sieg der Refrather: Die Gäste aus dem Ruhrgebiet präsentierten sich an diesem Sonntag in der Halle Steinbreche nicht eben als Vertreter des Hochgeschwindigkeits-Handballs. Der Aufsteiger, mit routinierter Prominenz im Kader wie Dennis Szczesny oder Lukas Ellwanger personell gut besetzt, trug seine Angriffe in der Regel sehr bedächtig vor – und erlaubte sich dabei eine erstaunlich hohe Zahl an Ballverlusten, die jede Gefahr oft fast im Keim erstickten. Selbst in der Schlussphase, als die Refrather immer mehr an ihren Erfolg glauben durften, wich der Aufsteiger nicht von seinem Kurs ab. Kein Wunder: Die Hausherren, die ebenfalls einige Fehler produierten, ließen sich nicht zwei Mal bitten und sie fuhren letztlich verdient zwei Punkte ein, weil sie ein deutliches Plus an Tempo und Vorteile in Sachen Leidenschaft auf die Platte brachten. Noch ein wesentliches Puzzleteil: HSG-Coach Kelvin Tacke hatte sich für weite Strecken der Partie eine insgesamt offensiver ausgerichtete Abwehr ausgedacht – und besonders Essens Top-Torschütze Matthis Blum bekam nicht selten einen persönlichen Beschatter abgestellt. Blum, dessen vorherige Marke bei 96 Treffern aus elf Spielen und damit bei 8,73 Toren pro Einsatz stand, konnte diesmal nur zwei Tore beisteuern. Was für die Essener allerdings klar schmerzhafter war: Sie sind zwar weiter Fünfter (13:11), verpassten jedoch den Sprung auf den dritten Platz und zeigten in der Summe erneut, dass bei ihnen wenig konstanter ist als der Mangel an Konstanz. Für die Refrather war der doppelte Punktgewinnen demgegenüber ziemlich wertvoll, weil sie ihr Konto im Kampf um mehr Sicherheit für den Klassenerhalt auf 11:13 Zähler aufstockten und einen Sprung von Platz elf auf Rang acht schafften.

Tim Schupe eröffnete die Partie mit dem 1:0 (1.) für die Gäste, die dann aber nach dem 2:1 (2.) von Dennis Szczesny ins Hintertreffen gerieten – und aus dem 6:8 (13.) doch das eigene 11:10 (24.) und 12:11 (26.) machen konnten. Was sich hier noch nicht erkennen ließ: Es war die letzte Essener Führung, denn nach dem 13:13 (28.) gabs klare Vorteile für die Hausherren, die kurz vor der Pause zwei Treffer zum 15:13 (30.) am Ende der ersten Hälfte schafften und direkt am Beginn des zweiten Durchgangs auf 17:13 (33.) erhöhten. Bis zum 22:18 (45.) pendelte sich das Polster der Hausherren bei rund vier Treffern ein, bevor die HSG am Hallo ein Stück näher herankam und trotzdem nie ganz dicht vor einer Wende stand – 26:24 (54.), 28:26 (58.). Die Entscheidung brachte dann das 29:26 (60.) von Sebastian Faust genau 38 Sekunden vor dem Ende und es war passenderweise die direkte Antwort auf einen Ballverlust der Essener. Refraths Coach Kelvin Tacke, dessen Mannschaft in Keeper Pius Hablowetz einen hervorragenden Rückhalt hatte, wirkte nachvollziehbar ziemlich gelöst: „Die Jungs haben den Plan perfekt umgesetzt, wir waren extrem griffig in der Abwehr und hatten dahinter eine starke Torhüterleistung. Daraus sind wir gut ins Umschaltspiel gekommen. Alleine die Fehlerquote im Angriff war etwas zu hoch, doch nach vier Wochen Wettkampfpause war das ein wichtiger und guter Start ins neue Jahr.“

HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer – Neukirch (2), Branding (1), Willers, Schallenberg (5), Faust (3), Bürger (3), Georgi (2), Schrage, Noll (10/6), Merz (1), Speckmann, Tent, Baur, Dibowski (1).

HSG am Hallo Essen: Stecken, Genkel – Sinkovec (4), K. Bekston, Ciupinski (2), Blum (2), Basholli (1), Neitsch (2), Enders (2), Szczesny (7/1), Ellwanger (1), Lange, Basic (4/2), A. Bekston, Schupe (2).