| 18. Januar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Aufgeregt: Longerichs Trainer Chris Stark zeigte offen, was er von den Leistungen der Unparteiischen in Gelnhausen hielt – und er vergriff sich in vielen Sachverhalten genauso offen. (Foto: Thomas Schmidt)
TV Gelnhausen – Longericher SC 28:28 (19:14). Vielleicht hat der eine oder andere noch die Worte des ARD-Sportkommentators Florian Naß während des EM-Auftaktspiels der deutschen Handball-Nationalmannschaft am Donnerstag gegen Österreich im Ohr. Tenor: Wie toll doch beim Handball die Akzeptanz der Spieler bei Schiedsrichter-Entscheidungen sei. Ein harter Sport, ja. Aber wenig Schauspielerei und wenig Lamentieren. Wer sich öfter in Handball-Hallen der Republik bewegt als nur einmal im Jahr im Januar zu WM oder EM, musste vermutlich schon da schmunzeln. Und insbesondere in Longerich stehen sie nicht im Verdacht, in irgendeiner Weise besonders gnädig oder verständnisvoll mit den Schiedsrichtern umzugehen. In der Halle der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule wird oft und gerne (auch lautstark) diskutiert. Und nach der Partie beim Tabellenzweiten Gelnhausen ließ LSC-Trainer Chris Stark ebenfalls kein gutes Haar an den Unparteiischen Lukas Schwarzmeier und Bela Stewen, denen er mehr oder weniger deutlich vorwarf, die Hausherren bevorzugt zu haben: „Wir mussten mit sehr vielen Rückschlägen, mit sehr viel Widerstand kämpfen. Wir haben sehr viele Zwei-Minuten-Strafen bekommen, die extrem unberechtigt waren. Da hatten wir extremen Widerstand gegen die jungen Schiedsrichter aus Hessen, die kommen hier wirklich aus der Umgebung. Naja, das nur als Randnotiz.“ Als weitere Randnotiz sollte jedoch vielleicht nicht unerwähnt bleiben, dass das Duo Schwarzmeier/Stewen seit dieser Saison dem Bundesligakader des DHB angehört und Stewen seit einiger Zeit in Bonn wohnt – was deutlich näher an Köln liegt als an Gelnhausen.
Vermutlich hätte sich der Longericher Zorn in engeren Grenzen gehalten, hätten die Gäste ihre allererste Führung von Lennart Wörmann zum 28:27 (60.) kurz vor dem Ende ins Ziel gebracht. Doch Gelnhausen bekam noch einmal den Ball und bereitete den letzten Angriff mit einer Auszeit vor. Jonas Dambach zog von der Mittelposition zum Tor und wurde von Kölns Malte Nolting unfair gestoppt. Wie die Videobilder klar zeigen, traf der LSC-Kreisläufer seinen Gegner dabei mit dem Arm auf Höhe des Halses, ohne Chance, an den Ball zu kommen. Die Schiedsrichter zeigten Nolting daher durchaus vertretbar die Rote Karte – was nach dem Regelwerk zugleich in den letzten 30 Sekunden automatisch einen Strafwurf für den TV zur Folge hatte. Auch diese Entscheidung konnte Stark nicht nachvollziehen: „Malte foult den Spieler Dambach, der extrem zu Boden geht und einen krassen Kopftreffer anzeigt, der keiner war. Dann zeigen die Schiedsrichter Rot. Zwei Minuten wäre okay gewesen, Rot ist völlig überzogen. Wir fühlten uns da wirklich extrem benachteiligt.“ Gelnhausens Jonathan Malolepszy machte sich hierüber keine Gedanken, sondern er traf drei Sekunden vor dem Ende vom Strich zum 28:28-Endstand.
Abseits der Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen hatten die Longericher über die 60 Minuten mehrfach Moral bewiesen und sich nach Rückständen und -schlägen tatsächlich immer wieder herangekämpft. Schon der Start ging mit dem 0:3 (6.) in die Hose, beim 2:6 (11.) sah es nicht wirklich besser aus. Kurz darauf sah Lennart Leitz die Rote Karte (15.), weil er den Gelnhausener Außenspieler beim Wurf abräumte – eine ebenfalls regelkonforme Entscheidung. In ihrer besten Phase verkürzten die Gäste in der Folge das 7:12 (21.) auf 11:12 (25.). Der TV schlug aber vor der Pause wieder zurück – 14:19 (30.). Der zweite Abschnitt begann nun aus LSC-Sicht denkbar ungünstig, denn Jonas Kämper sah nach einem Foul zunächst eine Zwei-Minuten-Strafe. Da sich der Longericher Rückraumspieler nicht beruhigen konnte und den Schiedsrichtern wohl einiges zu erzählen hatte, folgte eine weitere Zeitstrafe direkt hinterher. Vielleicht hat Florian Naß ja zugeguckt. Richtig war, dass die Longericher die Flinte jetzt noch nicht ins Korn warfen – und im Gegenteil weiter auf der Platte alles reinwarfen. „Da hatten wir wieder eine große Hürde in der zweiten Halbzeit und das haben wir bravourös gemacht, uns Tor um Tor herangekämpft“, fand Stark, dessen Team vom 16:22 (35.) zum 25:25 (53.) ausglich. Es folgte eine enge Schlussphase, in der die Kölner das 25:27 (55.) durch drei Treffer zum 28:27 (60.) drehten, und letztlich der finale Akt mit der Roten Karte gegen Nolting sowie dem Strafwurf zum 28:28-Endstand. In der Tabelle bleibt der LSC durch das Unentschieden Siebter (20:14 Punkte), während Gelnhausen weiter auf Rang zwei liegt (26:6).
Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (3), Pyszora (4), Henrich, Richter, Gerfen (1), Bertenbreiter, Niehaus (1/1), Leitz, Schulz (4), Nolting (4), Kremp (1), Kaysen (6), Kämper (4).
TV Homburg – Interaktiv.Handball 26:29 (11:13). Dass der Abend im Saarland handballerisch nicht immer, sondern eher selten in die Kategorie hochklassig gehörte, interessierte die Ratinger hinterher nicht im Geringsten. Sie hatten schließlich beim Tabellenletzten gerade eine Partie gewonnen, die ihnen für den weiteren Kampf um den Klassenerhalt zwei wertvolle Zähler bescherte und die Chancen auf einen Platz am rettenden Ufer noch einmal festigte. Ebenfalls fast nebensächlich: Durch den Erfolg verbesserte sich das Team von Trainer Filip Lazarov mit nun 15:19 Punkten vorübergehend vom bisherigen Rang elf bis auf den neunten Platz. Gold wert waren die beiden Zähler vor allen Dingen deshalb, weil der Abstand zur Konkurrenz geblieben bis noch größer geworden ist, denn die Lücke zu den SG Schalksmühle-Halver Dragons auf dem ersten der drei Abstiegsränge (13./8:26) ist unverändert sieben Punkte groß und jene zum Vorletzten TSG Haßloch (4:28) weiterhin noch größer. Darüber hinaus hat Interaktiv das Schlusslicht Homburg (3:29) vermutlich bereits final abgehängt und der Aufsteiger nimmt einen zusätzlichen Pluspunkt mit in die kommenden Wochen, die als nächste Aufgabe das womöglich unlösbare Rätsel am 25. Januar gegen den Spitzenreiter HG Saarlouis (32:4) bereithalten. Bemerkenswert: In Homburg trugen sich alle 13 eingesetzten Feldspieler in die Torschützenliste ein. Mehr mannschaftliche Geschlossenheit geht kaum und sie war in diesem Fall doppelt hilfreich, weil in den Rückraumspielern Luca Wenzel und Hendrik Stock zwei fürs Ratinger Gefüge wichtige Stützen fehlten.

Die Gäste begannen mit einem von Dusan Maric vergebenen Siebenmeter (2.) und sie mussten kurz darauf zwei Mal den Ausgleich hinnehmen – 1:1 (4.), 2:2 (5.). Ab diesem Zeitpunkt legte Interaktiv, hier zunächst gestützt durch Sebastian Bliß zwischen den Pfosten und später im Spiel durch Nicholas Plessers, nach dem 3:2 (6.) von Tomislav Nuic regelmäßig vor. Beim 8:5 (18.) oder 10:6 (21.) deutete fast schon alles auf eine ganz nach dem Geschmack der Gäste laufende Partie hin, die Homburg allerdings besonders nach dem 13:11 (30.) zurück ins Spiel ließen, weil sie sich der allgemein zu hohen Fehlerquote anpassten. Nach dem 18:15 (39.) wurde es mit dem 20:20 (44.) sogar wieder richtig spannend – 22:22 (46.), 24:24 (50.). Die Entscheidung leiteten auf der Zielgeraden die Treffer von Luca Elias Schulz zum 27:25 (55.) und Dusan Maric zum 28:25 (57.) ein – und das amtliche Siegel bekam der Sieg der Ratinger in der 58. Minute: Der spielende Sportliche Leiter Stanko Sabljic, erst relativ spät überhaupt auf die Platte gekommen, erhöhte auf 29:25 (58.) und das Tor erzielte der 37 Jahre alt Kreisläufer per Tempogegenstoß – was ein Bereich ist, in dem er sicher nicht zu den erwiesenen Fachkräften gehört. In der Summe war Sabljic jedoch als Teamplayer einfach erleichtert: „Das war ein schwieriges Spiel für uns. Trotzdem waren wir über 60 Minuten die bessere Mannschaft. Wir haben uns das Leben schwer gemacht durch eigene technische Fehler. Aber am Ende haben wir uns besser gefunden und durch Tempospiel gewonnen.“
Interaktiv.Handball: Plessers, Bliß – Schulz (5), Venedey (1), Szabo (1), Sibbel (2), Kübler (2), Körber (2), Seher (1), Büttner (2), Nuic (8/3), Poschacher (1), Koenemann (1), Maric (2), Sabljic (1).
TuS 82 Opladen – HLZ Friesenheim-Hochdorf II 23:29 (10:11). Müssen die Opladener den Blick doch deutlich schärfer nach unten richten als gedacht? Falls es alleine nach den ersten zehn Minuten und 35 Sekunden dieses Spiels geht, auf jeden Fall – denn den Start setzte die Mannschaft von Trainer Stefan Scharfenberg mit einer fatalen Mischung aus Fehlern und ausgelassenen Torgelegenheiten komplett in den Sand. Auch über den gesamten Rest des Abends fanden die Opladener im Duell mit einem Kontrahenten aus dem unteren Drittel überhaupt kein geeignetes Mittel, um der trübe laufenden Partie eine echte Wende zu geben. Selbst das 11:11 (32) durch Markus Sonnenberg, erzielt in einer mit einer übersichtlichen Trefferfrequenz durchgeführten Aufholjagd, brachte keinen Umschwung, weil die auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz angesiedelten Gäste (jetzt 13:21 Punkte) direkt eine Antwort fanden und fortan nie mehr ernsthaft in Gefahr gerieten. Weil darüber hinaus auf dem letzten Teilstück auf Opladener Seite jeder Widerstand in sich zusammenbrach, stand nach der Schluss-Sirene sogar eine unangenehm hohe Niederlage auf der Anzeigetafel – die im ungünstigsten Fall der Fälle für den TuS 82 noch einigermaßen unangenehm werden könnte. Die inzwischen auf dem Konto stehenden 14:22 Punkte reichen zwar für den Augenblick noch zum zehnten Rang, aber die Luft ist ein Stück dünner geworden: Bis zu den SG Schalksmühle-Halver Dragons auf dem ersten Abstiegsplatz (14./8:26) ist der Abstand auf sechs Zähler geschmolzen – was für ein Opladen in dieser Form und mit 1:7 Zählern aus den vergangenen vier Auftritten keine wirkliche Sicherheitsgarantie sein kann.
In den ersten Minuten sahen zumindest die Anhänger der Hausherren einen aus ihrer Sicht völlig falschen Film – 0:1 (1.), 0:2 (2.), 0:3 (4.), 0:4 (5.), 0:5 (6.), 0:6 (8.). Durch den von Moritz Schulz fürs HLZ verworfenen Siebenmeter (10.) blieb Opladen danach das 0:7 erspart, ehe Oliver Dasburg mit dem 1:6 (11.) wenigstens das erste Tor des TuS 82 auf die Anzeigetafel brachte. In ihrer effektivsten Phase in der gesamten Partie verkürzten die Hausherren in der Folge vom 3:9 (17.) auf 7:9 (25.), weil sich Friesenheim nun ebenfalls eine offensive Auszeit gönnte (mehr als acht Minuten ohne Tor). Und aus dem 8:11 (26.) konnte Opladen anschließend halbzeit-übergreifend durch eine 3:0-Serie jenes neue Hoffnung gebende 11:11 machen, das letztlich allerdings maximal eine Art Strohfeuer ohne besondere Wirkung war. Nach dem 18:19 (43.) wurde die Partie spätestens ab dem 18:23 (48.) wieder zum fast verzweifelt wirkenden Hinterher-Rennen ohne Aussicht auf Erfolg.

Trainer Scharfenberg hatte eine relativ einfache Erklärung für die bittere Heimniederlage: „Wir scheitern an uns selber. Schon in der Anfangsphase, in der wir wirklich keine guter Figur machen, haben wir erstklassige Chancen. Wir stellen dann um und stabilisieren die Abwehr, aber das Problem der Chancenverwertung bleibt. Wir erspielen uns über 60 Minuten beste Möglichkeiten, sind aber nicht in der Lage, genügend davon reinzumachen. Wir haben zu viele Fehlwürfe und auch noch einige technische Fehler – und dann reicht es nicht, ein Spiel zu gewinnen. Von den Lösungen, die wir uns erspielen, war der Sieg auf jeden Fall möglich, aber nicht mit dieser Abschluss-Quote.“ Was sich aus der Pleite definitiv ergibt: Der TuS 82 Opladen ist mit 8:14 Punkten in dieser Saison keine zu Hause besonders starke Mannschaft. Insgesamt besser muss es auf jeden Fall ziemlich zügig werden, damit die Lage nicht richtig brenzlig wird – und vielleicht hilft es ja, dass die wichtige Aufgabe am nächsten Samstag gegen die stark gefährdete TSG Haßloch (Vorletzter/4:28) nicht in der Bielerthalle stattfindet, sondern bei der TSG im Südosten des Landkreises Bad Dürkheim.
TuS 82 Opladen: Beckert, Klein – Wolfram (8), Dittmer (3), Jagieniak (2), Dasburg (3/1), Schmitz (1), F. Johannmeyer, Sonnenberg (4), Kostorz, Werschkull, L. Johannmeyer, Swiedelsky (2).