Regionalliga Nordrhein
Ist das Glück zurück in Mönchengladbach?
Gefährdete Borussia rettet im Nachholspiel spät ein 33:33 beim TSV Bayer Dormagen II, der so den Sprung auf Platz zwei verpasst. Spannung verspricht jetzt zum Auftakt der Rückrunde auch der Abstiegskampf.

Der keine Nerven kennt: Niklas Weis (35), hinter Keeper Matthias Hoffmann (38) der erfahrenste Spieler der Mönchengladbacher, erzielte kurz vor Schluss den wichtigsten seiner insgesamt sieben Treffer in Dormagen. (Foto: Michael Jäger)

TSV Bayer Dormagen II – Borussia Mönchengladbach 33:33 (19:15). Möglicherweise gleichen sich die Dinge im Laufe der Zeit ja doch an oder sogar aus. Nur Unglück, konzentriert auf einen Einzelnen, scheint es jedenfalls in der Regionalliga von den Ergebnissen her nicht zu geben. Die Borussia hatte zuletzt zwei Mal mit Wucht eine Portion Pech getroffen – 27:28 im Derby beim Spitzenreiter TV Korschenbroich, 26:27 gegen die HSG Refrath/Hand. In beiden Fällen hatte der Aufsteiger die Tore zur Niederlage erst wenige Sekunden vor Schluss hinnehmen müssen: Drei Sekunden fehlten in Korschenbroich für was Zählbares, drei Sekunden fehlten auch gegen Refrath. Diesmal konnte die Mannschaft von Trainer Ronny Rogawska den Spieß umdrehen – obwohl dieses Nachholspiel acht Minuten vor Schluss beim Stande von 26:30 (53.) bereits verloren zu sein schien. Durch eine 3:0-Serie kam der Außenseiter beim favorisierten Dritten auf 29:30 (55.) heran und es folgte ein dramatischer Schluss-Abschnitt – in dem die Borussia zunächst ein 30:32 (57.) zum 32:32 (59.) ausglich. Max Schmidt brachte Dormagen mit dem 33:32 (59.) erneut nach vorne, ehe Mönchengladbach seine letzte Auszeit nutzte, um bei 54 verbleibenden Sekunden auf der Uhr einen Plan für den Rest des Abends zu entwerfen. „Wir haben nie aufgegeben und wir haben uns durch eine gute Moral zurückgekämpft ins Spiel“, fand Rogawska, „bei der letzten Auszeit habe ich gesagt, dass wir noch eine Chance kriegen – und siehe da, wir haben diese eine Chance bekommen.“ Die späte Gelegenheit war dann ein Fall für den erfahrenen Rückraumspieler Niklas Weis, der zum Siebenmeter antreten konnte, auch seinen vierten Versuch vom Strich verwandelte und der Borussia damit das 33:33 sicherte – weil die übrigen fünf Sekunden den Hausherren nicht mehr für eine weitere Antwort reichten. Logisch: Die Gefühlswelten der Beteiligten klafften hinterher meilenweit auseinander. „Wir wurden endlich belohnt nach den beiden knappen Niederlagen zuletzt kurz vor Schluss“, fand Borussia-Coach Rogawska. Kollege Peer Pütz war dagegen mäßig begeistert bis enttäuscht: „In der zweiten Halbzeit setzen wir uns auf sechs Tore ab – und verpassen es, das Spiel wirklich zuzumachen. Wir hatten am Ende ein paar Mal auch Pech, als wir den Ball eigentlich schon gewonnen haben und er dann irgendwie noch zum Gegner kommt. Es ist bitter, dass wir den Punkt noch abgeben.“ Dormagen (17:9 Punkte) verpasste durch den finalen Weis-Siebenmeter den Sprung auf den zweiten Platz und es bleibt Dritter hinter Korschenbroich (20:6) sowie dem HC Weiden (18:8), während die Borussia trotz des Achtungs-Erfolges als 13. mit 6:18 Punkten vor dem VfL Gummersbach II (5:17) weiter einen Abstiegsplatz einnimmt.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit lief das Duell relativ ausgeglichen, wobei Dormagen – erneut mit personeller Unterstützung aus dem Zweitliga-Kader unterwegs – nach dem 2:1 (2.) fast immer führte und im ersten Abschnitt nur beim 8:8 (11.) wieder einen Ausgleich hinnehmen musste. Dann machte Bayer aus dem 17:15 (27.) kurz vor der Pause die 19:15-Führung (30.) und erhöhte direkt am Anfang der zweiten Halbzeit auf 20:15 (31.). Beim 22:16 (35.) hatten die Hausherren ihren höchsten Vorsprung und sie schienen die Partie trotz heftiger Gegenwehr der Borussia zu kontrollieren – übers 24:22 (44.) und 28:24 (49.) bis zu jenem 30:26, das aber keine Entscheidung war, sondern erst des Dramas packendsten Akt einleitete. Für TSV-Coach Pütz hatten sich die Dormagener das in der zweiten Halbzeit Verpasste selbst zuzuschreiben: „Wir machen noch mehr technische Fehler und verwerfen frei stehend.“ Rogawska hatte auf der anderen Seite wichtige Stützen besonders in Keeper Matthias Hoffmann, dem in der Endphase wichtige Paraden gelangen, sowie in den drei Rückraumspielern Gabriel Westhofen, Tim Dicks und Niklas Weis – die zusammen immerhin 21 der 33 Tore für Mönchengladbach beisteuerten. „Ich muss aber der ganzen Truppe ein Riesenlob aussprechen nach den schweren Wochen“, fand der Borussia-Trainer, „das zeigt ihren guten Charakter, sich da wieder hochzuarbeiten.“

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Srugies (1), Scheel, Kasper (3), Böckenholt (4/1), Emmerich (6), Döpner, Ostrowski (5/4), Schmidt (3), Bahns (3), Hahn, Scholl (2), Schindler, Hein (3), Kriescher (3).

Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann – Dicks (6), Jennes (3), Weis (7/4), Herholz, Semrau, Weisz (1), Berner (4), Westhofen (8), Nix, Lipok (2), Markovic, Slabospytskyi, Roth (2).

 

Während die meisten Mannschaften die Hinrunde der Saison 2025/2026 am vergangenen Wochenende abgeschlossen haben, hängen ausgerechnet die beiden Schlusslichter Gummersbach II (erst elf Spiele) und Mönchengladbach (zwölf) auch in diesem Bereich hinterher. Das mal auf den 20./21. Dezember 2025 festgesetzte und später verlegte direkte Duell vom zehnten Spieltag geht nun erst am 10. März über die Bühne – ehe am 25. April die Rückrundenpartie auf dem Programm steht. Weiter geht es für die Borussia nun jedoch zunächst gegen Weiden, das sich genau in der Mitte zwischen dem Spitzenreiter Korschenbroich und dem Dritten Dormagen II aufhält. Bemerkenswerte Parallele: Alle drei gaben jetzt Punkte ab – die Korschenbroicher mit dem 29:32 beim HC Gelpe/Strombach (Neunter/12:14), der HC mit dem 22:25 bei der HSG am Hallo Essen (Fünfter/15:11) und die Dormagener nur vier Tage nach dem 37:30 gegen den TV Aldekerk (Siebter/13:13) mit dem Unentschieden gegen Mönchengladbach. Trainer Marc Schlingensief, der nun mit seinen Weidenern bei der Borussia antreten muss, ist vor dem Start in die Rückrunde auf jeden Fall gewarnt: „Nach der mehr als ärgerlichen Niederlage in Essen wollen wir wieder zurück in die Erfolgsspur. Dafür ist selbstredend eine Leistungssteigerung im Angriff nötig. Gladbach, das tief im Keller der Tabelle feststeckt, hat im Nachholspiel in Dormagen überraschend einen Punkt geholt. Die Mannschaft von Trainerfuchs Ronny Rogawska agiert meistens sehr kontrolliert und gewissenhaft im Angriff. Über die erfahrenen Rückraumspieler ist vor allem das Kreisläuferspiel sehr ausgeprägt. Sie stellen eine sehr solide und körperbetonte Abwehr mit guten Keepern dahinter. Wir müssen im Prinzip zur Vorwoche nicht viel ändern – abgesehen davon, dass wir deutlich effizienter im Angriff werden müssen, damit wir aus der stabilen Abwehr heraus mehr Profit schlagen können.“ Allerhöchste Konzentration fordert auch Frank Berblinger für die Aufgabe des Tabellenführers bei der HSG Refrath/Hand (15:11), die sich durch drei Siege hintereinander immerhin auf den sechsten Platz vorgearbeitet hat. „„Wir wollen aus unserer eigenen stabilen Deckung heraus wieder in unser Tempospiel kommen“, betont der TVK-Trainer, „wir müssen unsere Wurfquote und unsere Effektivität verbessern. Zudem wollen wir die Niederlage in Gummersbach ein Stück weit egalisieren und uns den Punkt zurückholen, den wir gegen Refrath/Hand im Hinspiel verloren haben.“ Mehr als vier Monate liegt inzwischen das Duell vom 20. September zurück, als Max Eugler (58.) und Florian Krantzen (60.) den Korschenbroichern nach einem 26:28-Rückstand aus der 56. Minute soeben noch ein 28:28-Unentschieden verschafften.

Die Sorgen der TV Korschenbroich hätte der ebenfalls aus der 3. Liga abgestiegene TV Aldekerk wohl ganz gerne, doch das nach der vergangenen Saison umgebaute Team von Trainer Tim Gentges steckt mit 13:13 Punkten und 386:387 Treffern auf dem siebten Platz fest – mehr Mittelmaß geht kaum und die Leistungen der Aldekerkern sind tatsächlich konstant schwankend. Daran hat sich im neuen Jahr wenig geändert: Zum Auftakt gab es ein 30:33 beim massiv im Kampf gegen den Abstieg steckenden BTB Aachen (Zwölfter/9:17), ein hart erkämpftes 28:27 gegen Unitas Haan (Achter/12:14) und jüngst das 30:37 in Dormagen. Für die Aufgabe beim Tabellenletzten VfL Gummersbach II scheint das in erster Linie zu heißen, dass alles möglich ist. Co-Trainer Nils Wallrath, früher selbst als Chefcoach in der Vogteihalle unterwegs und seit einiger Zeit als Co-Trainer ebenso Vertrauter wie rechte Hand von Tim Gentges, hält offensichtlich viel von einer größeren Portion Vorsicht: „Wir sollten mit der richtigen Einstellung nach Gummersbach fahren“, findet Wallrath, „bei uns läuft aktuell auch nicht alles rund und wir haben weiter einen recht hohen Krankenstand und können nur eingeschränkt trainieren. Wir werden mit einer guten Bank antreten, aber nicht mit einer voll besetzten, und wir werden auf jeden Fall versuchen, die Punkte zu holen. Wir erwarten eine laufstarke offensive Mannschaft, die gut ausgebildet ist. Wir müssen unsere Abwehr wieder festigen und uns gegenseitig unterstützen und mit unserer Euphorie versuchen, den aktuellen Tabellenletzten zu knacken und die zwei Punkte mitzunehmen, die wir dringend benötigen – um nicht eventuell auch unten reinzurutschen.“ Rein statistisch gesehen wird der TVA im Übrigen sowieso was Zählbares mitnehmen aus dem Oberbergischen: Zwei Niederlagen hintereinander gab es noch nicht im Laufe dieser Saison. Gummersbach auf der anderen Seite bleibt unten höchstens dann einigermaßen im Geschäft, wenn es jetzt nicht erneut leer ausgeht. Unter anderem beim 33:32 am 13. Dezember 2025 gegen die HSG am Hallo Essen bewies das Team von Trainer Jan Schwenzfeier wiederum, dass es durchaus ein unangenehmer Gegner für besser postierte Konkurrenten sein kann – und das jüngste 24:29 der VfL-Zweiten gegen den OSC Rheinhausen wird in Aldekerk niemanden zu dem Fehlschluss verleiten, dass die Punkte in Gummersbach automatisch an die Gäste gehen.

Ob der Dritte Dormagen auf Dauer als ernsthafter Konkurrent der Korschenbroicher in Frage kommt, wird nach dem überraschenden 33:33 gegen die Mönchengladbacher unter anderem das Heimspiel gegen den SSV Nümbrecht zeigen (10:16), der mit 1:5 Zählern ins Jahr 2026 gestartet ist und auf Rang elf kein besonders großes Polster mehr auf die Abstiegszone hat: Der Drittletzte BTB Aachen liegt beinahe gleichauf, der Vorletzte Mönchengladbach und der Letzte Gummersbach II liegen – ausgehend von der Anzahl der Minuspunkte – nur ein bisschen weiter weg. Und besonders die Aachener arbeiten gerade sehr intensiv und durchaus erfolgreich daran, die Tuchfühlung zum Mittelfeld herzustellen: Nach 5:1 Punkten aus drei Spielen ohne Niederlage am Anfang des neuen Jahres sieht die Lage für die Aachener deutlich freundlicher aus als Ende 2021 mit bescheidenen 4:16 Zählern auf dem Konto. Sollte en Aachenern nun gegen den HC Gelpe/Strombach ein weiterer Heimsieg gelingen, wären sie sogar an den Gästen aus dem Oberbergischen dran. Die allerdings bringen als Empfehlung drei Siege hintereinander mit – 43:29 im Derby gegen Nümbrecht, 37:29 bei der TSV Bonn rrh. (Zehnter/12:14), 32:29 gegen Korschenbroich.