| 05. Februar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Die Hände zum Himmel? Julius Hein, Malte Adam und Julius Bahns (von links) haben sich jedenfalls mit dem TSV Bayer Dormagen II auf Platz zwei in eine vielversprechende Situation gebracht. (Foto: Thomas Schmidt)
Hätte diese Partie vor gut sechs Wochen einen Platz im Terminkalender gehabt, wäre vermutlich niemand auf die Idee gekommen, auch nur einen einzigen Cent auf den BTB Aachen zu setzen. Damals hing das Team von Trainer Simon Breuer schließlich mit müden 4:16 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz fest und nahm entsprechend viele Sorgen mit in die Meisterschaftspause über Weihnachten und Neujahr. Der TV Korschenbroich dagegen, der liebend gerne in die 3. Liga zurückkehren würde, stand bei 16:4 Zählern ganz oben und er hatte die meisten Begegnungen relativ souverän gestaltet. Seit jenem Dezember-Wochenende hat sich aber viel geändert – grundsätzlich bei den Aachenern und zuletzt auch bei den Korschenbroichern. Erstens: Der TVK ist bei 20:8 Punkten weiter Erster und er muss für die Rückrunden-Partie am Samstag gegen Aachen immer noch als Favorit gelten. Zweitens: Der BTB ist inzwischen mit neuem Selbstbewusstsein unterwegs und er hat im Jahr 2026 noch nicht verloren, sondern sich durch drei Siege und ein Unentschieden bei mittlerweile 11:17 Zählern auf Rang elf vorgearbeitet. Auf die leichte Schulter hätte der Tabellenführer seinen Gegner zwar sowieso nicht genommen, doch die Aachener Steigerung dürfte für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen – und sie trifft auf Korschenbroicher Verunsicherung, ausgelöst durch das 29:32 beim HC Gelpe/Strombach (Neunter/12:16) und das 32:33 zuletzt bei der HSG Refrath/Hand (Sechster/16:12). Zwei Niederlagen hintereinander hatten sie rund um die Waldsporthalle sicher nicht eingeplant und sie waren gleichzeitig doppelt bis dreifach ärgerlich, was auch Trainer Frank Berblinger nach der Partie in Refrath feststellte: „Dieses Wochenende und letztes Wochenende spielt die Konkurrenz für uns und zwei Mal können wir die Chance nicht nutzen, uns ein Stück weit abzusetzen.“ Gemeint war zunächst der vorherige Zweite HC Weiden, der nach einem 22:25 bei der HSG am Hallo Essen (Vierter/17:11) und einem 35:38 bei Borussia Mönchengladbach (13./8:18) gar nichts Zählbares holte und auf Rang drei (18:10) trotzdem nur zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter liegt. Gemeint war daneben der vorherige Dritte und neue Zweite TSV Bayer Dormagen II (19:9), der sich in seinem Nachholspiel gegen gefährdete Mönchengladbacher überraschend mit einem 33:33 begnügen musste. Und eigentlich müssten sie sich in Korschenbroich für dieses Unentschieden nachträglich bedanken beim Nachbarn Mönchengladbach – denn bei einem Dormagener Sieg wäre der TVK mittlerweile sogar seine Tabellenführung los. Fünf Sekunden vor dem Ende führte der TSV Bayer mit 33:32, ehe Borussia-Rückraumspieler Niklas Weis einen Siebenmeter zum Ausgleich verwandelte. Ohne diesen Treffer lägen die beiden Meisterschafts-Kandidaten bei jeweils 20:8 Punkten und Dormagen hätte für den Moment über das Torverhältnis (plus 53/plus 43) die Nase vorne. Was das alles für die Aachener bedeutet, ist allerdings eine andere Frage – und ganz nebenbei hat Korschenbroich noch kein Heimspiel verloren (11:1) und Aachen noch kein Auswärtsspiel gewonnen (1:11). In der Summe ist die bevorstehende Partie wohl trotzdem ein Stück offener geworden.
Noch offener ist mittlerweile, wohin der Weg der TSV Bonn rrh. führt, die einst zu den Top-Teams gehörte – bis zum 6. Dezember 2025 und dem 38:34 beim OSC Rheinhausen (Fünfter/16:12). Es folgten ein spannendes 32:34 gegen den TV Aldekerk (Siebter/15:13), nach dem sich zunächst niemand etwas Böses dachte – was nach dem 28:31 zum Abschluss des Jahres beim Aufsteiger SSV Nümbrecht (Zwölfter/10:18) bereits ein bisschen anders aussah. In den ersten vier Spielen im Jahr 2026 bekam die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl ebenfalls kein Bein auf den Boden mit dem 31:36 gegen Korschenbroich, dem 29:37 gegen Gelpe/Strombach, dem 22:27 in Aachen und dem 22:31 bei Unitas Haan, der bislang höchstens Saison-Niederlage. Bonns Coach hat die Lage natürlich längst begriffen: „Wer die Tabelle lesen kann, der muss so langsam, aber sicher verstehen, dass wir uns mit zwölf Punkten ganz bestimmt nicht ausruhen können, sondern dass wir hart arbeiten müssen, damit wir nicht noch tiefer unten reinrutschen.“ Als Zehnter liegen die Bonner bei 12:16 Punkten tatsächlich nicht mehr richtig weit weg von Aachen und Nümbrecht sowie von Borussia Mönchengladbach auf dem ersten festen Abstiegsrang 13. Einer der Gründe für die anhaltende Talfahrt der TSV: Ihre Torproduktion ist massiv eingebrochen: Während sie in den ersten acht Spielen bei 33,75 Toren pro Partie lag (insgesamt 270), fiel sie in der Summe der sechs Niederlagen auf 27,33 (insgesamt 164). Dabei ist die Tendenz im Augenblick fallend – 32, 31, 31, 29, 22, 22. Gute Voraussetzungen für die nächste Hürde sehen anders aus, zumal der Zweite Dormagen II in die Halle Ringstraße kommt, der zuletzt in drei Heimspielen in Folge auf 5:1 Punkte und dabei auf 108 Tore kam, also auf genau 36 pro Abend und damit auf neun mehr als die zurzeit leidenden Bonner. Ob es den Gastgebern helfen würde, falls Dormagen nicht mehr mit der einen oder andere Leihgabe aus dem Zweitliga-Kader antreten kann, ist das eine Thema. Ein anderes ist, ob sie sich so schnell wie möglich und so gründlich wie möglich steigern können. Vielleicht macht die TSV was daraus, dass Bayer auswärts offensichtlich anfälliger daherkommt – wie besonders ein 24:30 in Gelpe/Strombach und ein 31:35 bei Unitas Haan andeuten. Geschenke wird die Mannschaft von Trainer Peer Pütz in Bonn trotzdem nicht verteilen, sondern eher einen Sieg mitnehmen wollen, um die Korschenbroicher oben weiter zu bedrängen.
So etwas wie der aktuelle Überflieger in der Regionalliga Nordrhein ist die HSG Refrath/Hand, die sich zuletzt massiv sowohl in den Abstiegskampf als auch in den Titelkampf eingemischt hat – den ersten Teil natürlich eher zum eigenen Nutzen. Nach dem 31:33 am 14. Dezember 2025 bei der Unitas Haan war das Team von Trainer Kelvin Tacke bei 7:11 Zählern durchaus nicht sorgenfrei angesichts der Aufgaben, die demnächst kommen sollten. Dann gelang den Refrathern aber zunächst ein 33:31-Heimsieg gegen Dormagen und die HSG wusste im neuen Jahr daran anzuknüpfen: Aufs 29:27 gegen die HSG am Hallo Essen gab es ein 27:26 bei der unten aufkommenden Borussia Mönchengladbach und als Höhepunkt am vergangenen Sonntag das verdiente 33:32 gegen den Tabellenführer Korschenbroich. Fazit: Wer zu solchen Resultaten in der Lage ist, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts mehr mit dem Thema Klassenerhalt zu tun bekommen. Ob es sogar dauerhaft dazu reicht, den bei 15:11 Punkten erreichten sechsten Platz zu stabilisieren und in der oberen Tabellenhälfte zu bleiben, dürfte bereits die Partie am Samstag beim HC Weiden zeigen – der immer noch den dritten Rang belegt und trotzdem die vorherige Spur ein Stück weit verloren hat. Mit dem Saison-Minusrekord an erzielten Treffern ging es bei der HSG am Hallo Essen los (22:25), ehe es bei Borussia Mönchengladbach eine offensive Steigerung und dennoch die zweite Niederlage in Folge gab (35:38). Vielleicht lag es mit daran, dass die Weidener auswärts deutlich anfälliger sind als zu Hause, weil sie sich alle zehn Minuspunkte (6:10) in fremden Hallen einhandelten, während die Bilanz in der Halle Parkstraße bisher mit sechs Spielen, sechs Siegen und 12:0 Punkten noch makellos ist. Trainer Marc Schlingensief baut darauf, dass die Wende zurück zum Guten gelingt: „Refrath ist aktuell die Mannschaft der Stunde – nicht nur weil sie im neuen Jahr vier Siege eingefahren haben, sondern vor allem gegen wen. Sie spielen mit einer sehr hohen Laufbereitschaft in der Abwehr und wechseln ständig die Systeme, was die Angreifer zu Handlungsdruck zwingen soll. Im Angriff verteilen sie Ihre Bemühungen auch gut auf mehreren Schultern und suchen schnell den Abschluss. Genau hier müssen wir ansetzen: Keine einfachen Tore kassieren wie zuletzt und selber das Tempospiel aufziehen. In den vergangenen beiden Spielen fehlte uns die Balance zwischen Abwehr und Angriff. Das wollen wir in unserem Wohnzimmer wieder deutlich besser hinbekommen – und das werden wir auch. Wir wollen mit einem positiven Ergebnis in die Karnevalspause gehen – egal, wie es personell aussieht.“

An einer Art Kreuzung mit Pfeilen, die in verschiedene Richtungen zeigen, stehen vor ihrem direkten Duell der TV Aldekerk und die HSG am Hallo Essen, die eins gemeinsam haben: Sie überraschen regelmäßig sich selbst und andere, eine Art von Stabilität oder Konstanz ist nicht zu erkennen. Über die aktuell bessere Form verfügen offensichtlich die Essener, die nun immerhin mit 6:2 Punkten aus den ersten vier Spielen im Jahr 2026 daherkommen, zuletzt den OSC Rheinhausen (Fünfter/16:12) mit 39:30 abfertigten und sich dadurch auf den vierten Platz vorschoben. Schwerer tun sich dagegen die Aldekerker, die am 10. Januar mit einem 30:33 bei gefährdeten Aachenern begannen und am vergangenen Samstag alle Mühe hatten, sich beim personell massiv geschwächten Letzten VfL Gummersbach II (5:19) mit 32:29 zu behaupten. Für TVK-Trainer Tim Gentges geht es zuerst darum, dass der TVA von der ersten Minute an mit Leidenschaft auf der Platte steht. Außerdem sieht er noch den ziemlich dringend Bedarf, die 26:30-Niederlage vom 28. September 2025 in Essen zu korrigieren/umzudrehen: „Wenn wir das Hinspiel betrachten, haben wir da noch eine kleine Rechnung offen. Wir hatten 19 Fehlwürfe auf das freie Tor und wenn wir nur die Hälfte oder ein Drittel davon gemacht hätten, hätten wir gewonnen.“ Grundsätzlich sieht er im Aufsteiger aus dem Ruhrgebiet natürlich einen sehr starken Kontrahenten, der gegenwärtig nicht aus Zufall auf Rang vier zu Hause ist. „Essen kommt mit einer Menge Qualität und Erfahrung – und sie wissen, wie man Tempo gut verschleppt“, sagt Gentges, „so eine lethargische Anfangsphase wie in Gummersbach dürfen wir uns nicht erlauben. Gerade in den Heimspielen gilt es jetzt Punkte zu holen gegen Mannschaften, gegen die wir in der Hinrunde verloren haben. Wir wollen in dieser Saison gegen keine Mannschaft zwei Mal verlieren. Die Jungs werden alles reinwerfen.“
Keine ähnlich großen Schwierigkeiten wie der TV Aldekerk mit Konkurrenten aus der unteren Hälfte hatte bisher der OSC Rheinhausen, auf dessen Konto bereits die Auswärtssiege bei Borussia Mönchengladbach (37:28), beim SSV Nümbrecht (41:31), beim HC Gelpe/Strombach (34:29), bei Unitas Haan (31:27) und eben in Gummersbach (29:24) stehen. Dass der OSC seinen Hinrunden-Erfolg in Mönchengladbach nun im Heimspiel wiederholt, liegt bestimmt im Bereich des Möglichen, doch dazu wird das Team des Trainergespanns Sascha Wistuba/Nico Biermann wohl maximalen Widerstand überwinden müssen: Die Borussia holte vor Kurzem ein 33:33 in Dormagen, ehe sie gegen Weiden mit 38:35 gewann, durch beide Leistungen ihren Klassentauglichkeit nachwies – und trotzdem als Vorletzter unverändert in großer Gefahr schwebt. Wäre jetzt Schluss, müsste Mönchengladbach zusammen mit dem Schlusslicht Gummersbach II runter, das seinerseits im Derby gegen den Drittletzten SSV Nümbrecht (10:18) dringend einen Sieg braucht. Mehr Klarheit rund um die eigenen Aussichten auf eine Position am rettenden Ufer hat die Borussia dann spätestens am Ende des nächsten Monats, weil sie am 28. Februar zunächst in Nümbrecht sowie anschließend am 10. März (Nachholspiel) gegen den VfL Gummersbach II, am 14. März beim HC Gelpe/Strombach und am 21. März gegen den BTB Aachen antritt. Fast zu übersehen: Dazwischen liegt am 7. März die Aufgabe gegen Bonn. Und hätte diese Partie vor gut sechs Wochen einen Platz im Terminkalender gehabt, wäre vermutlich niemand auf die Idee gekommen, auch nur einen einzigen Cent auf die Mönchengladbacher zu setzen. Jetzt sieht es fast wie ein Treffen unter Gleichen aus.