Regionalliga Nordrhein
Der Herausforderer: Weiden ist heiß auf Korschenbroich
Der Dritte erwartet den Tabellenführer. Im Mittelfeld sieht sich Aldekerk beim Vorletzten Mönchengladbach selbst unter Druck. Bonn kämpft beim Vorletzten Gummersbach II gegen die Abwärtsspirale.

Herrscher zwischen den Pfosten: Torhüter Sven Bartmann (38) hat im Laufe seiner Karriere die meisten Situationen schon mal erlebt – auch Spitzenspiele wie jetzt jenes seiner Korschenbroicher in Weiden. Die Gastgeber haben natürlich trotzdem vor, dem TVK das Leben so schwer wie möglich zu machen und im Optimalfall beide Punkte zu behalten. (Foto: Sven Frank)

Sie erzielen zu Hause im Schnitt mehr als 36 Tore pro Partie und der „Minusrekord“ stammt vom 20. September 2025 und dem fast fünf Monate alten 32:26 zum Saisonbeginn gegen Borussia Mönchengladbach. Dass der HC Weiden für den Moment den dritten Tabellenplatz einnimmt und hinter dem Zweiten TSV Bayer Dormagen II ein echter Verfolger des Spitzenreiters TV Korschenbroich ist, kann auch deshalb kein bisschen als Zufall gelten – die insgesamt 255 Treffer sind einfach die beinahe logische Folge für makellose 14:0 Punkte aus bisher sieben Partien in der Halle Parkstraße. In der Summe ergibt sich nun trotz der bereits fünf Niederlagen auswärts aus den insgesamt 20:10 Zählern die Rolle des Verfolgers hinter dem TV Korschenbroich (22:8) und dem HC Weiden (21:9), sodass das Team von Trainer Marc Schlingensief für den Rest der Serie für eine Spitzenposition in Frage kommt. Ein Spitzenspiel ist das Duell mit den Korschenbroichern am Samstag sogar ganz sicher – und beim TVK werden sie natürlich alle Stärken der Weidener genauestens auf dem Schirm haben. Was die Mannschaft von TVK-Trainer Frank Berblinger vor allem entgegensetzen kann: Sie bringt das Non-Plus-Ultra zwischen den Pfosten mit. Das Paket aus Torhüter und Abwehr davor hat in 15 Begegnungen erst 407 Gegentore zugelassen und selbstredend sind die 27,13 pro Partie ein fast einsamer Liga-Rekord. Die Betonfabrik trägt zudem einen konkreten Namen, denn der Stand des Tabellenführers hat viel mit dem vor ein paar Monaten vom Zweitliga-Aufsteiger HSG Krefeld Niederrhein gekommenen Sven Bartmann (38) zu tun. Mit seiner Qualität und seiner Leidenschaft ist er ein klassischer Führungsspieler – und er füllt die Rolle in Korschenbroich perfekt aus.

In der Hinrunde hatten die Korschenbroicher praktisch von Anfang an alles unter Kontrolle und auf dem Weg zum damaligen 30:23 gegen Weiden in der Summe relativ wenig Mühe – was bis heute einer der Gründe dafür ist, dass sie zurzeit genau zwei Punkte vor dem HC liegen. Was die beiden Klubs mittlerweile eint: Jeder hatte am Anfang des Jahres 2026 seine Ergebniskrise und beide scheinen sie mittlerweile überwunden zu haben. Weiden, mit einem 37:31 gegen den Letzten VfL Gummersbach II gestartet, verlor anschließend aufgrund zu vieler offensiver Fehlzündungen mit 22:25 bei der HSG am Hallo Essen. Dann war  anschließend das 35:38 bei der tief im Kampf gegen den Abstieg steckenden Borussia Mönchengladbach für alle Beteiligten noch härter, doch der 34:18-Erfolg über die HSG Refrath/Hand brachte den HC Weiden rechtzeitig vor dem Spitzenspiel zurück auf den alten Kurs – und nun fiebern sie rund um die Halle Parkstraße dem kommenden Samstag entgegen. „Viel mehr Topspiel geht nicht“, sagt Trainer Marc Schlingensief, „das haben wir uns verdient. Im Vergleich zum Hinspiel dürfen wir uns nicht so viele Angriffsfehler und Fahrkarten erlauben. Eine von Korschenbroichs großen Stärken ist das Umschaltspiel vor allem über die schnellen Außen. Die letzten Wochen verliefen bei beiden Teams recht ähnlich, sodass wahrscheinlich die bessere Tagesform insgesamt entscheidend sein wird. Der Druck liegt bei Korschenbroich, da sie sich den direkten Wiederaufstieg als Ziel gesetzt haben. Wir spielen zu Hause und wir haben es bisher in der Saison immer geschafft, hier Top- Leistungen zu zeigen. Das brauchen wir auch am Samstag, das soll auch unser Anspruch sein.“ Kollege Berblinger stimmt im Wesentlichen zu: „Das sind die Spiele, die wir wollen, auf die wir richtig Bock haben.“ Dass sich die Korschenbroicher das Ergebnis ein wenig anders wünschen als die Gastgeber, ist gleichzeitig keine Überraschung. „Wir werden alles dafür geben, um mit zwei Punkten nach Korschenbroich zurückzukehren“, betont der TVK-Coach.

Ganz andere Themen als die Weidener und die Korschenbroicher beschäftigen momentan den TV Alderkerk – wie der TVK in der vergangenen Saison noch in der 3. Liga zu Hause und von dort in die Regionalliga abgestiegen. Kurzformel: Das personell veränderte Team von Trainer Tim Gentges findet bisher weder zu einer Art von Konstanz noch zu sich selbst, sodass im Moment nur der achte Platz mit 15:15 Punkten in der Bilanz steht – was selbst angesichts der Tatsache, dass von der Meisterschaft oder einer sonstigen Spitzenposition vor der Saison nie die Rede war, als echte Enttäuschung gelten muss. Die Zahl der Ausschläge in die aus Aldekerker Sicht fasche Richtung ist zu hoch und die Bilanz für 2026 nach dem jüngsten 27:28 in eigener Halle gegen die HSG am Hallo Essen mit 4:6 Zählern sogar negativ. Gengtes richtet den Blick vor der Aufgabe beim Vorletzten Borussia Mönchengladbach mit Trainer Ronny Rogawska vorsichtshalber mal in den Rückspiegel, um ein mögliches böses Erwachen zu vermeiden. „Nach dem erneuten Rückschlag gegen Essen müssen wir schauen, dass wir wieder in die Erfolgsspur kommen“, sagt der TVA-Coach, „das wird natürlich in Gladbach nicht so leicht werden, da ich Ronnys taktische Qualitäten sehr, sehr, sehr gut aus eigener Erfahrung kenne und auch sehr schätze. Man muss es offen und ehrlich so ansprechen. Wenn wir das verlieren, sind wir mit unten drin. Wenn wir es gewinnen, dann halten wir noch den nötigen Abstand. Wir müssen endlich dahin kommen, 60 Minuten die taktischen Vorgaben einzuhalten. Und es muss endlich so sein, dass wir diese Konstanz reinkriegen, dass kein Spieler irgendwie aus der Reihe tanzt beziehungsweise eigene Ideen entwickelt. Wenn wir das in der Saison gezeigt haben, dann haben wir auch die Spiele gewonnen beziehungsweise wir haben gute Spiele gezeigt. Wir können nicht immer wieder von vorne anfangen, das anzusprechen oder darauf einzugehen.“

Aus der Addition aller Puzzleteile rund um die aktuelle Situation ergibt sich für Gentges eine klare Schlussfolgerung: „Das muss jetzt auch mal  verstanden und angenommen werden. Und da erwarte ich schon Reaktionen von meinen Spielern. Wir wollen alles daransetzen, das Spiel zu gewinnen. Es hat eine sehr hohe Bedeutung für uns, aber auch für Gladbach. Ich erwarte ein sehr knappes, enges Spiel. Und ich hoffe natürlich, dass wir das bessere Ende für uns haben.“ Letzteres dürfte der Kollege Rogawska ohne jedes Zögern unterschreiben, zumal seine Borussia unten mit ihren 8:20 Punkten und einem Spiel weniger als die meisten Konkurrenten weiter im dicksten Schlamassel steckt. Noch mehr unter Druck steht dahinter lediglich der VfL Gummersbach II (7:19), der zwei Nachholspiele zu absolvieren hat – unter anderem jenes am 10. März in Mönchengladbach. Wie wichtig das bevorstehende Duell zwischen Aldekerk und Mönchengladbach sein könnte, zeigt die Regionalliga-Mathematik in Punkt 7 der Durchführungsbestimmungen unter dem Titel Spielwertung: „Soweit nach Abschluss der Meisterschaft Mannschaften auf den für den Auf- bzw. Abstiegvrelevanten Tabellenplätzen punktgleich sind, wird wie folgt verfahren – nach Punkten im direkten Vergleich, nach Toren im direkten Vergleich, nach mehr erzielten Auswärtstoren im direkten Vergleich.“ Für den TVA und seinen Sicherheitschef Gentges folgt daraus, dass er die Borussia nach einem 32:30 aus der Hinrunde etwa bei einem weiteren Sieg oder einem Unentschieden in diesem Bereich im Griff hätte. Immerhin: Den direkten Vergleich mit den Gummersbachern (25:29/32:29) haben die Aldekerker bereits auf ihrer Seite. Dass sich gleichzeitig die Borussia im Grunde nach 3:9 Punkten aus dem Kalenderjahr 2026 nicht mehr viele Niederlagen leisten kann, liegt auf der Hand. Und es machte diese Partie zusätzlich spannend.

Ob den TV Aldekerk tatsächlich ein gefährlicher Sog nach unten erwischt? Bei elf ausstehenden Partien sind Rang acht und jenes ausgeglichene Konto auf der einen Seite das reine Mittelmaß und auf der anderen im Augenblick doch ein halbwegs verlässliches Polster – zunächst auf den HC Gelpe/Strombach, die TSV Bonn rrh. (beide 12:18), den BTB Aachen (11:19) und den SSV Nümbrecht (10:20). Noch mehr trifft das auf Mönchengladbach und den VfL II zu. In allergrößte Turbulenzen könnten dabei vielleicht die Bonner geraten, deren Aktien sich nach zuletzt sieben Niederlagen hintereinander im anhaltenden Sinkflug befinden: Setzt sich der Trend nun in der Partie beim VfL Gummersbach fort, ist das einstige Mitglied der Spitzengruppe endgültig ein echter Abstiegskandidat. Ebenfalls vor schwierigen Aufgaben im Kampf um den Klassenerhalt stehen der BTB Aachen bei der Unitas Haan (Sechster/16:14) und der SSV Nümbrecht bei der HSG am Hallo Essen (Vierter/19:11), die inzwischen der erste Verfolger des Top-Trios ist. Aus diesem exklusiven Zirkel wird im Übrigen der TSV Bayer Dormagen II vorlegen, der den 16. Spieltag am Freitagabend gegen Gelpe/Strombach eröffnet. Gelingt dem Team von TSV-Trainer Peer Pütz ein Sieg, wäre es zumindest für einen Tag lang Tabellenführer – was die erst am Samstag beschäftigen Weidener und Korschenbroicher genau beobachten dürften. Diese beiden interessiert vielleicht auch der Ausgang des Duells zwischen der HSG Refrath/Hand (Siebter/15:13) und dem OSC Rheinhausen (Fünfter/18:12), denn am 28. Februar muss schließlich der HC Weiden nach Rheinhausen und am 7. März der TV Korschenbroich. So sehen Wochen der Entscheidung aus.

 

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