| 22. Februar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Rechnet besser mit uns! Die Weidener und ihr Trainer Marc Schlingensief sind offensichtlich bereit, sich nachhaltig in den Kampf um die Meisterschaft einzumischen. Das letzte Viertel der Saison dürfte spannend werden. (Foto: Thomas Schmidt)
An der Spitze in der Regionalliga ist plötzlich nur noch wenig so, wie es vorher war. Dabei sah es zunächst so aus, dass der Sprung des TSV Bayer Dormagen II auf den ersten Platz durch den 37:26-Sieg über den HC Gelpe/Strombach zur Eröffnung des 16. Spieltages eher die Moment-Aufnahme für eine Nacht sein würde. Tatsächlich konnten die Dormagener aber mit ihren 23:9 Punkten ganz oben bleiben – wozu im Topspiel der bisherige Dritte HC Weiden und der als Tabellenführer in der Halle Parkstraße angetretene TV Korschenbroich ihren Beitrag leisteten. Weiden sorgte dabei mit einem in dieser Höhe ebenso überraschenden wie verdienten 31:24 für eine Neuordnung an der Spitze: Dort führt der TSV Bayer II nun vor den Weidenern (Torverhältnis plus 47) und den Korschenbroichern (plus 44), die bei jeweils 22:10 Zählern stehen. Möglicherweise ist für den weiteren Kampf um die Meisterschaft auch der Vierte HSG am Hallo Essen (21:11) nach seinem doch mühseligen 40:37 gegen den tief im Abstiegskampf steckenden Mit-Aufsteiger SSV Nümbrecht noch zu beachten und selbst der Fünfte OSC Rheinhausen (20:12), der sich bei der HSG Refrath/Hand (Siebter/15:15) durchsetzte, sieht noch nicht komplett abgeschlagen aus. Ganz unten im Keller scheint vor allem eins sicher zu sein: Der Tabellenletzte VfL Gummersbach II (7:21), der die Saison im Wesentlichen mit einer A-Jugend-Mannschaft bestreitet, wird das rettende Ufer kaum erreichen können. Nach dem 24:26 gegen die zuvor sieben Mal hintereinander geschlagene TSV Bonn rrh. (Neunter/14:18) fehlen dem Team von Trainer Jan Schwenzfeier bereits drei Punkte zur davor postierten Konkurrenz – und da es dem Nachbarn SSV Nümbrecht unmittelbar davor (13./10:22) nicht wesentlich besser geht, stecken momentan alle drei Regionalligisten aus dem Oberbergischen in mehr oder weniger ernsten Schwierigkeiten.
Die direkte Abstiegszone beginnt für den Augenblick ja beim Zehnten HC Gelpe/Strombach (12:20), der nach seinem Januar-Überraschungssieg gegen Korschenbroich (32:29) nun in Dormagen zum dritten Mal hintereinander verlor und den Abstand nach unten aufgebraucht hat. Dahinter bleibt der BTB Aachen (11:21) auf Platz elf nach seinem 27:31 bei der Unitas Haan trotz der insgesamt guten 7:5 Zähler aus sechs Spielen im Kalenderjahr 2026 ebenfalls stark gefährdet – und zusätzlich neu eingemischt in den Kampf um den Klassenerhalt hat sich die Borussia Mönchengladbach (Zwölfter/10:20), die jetzt den Drittliga-Absteiger TV Aldekerk mit einem 36:29 ins Tal der Tränen stürzte und selbst viel Rückenwind für die kommenden Aufgaben einsammelte. Die enttäuschenden und enttäuschten Aldekerker (Achter/15:17) bilden zurzeit noch so etwas wie das einsame Mittelfeld der Tabelle – vorausgesetzt, sie fangen sich bald wieder. Was sie mit dem Neunten TSV Bonn rrh. (14:18) gemeinsam haben: Der Weg zurück in die obere Hälfte dürfte auf absehbare Zeit sehr steinig bis möglicherweise verbaut sein.
HC Weiden – TV Korschenbroich 31:24 (15:13). Es war der bisher bitterste Abend in dieser Saison für den nun entthronten Tabellenführer Korschenbroich – was auch mit der insgesamt erstaunlich hohen Niederlage zu tun hatte, aber eben nicht nur. Trainer Frank Berblinger stellte sich hinterher vor allem diese Frage: „Was ist mit Mats Wolf?“ Der Spielmacher des TVK musste schon in der Anfangsphase runter und alle hoffen nun, dass es den 28-Jährigen nicht schlimmer erwischt hat. „Wir sind in der ersten Halbzeit eigentlich richtig gut im Spiel drin“, sagte Berblinger, „wir haben aber das Problem, dass wir in der zehnten Minute Mats Wolf verlieren, der sich nach einem Wurf bei der Landung das Knie verdreht.“ Auch der Weidener Trainer-Kollege Marc Schlingensief drückte dem Spieler des Gegners sofort die Daumen: „An der Stelle gute Besserung an Mats Wolf.“ Bei aller Enttäuschung/Sorge versuchten die Korschenbroicher trotzdem gar nicht erst, ihre dünner gewordene Personaldecke (auch Max Hartz konnte nicht ins Geschehen eingreifen) als Erklärung oder gar Ausrede für die Pleite anzuführen. „Der Sieg geht absolut in Ordnung für Weiden, auch in der Höhe“, stelle Berblinger vielmehr fest, „wir haben es nicht geschafft, gerade in der zweiten Halbzeit den Widerstand so aufrechtzuerhalten, dass wir in Schlagdistanz bleiben. Weiden hat das über 60 Minuten wirklich sehr, sehr konsequent runtergespielt und jeden Fehler, den wir gemacht haben, gnadenlos bestraft.“ Vor allem die durchgängige Konsequenz war genau der Punkt, den Weidens Coach Schlingensief bei seiner Mannschaft bemerkenswert fand: „Unser Matchplan ist von vorne bis hinten sehr gut aufgegangen. Wir hatten vorne gute Lösungen, die dann teilweise von Sebastian Bartmann entschärft wurden, aber wir haben im Angriff nicht gezweifelt und sind weiter konsequent geblieben. Auf der anderen Seite haben wir rigoros verteidigt. In der zweiten Halbzeit ist mein Team weiter bei sich, die Basis ist eine konsequente und aggressive Abwehr mit einem stabilen Torhüter Tom Keller dahinter. Vorne geht vor allem Sven Xhonneux mit seiner Willenskraft voraus. Ansonsten hatten wir meines Erachtens die breitere Bank, sodass das Niveau konstant hoch blieb, wir die Angriffsaktionen auf viele Schultern verteilen konnten und auch in der Höhe verdient gewinnen.“ Mit jenen Weidenern, die vor gar nicht langer Zeit bei der HSG am Hallo Essen mit 22:25 und bei der Borussia Mönchengladbach mit 35:38 den Kürzeren zogen, hatte der HC diesmal wieder nicht das Geringste zu tun.
Nach dem 3:1 (7.) von Mats Wolf schienen die Gäste auf dem aus ihrer Sicht richtigen Weg zu sein, ehe sie mit 3:5 (13.) in Rückstand gerieten, fortan nur noch hinterherrannten und trotzdem zunächst den Kontakt hielten – 9:10 (24.), 13:14 (30.). Eine bereits entscheidende Weichenstellung gelang den Hausherren dann frühzeitig in der zweiten Halbzeit, indem sie zuerst auf 17:13 (35.) erhöhten und aus dem 19:16 (39.) durch eine 4:0-Serie ein 23:16 (45.) machten. Beim Stande von 28:19 (53.) oder 30:21 (56.) drohte den Korschenbroichern danach sogar eine Pleite mit einer zweistelligen Differenz, die der Titelkandidat auf der Zielgeraden immerhin zu verhindern wusste. Dass sie in der Summe durch das 24:31 von Henrik Schiffmann in der letzten Minute den am Ende der Saison bei Punktgleichheit über die Platzierung entscheidenden direkten Vergleich auf ihre Seite zogen, war dabei allerhöchstens ein schwacher Trost: Dennoch sind die 24 auswärts erzielten Treffer besser als jene 23 der Weidener beim 23:30 (ebenfalls minus sieben) aus der Hinrunde. Trainer Berblinger und seine Mannschaft konnten damit für den Moment eher nichts anfangen: „Das ist natürlich jetzt bitter für uns. Es sieht danach aus, dass es richtig spannend bleibt. Im Moment zollen wir dem kleinen Kader ein bisschen Tribut.“ Sicher ist auf der einen Seite jedoch, dass die Korschenbroicher den Kampf um die Meisterschaft nicht aufgeben – und ebenso werden die Weidener nun nicht abheben. Die nächsten Aufgaben werden vielleicht schon zeigen, wer mit der neuen Situation am besten umgeht. Die Korschenbroicher erwarten am nächsten Samstag die Unitas Haan, der HC Weiden tritt beim OSC Rheinhausen auf den Prüfstand.
HC Weiden: Keller (3), Riechmann – T. Meurer (3/1), J. Frauenrath (3), Scheidtweiler (3), Wolff (1), Xhonneux (8), Rojko (1), Bösel, K. Frauenrath (1), Richter, Deutz (2), Bergerhausen (1), Stolzenberg (4), Eissa (1).
TV Korschenbroich: Bartmann, Köß – Schiffmann (3), Krantzen (5/3), Eugler (2), Hartz, Brinkhues (1), Wolf (1), König (4), Zimmermann (2), Büscher (2), Franz (4), Bitzel.
TSV Bayer Dormagen II – HC Gelpe/Strombach 37:26 (13:17). Das schien für den Favoriten ein ziemlich verkorkster Abend zu werden und die Dormagener mussten sich nach der Hälfte der Partie beinahe wie in einem falschen Film vorkommen. Gewarnt war die Mannschaft von Trainer Peer Pütz sicher, denn die Gäste aus dem Oberbergischen hatten im Januar unter anderem gegen den Tabellenführer TV Korschenbroich mit 32:29 gewonnen – und ja am Anfang der Saison beim 30:24 auch gegen die Dormagener selbst. Dass sie nun selbst noch einmal stolpern könnten, hatten sie für die Aufgabe in eigener Halle trotzdem nicht wirklich in Betracht gezogen – und dennoch lag plötzlich eine weitere Überraschung im Bereich des Möglichen. Die wäre für die Dormagener Ambitionen und den weiteren Kampf um einen der Spitzenplätze ein herber Rückschlag gewesen und für Gelpe/Strombach ein echter Bonus im Kampf um den Klassenerhalt. Weil die Hausherren jedoch in der Pause zum zweiten Durchgang eine komplette Verwandlung vollziehen konnten, glichen sie erstens zügig aus und überrollten den nun chancenlosen HC im letzten Drittel gründlich. Bayer-Trainer Peer Pütz wirkte erleichtert: „Das sind wichtige zwei Punkte für uns. In der ersten Halbzeit haben wir vor allem am Anfang extrem viel verworfen. Islam Ahmed Elnoamany hat eine sehr starke Leistung im Tor gezeigt und wir haben uns dadurch so ein bisschen rausbringen lassen und zu viele technische Fehler gemacht. Die Abwehr war eigentlich zuerst noch sehr gut, hat aber gegen Ende der ersten Halbzeit ein bisschen nachgelassen. Nachher haben wir eine sehr gute Reaktion gezeigt – sehr konsequent in der Abwehr und viel effektiver im Abschluss. Das war wirklich eine sehr starke zweite Halbzeit.“
Gelpe/Strombach, das schnell das 1:0 (2.) und 2:0 (2.) vorlegte, fand zunächst immer wirkungsvolle Antworten auf alle Bemühungen der Hausherren – 3:3 (7.), 6:3 (9.), 7:6 (14.), 11:8 (20.), 11:10 (23.), 15:11 (28.), 17:13 (30.). Keine drei Minuten nach dem Seitenwechsel war Dormagen dann beim 16:17 (33.) wieder dran und mit dem 19:19 (35.) gabs den nächsten Gleichstand – für den Außenseiter kurz darauf mit dem 21:21 (40.) und 22:22 (42.) zum letzten Mal. Zum Albtraum für die Gäste entwickelte sich jetzt die Phase, als der TSV aus dem 24:23 (45.) durch sieben Treffer hintereinander auf 31:23 (52.) davonzog und sich auf den Weg zu einem Erfolg mit mehr als zehn Treffern Differenz machte. Beim 34:24 (55.) war es zum ersten Mal so weit und in diesem Rahmen blieb das Resultat bis zum Schluss – 35:24 (56.), 36:25 (57.), 37:26 (58.). Weiter geht das Unternehmen Meisterschaft für die Dormagener am 28. Februar beim BTB Aachen und am 8. März gegen Unitas Haan, ehe am 14. März das Spitzenspiel beim TV Korschenbroich auf dem Programm steht.
TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (2/1), Srugies (1), Hinrichs (2), Kasper (2), Emmerich (1), Doepner, Ostrowski (1), M. Schmidt (2), Bahns (8), Leis (1), Scholl, Adam (12/6), Scheel (2), Hein (3).
HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Makowiecki, Maier (1), Altjohann, Pötz (3), Viebahn (6), Heinzerling (7), Müller (2), Meinhardt (4), Walch, Roth (2), Rostalski (1).
VfL Gummersbach II – TSV Bonn rrh. 24:26 (10:13). Den Bonnern fielen nicht einzelne Steine vom Herzen, sondern mehrere dicke Felsbrocken – kein Wunder nach einer vorherigen Serie von sieben Niederlagen hintereinander, die das Team von Trainer Florian Benninghoff-Lühl in unangenehme direkte Nähe zur Abstiegszone befördert hatte. Und wie stark der negative Trend auf seinem Team lastete, ließ sich nun im Oberbergischen gegen den Tabellenletzten Gummersbach II ganz gut erkennen – denn die Entscheidung für zwei extrem wichtige Punkte fiel nach einer von einigen Irrungen begleiteten zweiten Halbzeit erst spät. Das tut einfach verdammt gut, man hat auch bei der Mannschaft gemerkt, dass sie das gebraucht hat“, sagte Benninghof-Lühl erleichtert, „wir verdienen uns den Sieg in den ersten 45 Minuten ungefähr, wo wir das Spiel wirklich jederzeit gut kontrollieren, auch wenn es immer wieder wirklich stockende Phasen bei uns im Angriff gibt. In der zweiten Halbzeit haben wir unsere stärkste Phase eigentlich relativ am Start, wo wir super verteidigen, Gummersbach zu Passfehlern zwingen und dann einfache Befreiungsschläge über Niklas Bitzer vor allem erzielen können und so diese sechs Tore Vorsprung rausspielen. Der schmilzt dahin, weil Gummersbach ein sehr ordentliches Sieben gegen Sechs praktiziert. Dass es so eng wird, ist natürlich ärgerlich und unserem wieder zu statischem Angriffsspiel geschuldet.“
Der Sieg der TSV ging unter anderem deshalb in Ordnung, weil sie nur mit dem 0:1 (2.) einen Rückstand hinnehmen musste und mit dem 3:3 (4.) wenig später nur noch einmal einen Ausgleich der Hausherren (erneut mit einem kleinen Kader ausgestattet). In der an Treffern ausgesprochen armen Partie machte Bonn aus dem 11:10 (24.) über die Pause hinweg zunächst das 15:11 (36.), ehe sie sich entscheidend abzusetzen schien – 20:13 (43.), 21:14 (44). Das Gefühl von Sicherheit löste sich allerdings schrittweise in Luft auf, weil die Gäste fortan selbst noch weniger auf die Anzeigetafel brachten als vorher und den VfL dadurch mit dem 23:20 (52.) und 24:23 (55.) ins Spiel zurückließen. Fortan war jeder Treffer wertvoll wie Gold und Daniel Fischer schaffte zunächst das 25:23 (56.), bevor Moritz Riedel die Gummersbacher auf 24:25 (56.) heranbrachte. Dass letztlich auch eine Portion Glück den Bonnern half, gab Benninghoff-Lühl zu: „Wir machen über Nils Bullerjahn am Ende den Lucky Punch, wo er einen Steal in der Abwehr feiert – wo Gummersbach zum Ausgleich hätte kommen können.“ Für den Moment stand dann trotzdem alleine der Sieg im Mittelpunkt – und ob die TSV wirklich aus dem Gröbsten raus ist, muss sie am nächsten Samstag gegen die HSG am Hallo Essen zeigen.
VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt – Shimizu (2), Kübler (2), Bohnenkamp (2), Rath (4/4), Haglund (3), Kiesewalter (2), Krieg (4), Patzelt (1), Ulmerich, Riedel (5).
TSV Bonn rrh.: Krouß, Meissenburg, Czerwinski – Krohn (4/2), Hoffmann (3), Bullerjahn (3), Santen (3), Heitkötter, Fricke (1/1), Bitzer (3), Weber (1), Fischer (5), Sander (1), Kästner, Worm, Bohrmann (2).
Borussia Mönchengladbach – TV Aldekerk 36:29 (17:11). Krasser konnten die Gegensätze kaum sein im Anschluss an diese Partie, die sich wohl keiner der Beteiligten so vorgestellt hatte – erst recht nicht die Aldekerker, die inzwischen in einer handfesten Krise stecken. Trainer Tim Gentges, der sich schon oft genug wie ein Schutzschild vor seine Mannschaft gestellt hat, wirkte entsprechend wie ein gefährlicher Vulkan. Und er brach dann tatsächlich aus. „Es gibt nichts, also wirklich gar nichts, in dem Gladbach nicht besser war als wir“, stellte Gentges fest, „was wir explizit in der ersten Halbzeit gezeigt haben, war an Frechheit und an Bodenlosigkeit nicht zu überbieten. Ich weiß gar nicht, ob ich so eine Null-Leistung beim TV Aldekerk überhaupt schon mal gesehen habe. Die Borussia hat heute vorgemacht, wie Handball geht.“ Seine Schlussfolgerung aus den allgemeinen Auftritten im Laufe der Saison 2025/2026 deutet zudem auf einen erheblichen Gesprächsbedarf und eine nicht geräuschlose interne Auseinandersetzung hin: „Ich glaube, man muss wirklich darüber diskutieren, wie diese Konstellation um und an der ersten Herren so noch funktioniert.“ Während bei den in die untere Tabellenhälfte abgerutschten Aldekerkern eine explosive Mischung aus Frust und verkorkster Saison vorherrscht, scheint bei den Mönchengladbachern jetzt eher die Sonne – obwohl trotz des Vorrückens vom festen Abstiegsplatz 13 auf den zwölften Rang von Entwarnung im Kampf um den Klassenerhalt noch lange keine Rede sein kann. Bei Trainer Ronny Rogawska war dennoch eine deutliche Spur an Euphorie zu spüren: „Wir haben heute wirklich viele Sachen richtig gemacht – gerade in der Abwehr. Wir konnten uns dann mit einem sehr komfortablen Vorsprung absetzen, wir hatten vorne im immer die richtigen Antworten bereit – und wir hatten eine sehr hohe Trefferquote. Ich hatte dann die Befürchtung, dass man das nicht noch einmal so hinkriegen würde, aber wir haben es wirklich vernünftig hingekriegt, auch die zweite Halbzeit zu gestalten. Unser Grundstein war unsere Abwehr und dahinter hatten wir mit Matthias Hoffmann einen sehr guten aufgelegten Torhüter. Niklas Bernau hat ein grandioses Spiel hingelegt. Er hat seine Außen gut in Szene gesetzt, auch den Kreis plus sich selber. Auch Rechtsaußen Manuel Bremges hat ein sehr gutes Spiel gezeigt. Das für mich wichtigste Element war heute einfach die Teamleistung in der Abwehr, die Aggressivität, die Zusammenarbeit miteinander.“
Aldekerk zeigte direkt im ersten Viertel, dass es an diesem Abend nie richtig in der Partie ankommen würde, denn übers 0:2 (5.) und 2:5 (9.) gerieten die Gäste vom 3:5 (10.) an durch fünf Gegentreffer hintereinander mit 3:10 (17.) ins Hintertreffen – und die Weichen für die weiteren 43 Minuten war hier schon gestellt. Der TVA konnte den Rückstand bis zum 9:14 (26.) oder 11:15 (27.) halbwegs erträglich halten und nach der Pause auf 14:18 (34.) verkürzen, kam jedoch zu keinem Zeitpunkt für eine Wende in Frage. Einen entschlossenen Auftritt mit dem festen Willen, sich zwei wichtige Punkte zu sichern, legte dagegen die Borussia hin, die mit ihrer 4:0-Serie vom 24:20 (41.) zum 28:20 (46.) letzte kleinere Restzweifel beseitigte und das Geschehen bis zur Schluss-Sirene jederzeit im Griff hatte. „Darauf müssen wir aufbauen“, fand der Realist Rogawska. Wie das gelingt, dürfte sich am kommenden Wochenende im direkten Abstiegsduell in Nümbrecht zeigen. Die Aldekerker müssen dagegen zunächst mal was finden, auf dem sie aufbauen könnten – und in der aktuellen Verfassung gehen sie eher nicht als Favorit ins nächste Heimspiel gegen die HSG Refrath/Hand.
Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann, Erkes – Prinz, Jennes (2), Herholz, Bremges (5), Semrau (1), Weisz (7/6), Berner (6), Westhofen (1), Nix (1), Lipok (1), Markovic (1), Slabospytskyi, Roth (11).
TV Aldekerk: Keutmann, Schoemackers – Pasch, Grützner (1), Kirschbaum (4), Poot, Brockmann (2), Plhak (8/1), Hahn (4), Könnes, Perey (1), Tobae (4), Küsters (1), Kahl, Thelen (4), Rutten.
Unitas Haan – BTB Aachen 31:27 (15:13). Besonders einfache Aufgaben gibt es für die Aachener in dieser Saison sowieso nicht – erst recht nicht auswärts. Dort stehen fürs Team von Trainer Simon Breuer nach der siebten Niederlage im achten Spiel sehr übersichtliche 1:15 Zähler in der Bilanz und den bisher einzigen Punkt in des Gegners Halle gab es mit dem 28:28 beim ebenfalls gefährdeten SSV Nümbrecht im Januar. Breuer wurde aber diesmal das Gefühl nicht los, dass eventuell mehr drin gewesen wäre: „Natürlich ist es erst mal schade, dass wir das Spiel nicht auf unsere Seite haben ziehen können. In erster Linie haben wir einfach zu viele technische Fehler gemacht und auch sicherlich einige Chancen liegen lassen. In der ersten Halbzeit haben wir zwischen der sechsten und 14. Minute kein Tor – und einfach durch die Bank neben guten Phasen, wo wir uns rangekämpft haben, immer wieder technische Fehler. Unterm Strich ist das der Hauptgrund. Zwischendurch haben wir immer wieder gute Lösungen gefunden und auch am Anfang viele Bälle gewonnen hinten, aber das leider nicht in einen Vorsprung für uns ummünzen können. So sind wir nicht entscheidend rangekommen und deswegen ist es ausgegangen, wie es ausgegangen ist.“ Eine Schlussfolgerung für den BTB: Er wird die für den Klassenerhalt erforderlichen Erfolge weiter zu Hause holen müssen, wo 10:6 Punkte auf dem Konto zu finden sind. Diese Bilanz am kommenden Wochenende auszubauen, wird allerdings kompliziert werden, denn die Aachener bekommen es im nächsten Heimspiel mit dem gerade an die Spitze gekletterten TSV Bayer Dormagen II zu tun. Danach geht es am 8. März zum Schlusslicht VfL Gummersbach II – zu einem Duell, das den weiteren Weg durch die Saison für beide Mannschaften stark beeinflussen dürfte.
Aachen legte zuerst vor – 1:0 (3.) durch Kai Münster, 2:0 (4.) durch Tim Schnalle, 3:2 (6.) durch Noah Wudtke. Es folgte jene Durststrecke mit einer 0:4-Serie zum 3:6 (13.), doch der BTB glich mit dem 7:7 (20.) wieder aus und war beim 10:11 (25.) ebenfalls noch dicht dran. Bis zum Ende der ersten Halbzeit waren die Chancen auf was Zählbares mit dem 13:15 (30.) auch intakt, ehe die Gäste mit dem 15:20 (37.) klarer in Rückstand gerieten und fortan keine echte Gelegenheit mehr bekamen, für eine Wende zu sorgen. Was aus Aachener Sicht als Mutmacher dienen könnte: Die Mannschaft gab übers 18:21 (39.) selbst nach dem 19:24 (45.) oder 21:26 (47.) nicht auf, sondern alles für ein ordentliches Ergebnis. Haan fand allerdings zum jeweils passenden Zeitpunkt immer die richtigen Antworten und brachte den Vorsprung nach dem 27:24 (51.) sicher zum verdienten Heimsieg über die Zeit.
Unitas Haan: Seher (2), Joest – Schulz (4), Mensger (5), Richartz (2), Wöstmann (4), Brandenburg (4), Maesch, Korbmacher, Hinkelmann (4), Rath (1), Bleckmann, Friele, Austrup (5).
BTB Aachen: Zaghloul, Schüler – Huckemann, Jacobs (8/3), Horn, Wudtke (2), Büchel, Käsgen (1), Klinkenberg (2), Wagner (4), Schmitz, Münster (2), Herzog (2), Denert (2), Schnalle (2), Panse (2).
HSG Refrath/Hand – OSC Rheinhausen 28:38 (13:17). Richtig spannend war diese Partie nicht in der Halle Steinbreche, wo die Refrather zuletzt immerhin den Vierten HSG am Hallo Essen (29:27) und den damaligen Ersten TV Korschenbroich (33:32) sowie kurz vor Weihnachten den neuen Spitzenreiter TSV Bayer Dormagen II (33:31) bezwungen hatten. Diesmal war die Mannschaft von Trainer Kelvin Tacke aber weit von der seinerzeit gezeigten Leidenschaft und Stabilität entfernt, sodass sie in der Summe von fehlendem Zugriff in der Abwehr, einer relativ großen Abschluss-Schwäche und einer hohen Fehlerquote nicht den Hauch einer Chance hatte, erneut zwei Punkte aufs eigene Konto zu überweisen. Ganz anders machte es der OSC, der in Keeper Julian Seemann und Regisseur Lukas Hüller nicht nur wegen seiner 13 Tore den besten Mann auf der Platte hatte – und seinem zwangsweise noch nicht wieder einsatzfähigen Trainer Sascha Wistuba (nach Knie-Operation) einen relativ ruhigen Sonntagnachmittag bereitete. Nico Biermann, der sonst mit Wistuba ein Trainerteam bildet und in Refrath alleine in der Verantwortung an der Seitenlinie stand, konnte den Ereignissen nach einer ausgeglichenen Anfangsphase ebenfalls relativ beruhigt zusehen. Ob der OSC wirklich ein direkter Konkurrenz der drei Top-Teams vor ihm sein könnte, werden die beiden nächsten Aufgaben zeigen: Am nächsten Samstag kommt der Zweite HC Weiden ins Ruhrgebiet und am 7. März der Dritte TV Korschenbroich.
Eine treibende Kraft bei den Hausherren war in der Anfangsphase in erster Linie Lukas Dibowski, der die Partie mit dem 1:0 (3.) eröffnete und bis zum 7:5 (14.) bereits vier Tore auf seinem persönlichen Konto hatte (insgesamt neun). Nach der letzten Führung beim 8:7 (16.) entglitt der HSG das Spiel allerdings und der OSC drehte den Spieß konsequent um – 12:10 (22.), 16:12 (29.), 17:13 (30.). Von einer Aufholjagd der Gastgeber war dann in der zweiten Halbzeit nichts zu sehen und das 15:19 (34.) der geringste Rückstand. Übers 23:15 (29.) und 26:18 (46.) sorgte Rheinhausen auf der anderen Seite zügig für die klare Entscheidung, ehe die Schlussphase für Refrath ab dem 24:30 (54.) noch einmal richtig bitter wurde. Mit dem 24:34 (56.) lagen zum ersten Mal zehn Tore Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten, die unter dem Strich einfach in verschiedenen Welten unterwegs waren. Der selbstverständlich richtig enttäuschte Trainer Tacke fasste das Geschehen ebenso treffend wie kurz zusammen: „Das ist eine verdiente Niederlage. In der zweiten Hälfte geben wir das Spiel innerhalb von zehn Minuten komplett aus der Hand. Wir hatten eine schlechte Abwehrleistung und zu viele technische Fehler. Dann schaffen wir es nicht mehr, ins Spiel zurückzukommen – weil OSC es auch sehr gut gemacht hat.“ Beobachter Wistuba war mehr als nur einfach zufrieden: „Das ist ein verdienter und souveräner Sieg. Aus einer überragenden Mannschaftsleistung kann man Lukas Hüller und Julian Seemann sicher ein Sonderlob aussprechen, aber abgeliefert hat heute jeder, hinten und vorne. Wir freuen uns sehr für die Jungs, dass sie die schwere Hürde in Refrath genommen und sich jetzt zwei Spitzspiele verdient haben.
HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer – Neukirch (3), Branding (3), Willers (1), Schallenberg (1), Faust (1), Geerkens (4), Bürger (2), Georgi, Noll (3/2), Merz (1), Speckmann, Dibowski (9), Capota.
OSC Rheinhausen: Seemann – Adrian (4/4), Rippelmeier, Zimmermann, Mook (1), Ernst (3), Schlögl (3), Dreier (1), Zwarg (2), Hüller (13), M. Molsner (1), Käsler (4), Kölsch (6), Schlögl.
HSG am Hallo Essen – SSV Nümbrecht 40:37 (20:17). Für einen aus der Sicht der Gastgeber viel langen Zeitraum drohte die Angelegenheit plötzlich immer unangenehmer zu werden und der vor der Pause und am Anfang der zweiten Halbzeit meistens relativ klar zurückliegende Außenseiter aus dem Oberbergischen lag auf einmal in Reichweite – 21:22 (36.). Weil die mit zahlreichen erfahrenen Kräften besetzte Mannschaft von HSG-Trainer Niklas Rolf den Schalter aber wieder rechtzeitig umlegen konnte, behielt sie diesen Sonntagabend irgendwie unter Kontrolle und am Ende beide Punkte, ohne gegen nie aufgebende Nümbrechter besonders zu überzeugen. Mit der Leistung seines Angriffs durfte Rolf dabei zufrieden sein, mit dem Auftritt der Hausherren in der Defensive dagegen deutlich weniger: Die 40 erzielten Treffer sind ebenso ein neuer Rekord für die laufende Saison wie die 37 Gegentore, die für ein Team aus dem vorderen Drittel der Tabelle eher als untypisch gelten müssen. Rolf nahm seiner Mannschaft die vielen Lücken aber nicht weiter krumm: „Wir haben spontane Ausfälle gut verkraftet. Marian Basic ist beruflich ausgefallen, Kai Bekston war krank, André Bekston angeschlagen und konnte in der zweiten Halbzeit nicht mehr spielen. Simon Ciupinski war ebenfalls angeschlagen, hat sich aber noch mal zehn Minuten übers Feld geschleppt und die Mannschaft hat sich im Rückraum quasi von alleine aufgestellt. Es war das erwartete Kampfspiel – und Respekt an die Mannschaft aus Nümbrecht, die wirklich aufopferungsvoll gekämpft und das Maximale aus ihren Möglichkeiten gemacht hat, zumal sie auch einen personellen Aderlass hatte. Abwehr- und Torhüterspiel haben heute natürlich nicht ganz so gut funktioniert, aber vorne haben wir immer wieder Lücken gefunden.“
Essen ließ sich zunächst weder vom 0:1 (1.) noch vom 1:2 (2.) besonders irritieren und drehte den Spieß durch vier Treffer hintereinander zum 6:3 (7.) um. Bis zum 11:6 (15.) und 13:8 (18.) lief dann alles jedenfalls aus Sicht der HSG nach Wunsch und immer wieder wussten sich die Hausherren abzusetzen – 15:11 (21.), 17:13 (25.), 20:16 (30.), 22:18 (34.). Weil der SSV nun ebenfalls zeigte, dass er Serien kann, und in Überzahl über einen 3:0-Lauf auf jenes 21:22 verkürzte, stand die Partie aber vorübergehend auf der Kippe. Rettungsanker für die Gastgeber waren danach nicht zuletzt individuelle Qualitäten und die große Erfahrung im Kader bei Spielern wie Mathis Blum, Simon Ciupinski oder Lukas Ellwanger – alle aus höheren Klassen an enge Auseinandersetzungen und Druck in entscheidenden Situationen gewöhnt. Bester Werfer der HSG war allerdings in Fabian Sinkovec (23) ein Vertreter der Fraktion mit den jüngeren Spielern. Dass Sinkovec drei Sekunden vor dem Ende mit seinem 40:37 (60.) den Schlusspunkt setzte, passte dann wirklich ins Bild.
HSG am Hallo Essen: Stecken, Christmann – Blum (9/3), Sinkovec (8), Ciupinski (2), Neitsch, Enders (7), Szczesny (1), Ellwanger (3), Lange, Genkel, A. Bekston (1), Basholli (4), Schupe (5).
SSV Nümbrecht: Winkler, Schoger – Last (6), Witthaut (2), P. Donath, Hartmann (4), Schröter (4), Dissmann (2), D. Donath (10), Weber (4/1), Henrichs (3), Bitzer, Pötzsch, Hemker (2).