| 26. Februar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Wo wir sind, ist oben! Trainer Peer Pütz (rechts), sein Co-Trainer Patrick Engel und die zweite Mannschaft des TSV Bayer Dormagen haben vorerst tatsächlich den Platz an der Sonne übernommen. Ob sie oben bleiben, steht auf einem anderen Blatt – und eine Garantie darauf sehen sie in Dormagen selbst nicht. (Foto: Thomas Schmidt)
Peer Pütz ist keiner, der schnell ausrastet, sobald es mal gut bis sehr gut läuft. Und es sind ja sowieso noch zehn weitere Spieltage zu absolvieren, an denen eine Menge passierten kann – was sich besonders in den Wochen seit der Fortsetzung der Saison im Kalenderjahr 2026 längst eindrucksvoll bestätigt hat. Tatsache aber: Der TSV Bayer Dormagen II steht derzeit an der Tabellenspitze in der Regionalliga – was aus einer Mischung von eigenen fünf Siegen in sechs Partien und gleichzeitigen Punktverlusten der Konkurrenz aus dem oberen Drittel resultiert. Die meisten Federn musste dabei der Ex-Spitzenreiter TV Korschenbroich lassen, der nach zwei Siegen aus den beiden ersten Auftritten zuletzt bloß noch in eigener Halle gegen den BTB Aachen gewinnen konnte (30:22) und auswärts drei Mal als Verlierer von der Platte ging – mit dem 29:32 beim HC Gelpe/Strombach (Zehnter/12:20), dem 32:33 bei der HSG Refrath/Hand (Siebter/15:15) und erst am vergangenen Wochenende mit dem aus mehreren Gründen bitteren 24:31 beim HC Weiden. Das reichte in der Summe soeben zu einer ausgeglichenen Bilanz (6:6). Jene Weidener (6:4), kürzlich ebenfalls zwei Mal in des Gegners Halle leer ausgegangen, beförderten sich mit einem 34:19 über Refrath/Hand und eben dem Sieg gegen Korschenbroich immerhin zurück ins Geschäft, in das sich auch der Aufsteiger HSG am Hallo Essen durch 10:2 Zähler im Kalenderjahr 2026 einzumischen scheint. Als vorläufig letztes Mitglied im Zirkel der Top-Teams gilt der OSC Rheinhausen, der 8:4 Punkte ins Rennen um die Top-Plätze einbringt. Insgesamt haben die Dormagener demnach trotzdem den besten Jahres-Auftakt auf die Beine gestellt – was für Pütz (noch) wenig bedeutet: „Für uns ist das eine schöne Momentaufnahme und eine Belohnung für die Jungs, dass sie sich gut entwickelt haben und wir uns auch als Mannschaft gut entwickelt haben, jetzt im neuen Kalenderjahr noch mal.“ Dass sein junges Team aktuell die Nummer eins der Klasse ist (23:9 Punkte) vor Weiden, Korschenbroich (22:10), Essen (21:11) und Rheinhausen (20:12), macht den Rest der Saison auf jeden Fall würziger – zunächst für die weiteren vier Runden bis zum 21./22. März und anschließend für die übrigen sechs ab dem 11./12. April nach der Osterpause.
Für den neuen Tabellenführer geht bereits die kommende Aufgabe am Samstag um 20 Uhr beim um den Klassenerhalt kämpfenden BTB Aachen (Elfter/11:21) als nächste Reifeprüfung durch. „Es wird es auf jeden auf Fall ein sehr schweres Spiel“, meint Pütz, „ich glaube, Aachen hat aus den letzten sechs Heimspielen nur eins verloren und ist entsprechend sehr heimstark. Bei uns spielt die erste Mannschaft ja auch am Samstag und von daher ist es personell nicht ganz einfach. Insgesamt ist die Lage sehr ausgeglichen.“ Was die personelle Situation anspruchsvoll macht: Leihgaben aus dem Zweitliga-Kader sind diesmal praktisch unmöglich, weil die Dormagener Erste am Samstag um 18 Uhr auf TuSEM Essen trifft. Beide kämpfen in der 2. Bundesliga gegen den Abstieg und für beide geht es demnach um wichtige Punkte. Anders sieht das gleichzeitig auch für die Aachener nicht aus, die erst durch 7:1 Zähler zum Jahresbeginn praktisch zu neuem Leben erwacht sind und in der Folge zweimal auswärts verloren – 22:30 in Korschenbroich, 27:31 bei Unitas Haan (Sechster/18:14). Trotzdem ist die Bilanz für 2026 unverändert positiv (7:5) und die Mannschaft von Trainer Simon Breuer ist in Heimspielen immer gefährlich: Neben vier Siegen und zwei Unentschieden stehen dort Niederlagen lediglich gegen Korschenbroich (23:26) und Weiden (29:35) in der Statistik. Die Dormagener werden trotzdem kaum so gedankenlos sein, dass sie als Spitzenreiter ebenfalls automatisch einen Sieg in Aachen holen. Nehmen würden ihn die Dormagener nachvollziehbar trotzdem und gegen Platz eins am Ende der Saison hätten sie ebenfalls wenig einzuwenden: „Insgesamt ist die Lage natürlich sehr ausgeglichen. Die ersten fünf Mannschaften sind irgendwie nur drei, vier Punkte auseinander. Von daher glaube ich, dass da alle realistische Chancen haben, am Ende Erster zu sein. Ich würde Korschenbroich mit der Erfahrung immer noch als Top-Favoriten sehen. Wenn es so weit kommen würde, würden wir das wahrnehmen. Aber das ist nichts, wo wir uns jetzt schon schon Gedanken drüber machen.“
Bei den Korschenbroichern geht es ganz nüchtern mit dem Heimspiel gegen Unitas Haan (Sechster/16:14) weiter und natürlich will die Mannschaft von Trainer Frank Berblinger alles daransetzen, weiter eine zentrale Rolle im Kampf um den Aufstieg in die 3. Liga zu spielen. Definitiv war in diesem Zusammenhang die 24:31-Pleite in Weiden ein heftiger Rückschlag, nachdem der TVK die Niederlagen in Gelpe/Strombach und Refrath/Hand gerade verarbeitet zu haben schien. Inzwischen herrscht allerdings Gewissheit darüber, welche Art von Verletzung Regisseur Mats Wolf am vergangenen Wochenende erlitt, als er bereits in der zehnten Minute runter musste: Die Ärzte diagnostizierten inzwischen einen Riss des vorderen Kreuzbandes, sodass der Spielmacher den Korschenbroichern für einen sehr langen Zeitraum nicht mehr zur Verfügung steht. Das ist in erster Linie für Mats Wolf bitter und dann in zweiter Linie fürs ganze Team, das ohnehin mit einem ziemlich schmal besetzten Kader in die Saison gestartet ist und derartige Ausfälle eigentlich kaum verkraften kann. Dass in Weiden neben zwei Torhütern lediglich elf Feldspieler auf dem offiziellen Spielbericht standen, war kein Einzelfall, sondern eher die Regel beim TVK – der jetzt eine bisherige feste Größe verloren hat. Zum Vergleich: Die HSG Refrath/Hand und die Weidener konnten bei ihren Siegen über Korschenbroich jeweils 15 der erlaubten 16 Positionen besetzen – 13 Feldspieler und zwei Torhüter. Dass sich die Korschenbroicher nun freiwillig oder frustriert aus der Vergabe der Meisterschaft zurückziehen, ist dennoch nicht zu erwarten und Resignation passt sowieso nicht zur DNA rund um die Waldsporthalle. Das Heimspiel gegen Haan wird zeigen, wie Trainer Frank Berblinger und seine Spieler mit der Situation umgehen und welches Signal sie senden können an die Konkurrenz, die selbst vor durchaus schwierigen Aufgaben steht. Die Essener etwa treten bei der TSV Bonn rrh. an (Neunter/14:18), die zuletzt ihren Abwärtstrend mit einem 26:24 beim Schlusslicht VfL Gummersbach II (7:21) bremsen konnte und nun voraussichtlich am liebsten nachlegen würde.
Die Weidener treten zu einem Duell zweier aussichtsreicher Verfolger beim OSC Rheinhausen an, der in dieser Saison bisher bei vier Niederlagen und einem Unentschieden kein einziges Mal gegen einen der vor ihm platzierten Klubs gewonnen hat. Was sich daraus ableiten lässt? Für den Augenblick eher ziemlich wenig. Und ganz nebenbei stellt Rheinhausen bei 531 Toren aus 16 Spielen (Durchschnitt 33,18) zusammen mit Dormagen (ebenfalls 531) den besten Angriff in der Regionalliga, sodass der HC natürlich ausreichend gewarnt ist. „Rheinhausen bietet vor allem im Angriff viel Spektakel, allen voran die Achse Lukas Hüller/Alexander Ernst“, sagt Weidens Trainer Marc Schlingensief, „taktisch agieren sie sehr diszipliniert und mit einer hohen Passgeschwindigkeit. Hier muss unsere Kernaufgabe sein, das wir vor allem das Zentrum schützen und den OSC zu schwierigen Würfen zwingen. Das geht nur mit einer hohen Laufbereitschaft, maximaler Aufmerksamkeit und – wie in den letzten Wochen – einer guten Torhüterleistung. Der OSC verteidigt, ähnlich wie wir, sehr leidenschaftlich und intensiv. Mit ihrem Abwehrturm Joshua Rippelmeier und Julian Seemann im Tor bilden sie eine ordentliche Abwehr – hier und da aber auch mit Problemen. In diese Kerbe wollen wir natürlich rein und im Angriff unsere gewohnte Effektivität durchsetzen. Unser letzter Auswärtssieg ist allerdings schon eine Weile her, sodass wir gleichzeitig gewarnt und maximal motiviert sind, diese Auswärtsschwäche zu verbessern.“

In einer schweren Krise steckt momentan der Drittliga-Absteiger TV Aldekerk (Achter/15:17), dessen in der Summe enttäuschende Saison 2025/2026 am vergangenen Wochenende mit dem 29:37-Desaster bei Borussia Mönchengladbach (Zwölfter/10:20) ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Trainer Tim Gentges wirkte hinterher einigermaßen aufgebracht und ganz Aldekerk schien/scheint in seinen Grundfesten erschüttert zu sein. Als oberste Pflicht für das Heimspiel gegen die HSG Refrath/Hand sieht Gentges im Rückblick aufs vergangene Wochenende eine Kehrtwende um 180 Grad: „Ich glaube, so eine Leistung oder generell so ein spielerisches Verhalten der ersten Herrenmannschaft im TV Aldekerk hat dieser Verein, haben die Zuschauer, diese Fans, hat das ganze Dorf nicht verdient. Wir müssen den Leuten beweisen, dass wir immer noch der TV Aldekerk sind, der wir schon immer waren. Das haben wir in dieser Saison schon oftmals vermissen lassen, was in der desolaten Leistung in Gladbach geendet ist. Die Unterstützung des Vereins, der Zuschauer, der Fans und des ganzen Dorfes hatten wir immer. Und wenn man so etwas zeigt, dann tritt man das mit Füßen, und das darf in dieser Form nicht passieren. Wir sind auf Wiedergutmachung aus und das müssen wir bis zum Ende der Saison durchziehen, denn wir sind im Abstiegskampf angekommen – und da wollten wir partout nicht hin, wir hatten eher andere Ziele. Wir haben halt nicht das gezeigt, das ist Fakt. Wir sind genau da, wo wir gerade hingehören, und das muss sich ändern.“
Als Sofort-Maßnahme haben sich die Verantwortlichen entschlossen, mit einem verkleinerten Aufgebot weiterzuarbeiten: „Wir haben unser Kader radikal auf 14 Leute gekürzt. Es hat da leider viele Perspektivspieler getroffen. Darunter sind auch wirklich Entscheidungen, die mir mir sehr, sehr schwergefallen sind. Aber wir brauchen einfach die volle Konzentration auf diese 14 Spieler. Dieser Konkurrenzkampf, diese Breite an Kader hat offensichtlich wohl zu einer gewissen Art von Unsicherheit geführt.“ Gentges, der sich im Laufe der Serie immer wieder schützend vor die Mannschaft gestellt hat, ist auf der einen Seite höchstens sehr bedingt glücklich mit dem Eingriff ins bisherige Konzept – und auf der anderen leitet er daraus eine klare Verpflichtung gegenüber den „Ausgeschiedenen“ für diejenigen Spieler ab, die fortan auf die Platte gehen. „Am Ende des Tages muss man ganz ehrlich sagen, dass das halt die armen Schweine sind, die die Suppe da auslöffeln müssen“, betont der TVA-Coach, „das sollte jedem Spieler bewusst sein, der jetzt gerade zu dem 14er-Kader gehört, dass die irgendwie den Kopf hinhalten müssen für die Scheiße, die man da fabriziert hat. Das habe ich den ganzen Spielern deutlich zu verstehen gegeben. Und der März ist die letzte Ausfahrt, es werden spannende vier Wochen. Dann gucken wir weiter.“ Richtig einfach sieht das Programm dabei bestimmt nicht aus, denn nach dem Duell mit Refrath/Hand folgt am 7. März die Aufgabe in Weiden, ehe am 14. März die Rheinhausener nach Aldekerk kommen und am 21. März die Korschenbroicher.
Die Borussia aus Mönchengladbach, der Krisen-Verschärfer des TV Aldekerk, konnte sich durch seinen Sieg am vergangenen Wochenende auf 10:20 Punkte und von Platz 13 auf Rang zwölf verbessern, ist jedoch im Kampf um den Klassenerhalt längst nicht durch. Nun steht fürs Team von Trainer Ronny Rogawska eine Partie auf dem Programm, die entscheidende Weichen stellen könnte, denn es geht ins Oberbergische zum neuen Vorletzten SSV Nümbrecht (10:22). Der Mit-Aufsteiger, der in den vergangenen Wochen vier Mal hintereinander auswärts antreten musste und dabei jeweils leer ausging, kann in eigener Halle immerhin ausgeglichene 7:7 Punkte vorweisen. Gleichzeitig gehört Mönchengladbach auf Dienstreisen mit null Siegen, drei Unentschieden und fünf Niederlagen (3:13) nicht gerade zu jenen Klubs, die gegnerische Hallen praktisch im Vorbeigehen einnehmen – demnach dürfte es spannend werden. Zwei Abstiegskandidaten treffen auch in der Partie zwischen dem HC Gelpe/Strombach und dem VfL Gummersbach II (14./7:21) aufeinander, der ganz allmählich vor allem aufs Prinzip Hoffnung bauen muss. Ein Plus haben die Gummersbacher als jüngste Mannschaft der Liga immerhin, weil sie in zwei Nachholspielen am 10. März in Mönchengladbach und am 27. März gegen Refrath/Hand zur Konkurrenz aufschließen könnten. Noch liegen Gelpe/Strombach, der BTB Aachen, die Borussia und Nümbrecht nicht außer Reichweite.