| 27. Februar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Monheimer Jungs: Lust auf eine ausgiebige Feier hatten die Handballer der SGM um Trainer Sebastian Nareike (vorne/Dritter von links) nicht nur direkt nach dem Aufstieg in die Verbandsliga. Falls es mit dem Klassenerhalt klappt, wäre das wieder was ganz Besonderes. (Foto: Martina Nareike)
Eigentlich dürfte diese Geschichte auf dieser Seite gar nicht vorkommen. Schließlich heißt unser Produkt nicht umsonst „Harzhelden“. Und tatsächlich fällt die SG Monheim nur bedingt unter diese Definition. In der erst 2025 neu fertiggestellten Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums ist die Nutzung des allseits beliebten Haftmittels seitens der Stadt nämlich gänzlich untersagt. Für die Verbandsligamannschaft der SGM ist das nicht unbedingt ausschließlich ein Nachteil – dazu aber später mehr. Zunächst einmal springen wir zurück in den April 2025 und klären, wieso die Monheimer jedenfalls zweifelsfrei unter den Begriff „Helden“ fallen: Am 4. April feierte die Mannschaft von Trainer Sebastian Nareike durch ein 32:18 gegen den TV Ratingen II die Meisterschaft in der Regionsoberliga, früher einmal Bezirksliga genannt. Weil durch die Ligenreform des Verbandes Handball Nordrhein die Landesliga im Jahr 2024 komplett entfallen ist, bedeutete der Erfolg für die SGM direkt den Aufstieg in die Verbandsliga. Aus den Niederungen des Handballkreises Düsseldorf wurde das Team somit in die sechsthöchste Spielklasse katapultiert. Die Gegner in der Gruppe 4: Kaliber wie der TV Jahn Köln-Wahn, bis zum Jahr 2020 immerhin Regionalligist. Die Auswärtsfahrten gehen seit September 2025 nicht mehr ausschließlich in die direkten Nachbarstädte, sondern etwa nach Aachen, nach Oberwiehl oder ins Siebengebirge.
Es ist der 20. September 2025. Die SG Monheim startet in das Abenteuer Verbandsliga. Erster Gegner ist die HSG Geislar-Oberkassel aus Bonn. Nach der gut 50 Kilometer weiten Anreise unternehmen die Gäste erst einmal den inzwischen weit verbreiteten gemeinsamen Team-Spaziergang, um die Beine zu lockern. Auch daran müssen sich die Monheimer augenscheinlich noch gewöhnen – bei Auswärtsfahrten ins benachbarte Hilden oder Benrath war so etwas jetzt nicht unbedingt nötig. Auf dem Feld präsentiert sich Nareikes Team dann jedoch wenig später lange Zeit auf Augenhöhe, führt in der 25. Minute gar mit 11:10. Erst nach dem 12:13 (29.) muss die SGM abreißen lassen und sie gerät nach der Pause mit 13:17 (39.) und 17:23 (46.) in Rückstand. Am Ende steht eine 22:31-Niederlage. Was sich allerdings bereits hier erahnen lässt: Dass in der Halle kein Harz erlaubt ist, war für die Gäste deutlich gewöhnungsbedürftiger als für die Monheimer, die das bisher kaum anders kannten. „Im aktuellen Kader haben bisher nur zwei Spieler im Ligabetrieb schon mal mit Harz gespielt. Bis auf ein paar Spaßturniere haben wir keinerlei Erfahrung damit. Durch die Inbetriebnahme der neuen Halle besteht auch keine Möglichkeit, mit Harz zu trainieren. Wir sind im regen Austausch mit der Stadt Monheim und die ist wirklich sehr bemüht, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Wir nehmen das sportlich und geben unser Bestes“, erklärt Nareike.
Wer sich die Ergebnisse nach 16 von 26 Spieltagen anschaut, erkennt schnell die Schere zwischen Heim- und Auswärtsspielen bei der SGM. In fremder Halle (mit Harz) kassierte die Mannschaft auf der Platte bisher ausschließlich Niederlagen, die durchaus auch sehr heftig ausfielen – etwa mit dem 17:46 beim Spitzenreiter TuS 82 Opladen II. Zu Hause hielt der Aufsteiger dagegen nicht nur mit, sondern er sammelte auch drei Siege ein. Dazu kamen knappe Niederlagen etwa gegen den Fünften Wahn (31:33) oder den Vierten HSG Refrath/Hand II (30:31). „Grundsätzlich bleibt es schwierig für uns. In den Heimspielen konnten wir manche Mannschaft ärgern, aber wir haben es versäumt, hier Punkte mitzunehmen. Auswärts sind wir immer noch sehr verunsichert, hier wird es schwierig, Punkte zu holen. Wir sind aber zuversichtlich, noch ein paar Punkte zu holen, um die Klasse zu halten“, meint Nareike. Weil es zusätzlich zwei Zähler am „grünen Tisch“ aus dem Auswärtsspiel bei der HSG Sieg gab, steht die SGM mit einer Bilanz von 8:24 Punkten derzeit auf Rang elf – der am Ende der Saison sicher zum Klassenerhalt reichen würde. Der Weg ist allerdings noch weit und die größte Gefahr liegt im Spielplan: Die Rückspiele gegen die direkten Konkurrenten SSV Nümbrecht II (4:26), Unitas Haan III (6:26) und TK Nippes (8:24) stehen alle auswärts an. Vermutlich werden die Monheimer ganz ohne einen Punktgewinn in fremder Halle nicht auskommen. Die erste Möglichkeit dazu besteht gleich morgen am Samstagnachmittag (17.30 Uhr) in Nippes.

Wir packen das! Trainer Sebastian Nareike und seine Monheimer stehen im Kampf um den Klassenerhalt vor dem letzten Saisondrittel besser da, als viele geglaubt hätten. (Foto: Stanno Deutschland)
Der große Vorteil für die SGM: Es gibt keinerlei Druck und ein Abstieg wäre für den Verein gar kein Drama. Die Rahmenbedingungen lassen ohnehin eigentlich keinen höherklassigen Handball zu. Keine Frage: Solche Aussagen sind für die Spieler Motivation genug. „Für mich persönlich wäre der Klassenerhalt unter den Voraussetzungen, die wir jetzt haben, höher einzuschätzen als der Aufstieg“, findet Nareike, der das Abenteuer mit seinen Jungs in jedem Fall bis zur letzten Sekunde auskosten wird: „Wir sind nicht nur eine Mannschaft, sondern auch ein dicker Freundeskreis. Viele von uns spielen seit der C-Jugend zusammen und kennen sich weit über 20 Jahre, teilweise 30 Jahre. In dieser ganzen Zeit waren wir immer nur auf Kreisebene unterwegs.“ Über das Saisonende hinweg stellt sich bald natürlich die Frage, wie es mit dem Handball in Monheim weitergeht. Bleibt die Verbandsliga-Saison 2025/2026 eine Momentaufnahme? Oder geht da noch was? „Viele von uns sind im fortgeschrittenen Handballalter. Für die Zukunft gilt es, den Jugendbereich wieder so aufzustellen, dass man weiter überleben kann. Ehrlicherweise muss man auch darüber nachdenken, eventuell eine Kooperation einzugehen. In diesen Zeiten ist das alles schwierig mit Helfern und Ehrenamtlern. Besonders unser Abteilungsleiter Michèle Gebhardt ist da maximal motiviert, Dinge anzustoßen und zu bewegen. Einen kleinen EM-Boom können wir immerhin verzeichnen“, berichtet Nareike. Für uns steht jedenfalls fest: Haftmittel hin oder her, Abstieg oder Klassenerhalt – die Verbandsliga-Mannschaft der SG Monheim fällt für uns eindeutig unter „Harzhelden“. Und gehört damit auf diese Seite. Punkt.