3. Liga
Für den Klassenerhalt: Ratingen feiert, Opladen leidet
Interaktiv gewinnt beim Drittletzten Schalksmühle verdient mit 40:36. TuS 82 geht beim 25:28 gegen Hanau personell am Stock. Longerich setzt sich in Melsungen mühelos mit 44:29 durch.

Die Fäuste zum Himmel! Die Ratinger mit dem spielenden Sportlichen Leiter Stanko Sabljic und Keeper Sebastian Bliß (von links), steuern nach dem Sieg in Schalksmühle auf einem klaren Kurs in Richtung Klassenerhalt. (Foto: Thomas Schmidt)

SG Schalksmühle-Halver Dragons – Interaktiv.Handball 36:40 (14:19). Die Gelegenheit war aber auch zu verlockend und die Ratinger konnten die zahlreichen Angebote, die ihnen die Drachen an diesem Abend immer wieder machten, im Grunde gar nicht ablehnen. Dass sie dabei selbst eine breite Palette an Fehlern einstreuten und dadurch einen noch klareren Sieg verpasste, konnte die Mannschaft von Trainer Filip Lazarov hinterher fast gelassen im Archiv für diese Saison unterbringen – weil ihnen das Ergebnis nicht nur zwei wichtige Punkte einbrachte, sondern sogar einen echten Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt bedeutete. Erstens: Der Aufsteiger schraubte sein Konto auf 20:24 Zähler und er verbesserte sich auf den neunten Tabellenplatz. Zweitens: Der Abstand zur direkten Abstiegszone ist auf elf Punkte gewachsen – weil der ganz gefährliche Bereich eben bei den Dragons beginnt (14./11:33), die im Übrigen auch nicht erkennen ließen, wie sie sich ans rettende Ufer hieven könnten. Hinter Schalksmühle-Halver liegen der TV Homburg und die TSG Haßloch (beide 6:38) sogar noch weiter zurück, sodass Interaktiv acht Runden vor dem Ende der Serie 2025/2026 alle Trümpfe für ein weiteres Jahr in der 3. Liga in der Hand hält. Spannend machten es die Gäste in Schalksmühle im Übrigen nur in der wilden Schlussphase, als die Hausherren auf eine offene Manndeckung umgestellt hatten – ohne echte Chance, die Sache zu kippen. Gleichzeitig ließ Ratingen in dieser Phase drei hochprozentige Chancen auf den 40. Treffer aus, den dann Richard Sibbel mit dem 40:36 elf Sekunden vor dem Ende doch noch erzielte – was ein Rekord aus der Sicht der Gäste war (vorher 32 Tore), die sonst eher nicht zu den angriffsstärksten der Klasse gehören.

Bis zum 3:4 (6.) musste Ratingen einem Rückstand hinterherlaufen und im ersten Drittel lieferten sich beide Seiten ein Duell auf Augenhöhe – 8:8 (12.), 12:12 (18.). Die Dreier-Serie zum 15:12 (23.) machte dann bereits den Weg frei für Interaktiv, das vom 16:14 (25.) bis zur Pause auf 19:14 (30.) erhöhte und am Anfang der zweiten Halbzeit lediglich 46 Sekunden benötigte, um gegen überfordert wirkende Hausherren durch Nicolas Körber und Emil Kübler auf 20:14 (31.) und 21:14 (31.) zu erhöhen. Der Rest der Partie schleppte sich anschließend besonders ab dem 26:17 (38.) mühsam über die Runden, weil Schalksmühle-Halver offensichtlich die Mittel fehlten und den Gästen weitgehend das Nötigste genügte, um zumindest eine Art Sicherheitsabstand zu wahren – 27:20 (41.), 29:21 (43.), 32:25 (47.), 32:27 (49.). Übers 35:28 (53.) gab es auf der Zielgeraden zwar ein paar neue Irrungen und Wirrungen, die aber an den Kräfteverhältnissen auf der Platte wenig änderten, und die Ratinger durften sich ihrer Sache allerspätestens mit dem 38:30 (56.) sicher sein. Dass die restlichen fünf Minuten ein 2:6 brachten, dürfte vor allem Trainer Lazarov kaum begeistert haben. Lange aufhalten wird er sich damit trotzdem nicht. Für den spielenden Sportlichen Leiter Stanko Sabljic zählte zuerst ebenfalls der Blick auf die Anzeigetafel: „Das ist ein sehr wichtiger Sieg für uns. Wir freuen uns über ein gutes Spiel und eine gute Atmosphäre. Ich will der Mannschaft gratulieren, sie hat das super gemacht.“

Interaktiv.Handball: Bliß, Karic – Schulz (7), Venedey, Szabo (3), Sibbel (3), Kübler (5), Körber (11), Nuic, Poschacher, Windeck, Koenemann (2), Maric (2/1), Stock (5), Sabljic (2), Eckardt.

 

TuS 82 Opladen – HSG Hanau 25:28 (14:18). Sie gaben im Rahmen ihrer eingeschränkten personellen Möglichkeiten alles und standen am Ende doch mit leeren Händen da. Und bei den Opladenern werden sie nun den 29:28-Erfolg vom Wochenende zuvor beim TV Kirchzell (Achter/20:24 Punkte) noch mehr zu schätzen wissen, weil sie dieser Sieg im Kampf um den Klassenerhalt einen wesentlichen Schritt vorangebracht hatte – was die nächste Heimniederlage wohl etwas erträglicher macht. Da aus Opladener Sicht zudem die Ergebnisse der weiter hinten platzierten Konkurrenten passten, bleibt der Abstand zu den Kellerrängen konstant: Dort liegen die SG Schalksmühle-Halver Dragons als 14. auf dem ersten der drei Abstiegsplätze nach ihrer 36:40-Niederlage gegen den auf Platz neun verbesserten Aufsteiger Interaktiv.Handball (20:24) bei 11:33 Punkten, sodass der TuS 82 mit seinen 20:26 Zählern unverändert über einen ausreichenden Sicherheitspuffer verfügt. Den hat der auf Rang zehn zurückgefallene TuS 82 im Übrigen keineswegs einer sowieso nicht vorhandenen Heimstärke zu verdanken, denn die Bilanz in der Bielerthalle steht nach 13 Partien bei 8:18 Punkten – was durchaus der Bilanz eine Abstiegskandidaten entspricht. Dass die Mannschaft von Trainer Stefan Scharfenberg auswärts immerhin 12:8 Zähler vorweisen kann, machte ihr vielleicht Hoffnung für ihre nächste Aufgabe: Am kommenden Freitag steht schließlich das Mittelrhein-Derby beim Nachbarn Longericher SC auf dem Programm (Fünfter/29:15), der nicht nur wegen seines jüngsten 44:29 bei der MT Melsungen II (13./15:29) als Favorit gelten muss. Ein ähnlich knappes Ergebnis wie am 1. Oktober 2025, als sich die Kölner knapp mit 26:25 durchsetzten, wäre diesmal wohl fast schon ein Erfolg für Opladen.

Die Hausherren gingen über die gesamte Spieldauer hinweg nur mit dem 3:2 (6.) mal in Führung und sie mussten ohne Stammkräfte wie Oliver Dasburg und Markus Sonnenberg immer viel Aufwand treiben, um wenigstens den Ausgleich zu halten – 5:5 (11.), 8:8 (16.), 10:10 (20.). Nach dem 12:14 (24.) begann jene Phase, in denen die Partie frühzeitig auf die Seite der Hanauer kippte, die als Dritter (30:12 Punkte) immerhin zum oberen Drittel der Tabelle gehören und sich trotzdem nur sehr zögerlich durchsetzen konnten. Den direkten Kontakt verloren die Gastgeber dann in den letzten fünf Minuten vor der Pause, als sie vom 13:15 (26.) über eine 0:3-Serie mit 13:18 (30.) ins Hintertreffen gerieten. Und entschieden war das Duell bereits kurz nach der Pause, weil die HSG über den besseren Start vom 18:14 innerhalb von vier Minuten auf 22:14 (34.) erhöhte und den Abend ab jetzt praktisch nur zu verwalten brauchte. Was eindeutig für den TuS 82 sprach: Trotz eingeschränkter Möglichkeiten gab er sich zu keinem Zeitpunkt auf und er kämpfte sich vom 19:25 (43.) auf 22:25 (46.) heran, sodass sich die Niederlage letztlich immerhin im Rahmen hielt. Dass mehr nicht zwingend zu erwarten war, sah auch Trainer Scharfenberg hinterher: „Es ist denkbar knapp – insbesondere mit Blick auf den Rumpf-Kader, den wir aufbieten konnten. Kämpferisch können wir uns keinen Vorwurf machen und wir erspielen uns auch gute Möglichkeiten. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht alles umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben, und da ist die Hypothek dann doch einen Ticken zu groß, sodass wir das Spiel nach dem nicht optimalen Start in die zweite Halbzeit nicht mehr umbiegen können. Wir haben trotzdem alles gegeben.“

TuS 82 Opladen: Beckert, Klein – Wolfram (3), Dittmer (4), Jagieniak, Kroner, Dasburg, Schmitz (4/2), F. Johannmeyer (3), Kostorz (5), L. Johannmeyer (6), Swiedelsky, Neuner.

 

MT Melsungen II – Longericher SC 29:44 (16:19). Es war ein souveräner Auftritt ohne Glanz für die Kölner, die bei der Zweitvertretung des Bundesligisten letztlich ungefährdet zwei Punkte einfuhren. Dass selbst dann keine echte Atmosphäre aufkam, wenn die Gastgeber den Rückstand mal verkürzten, lag auch an den offiziell gerade einmal 44 Zuschauern in der Halle. Und so nahm der LSC die zwei Zähler mit auf den Heimweg und er steht jetzt als Fünfter bei einer Bilanz von 29:15 Punkten nur noch knapp hinter der HSG Hanau (30:12) und der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (30:14). Folge: Der dritte Tabellenplatz ist nun acht Runden vor dem Ende der Saison durchaus noch ein realistisches Ziel. Die nächste Aufgabe auf dem Weg dorthin dürfte allerdings etwas komplizierter und vor allem die Stimmung in der Halle eine ganz andere werden – denn am kommenden Freitag (20 Uhr) kommt der TuS 82 Opladen (Zehnte/20:26) zum Derby nach Longerich.

Robin Kremp (1.) und Nico Pyszora (3.) eröffneten den Abend mit dem 2:0 für die Gäste, die nach dem 3:1 (5.) ebenfalls ein paar Fehler einstreuten und innerhalb von 60 Sekunden drei Treffer zum 3:4 (7.) kassierten. Aus der Bahn warf das den LSC allerdings nicht – im Gegenteil: Die Kölner ließen in den nächsten sieben Minuten gar kein Gegentor mehr zu, zogen durch einen 6:0-Lauf auf 9:4 weg (13.) und zwangen Melsungen zu seiner ersten Auszeit. In der Folge bewegte sich der Kölner Vorsprung in einer temporeichen Begegnung zunächst um die fünf Tore, ehe sich die Gäste nach dem 15:9 (22.) durch Lukas Martin Schulz erneut eine kleinere Schwächephase leisteten – 16:14 (26.). Letztlich nahm der LSC so „nur“ ein 19:16 mit in die Kabine.

Dafür dauerte es nach dem Seitenwechsel nicht lange, bis die Longericher die Weichen endgültig auf Sieg stellten. Vom 20:18 (33.) an brachte ein 6:1-Lauf zunächst das 26:19 (40.) und die MT reagierte erneut mit einer Auszeit, die diesmal allerdings keinen durchschlagenden Erfolg brachte. Über das 30:21 (45.) bauten die Gäste ihren Vorsprung aus und mit dem 33:22 durch Jonas Kämper (47.), mit neun Treffern erfolgreichster Werfer des Abends, betrug der Abstand erstmals zehn Tore. Die Angelegenheit war damit natürlich entschieden und der LSC nutzte die Schlussphase für einige Wechsel. Dennoch blieb er bis zur letzten Sekunde hungrig: Nach dem Melsunger 29:43 sechs Sekunden vor Schluss hätten vermutlich viele Mannschaften die Zeit einfach runterlaufen lassen. Longerich jedoch spielte noch einmal schnell nach vorne und Kremp setzte mit dem 44:29 den Schlusspunkt.

Longericher SC: Kull, Babic – Pyszora (2), Henrich (1), Richter (1), Bertenbreiter, Niehaus (1), Leitz (3), Schulz (7/2), Kaysen (4), Nolting (5), Kremp (6), Becker (5), Kämper (9).