Oberliga
Das Finale? Siebengebirge erwartet Königsdorf zum Gipfeltreffen
HSG geht als Spitzenreiter mit zwei Punkten mehr und dem Heimrecht im Rücken als Favorit ins Spitzenspiel der Gruppe 1 gegen den TuS. Der erste Verfolger ist aber bestimmt kein Zufallszweiter.
Links: Simon Schlösser, Nummer 17 Luca Weber, Torwart Amon Kaese, Nummer 29 Luca Houseman, Nummer 2

Objekt der Begierde: Das Spitzenspiel der Oberliga zwischen Simon Schlösser (links), Luca Weber (Nummer 17) und der HSG Siebengebirge auf der einen Seite sowie Luca Houseman (rechts/Nummer 29), Keeper Amon Kaese und dem TuS Königsdorf auf der anderen Seite dürfte spannend werden. Wer möglichst oft eine Hand an den Ball bekommt, hat wohl ganz gute Karten. Bitter für Luca Weber und für Königsdorfs Simon Jansen: Beide können wegen eines Kreuzbandrisses nur draußen die Daumen drücken. (Foto: Thomas Schmidt)

Sicher. Am Ende kann und wird es nur einen geben. Und wer dabei die besten Karten hat, lässt sich anhand der aktuellen Zahlen ziemlich einfach ablesen. Die HSG Siebengebirge geht als Spitzenreiter bei 34:2 Punkten ins letzte Drittel der Saison – was auch sehr gut zu den Zielen des Teams von Trainer Lars Degenhardt passt, das im ersten Jahr nach dem Abstieg aus der Regionalliga den direkten Wieder-Aufstieg ganz oben auf seiner Liste stehen hat. Alles andere als der Gewinn des Titels wäre eine Enttäuschung. Dicht dahinter folgt bei 32:4 Punkten der TuS Königsdorf – bis vor Kurzem sogar die Nummer eins in der Gruppe 1 der Oberliga und inzwischen „nur“ noch in der Rolle des Herausforderers unterwegs. Drei Daten sind für die Entwicklung verantwortlich. Erstens: Am 16. November 2025 gewinnt Königsdorf in eigener Halle das Duell der beiden bis dahin ungeschlagenen Mannschaften mit 38:35, steht nun bei 11:1 Punkten gegenüber 10:2 und seitdem für die nächsten drei Monate an der Tabellenspitze. Zweitens: Über den Jahreswechsel sind beide Seiten durch nichts und niemandem aus der Bahn zu werfen und sie liefern sich eine Art Parallelslalom, ehe der TuS am 22. Februar beim 35:35 gegen die Wölfe Voreifel zum ersten Mal aus der Reihe tanzt. Es ist weniger das Unentschieden an sich, das den Königsdorfern ein paar Rätsel aufgibt, denn der Gegner steht immerhin auf Platz drei, sondern der Verlauf des Abends. Schließlich führt der Spitzenreiter in der 41. Minute mit 24:17 und muss am Ende trotzdem mit einem Unentschieden zufrieden sein. Drittens: Noch bitterer kommt es eine Woche darauf, denn beim HC Gelpe/Strombach II aus dem Mittelfeld (Achter/16:20) gibt es die erste Niederlage in dieser Saison – 28:29. Dass der TuS diesmal einen Sieben-Tore-Rückstand aus der 43. Minute (18:25) fast in was Zählbares gedreht hätte, ist dann auch kein besonderer Trost. Es passiert, was so ähnlich zu erwarten war: Siebengebirge gibt seit jenem November-Abend in Königsdorf keinen einzigen Zähler mehr ab und übernimmt nach der TuS-Pleite im Oberbergischen die Spitze. Daraus folgt, dass die HSG und die Königsdorfer jetzt am Samstag ab 18.30 Uhr in der Halle Sonnenhügel beinahe ein echtes Finale im Kampf um die Meisterschaft spielen. Gewinnen die Gastgeber, sind sie bereits sieben Runden vor dem Ende der Saison durch und können für die Rückkehr in die Regionalliga planen. Bei einem Unentschieden bleiben ebenfalls Vorteile auf der Seite der Hausherren, während ein Erfolg der Königsdorfer noch einmal alles auf den Kopf stellen kann. Es führt aber kein Weg dran vorbei: Der TuS muss gewinnen, um seine Chance auf den Titel zu wahren.

Trotz natürlich völlig gegensätzlicher Interessen verbreiten die Beteiligten in einem Punkt dieselbe Grundstimmung: Sie sind heiß auf diesen Samstags-Kracher. „Wir gehen mit Optimismus in die Begegnung, vor allen Dingen aber mit viel Freude“, sagt HSG-Trainer Lars Degenhardt, „wir haben einfach Bock und freuen uns auf eine tolle Auseinandersetzung mit einem sehr starken Gegner. Ich glaube, es ist alles bereitet für ein echtes Handballfest.“ Der Kollege Ole Romberg sieht das für den Tabellenzweiten nicht viel anders: „Es gibt nichts Geileres als ein solches Spiel.“ Für ihn liegt – womit er nicht völlig verkehrt unterwegs sein dürfe – die Rolle des Favoriten bei Siebengebirge, das seiner Ansicht nach auch völlig zu Recht über dem Rest des Feldes thront. „Der Gegner hat eine brutale Qualität“, sagt Romberg. Degenhardt hält ebenfalls eine Menge vom Verfolger: „Königsdorf ist eine Mannschaft mit sehr viel Dynamik. Ich muss sagen, das ist wirklich eine tolle Entwicklung, die die Jungs da genommen haben über die letzten ein, zwei, drei Jahre. Sie haben einen sehr klugen, spielintelligenten Mittelmann mit Lars Brauner. Natürlich kennen wir sehr gut Kreisläufer Marius Többen mit seiner körperlichen Dynamik. Sie haben einfach eine richtig gute Mannschaft.“ Die Qualitäten von Marius Többen sind seit dessen Zeit bei der HSG bekannt – und jene anderer haben sich ebenfalls herumgesprochen. Pech für die Königsdorfer: In Simon Jansen fehlt eine wichtige Stütze wegen eines kürzlich erlittenen Kreuzbandrisses und ob Torgarant Oskar Zirkel in bester Form sein kann, wird sich zeigen müssen. Degenhardt vermutet, dass der Rückraumspieler zumindest zur Verfügung stehen wird: „Wie ich gehört habe, wird er wohl aus seinem Auslandsaufenthalt einfliegen.“ Der HSG-Coach hat ganz offensichtlich richtig gehört, obwohl Romberg die Rückhol-Aktion für den Norweger auf Zeit aus Oslo nur indirekt bestätigen mag: „Im Rückraum haben wir einen Bedarf.“ Seinen bisher letzten Einsatz für den TuS hatte Zirkel am 20. Dezember 2025, als er zum 30:24 beim SC Fortuna Köln acht Treffer beisteuerte – eine für seine Verhältnisse eher sehr normale Ausbeute.

Mit dem allgemeinen Stand der Dinge sind sie ebenfalls auf beiden Seiten sehr einverstanden – im Siebengebirge nachvollziehbar noch ein bisschen mehr. „Ich glaube, wir haben seit dem Jahreswechsel eine aufsteigende Form“, erklärt HSG-Trainer Lars Degenhardt, „das beinhaltet vor allen Dingen, dass wir in den letzten Wochen sattelfester in der Abwehr agieren. Unser Umschaltspiel funktioniert gut und wir haben in den letzten Wochen auch immer gute Lösungen im Angriff gefunden. Das Entscheidende ist, über die gesamte Saison einfach so wenig Punkte wie möglich liegen zu lassen. Das gelingt uns im Moment bei allen Aufgaben sehr gut. Wir hatten jetzt sehr schwere Auswärtsaufgaben in Birkesdorf und beim MTV Köln, die wir tatsächlich relativ souverän lösen konnten – und bisher konnte noch niemand zu Hause bei uns punkten. Das würden wir gerne bis zum Saisonende so halten.“ Im Bereich Kader-Besetzung führt Degenhardt gleichfalls den einen oder anderen Ausfall an: „Bei uns ist es so, dass wir auf unsere Langzeitverletzten verzichten müssen. Das sind Konstantin Lutz und Leonard Bachler. Hinzu kommt Luca Weber, der sich vor zwei Wochen einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Ich hoffe, dass wir das am Samstag genauso kompensieren wie zuletzt.“ Ein paar Schwierigkeiten hatte Siebengebirge vor einigen Wochen ausgerechnet in Gelpe/Strombach II (28:26), ehe die folgenden vier Partien wieder deutliche Erfolge brachten. Bei 619:496 Toren (plus 123) verfügt die HSG über die beste Abwehr, während der TuS Königsdorf bei 637:516 (plus 121) Treffern den besten Angriff mitbringt. Selbst in diesem Bereich existieren demnach kaum Unterschiede: Siebengebirge erzielt 34,38 Tore pro Spiel, Königsdorf bringt es auf 35,38 – und der eine bekommt 27,55 Gegentore, der andere 28,66. Im rechnerischen Durchschnitt beträgt damit der Unterschied zwischen der HSG und dem TuS genau 0,11 Tore pro Auftritt. Es ist beinahe weniger als nichts.

Sollte es bei den Königsdorfern nicht klappen mit der zurzeit noch in Reichweite liegenden Meisterschaft und dem Aufstieg in die Regionalliga, wäre es auf den ersten Blick zumindest kein größeres Unglück. Trainer Ole Romberg hatte es vor einiger Zeit so formuliert: „Siebengebirge wird aufsteigen. Punkt. Dahinter wird es unheimlich eng zugehen. Da wird es darauf ankommen, wer seine Leistung konstant bringen kann. Ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, in den Top 5 zu landen. Für mehr wird uns im Moment noch die Konstanz fehlen. Wir haben eine junge Truppe und müssen uns erst finden.“ Aus dem Stadium, „nur“ die allgemeine Entwicklung voranzutreiben, sind sie beim TuS jedoch seit einiger Zeit heraus – ohne dass ihnen der aktuelle Lauf der Dinge mit drei verlorenen Punkten riesige Bauchschmerzen bereiten würde. „Hätte uns vorher einer gesagt, dass wir jetzt da stehen, wo wir sind, hätten wir das so unterschrieben“, betont Romberg, „das ist überragend. Aber mit den letzten Wochen sind wir nicht zufrieden. Die Ansprüche an uns selbst sind gewachsen.“ Nach dem Unentschieden gegen die Wölfe und der Niederlage in Gelpe/Strombach war dann aber beim 32:18 gegen die gefährdeten HBD Löwen Oberberg offensiv wieder mehr Zug drin und die Abwehr sorgten bei nur 18 Gegentreffern sogar für einen Saisonrekord (vorher 24 Gegentore). Langweilig wird der Rest der Saison im Übrigen unabhängig vom Ergebnis des Gipfeltreffens im Siebengebirge sowieso nicht: Der TuS bekommt es am 21. März mit dem Sechsten MTV Köln II (21:15) zu tun, ehe er am 11. April beim Vierten Birkesdorfer TV (23:13) und am 19. April bei der TSV Bonn rrh. II (Fünfter/21:15) antritt. „Dass wir mittelfristig hoch wollen, ist aus der Mannschaft gekommen“, sagt Romberg, „Siebengebirge muss gewinnen. Wir können aufsteigen.“ Sicher ist damit nicht, wer sich jetzt durchsetzt. Aber am Samstagabend gegen 20 Uhr oder kurz danach wissen sicher alle etwas mehr.