Regionalliga Nordrhein
Auf den Kopf gestellt: TVK und Weiden sind oben raus – Dormagen, Essen und Rheinhausen drin
Leidendes Korschenbroich setzt Talfahrt mit 25:38 gegen TSV Bayer II fort. Dafür kommen auch HSG und OSC für den Titel in Frage. Unten erlebt Mönchengladbach ein 24:40-Debakel in Gelpe/Strombach.

Eingeklemmt: Korschenbroichs Dustin Franz (Mitte/schwarzes Trikot) hatte hier keine Chance gegen die Dormagener Frederik Sondermann (links), Julius Hein (Nummer 66), Johannes Emmerich (19) und Marvin Landau (ganz rechts). Auch das Ergebnis war am Ende mit dem 38:25 für die Gäste entsprechend deutlich. (Foto: Sven Frank)

Die Karten sind endgültig neu verteilt in der Regionalliga und besonders im Kampf um die Meisterschaft und den Aufstieg in die 3. Liga ist nichts mehr so, wie es noch rund um den Jahreswechsel war. Nach dem letzten Spieltag vor der Weihnachtspause lag etwa der Drittliga-Absteiger TV Korschenbroich mit 16:4 Punkten aussichtsreich an der Spitze – vor dem HC Weiden, der mit 16:6 Zählern dicht dahinter folgte und ein ernsthafter Kandidat für den ersten Platz zu sein schien. Und jetzt? Sieht alles ganz anders aus. Besonders heftig hat es die Korschenbroicher erwischt, die ohnehin mit einem relativ kleinen Kader in die Saison gegangen waren – und nun hat ihnen die Verletzung von Mats Wolf (Kreuzbandriss) vor gut drei Wochen bei der Niederlage in Weiden (24:31) komplett den Stecker gezogen. Das 25:38 gegen den TSV Bayer Dormagen II war der vorläufige negative Höhepunkt einer Entwicklung von vier Spielen in Folge ohne einen Sieg (1:7) und insgesamt 7:11 Zählern für 2026 – was bedeutet, dass der auf Platz fünf abgerutschte TVK (23:15) raus ist aus dem Kampf um die Positionen ganz vorne. Gleiches gilt für den HC Weiden, der vor Kurzem noch als Korschenbroich-Bezwinger auf sich aufmerksam gemacht hat, nun drei Mal in Folge nicht gewonnen hat, als Vierter wie Korschenbroich bei 23:15 Punkten steht und nach dem 30:30 beim gefährdeten SSV Nümbrecht (Zwölfter/13:25) ebenfalls raus ist aus dem Kampf um die Meisterschaft. Den werden künftig drei andere Mannschaften unter sich ausmachen, was vor zwei Monaten in dieser Konstellation nicht zu erwarten war. Dabei kommt die aktuelle Spitzenposition der Dormagener (29:9) weniger überraschend als ihre starke Serie mit zuletzt 17:1 Punkten aus neun Spielen ohne Niederlage. Erster Verfolger ist seit Kurzem der Aufsteiger HSG am Hallo Essen (27:11), der seine Serie für 2026 durchs 28:22 beim BTB Aachen (Elfter/13:25) auf 16:2 Punkte ausbaute und inzwischen ganz vorne längst seinen Hut in den Ring geworfen hat – wovon sehr offiziell bisher aber niemand redet im Ruhrgebiet. Ähnliches gilt für den inzwischen als dritte Kraft etablierten OSC Rheinhausen (26:12), der vom TV Aldekerk (Siebter/19:19) einen 29:25-Erfolg mitnahm, zum fünften Mal hintereinander gewann und nun immerhin selbst davon ausgeht, dass sich die Dinge verschoben haben. „Jetzt müssen wir gegen Nümbrecht in einer neuen Rolle bestehen“, sagte Trainer Sascha Wistuba nach dem Sieg in Aldekerk. Was er meinte, ergibt sich von selbst: Rheinhausen ist am nächsten Samstag klarer Favorit gegen Nümbrecht. Hoffnungen und Ansprüche wachsen gerade von selbst in der Regionalliga.

Weiter unten wird, wenn nicht ein Wunder geschieht, der erst in der vergangenen Saison aus der 3. Liga abgestiegene VfL Gummersbach II als Letzter (8:28) mit der klar jüngsten Mannschaft der Klasse den Weg in die Oberliga nicht (mehr) vermeiden können – was nicht nur am jüngsten 25:40 beim Sechsten Unitas Haan II liegt (21:17), sondern ebenso an den nur 2:14 Punkten aus den vergangenen acht Spielen und dem Handicap, dass die Gummersbacher in der Rückrunde noch gegen alle Mannschaften von ganz oben antreten müssen. Nicht viel besser ist aktuell die Lage der aufgestiegenen Borussia Mönchengladbach (13./11:27), die sich jetzt ausgerechnet in der wichtigen Partie beim HC Gelpe/Strombach (Zehnter/16:22) mit dem 24:40 ein peinliches Debakel erlaubte und in dieser Form keine Chance auf eine Rettung haben wird. Glück für die Borussia: Der Elfte BTB Aachen und der Zwölfte SSV Nümbrecht (jeweils 13:25) liegen grundsätzlich noch in Reichweite. Aachens Trainer Simon Breuer bringt es auf den Punkt: „Unten bleibt es ganz, ganz eng.“ Gleichzeitig wird es immer wieder eine Form von Endspielen geben wie jenes am nächsten Samstag zwischen den Mönchengladbachern und den Aachenern. Relativ entspannt dürfte der Rest der Saison ein Stück höher für die drei Teams auf den Plätzen sieben, acht und neun werden: Der TV Aldekerk, die TSV Bonn rrh. (18:20) und die HSG Refrath/Hand (17:19) liegen ziemlich weit jenseits von Gut und Böse. Bei ihnen geht es vorwiegend darum, die eigenen Ansprüche neu zu definieren und dann nach Möglichkeit zu verwirklichen – was ebenfalls einigermaßen kompliziert sein kann.

 

TV Korschenbroich – TSV Bayer Dormagen II 25:38 (11:16). Bei dem einen passte wenig bis nichts zusammen, bei dem anderen viel bis fast alles – und in der Summe hatte der einstige Meisterschaftskandidat Korschenbroich nicht den Hauch einer Chance, vielleicht doch etwas Zählbares zu behalten und dadurch die Kampf um die Meisterschaft nicht zuletzt für sich selbst wieder ein bisschen spannender zu machen. Ein Unentschieden stand nur in der frühen Phase des Abends auf der Anzeigetafel – mit dem 0:0 am Anfang der Partie, nach dem 1:1 (3.) von Max Hartz, dem 2:2 (5.) von Ben Büscher und dem 3:3 (8.) von Florian Krantzen. Dormagens 3:0-Serie zum 6:3 (11.) und der folgende 4:1-Lauf zum 10:5 (22.) deuteten dann bereits die Richtung an in einer Partie, die aufgrund völlig gegensätzlicher personeller Kräfteverhältnisse spätestens ab jetzt wenig von einem Spitzenspiel hatte. Später konnte der TVK nach dem 11:16 (30.) aus der ersten Halbzeit bis zum 15:19 (35.) in etwa dranbleiben, verlor aber innerhalb der folgenden neun Minuten gegen konsequent ihre Chancen nutzenden Dormagener  komplett den Anschluss – 16:28 (44.). Trotz allen Einsatzes bot sich dem TVK in der letzten Viertelstunde nicht mal mehr die Gelegenheit, das Resultat irgendwie einzugrenzen, und am Ende war mit den 13 Toren Unterschied die bitterste Pleite seit Langem amtlich. Korschenbroichs Trainer Frank Berblinger war trotzdem weit davon entfernt, sein Team zu kritisieren: „Kein Vorwurf an die Jungs in dieser Situation. Aktuell reicht es einfach für ganz oben nicht. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, das Ruder noch mal ein bisschen rumzureißen, aber in der aktuellen Verfassung reicht es definitiv nicht. Die Jungs haben aus meiner Sicht wieder alles versucht, sie haben alles investiert.“ 

Der Kollege Peer Pütz konnte für seine Mannschaft mit dem Ergebnis auf der anderen Seite um Welten mehr anfangen als die Gastgeber, die diesmal eben nicht als Hausherren durchgingen. „Das war für uns natürlich ein sehr gutes Spiel und ein tolles Ergebnis“, fand der TSV-Coach, „wir haben eigentlich von Beginn an in der Abwehr sehr gut gestanden und das sehr gut umgesetzt, was unser Plan war. Dann hatten wir noch eine sehr gute Torhüterleistung dahinter, sodass wir immer wieder Tempotore machen konnten. Im aufgebauten Angriff waren wir einfach sehr diszipliniert und sehr geduldig, wir haben da viele klare Chancen rausgespielt und diesmal konsequent verwertet.“ Einiges spricht nun dafür, dass die Dormagener als Tabellenführer in die Meisterschaftspause über die Oster-Schulferien gehen werden – weil sie am nächsten Samstag im Heimspiel gegen den Letzten VfL Gummersbach II als klarer Favorit gelten und ihre Serie von mittlerweile 19:1 Punkten aus zehn Spielen ohne Niederlage unbedingt fortsetzen wollen. Maximal kompliziert sieht in der aktuellen Lage die bevorstehende Aufgabe für die Korschenbroicher aus, die zum Duell der Drittliga-Absteiger beim TV Aldekerk antreten. Ans Aufgaben denkt beim TVK natürlich niemand in diesen schwierigen Wochen: „Wir werden uns schütteln, wir werden uns vernünftig auf Aldekerk vorbereiten. Das Entscheidende ist, dass wir am Ende des Tages aus der Halle rausgehen und uns keine Vorwürfe machen müssen.“

TV Korschenbroich: Bartmann, Krüger – Schiffmann (3), Krantzen (3/2), Eugler (1), Hartz (8), Brinkhues, König (4), Zimmermann, Büscher (3), Franz (2), Bitzel (1).

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (6/1), Srugies (3), Hinrichs (1), Kasper, Emmerich (4), Döpner, Ostrowski (1), Bahns (12), Scholl (2), Sondermann, Adam (6/3), Schindler (2/1), Kriescher, Hein (1).

 

TSV Bonn rrh. – HSG Refrath/Hand 29:19 (14:7). Die Bonner, am Anfang des Jahres aufgrund einer Niederlagen-Serie aus der oberen Tabellenhälfte weit nach unten abgerutscht, haben in den vergangenen Wochen ihre Hausaufgaben gemacht und sich durch Siege über Konkurrenten aus dem unteren Drittel von der größten Gefahr befreit – 26:24 beim VfL Gummersbach II, 28:27 bei Borussia Mönchengladbach. Diesmal machte es die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl sogar deutlich und sie konnte die bisher hinter ihnen liegenden Refrather im Mittelfeld der Tabelle überholen. Dabei legte Bonn den Grundstein für den ungefährdeten Start-Ziel-Sieg bereits in der ersten Halbzeit, als es die Gäste vor allen Dingen bis zum 13:5 (27.) defensiv immer wieder vor eine Wand laufen ließ und die Partie fortan in der gebotenen Ruhe kontrollieren konnte. Für TSV-Coach Florian Benninghoff-Lühl stand fest, wem die Bonner den Erfolg in erster Linie zu verdanken hatten: „Das war eine sehr gute Leistung von der Mannschaft, vor allem auch mit einer nicht eingespielten Abwehrformation, weil Fynn Hoffmann krankheitsbedingt fehlte und Daniel Fischer privat verhindert war.  Björn Danz macht wieder ein super Spiel in der Abwehr. Dazu ist Niklas Bitzer hervorzuheben mit wirklich überragendem Einsatz und ein paar Ballgewinnen. Torhüter René Krouß muss ebenfalls erwähnt werden, der vor allem in der ersten Halbzeit ein überragendes Spiel macht, wahrscheinlich 50 Prozent hält und Refrath bei sieben Toren hält. Auch in der zweiten Halbzeit legen wir nach. Über die ganze Spielzeit machen Simon Santen und Kevin Fricke im Angriff einfach einen sehr, sehr effektiven und guten Job. Den Sieg hat sich die Mannschaft mit wirklich viel Leidenschaft und den Sachen erarbeitet, die uns zu Hause einfach stark machen.“

Näher als auf sieben Tore kamen die Refrather auch nach der Pause nicht mehr heran – 9:16 (36.), 12:19 (43.). Beim 23:13 (51.) hatten die Gastgeber zum ersten Mal eine Führung von zehn Treffern und mit dem 29:17 (59.) durch Torhüter Moritz Meißenburg, der in den hier leeren Kasten der HSG traf, gab es den höchsten Vorsprung. Dass Pascal Noll und Christian Bürger für das Team von Trainer Kelvin Tacke noch auf 18:29 (59.) und 19:29 (60.) verkürzten, war am Ende nicht mehr als Ergebniskosmetik. Tacke redete hinterher nicht lange um den heißen Brei herum: „Wir haben vom Start weg im Angriff keine Lösungen gefunden. Was wir auch versucht haben – nichts hat geklappt. Und unsere Summe an technischen Fehlern und Fehlwürfen war einfach viel zu hoch, was Bonn natürlich gerne angenommen und abgezockt runtergespielt hat. In der Abwehr haben wir bis zur 55. Minute gut agiert, konnten das aber nicht mit in den Angriff nehmen.“ Das sah bei der TSV aus Trainersicht ganz anders aus. „Über die ganze Spielzeit machen Simon Santen und Kevin Fricke im Angriff einfach einen sehr, sehr effektiven und guten Job“, stellte Benninghoff-Lühl fest. Die sechs Tore von Fricke und die fünf von Santen waren auf jeden Fall zentrale Teile eines insgesamt passenden Puzzles. 

TSV Bonn rrh.: Krouß, Meißenburg (1), Czerwinski – Krohn (2), F. Hoffmann (1), Bullerjahn (1), Santen (5), Behr (2), Heitkötter (2), Fricke (6), Bitzer (4), Weber (1), Danz, Kästner (1), Worm (1/1), Bohrmann (2).

HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer – Neukirch (3), Branding, Willers (1), Schallenberg, Faust (2), Geerkens, Bürger (2), Georgi, Noll (5), Merz (2), Tent, Dibowski (4), Capota.

 

TV Aldekerk – OSC Rheinhausen 25:29 (10:14). Für die Gastgeber war es in erster Linie eine Rückkehr in die Realität nach den beiden vorherigen Siegen gegen die HSG Refrath/Hand (30:24) und beim HC Weiden (32:28). Und weil Aldekerk bei allem Einsatz über Ansätze nicht hinauskam, war der Erfolg der Rheinhausener auch völlig verdient – was TVA-Trainer Tim Gentges ebenfalls so sah: „Glückwunsch an den OSC, das geht absolut in Ordnung.“ Tatsächlich hatten die Gäste nach ihrem einzigen Rückstand beim 0:1 (4.) immer wieder die besseren Lösungen und erst auf der Zielgeraden sah es vorübergehend mal nach einer Wende zugunsten der Hausherren aus, die hier vom 15:21 (42.) auf 22:23 (52.) verkürzt hatten und plötzlich mit neuen Chancen ausgestattet zu sein schienen. Weil Rheinhausen aber sowohl die Nerven als auch die Übersicht behielt, war sechs Minuten darauf alles klar: Die Gäste erhöhten erst auf 27:23 (57.) und danach auf 29:24 (59.), sodass sie sich schließlich relativ ungefährdet beide Punkte sicherten. „Wir haben es leider 60 Minuten nicht geschafft, die Intensität, die wir in Weiden oder gegen Refrath an den Tag gelegt haben, heute so auf die Platte zu bringen. Es lag nicht am Willen oder an der Leidenschaft, aber es gibt so Tage, da schafft man es nicht, an seine Leistungsgrenze ranzukommen. Das hat auch ein bisschen mit der Gegner gelenkt, denn Rheinhausen ist für mich gerade die Mannschaft der Liga. Wir halten den OSC bei 29 Toren und die machen noch zwei, drei, weil wir nachher aufmachen. Wir hatten vorne genügend freie Würfe aufs Tor, doch wir sind halt nicht kaltschnäuzig genug – oder der Torwart hat einen überragenden Tag gehabt.“ Dieser Torwart zwischen den Pfosten des OSC war Julian Seemann, dessen starke Vorstellung für seinen Trainer Sascha Wistuba fast keine Überraschung mehr war: „Julian ruft seit Wochen im Tor grandiose Quoten auf, er hat sich heute ein Sonderlob verdient.“

Rheinhausen hatten neben seinem Keeper in Lukas Hüller einen weiteren Fixpunkt – durch Ideen und die acht Treffer, mit denen er sein persönliches Konto auf 143 Tore in 19 Spielen ausbaute, was ihn zusammen mit Carsten Jacobs (BTB Aachen/ebenfalls 143) zur Nummer eins in der Regionalliga macht. Für Wistuba gabs aber in Richtung Mannschaft zusätzlich ein pauschales Lob. „Jeder Spieler vorne wie hinten könnte hier erwähnt werden“, sagte Rheinhausens Trainer, „es war das erwartet schwere Spiel. Leider verpassen wir es aus verschiedenen Gründen, den Sack frühzeitig zuzumachen. Und gerade deswegen großen Respekt an unsere Jungs – sie gehen gegen stark kämpfende Aldekerker verdient als Sieger vom Platz.“ Die Serie von 14:4 Punkten aus den ersten acht Begegnungen im Kalenderjahr ist dabei definitiv kein Zufallsprodukt mehr und Rheinhausen hat sich inzwischen längst im oberen Drittel der Tabelle etabliert – anders als die Aldekerker, deren Gesamtbilanz mit neun Siegen, einem Unentschieden und neun Niederlagen sowie 561:562 Toren ausgeglichener nicht sein könnte. Unter dem Strich ist es einfach Mittelmaß.

TV Aldekerk: Schoemackers, Keutmann (1) – Grützner, Kirschbaum, Poot, Brockmann (1), Plhak (5/3), Hahn (3), Könnes (2), Perey (5), Küsters (4), Kahl (3), Niederholz, Rutten (1).

OSC Rheinhausen: Lenz, Seemann – Adrian (5/3), Rippelmeier, Mook, Ernst (2), Kauwetter (1), Dreier, Zwarg (3), Hüller (8), M. Molsner, Käsler (4), Kölsch (1), Schlögl (5).

 

HC Gelpe/Strombach – Borussia Mönchengladbach 40:24 (16:8). Dieses Ergebnis ist eine Ohrfeige für die Mönchengladbacher, die in der vergangenen Woche bereits im Nachholspiel gegen den Letzten VfL Gummersbach II beim 27:27 nicht den erhofften Sprung weg von den Abstiegsplätzen geschafft hatten und nun im Oberbergischen nicht mal ansatzweise erkennen ließen, wie sie eine Position am rettenden Ufer zu erreichen gedenken. Mönchengladbach hätte bereits beim Stande von 3:9 in der 19. Minute die Heimreise antreten können und spätestens nach dem 8:16 (30.) am Ende der ersten Halbzeit waren alle Fragen beantwortet. Am Ende stand dann sogar mit 16 Toren Unterschied die mit Abstand höchste Niederlage in dieser Saison auf der Anzeigetafel – deutlich bitterer als jenes 25:35 aus dem Februar beim OSC Rheinhausen, das mit minus zehn Toren der bisherige Negativrekord war und immerhin bei einer der aktuellen Spitzenmannschaften der Regionalliga passierte. Borussia-Trainer Ronny Rogawska zeigte sich entsprechend schwer bedient/enttäuscht: „Das tut heute sehr weh. Wir haben gegen eine 3-2-1-Deckung gespielt, die uns provoziert hat, technische Fehler zu machen. Die ersten fünf, sechs Minuten haben wir die Chancen einfach verworfen. Dann kamen dazu die technischen Fehler, nachher die Passfehler und individuelle Fehler – und wir sind nicht in das Rückzugsverhalten reingekommen. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine kleine gute Phase – von der 30. bis zur 37. Minute, wenn überhaupt. Wir sind hier vorne im Angriff wenigstens richtig reingegangen in der Nahtstelle. Wir haben dann ein bisschen mehr Willen gezeigt und ich glaube, das ist das Königswort, denn der fehlt uns im Moment. Wir werden uns jetzt hinsetzen und das selbstverständlich analysieren. Wir brauchen eine ganz andere Einstellung.“ Einfacher ist das Heimspiel am nächsten Samstag gegen den ebenfalls gefährdeten BTB Aachen jedenfalls nicht geworden.

Gelpe/Strombach, in der jüngeren Vergangenheit selbst mit einer bescheiden aussehenden Bilanz unterwegs (2:8 Punkte), beherrschte den Abend von der ersten Minute an und konnte sich nach der Pause fast problemlos einen Durchhänger leisten. Es waren dabei genau sieben Minuten, in denen die Borussia bis zum 14:20 (37.) mithielt, ehe sie in der Folge bis zum 21:31 (49.) wieder in Einzelteile zerfiel und später in den letzten fünf Minuten nach dem 24:36 (56.) gar nichts mehr anzubieten hatte – oder höchstens den Gastgebern, die gerne die Gelegenheit wahrnahmen, durch einen 4:0-Lauf zum 40:24 (60.) selbst die Marke von 40 Toren zu erreichen. Passend zum Auftritt der Borussia: Jordi Weisz, ansonsten mit neun Toren (fünf per Siebenmeter) der erfolgreichste Mönchengladbacher, konnte sechs Sekunden vor dem Ende einen Siebenmeter nicht nutzen. Aufregen mochte sich darüber allerdings niemand mehr.

HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger, Makowiecki (2), Maier (12/4), Altjohann (1), Pötz (2), Viebahn (4), Heinzerling (4), Roth (2), Müller (2), Meinhardt (10), Walch (1), Rostalski.

Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann, Erkes – Prinz, Dicks (1), Jennes (1), Weis (1), Bremges (2), Semrau, Weisz (9/5), Berner (1), Nix (2), Lipok (2), Markovic (1), Roth (4).

 

BTB Aachen – HSG am Hallo Essen 22:28 (9:14). Die Aachener hatten zwar hinterher das Gefühl, dass mit einer Leistung an der oberen Grenze mehr drin gewesen wäre – aber natürlich einen Heimsieg über den aktuell fast durch die Saison fliegenden Aufsteiger vorher nicht zwingend eingeplant. „Wir haben heute eine ganz gute Chance vertan, noch ein paar Punkte zu holen“, fand Trainer Simon Breuer, „die Essener haben natürlich sehr clever gespielt, auch mit Selbstsicherheit und der ganzen Erfahrung, aber nicht so überragend, dass wir nicht die Möglichkeit haben. In der ersten Halbzeit haben einfach irgendwie Power, Energie und letzte Bereitschaft gefehlt, was natürlich in unserer Situation total schwierig ist. Auf der anderen Seite lähmt so eine Situation immer mal.“ Der Weg für beide Seiten war bereits aufgezeigt, als Essen mit dem 4:3 (8.) die Führung übernahm und amschließend mit einem Fünf-Tore-Polster in die zweite Halbzeit gehen konnte. Beim 15:17 (39.) schienen die Gastgeber dann tatsächlich noch mal für was Zählbares in Frage zu kommen, doch die HSG antwortete nach einer Auszeit (40.) mit der Dreier-Serie zum 20:15 (44.), geriet für die letzte Viertelstunde nicht mehr in Bedrängnis und durfte einen weitgehend ungefährdeten Erfolg aufs Konto überweisen – 25:19 (52.), 28:21 (59.). „Wir haben irgendwann in der zweiten Halbzeit noch mal einen Anschluss gefunden, weil das dann besser war, aber einfach nicht durchgehend über das ganze Spiel“, urteilte Breuer, „letztlich hatten wir  vorne viel zu wenig Durchschlagskraft. Defensiv haben wir es eigentlich ganz ordentlich gemacht.“ Was nun auf den BTB zukommt, ist nicht nur seinem Trainer klar: Am nächsten Samstag steht beim Vorletzten Borussia Mönchengladbach eine Art Endspiel auf dem Programm, in dem es für beide Seiten um eine Menge geht. Verlieren darf eigentlich keiner.

Wenig auszusetzen am Auftritt der HSG, die erneut auf den erkrankten Rückraumspieler Matthis Blum verzichten musste, hatte deren Trainer Niklas Rolf- „Es war das erwartbar schwere Auswärtsspiel“, sagte Essens Coach, „und wir mussten wieder einmal Matthis ersetzen, der dann als Co-Trainer fungiert und eine sehr wichtige Rolle übernommen hat. Ansonsten haben wir das wieder als Mannschaft sehr gut abgefangen. Zwischenzeitlich wurde es ein bisschen emotional – wo ich die Jungs ein wenig runterbringen musste. Auch das haben wir souverän gemeistert. Dann ist Aachen noch mal sehr gut rangekommen auf zwei Tore und wir mussten auf Sieben gegen Sechs umstellen, was super funktioniert hat. Alles in allem denke ich, war es ein sehr verdienter Sieg. Jeder hat wieder seinen Part beigetragen.“ Die nächste Reifeprüfung folgt nun am kommenden Sonntag gegen die Unitas Haan, die sich längst aus der unteren Hälfte entfernt hat und auf dem Weg ist, sich in der oberen Hälfte zu etablieren. Nach der Unterbrechung der Meisterschaft wegen der Oster-Schulferien folgt am 12. April das Top-Spiel beim Tabellenführer TSV Bayer Dormagen II.

BTB Aachen: Zaghloul, Schüler – Huckemann, Jacobs (6/3), Mattner (3), Horn, Wudtke (2), Büchel (1), Käsgen, Klinkenberg, Wagner (4), Schmitz, Münster (1), Herzog (1), Denert (4), Panse.

HSG am Hallo Essen: Stecken, Christmann – Sinkovec (2), K. Bekston, Lange, Ellwanger (4), Neitsch (4), Enders (5), Szczesny (6), Ciupinski, Basic (6/3), A. Bekston (1), Basholli, Schupe.

 

SSV Nümbrecht – HC Weiden 30:30 (17:19). Die Weidener wussten hinterher selber nicht ganz genau, was sie mit diesem Unentschieden beim um den Klassenerhalt kämpfenden Aufsteiger anfangen sollten. Erstens: In der ausgeglichenen Partie, in der sich keins der beiden Teams zu irgendeinem Zeitpunkt richtig deutlich absetzen konnte, lagen die Gäste in der Mitte der zweiten Halbzeit vorne – 23:20 (40.), 25:23 (46.). Zweitens: Auf der Zielgeraden lagen die Weidener gut drei Minuten vor dem Ende plötzlich mit 27:29 (57.) hinten. HC-Trainer Marc Schlingensief wählte für seine Einschätzung einen Mittelweg: „Mit insgesamt nur zehn einsatzfähigen Feldspielern kommen wir grundsätzlich gut ins Spiel. In einer temporeichen ersten Halbzeit bekommen wir mehr und mehr die Kontrolle über das Geschehen, Nümbrecht lässt sich aber nicht abschütteln. Der Beginn der zweiten Halbzeit gelingt uns gut, ein paar Paraden und gute Abwehraktionen und gute, schnelle Angriffe bringen eine Vier-Tore-Führung. In der Folge lassen wir zu viele klare Chancen liegen, unter anderem zwei Siebenmeter. Nümbrecht kann das Spiel drehen und sieht wie der sichere Sieger aus, aber Team hat trotz schwindender Kräfte Moral bewiesen. Am Ende ist es bei einem Zwei-Tore-Rückstand sicherlich ein Punktgewinn, insgesamt muss man von einem Punktverlust sprechen. Elf Tore in der zweiten Halbzeit sind zu wenig.“ Mit 8:8 Punkten aus den ersten acht Spielen im Jahr 2026 fällt die Bilanz für die vergangenen Wochen zwar eher durchwachsen aus, doch nach zwei Niederlagen hintereinander sah Weiden das Unentschieden in erster Linie positiv.

In der ersten Halbzeit führte zunächst der SSV, ehe Weiden mit dem 11:10 (19.) seine Ansprüche auf was Zählbares anmeldete. Beim 20:17 (32.) kurz nach der Pause war der HC mal drei Tore weg und beim 22:18 (36.) sogar vier, spätestens mit dem 25:25 (48.) allerdings war Nümbrecht wieder auf Augenhöhe unterwegs und maßgeblich an der folgenden spannenden Endphase beteiligt. Nach dem 27:29 (57.) brachten zunächst zwei Tore von Sven Xhonneux das 28:29 (58./Siebenmeter) und den 29:29-Ausgleich (59.) für den HC, ehe beide Seiten den Rest des Abends in Unterzahl überstehen mussten: Bei den Hausherren gab es die dritte Zeitstrafe gegen Johannes Urbach (59./gleichzeitig Rote Karte), bei den Weidenern erwischte es 38 Sekunden vor dem Ende noch Jonathan Deutz. Den folgenden Siebenmeter nutzte Nümbrecht nun zum 30:29 (60.) und der HC griff zu seiner letzten Auszeit. Folge: Die Gäste erarbeiteten sich tatsächlich noch einen weiteren Strafwurf – den Xhonneux zum 30:30-Endstand verwandelte. Schlingensief fand es gerecht: „Der letzte Angriff wurde in Überzahl gut ausgespielt – und Sven hat den fälligen Siebenmeter sicher verwandelt und den verdienten Punkt geholt.“

SSV Nümbrecht: Winkler, Rydzewski (1), Schoger – Benger (4), Urbach (1), Hampel, Last (6), Witthaut (6/5), P. Donath, Hartmann (1), Schröter (1), Dissmann (3), D. Donath (4), Weber (2/2), Henrichs, Miebach (1).

HC Weiden: Keller, Riechmann – T. Meurer (5/1), J. Frauenrath, Scheidtweiler (3), Wolff (1), Xhonneux (12/8), Rojko (1), Bösel (2), Fiedler (1), Deutz, Bergerhausen (2), Eissa (3).

 

Unitas Haan – VfL Gummersbach II 40:25 (17:13).