Oberliga
Königsdorf erobert Sonnenhügel: Wo für den Sieger auch der Verlierer ein Gewinner ist
TuS gewinnt tolles Gipfeltreffen bei der HSG mit 33:30, ist jetzt wieder Tabellenführer - und sagt trotzdem, dass er noch nicht so weit ist wie die Gastgeber. Das Kopf-an-Kopf-Rennen geht weiter.

Hier ist die Wand: Anto Marcinkovic (beim Wurf) und Ben Picard (Nummer 47) gaben im Spitzenspiel wirklich alles für die HSG Siebengebirge. Am Ende hatten trotzdem Oskar Zirkel (Nummer 4), Sandro Gohly (rechts) und Marius Többen (Zweiter von rechts) mit ihren Königsdorfern die Nase vorne. (Fot0: Thomas Schmidt)

HSG Siebengebirge – TuS Königsdorf 30:33 (14:16). So gehen Spitzenspiele. Und alles war drin in diesem Gipfeltreffen – eine volle Halle Sonnenhügel mit entsprechender Atmosphäre, zwei Mannschaften auf Augenhöhe, Spannung, Emotionen, Leidenschaft. Hinterher fanden die Beteiligten außerdem direkt die Zeit, ein paar Komplimente zu verteilen. „Erst einmal Glückwunsch nach Königsdorf“, sagte etwa HSG-Coach Lars Degenhardt, „ich glaube, es war einfach ein tolles Event mit über 800 Leuten, ein richtig rassiges Spiel. Für den neutralen Betrachter war es einfach ein Highlight und in diesem Rahmen sicherlich auch einmalig im Handball Nordrhein von der Kulisse her. Letztendlich hat Königsdorf über den gesamten Spielverlauf wahrscheinlich auch verdient gewonnen.“ Dem Kollegen Ole Romberg hatte es nicht nur die starke Leistung seines TuS angetan, sondern auch der allgemeine Stand der Dinge bei den Gastgebern: „Es hat einfach sehr viel Spaß gemacht, vor dieser Kulisse zu spielen und zu sehen, was Siebengebirge da abreißt. Rahmenbedingungen, Mannschaft – meiner Meinung nach absolut drittligatauglich. Man muss Siebengebirge, was Strukturen und Inhalte angeht, einfach ein Riesenkompliment machen. Das ist schon auch ein Vorbild für uns. Und bei den Strukturen, die Siebengebirge hat, hätten sie es vollkommen verdient, aufsteigen. Da sind wir einfach noch nicht weit genug.“ Letzteres kann allerdings mit dem Blick auf das rein Sportliche nicht gelten, weil die Königsdorfer nach dem 38:35 aus der Hinrunde nun zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Siebengebirge gewannen – womit alle vier Minuspunkte auf dem HSG-Konto vom TuS stammen. Daraus ergibt sich, dass Königsdorf nun über den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich vorerst wieder die Tabellenspitze übernahm: Beide stehen bei 34:4 Zählern und auch im Torverhältnis liegen beide ziemlich dicht beieinander (plus 124/plus 120). Wer in diesem Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende als Erster über die Ziellinie geht, ist wieder eine andere Frage. Auf jeden Fall dürfte es spannend werden.

Bei der HSG gehen sie fest davon aus, dass noch längst keine Entscheidung gefallen ist. „Unsere Aufgabe ist unverändert, dass wir sagen, wir wollen einfach in allen anderen Spielen möglichst keinen Punkt liegen lassen“, erklärt Trainer Degenhardt, „wenn wir das schaffen, muss man halt erst mal sehen, wie das am Saisonende unter dem Strich aussieht. Insofern bleibt es dabei, es war ein Spiel – und kein Finale um die Meisterschaft, sondern tatsächlich ein Spiel aus einer langen Saison. Und genau so gehen wir das an.“ Zumindest in der Theorie sieht das Restprogramm des Verfolgers eine Kleinigkeit einfacher aus als jenes des Spitzenreiters. Siebengebirge tritt im letzten Drittel der Serie 2025/2026 am 22. März (Sonntag) bei der TSV Bonn rrh. (Fünfter/23:15), am 11. April gegen den SC Fortuna Köln (13./10:28), am 18. April beim TV Palmersheim (Neunter/15:23), am 25. April gegen den HC Weiden II (Zehnter/13:25), am 2. Mai beim 1. FC Köln (Siebter/18:20), am 9. Mai gegen den Pulheimer SC (14./7:31) und am 16. Mai beim Longericher SC II an (Elfter/12:26). Königsdorfs Coach Romberg hat sich hier längst festgelegt: „Ich bleibe dabei – Siebengebirge wird keine Punkte mehr abgeben. Insofern ist der Ausgang der Meisterschaft völlig offen weiterhin.“ Gleichzeitig haben sie beim TuS nicht vor, im Kampf um die Meisterschaft auch nur einen Millimeter nachzugeben – wozu sowieso keinerlei Anlass besteht, weil die Mannschaft an der Spitze liegt und alles selbst in der Hand hat. 

„Wir wissen, dass wir noch nichts gewonnen haben“, erklärt Romberg, „wir wissen, dass wir weiterhin jedes Spiel gewinnen müssen, weil Siebengebirge uns auf den Fersen ist.“ Zu vermuten ist in diesem Zusammenhang zunächst, dass keiner der weiteren sieben Gegner dem Spitzenreiter freiwillig die Punkte überlassen wird. Und die übrigen Termine der Königsdorfer sind wenigstens zum Teil durchaus gefährlich und bereits am 21. März (Samstag) beginnt es gegen den MTV Köln II (Sechster/22:16) im Duell mit einem Kontrahenten aus der oberen Tabellenhälfte relativ anspruchsvoll. Am 11. April geht es sogar zum Vierten Birkesdorfer TV (24:14) und am 19. April nach Bonn, ehe am 26. April das Spiel gegen die Kölner Fortuna, am 2. Mai die Aufgabe in Palmersheim, am 9. Mai das letzte Heimspiel gegen Weiden II und am 16. Mai das Saisonfinale gegen den 1. FC Köln folgt. Dass die Königsdorfer praktisch ein Stück weit in erhöhter Alarmbereitschaft unterwegs sind, liegt an den bisherigen Punktverlusten – was wiederum viel mit dem HC Gelpe/Strombach II zu tun hat. Gegen den Achten (16:22) aus dem Oberbergischen reichte es am 11. Oktober zu Hause nur zu einem 32:32, das seinerzeit immerhin den Startpunkt zu zwölf Siegen hintereinander bedeutete. Die Serie riss dann erst vor einem Monat mit dem 35:35 nach einer 27:20-Führung in der 48. Minute gegen den Dritten Wölfe Voreifel (27:11) und direkt in der Woche darauf passierte der bisher einzige echte Ausrutscher – mit dem 28:29 in Gelpe/Strombach, als der TuS erst ab dem 18:25 in der 43. Minute seine Qualitäten einbrachte, kurz vor dem Ende zum 28:28 (59.) ausglich und kurz darauf dennoch mit leeren Händen die Heimreise antreten musste. 

Lass uns feiern! Luca Houseman (rechts) war mit neun Treffern am Sieg der Königsdorfer beteiligt, Keeper Elvan Kromberg eher als letzte Instanz in der Abwehr. (Foto: Thomas Schmidt)

Auf der Platte erwischten die Königsdorfer im Gipfeltreffen einen Start nach Maß – mit dem 1:0 (1.) von Oskar Zirkel, dem 2:0 (2.) von Lars Brauner, dem 3:0 (5./Siebenmeter) von Luca Houseman und dem 4:0 (7.) von Marius Többen. Klar: Siebengebirge, bis zum Spitzenspiel ebenfalls zwölf Mal hintereinander siegreich, suchte intensiv nach einer Antwort, fand sie auch und übers 4:6 (12.) und 6:8 (17.) mit dem 9:9 (21.) mitten ins Spiel zurück. Bis zum 13:12 (25.) blieben trotzdem die Gäste vorne, ehe das 14:13 (27.) von Florian Ladig die erste HSG-Führung brachte und sich die Waage ab jetzt kaum entscheiden konnte, auf wessen Seite sie sich neigen wollte – 14:16 (30.), 18:18 (34.), 20:18 (35.), 22:20 (42.). Es folgten nun die wohl besten sieben Minuten des TuS, der den Abend durch einen 6:0-Lauf zum 26:22 (49.) auf seine Seite zog und auf dem Weg in eine ruhigere Schlussphase zu sein schien. Das wiederum erwies sich gleichfalls als gravierender Irrtum, denn die Hausherren kämpften sich ein weiteres Mal zurück und sie machten aus dem 23:27 (51.) und dem 26:29 (55.) den 29:29-Ausgleich (58.), der für die letzten 170 Sekunden beiden Seiten alle Möglichkeiten ließ. Es sprach letztlich klar für den TuS, dass er durch Houseman und Zirkel das 30:29 (58./Siebenmeter) und 31:29 (59.) vorlegte, und es sprach gleichzeitig für die HSG Siebengebirge, dass sie durch Albert Andrassy auf 30:31 (59.) verkürzte. Nach dem 32:30 (60.) von Houseman war kurz darauf das 33:30 (60.) von Tom Gierenz die endgültige Entscheidung an einem ungewöhnlichen Abend, den im Übrigen alle Beteiligten zur Werbung für den Handball nutzten.

„Wir haben letztlich zu viele Fehler gemacht, wir haben in der Abschlussquote sicherlich niedriger gelegen als Königsdorf“, meinte HSG-Trainer Degenhardt, „ich  glaube, das war das Haupt-Ausschlaggebende. Und in den Phasen, in denen wir eigentlich sozusagen Oberwasser in einem sehr wechselvollen Spiel hatten, waren wir doch etwas hektisch oder wir wurden fehlerhaft und haben Königsdorf wieder ins Spiel gebracht. Das war nach der Halbzeit, als wir in Führung gegangen sind, und das war in der Schlussphase, als wir einen Vier-Tore-Rückstand aufholen und auf ein Unentschieden rankommen. Auch in dieser Phase fehlte uns ein bisschen die Ruhe.“ Romberg konnte und wollte nicht widersprechen: „Es gab immer wieder Momente, wo Siebengebirge es schaffen kann, das Momentum zu gewinnen und die Halle laut werden zu lassen, aber wir schaffen es immer wieder, eine Lösung zu finden. Wir sind einfach mutig geblieben, haben immer dran geglaubt und sind am Ende meiner Meinung nach vollkommen zu Recht der Gewinner dieser Partie.  Wir hatten diesen unbändigen Willen und diesen Glauben, zu gewinnen. Und dann das zweite Mal gegen diesen Gegner zu bestehen, ist eine riesengroße Auszeichnung. Ich bin einfach unfassbar stolz.“ Den Rest machen die HSG und die Königsdorfer jetzt im Fernduell miteinander und untereinander aus. Das dürfte für die kommenden Wochen selbst über die Distanz alles haben – zwei Mannschaften auf Augenhöhe, Spannung, Emotionen, Leidenschaft. 

HSG Siebengebirge: Kaese, Löcher – Dziendziol (4), Steinhaus, Andrassy (7), Nitsche (3/1), Hayer, Schlösser (4), Hock (2), Bachler, Marcinkovic (2), Ladig (1), Picard, Schulz (7/2).

TuS Königsdorf: Kretschmann, Kromberg – Zirkel (7), Link, Gierenz (3), Winkelius, Stief, Sjoelund, Többen (3), Reilbach, Gohly (5), Houseman (9/6), Thiesen, Brauner (5), Landmann (1).