Regionalliga Nordrhein
Oben die Ruhe vor dem Sturm, unten Alarmstufe Rot
Spitzenreiter Dormagen II und der Dritte OSC Rheinhausen treffen diesmal auf stark gefährdete Teams. Im Keller selbst steigt der Abstiegskracher zwischen Borussia Mönchengladbach und BTB Aachen.

Blick zurück im Zorn? Für Noah Adrian (links), Alexander Ernst (rechts) und Joshua Rippelmeier (Zweiter von rechts) liefen die vergangenen Wochen mit dem OSC Rheinhausen eher ganz gut. Nun treffen die Rheinhausener auf den Drittletzten SSV Nümbrecht – in einem Spiel, in dem sie sicher der Favorit sind, aber keine Garantie auf einen weiteren Sieg haben. Für Sebasttian Faust (Nummer 10/Zweiter von links) und die HSG Refrath/Hand geht es beim HC Gelpe/Strombach eher um eine weitere Absicherung nach unten – was nicht ganz einfah werden dürfte. (Foto: Thomas Schmidt)

Es sieht ein bisschen so aus wie eine Vorbereitung auf die Dinge, die da kommen werden. Wie die Ruhe vor dem Sturm also. Und irgendwie ist es schade, dass die Termin-Verantwortlichen ausgerechnet mit dem Beginn der entscheidenden Phase eine Meisterschafts-Unterbrechung eingeschoben haben – was grundsätzlich nichts Neues ist, denn in jedem Jahr legt die Saison eine durch die Oster-Schulferien bedingte Pause ein. Ehe es so weit ist, müssen zumindest zwei der Top-Teams noch den Nachweis erbringen, dass sie auch diejenigen Hürden entsprechend bewältigen können, die auf den ersten Blick einfacher oder sogar nach einer Pflichtaufgabe aussehen. Das gilt diesmal zuerst für den Tabellenführer TSV Bayer Dormagen II (29:9 Punkte), der im Duell der beiden jüngstens Teams in der Klasse in eigener Halle auf das Schlusslicht VfL Gummersbach II trifft (8:28). Hier kommt der Spitzenreiter, der aus den vergangenen neun Begegnungen ohne Niederlage bei 17:1 Zählern steht, dort kommt der Letzte, der im selben Zeitraum bei 3:15 Punkten steht. Viel krasser könnten die Gegensätze kaum sein. Ähnliches gilt für die Partie des Dritten OSC Rheinhausen (26:12) gegen den Zwölften SSV Nümbrecht (13:25). Rheinhausen überzeugte auf dem Weg zu 14:4 Zählern besonders in der jüngeren Vergangenheit durch starke Ergebnisse – 41:31 gegen den HC Weiden (Vierter/23:15), 31:22 gegen den TV Korschenbroich (Fünfter/23:15), 29:25 beim TV Aldekerk (Siebter/19:19). Dass Nümbrecht demgegenüber nach 4:14 Punkten seit dem Jahresbeginn sicher nicht aus Zufall im Keller der Tabelle feststeckt, wissen sie natürlich in Rheinhausen. Weil dort jedoch trotz der spannenden Entwicklung niemand abhebt, wollen sie die bevorstehende Aufgabe ernst nehmen und sich eher auf eine enge Auseinandersetzung mit viel Kampf einrichten.

Die kniffligise Ausgabe für eins der Mitglieder aus dem Führungszirkel dürfte allerdings der Zweite HSG am Hallo Essen (27:11) einnehmen, der es mit der auf den sechsten Platz vorgerückten Unitas Haan (21:17) tu tun bekommt. Erstens: Essen ist vor allen Dingen mit seiner Ausbeute von 16:2 Punkten für 2026 nach den 11:9 für 2025 immer weiter vorgerückt. Zweitens: Haan hat sich durch 11:7 Punkte immer weiter von unten abgesetzt, führt zurzeit das gesicherte Mittelfeld hinter den fünf Top-Mannschaften an und braucht jedenfalls an den Kampf gegen den Abstieg keine großen Gedanken mehr verschwenden. Drittens: Der Blick auf die erste Herausforderung nach der Osterpause macht das Heimspiel der Essener gegen die Haaner doppelt spannend, weil es dann mit dem Spiel beim TSV Bayer Dormagen II weitergeht. Erfüllen jetzt sowohl die Dormagener als auch die HSG ihre „Pflicht“, wird der 12. April ein Gipfeltreffen der besonderen Art bieten. Dann könnten ja nach Ausgang die Rheinhausener ebenfalls noch intensiver im Geschäft sein, die ihr direktes Aufeinandertreffen mit dem TSV Bayer II erst am 10. Mai bestreiten.

Bessere sportliche Zeiten haben sicher schon die beiden Absteiger aus der 3. Liga erlebt. Früher wäre ein Duell zwischen dem TV Korschenbroich und dem TV Aldekerk auch mal als Top-Spiel durchgegangen – wie jenes am 28. Oktober 2025, als es in der Waldsporthalle nach einem packenden Duell einen 28:27-Sieg für die Korschenbroicher gab, die damals ihr Konto auf 11:3 Punkte schraubten und dann am Ende des Jahres bei 16:4 Zählern standen, Damals waren sie ausgestattet mit den besten Aussichten, im Kampf um die Meisterschaft mindestens eine zentrale Rolle zu spielen. Inzwischen spielt die Musik aber woanders und gebracht hat das alles den Korschenbroichern in den ersten drei Monaten des neuen Jahres wenig: Die Mannschaft von Trainer Frank Berblinger ist inzwischen zunehmend ein Opfer ihrer zu geringen Kadertiefe geworden. Ausfälle sind offensichtlich grundsätzlich immer schwierig und das Aus eines Schlüsselspielers wie Mats Wolf (Kreuzbandriss) kann der TVK so gut wie gar nicht kompensieren. Mittlerweile sind die Korschenbroicher bei 7:11 Punkten aus den vergangenen neun Spielen auf Rang fünf abgerutscht und mit dem Kampf um den Aufstieg haben sie nichts mehr zu tun. Letzteres war im Übrigen bei den Aldekerkern noch nie der Fall in der Serie 2025/2026, die eher eine anhaltende Berg- und Talfahrt ist. Die Ergebnisse für 2026: Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage, Niederlage, Sieg, Sieg, Niederlage. Mal macht das Team von Trainer Tim Gentges den Eindruck, doch fürs obere Drittel in Frage zu kommen, mal gibt es Rätsel auf. Deshalb steht bisher mit Rang sieben und 19:19 Punkten vor allem Mittelmaß in der Bilanz. Daraus ergeben sich zwei Fragen: Können die Korschenbroicher beim Nachbarn, der keine 40 Kilometer entfernt zu Hause ist, noch einmal an ihre Leistungsgrenze kommen und den Weg nach unten bremsen? Oder werden die Aldekerker, die natürlich eigene Interessen im Blick haben, ihr Konto wieder positiv gestalten und damit fast in direkten Kontakt mit Korschenbroich treten? Sicher dürfte dabei sein, dass der Rest der Saison mit anschließend weiteren sechs Spielen für den Verlierer ziemlich zäh werden dürfte.

Mit der Entwicklung seiner Mannschaft ist Tim Gentges insgesamt immerhin zufrieden – was sich auf die drei Partien nach dem 29:37-Debakel am 21. Februar bei der stark gefährdeten Borussia Mönchengladbach bezieht, als die Krise in Aldekerk auf dem Höhepunkt stand. Danach gab es 30:24 gegen die HSG Refrath/Hand und das 32:28 beim HC Weiden sowie zuletzt ein 25:29 gegen den OSC Rheinhausen, als der Aldekerker Trainer ebenfalls keine schlechte Leistung sah. „Die letzten drei Wochen waren für mich sehr, sehr zufriedenstellend“, sagt Gentges, „man sieht, die Mannschaft funktioniert, die Mannschaft wächst auch. Natürlich machen wir aufgrund unseres Alters und der Struktur noch Fehler. Aber das darf nicht immer die Ausrede sein.“ Grundsätzlich erwartet er ein von Kampf und Emotionen bestimmtes Spiel, das sich in jede Richtung entwickeln kann und seiner Ansicht nach dem TVA brauchbare Aussichten bietet: „Es gilt, Korschenbroich direkt zu zeigen, dass es bei uns ein harter Gang wird. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe. Korschenbroich befindet sich in einer Phase, aus der wir gerade rausklettern – aber auch noch nicht raus sind. Wenn wir die Leistungen der letzten Wochen konservieren können und die Fehlerquote herunterschrauben, haben wir gute Chancen, die Punkte zu Hause zu halten. Korschenbroich wird allerdings einen Teufel tun und sich einfach ergeben. Sie werden alles daransetzen, sich aus dieser Misere rauszuziehen.“ Das kann allerdings am Ende nur einem gelingen – und selbst in diesem Fall spielt die richtige Musik woanders. 

Das gilt mittlerweile in ähnlichem Umfang für den Vierten HC Weiden (23:15) , der sich in wellenartigen Formen durch das Handballjahr 2026 bewegt. In den Kontozahlen stehen unter anderem ein 35:38 bei Mönchengladbach (13./11:27) sowie als positive Ausschläge jenes sehr deutliche 34:18 gegen die HSG Refrath/Hand (Neunter/17:19) und das 31:24 gegen die Korschenbroicher, das allerdings keine neue Stabilität erzeugte – 31:41 in Rheinhausen, 28:32 gegen Aldekerk und zuletzt 30:30 in Nümbrecht, als auf der Zielgeraden eine weitere Niederlage drohte. Um in etwa das Ergebnis aus der vergangenen Saison zu erreichen (Dritter mit 30:18 Punkten aus 24 Spielen), braucht die Mannschaft von Trainer Marc Schlingensief noch mal ein Steigerung und wohl einen Heimsieg gegen die TSV Bonn rrh. (Achter/18:20). Die Bonner haben sich ihrerseits inzwischen ein Stück weit aus der nach sieben Niederlagen hintereinander erreichten Talsohle befreit und sie befinden sich nach 6:2 Punkten aus den vergangenen vier Spielen nicht mehr in direkter Abstiegsgefahr – und selbst beim 31:32 gegen die HSG am Hallo Essen war die Leistung nicht verkehrt, sodass in Weiden wenigstens eine umkämpfte Partie als wahrscheinlich gilt.

Höchstwahrscheinlich bis absolut sicher gilt sogar, dass es mit den zuletzt gezeigten Leistungen bei Borussia Mönchengladbach nichts wird mit dem Klassenerhalt. Vielleicht dachten manche nach dem 37:29 vom 21. Februar gegen den TV Aldekerk schon, der eingeschlagene Weg sei der richtige, doch anschließend fiel das Team von Trainer Ronny Rogawska bei vier weiteren Prüfungen durch – 32:34 in Nümbrecht, 27:28 gegen Bonn, 27:27 gegen Gummersbach II, 24:40 beim HC Gelpe/Strombach (Zehnter/16:22). Zusammengefasst: Mönchengladbach ging gegen direkte Konkurrenz fast leer aus und wirkte besonders zuletzt in Gelpe/Strombach wie von allen guten Geistern verlassen – was Rogawska nicht zuletzt auf einen Mangel an richtiger Einstellung zurückführte. Derartiges kann sich die Borussia nun sicher kein weiteres Mal erlauben, denn gegen den BTB Aachen (Elfter/13:25) steht eine Art Abstiegsfinale auf dem Programm. Aachen ist dabei zwar fast genauso gefährdet, aber offensichtlich viel eher in der Lage, seine Hausaufgaben zu machen: Aus den ersten neun Spielen im Jahr 2026 sammelte die Mannschaft von Trainer Simon Breuer immerhin 9:9 Zähler – vor allem zurückzuführen auf einen Glanzstart mit drei Siegen und einem Unentschieden (7:1).

Der BTB holte in Nümbrecht einen Punkt (28:28) und er gewann gegen Gelpe/Strombach (32:28) sowie erst kürzlich beim VfL Gummersbach II (27:23). Zusammengefasst: Breuer brauchte sich bisher nicht über einen Mangel an Leidenschaft zu beklagen – was natürlich keine Garantie auf einen Sieg in Mönchengladbach bietet. Wie wichtig das Spiel für beide ist, braucht den Beteiligten dabei niemand zu erklären. „Es bleibt unten ganz eng“, stellte Breuer direkt nach der Niederlage gegen Essen fest, „nächste Woche ist noch mal ein heißes Duell, ein enges Spiel. Da versuchen wir natürlich alles dranzusetzen, um erfolgreich in die nächste Pause zu gehen.“ Kollege Rogawska sah/sieht es ähnlich: „Wir müssen ganz andere Einstellungen zum Spiel finden, wenn wir uns gegen Aachen beweisen wollen. Das ist ein gleichwertiger Gegner.“ Eine Niederlage kann sich eigentlich keiner von beiden erlauben, zumal es allmählich auch um den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich geht – der nach dem 28:28 aus der Hinrunde auf der Kippe steht.