Regionalliga Nordrhein
Hier ist der Endspurt: Die Jagd beginnt
Im Kampf um die Meisterschaft hat Dormagen II, das auf den Dritten Essen trifft, alle Trümpfe in der Hand. Im Keller machen Mönchengladbach, Aachen und Nümbrecht den zweiten Absteiger unter sich aus.

In der Ruhe liegt die Kraft: Nico Biermann (Foto) und Sascha Wistuba, die beim OSC Rheinhausen ein erfolgreich arbeitendes Trainerduo bilden, können bestens leben mit dem Stand der Dinge. Eine Pflicht zum Aufstieg ist nicht da – aber definitiv die Leidenschaft, es den anderen oben so schwer wie möglich zu machen. (Foto: Thomas Schmidt)

Der Countdown läuft und selbstverständlich spricht vor dem Saison-Endspurt alles für den Tabellenführer TSV Bayer Dormagen II – was nicht nur mit dem Vorsprung zu tun hat, den die Mannschaft von Trainer Peer Pütz bei eigenen 31:9 Punkten in die entscheidenden Wochen einbringen kann. Mehr oder weniger chancenreiche Konkurrenten sind sowieso nur noch der Zweite OSC Rheinhausen (28:12) und der Dritte HSG am Hallo Essen (27:13). Dahinter haben der TV Korschenbroich (24:16) sowie Unitas Haan und der HC Weiden (beide 23:17) auf den Rängen vier bis sechs nichts (mehr) mit der Vergabe der Spitzenplätze zu tun. Ein weiteres Plus für den Tabellenführer: Er steht für das Jahr 2026 inzwischen bei neun Siegen und einem Unentschieden – wobei das 33:33 aus dem Februar gegen die um den Klassenerhalt kämpfende Borussia Mönchengladbach (Elfter/13:27) vielleicht erst der Auslöser für die folgenden sieben Siege hintereinander war. Der Blick auf die bisherigen direkten Duelle mit der Konkurrenz von oben malt ebenfalls ein klares Bild: Dormagen gewann in der Hinrunde mit 36:28 in Essen und mit 32:24 in Rheinhausen – was vermutlich über den bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich ein dickes Plus einbringt. Wer glaubt schon, dass Essen oder Rheinhausen den Acht-Tore-Rückstand in den Rückrunden-Duellen zu ihren Gunsten umdrehen können? Der kommenden Sonntag könnte hier wieder ein Stück Aufklärung verschaffen.

Dormagen trifft in eigener Halle zu einem außergewöhnlichen Zeitpunkt am Mittag um 13.30 Uhr auf die HSG am Hallo, die zuletzt unmittelbar vor der Pause über die Oster-Schulferien gegen die Haaner eine 35:43-Pleite kassierte – die in der Summe ziemlich blamabel war. Besonders in den letzten zehn Minuten ließ der personell gut bestückte Aufsteiger jegliche Form von Widerstand fallen und er hatte spätestens dort nichts mehr mit einer Mannschaft zu tun, die wirklich mit um die Meisterschaft kämpfen will. Der künftige Trainer Marvin Wettemann, der ab dem Sommer übernimmt und eine Neu-Ausrichtung begleiten/durchführen soll (in der groben Zusammenfassung weiter weg von sehr erfahrenen Spielern, näher hin zu jüngeren Talenten), wird vermutlich wie Noch-Coach Niklas Rolf sehr genau beobachten, wie das aktuelle Team den Rest der Serie zu bestreiten gedenkt. Können die Essener ihr sicher vorhandenes Potenzial abrufen, das ihnen vor dem Debakel gegen Haan immerhin sieben Siege hintereinander bescherte, ist ihnen alles zuzutrauen. Verlieren sie dagegen die Lust und den Zugriff auf die Serie, drohen sie im Sportcenter erneut unter die Räder zu geraten. Der TSV Bayer wird vorsichtshalber eher damit rechnen, dass er vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht – und dann trotzdem nach Möglichkeit einen weiteren Konkurrenten aus dem Rennen nehmen.

Unter dem Strich läuft inzwischen fast alles auf ein vorläufiges Fernduell zwischen Dormagen und Rheinhausen heraus, das rechtzeitig für die entscheidenden Wochen einen sehr stabilen Eindruck macht und das 30:39 vom 31. Januar in Essen scheint nicht nur gut zwei Monate zurückzuliegen, sondern eine halbe Ewigkeit. Anschließend legte das Team der Trainer Sascha Wistuba/Nico Biermann sechs Siege in Folge hin – einen Erfolg mit zehn Toren Unterschied, drei mit neun und einen mit acht. Das knappste Resultat war ein 29:25 beim TV Aldekerk (Siebter/20:20), doch selbst hier behielt Rheinhausen fast immer den Überblick und setzte sich am Ende souverän durch. „Pech“ für den OSC: Er muss am Samstag bei der TSV Bonn rrh. antreten (Achter/20:20), die eine lähmende Negativserie mit sieben Niederlagen in Folge offensichtlich überwunden, zuletzt drei Mal hintereinander gewonnen und sich mit einem ausgeglichenen Konto ins sichere Mittelfeld vorgearbeitet hat. Daraus folgt, dass die Bonner belastungsfrei auftreten können – und Geschenke macht die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl sowieso nicht gerne. Aufmerksame Beobachter des Abends dürften im Übrigen nicht zuletzt die Dormagener sein, die es zwar nicht mehr selbst mit der TSV zu tun bekommen, aber in ein paar Wochen am 10. Mai mit dem OSC Rheinhausen. Was der TSV Bayer und sein Kontrahent aus dem Ruhrgebiet im Übrigen gemeinsam haben: Beide würden das Recht zum Aufstieg in die 3. Liga, das ja keine Verpflichtung ist, wahrnehmen wollen.

Ein ganz neues Ziel hat sich der TV Aldekerk gesetzt – angetreten nicht mit dem Zwang, nach dem Abstieg sofort wieder in die 3. Liga zurückzukehren, sondern „nur“ mit dem Plan, sich mit einer umgebauten Mannschaft so gut wie möglich darzustellen. Das ist dem Team von Trainer Tim Gentges hin und wieder gelungen, aber bei Weitem nicht durchgehend. Und weil der Weg durch die Saison zum Teil ein Schlingerkurs war/ist, steckte der TVA nach dem 29:37 vom 21. Februar bei der gefährdeten Borussia Mönchengladbach sogar in einer handfesten Krise – mit der Gefahr, dauerhaft nach unten abzurutschen. Davon kann zwar mittlerweile keine Rede mehr sein, aber restlose Zufriedenheit herrscht noch nicht vor. Deshalb wäre nun aus Sicht der Aldekerker aus mehreren Gründen ein Erfolg beim Vorletzten SSV Nümbrecht (13:27) wichtig. „Wir müssen zusehen, dass wir jetzt mal ein bisschen besser aus der Pause rauskommen“, sagt Gentges, „alle Pausen, die wir in der Saison hatten, die haben uns irgendwie nicht gutgetan. Wir haben dann, glaube ich, alle Spiele verloren. Und das darf uns jetzt natürlich nicht passieren. Wir möchten diesen kleinen Aufschwung mit den guten Ergebnissen oder guten Spielen, die wir gezeigt haben, natürlich mitnehmen.“ Die Erinnerung trügt Aldekerks Coach tatsächlich nicht, denn am 8. November 2025 gab es nach der ersten Unterbrechung (Herbst-Schulferien) ein 27:29 gegen den HC Weiden und am 10. Januar 2026 nach der zweiten (Weihnachten/Neujahr) ein 30:33 beim gefährdeten BTB Aachen. Eine Niederlage in Nümbrecht wäre zudem doppelt bitter, weil dem TVA auch der 6. Dezember 2025 noch schwer im Magen liegt – mit dem 30:31 in eigener Halle gegen den SSV. Das wollen die Aldekerker nun unbedingt korrigieren: „Wir haben böse erfahren müssen, dass man gegen Nümbrecht wirklich an seine Leistungsgrenze rankommen muss, um zu gewinnen. In der Hinrunde haben wir verloren, das tat schon richtig weh. Es geht natürlich auch darum, das gutzumachen.“

Während Aldekerk die Punkte eher fürs eigene Ego braucht, stehen die vier Teams ab Rang elf maximal unter Druck. Dabei benötigt der bereits fünf Zähler hinter dem rettenden Ufer liegende Letzte VfL Gummersbach II (8:32) schon ein Handball-Wunder, zumal der beginnende Endspurt mit den nächsten Aufgaben beim TV Korschenbroich und am 18. April bei der HSG am Hallo Essen ziemlich schwierig aussieht. Den zweiten Absteiger werden wohl Mönchengladbach, der BTB Aachen und Nümbrecht unter sich ausmachen, die bei jeweils 13:27 Punkten stehen – und damit deutlich hinter dem Neunten HSG Refrath/Hand (19:21) sowie dem Zehnten HC Gelpe/Strombach (18:22). Auf die Aachener, die nun vor der Aufgabe gegen Refrath/Hand stehen, bekommen vielleicht sogar ein echtes Finale im Kampf um den Klassenerhalt zu: Am 9. Mai erwarten sie die Nümbrechter. Ebenfalls vor einem komplizierten Hindernislauf stehen die Mönchengladbacher, die jetzt zuerst nach Haan müssen und danach am 18. April die Dormagener erwarten, ehe sie am 25. April beim VfL Gummersbach II antreten. Wer hier auf den richtigen Ausgang des Rennens tippt, könnte gleichzeitig sehr gut einen Lottoschein ausfüllen. Sicher ist nur, dass der Countdown auch unten läuft und dort nichts sicher ist. Es kann jeden der Beteiligten erwischen und deshalb ist es im Keller noch spannender als oben.