Regionalliga Nordrhein
Irres Finale: Das Drama bringt Aachen auf die Palme
BTB formuliert Einspruch gegen letztes Tor beim 27:28 gegen Refrath/Hand und der Abstiegskampf spitzt sich weiter zu. Vorne läuft nach Rheinhausens 30:32 in Bonn alles auf Dormagen II als Meister hinaus.

Ich komme kaum mit: Aachens Trainer Simon Breuer hat in seiner Karriere als Spieler und Trainer schon einiges erlebt. Aber ein Finale wie jenes gegen Refrath war noch nicht dabei. (Foto: Thomas Schmidt)

Vielleicht haben diese paar Augenblicke eine ganze Saison entschieden, vielleicht muss der BTB Aachen absteigen, weil sich die Waage in den entscheidenden Szenen auf die aus seiner Sicht ganz falsche Seite neigte. Sicher ist, dass die Partie gegen die HSG Refrath/Hand als die verrückteste in die Geschichte der Regionalliga-Saison 2025/2026 eingehen wird. Erstens: Beide Seiten liefern sich bei wechselnden Führungen ein mit höchster Intensität und Leidenschaft geführtes Duell. Zweitens: Die Schluss-Sequenz ist irrwitzig. Drittens: Dann bricht auch noch das Chaos aus. In nackten Zahlen heißt das später, dass die Refrather mit einem 28:27-Sieg von der Platte gehen, der ihren achten Platz (21:21 Punkte) zementiert – und gleichzeitig die Aachener in extreme Enttäuschung stürzt. Für den BTB verschärft sich durch die Niederlage die Lage im Kampf um den Klassenerhalt zusätzlich, denn er rutscht bei nun 13:29 Zählern auf Rang 13 ab, den ersten Abstiegsplatz. Gleichzeitig gewinnt unten der SSV Nümbrecht gegen den TV Aldekerk (Neunter/20:22) und er hat nun als Elfter bei 15:27 Punkten etwas mehr Luft. Dahinter wäre die Borussia Mönchengladbach als Zwölfter bei ebenfalls 13:29 Punkten nach dem Jetzt-Stand gerettet – sowohl über das Torverhältnis (minus 36/minus 57) als auch über den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich (28:28 in Aachen, 34:28 kürzlich in Mönchengladbach). Es ist dabei weniger das verpasste Happy End oder die ziemlich  bedrohliche Art und Weise an sich, was die Aachener derart mitnimmt. Es sind die Umstände, die ihnen für den Moment den Stecker gezogen zu haben scheinen. „Das ist maximal bitter und in diesem ganzen Verlauf maximal frustrierend für uns und so völlig unverdient. Vom Verlauf her ist es ein Unentschieden-Spiel.“ Vieles ist unklar und wird sich möglicherweise zumindest offiziell nie aufklären lassen. Weil unter dem Strich jedoch nichts Zählbares bleibt und sich die dringend auf jeden Punkt angewiesen Aachener ungerecht behandelt fühlen, steht ihr Entschluss schnell fest: Sie formulieren einen Einspruchstext und lassen ihn in den Spielbericht eintragen: „Das Foul zum Siebenmeter erfolgte nach Ablauf der Spielzeit. Der zuvor disqualifizierte Spieler mit der Nummer 90 (auswärts) lief vor Ablauf der Spielzeit auf das Spielfeld.“ Daraus ergibt sich, dass nun die Verbands-Gerichtsbarkeit den Fall überprüfen/beurteilen muss.

Im Kopf-an-Kopf-Rennen auf der Zielgeraden bringt Max Büchel die Aachener mit seinem 27:26 (59.) erneut in Führung – und gleichzeitig gibt es eine Zeitstrafe gegen Refraths Michael Geerkens. Trotzdem gleicht Conradin Willers 40 Sekunden vor dem Ende zum 27:27 (60.) für die HSG aus, ehe Aachen seine letzte Auszeit nimmt, um den letzten Angriff vorzubereiten. Hier stehen noch 17 Sekunden auf der Uhr. Kurzfassung: Es sind nicht die Hausherren, die dann noch einmal treffen, sondern die Gäste. Dass sie noch einen Siebenmeter zugesprochen bekommen und Pascal Noll zum 28:27 nach bereits abgelaufener Restzeit verwandelt, hätten sie sich selbst kaum vorstellen können. BTB-Coach Simon Breuer schildert seine Sicht der finalen Dinge so: „Wir haben alles in der Hand, weil wir mit einem führen und in Überzahl sind, dann auch lange Zeit gut verteidigen – aber eben den finalen Wurf nicht verteidigt kriegen, der reingeht irgendwie. Wenn wir den haben, dann sieht es schon mal was anders aus.  In unserer letzten Szene ist es so, dass wir eine Auszeit hatten und 15 Sekunden vor Schluss den Ball. Danach geht der Arm relativ früh hoch, aber wir kriegen unseren Spieler im Durchbruch in Überzahl. Er kriegt von links und rechts einen härteren Kontakt – und der Schiedsrichter macht erst die Bewegung im Arm zum Siebenmeterpunkt, winkt dann aber raus. Der Abschluss ist zwei Sekunden vor Schluss und letztlich kommt noch ein langer Ball. An der Mittellinie sind dann zwei Spieler, einer von Refrath, einer von uns beziehungsweise noch ein zweiter von uns, die diesen langen Ball verfolgen und gegenseitig ein bisschen mit dem Arm schieben. Und wenn das Sekunden vorher kein Foul ist, dann ist das für mich mitnichten ein Foul und entsprechend entscheidend. Darüber hinaus ist in dem Moment die Uhr abgelaufen, das kann man auch sehen auf dem Video. Es gibt in der Szene erst mal einen Pfiff. Fünf Sekunden später gibt es irgendwann eine Zeitstrafe und dann noch mal einen Pfiff in Richtung Siebenmeter, der letztlich reingeht. Für uns war in dem Moment das Spiel abgelaufen und deswegen die Szene nicht mehr relevant – davon unabhängig, dass die beiden Szenen nicht unterschiedlicher zu bewerten sind. Wenn wir den Siebenmeter vorher kriegen, ist es klar, dass wir keinen Gegenstoß mehr kriegen können. Und für uns ist in der Situation das Spiel vorbei – deswegen der Einspruch, weil es dann für uns keine Tatsachenentscheidung mehr ist. Wir müssen schauen, ob das jetzt so durchkommt. In der Regel klappt das ja nicht. Außerdem, das konnte ich nicht sehen, haben die Offiziellen nachher gesagt, war der Spieler Cosmin Capota von Refrath, der mit Roter Karte früh ausgeschieden ist, wohl kurz vor Schluss schon auf dem Spielfeld, was auch nicht erlaubt ist. Das wird wahrscheinlich noch schwieriger zu beweisen sein, aber auch das wäre natürlich nicht regelkonform.“

Deutlich weniger Aufreger gab es – oben wie unten – im größeren Rest der Regionalliga. Ganz vorne spricht fünf Runden vor dem Ende der Saison alles für den Tabellenführer TSV Bayer Dormagen II, der selbst gegen die HSG am Hallo Essen deutlich mit 32:21 gewann, inzwischen bei 33:9 Zählern angekommen ist und dann zusätzlich von der 30:32-Niederlage des Zweiten OSC Rheinhausen bei der TSV Bonn rrh. (Siebter/22:20) profitierte. Dormagen geht als Erster mit einem klaren Vorsprung auf Rheinhausen (28:14) und Essen (27:15) in den Saison-Endspurt – und es kann sich höchstens selbst noch einen Strich durch die Rechnung machen. Den letzten festen Platz im vorderen Drittel behauptet derzeit der TV Korschenbroich (26:16), den auf den Rängen fünf und sechs die Unitas Haan und der HC Weiden (jeweils 25:17) verfolgen. Das klassische Mittelfeld bilden die Bonner, die Refrather und der TV Aldekerk (20:22), während der Zehnte HC Gelpe/Strombach (18:24) mit einem Drei-Punkte-Polster auf die Abstiegszone weitermacht. Wie dort der Dreikampf zwischen den Nümbrechtern, den Mönchengladbachern und den Aachenern weitergeht, lässt sich kaum vorhersagen. Keine besondere prophetische Gabe ist aber dafür nötig, um bei fünf Zählern Rückstand den Abstieg des Letzten Gummersbach II (8:34) anzunehmen.

 

BTB Aachen – HSG Refrath/Hand 27:28 (11:14). Der Abend ist von Beginn an kein gewöhnlicher, sondern von beiden Seiten intensiv geführt. Refrath legte trotz zweiter früher Zeitstrafen gegen Cosmin Capota (6.) und Michael Geerkens (7.) eine 4:3-Führung vor, ehe vorübergehend der BTB übernimmt – 7:4 (11.). Weil den Hausherren offensiv lange nicht mehr viel gelingt, setzt sich die HSG vom 10:10 (23.) auf 14:10 (29.) ab, doch die Gastgeber antworten erneut – 15:15 (35.). Übers 21:18 (45.) legen bis zum 23:20 (48.) trotz der Roten Karte gegen Cosmin Capota (41.) beim Stande von 18:17 erneut die Refrather vor, ehe sich auf der Zielgeraden ein heißes Duell auf Augenhöhe ergibt, das letztlich die Emotionen auf einen Höhepunkt treibt – 24:24 (52.), 26:26 (59.). HSG-Trainer Kelvin Tacke ist sehr einverstanden mit dem späteren Happy End und den beiden Punkten für Refrath: „Nach einer starken ersten Halbzeit entwickelte sich die Partie zu einem echten Kraftakt. Bereits in den ersten zehn Minuten sahen wir uns mit drei Zwei-Minuten-Strafen konfrontiert, was den Spielfluss früh erschwerte. Auch in der zweiten Hälfte blieb es turbulent. Eine Rote Karte gegen uns sowie weitere Zeitstrafen stellten das Team immer wieder vor große Herausforderungen. Phasenweise agierten wir sogar in doppelter Unterzahl – und hielten dennoch dagegen. Trotz aller Widrigkeiten zeigte die Mannschaft eine beeindruckende Geschlossenheit. Jeder Spieler erfüllte seine Rolle mit voller Überzeugung. Der Teamgeist war in jeder Aktion spürbar. Am Ende steht ein knapper Auswärtssieg, der vielleicht auch ein Stück weit glücklich erscheint, über die gesamte Spielzeit hinweg jedoch nicht unverdient ist. Die Mannschaft hat sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen und mit großem Einsatz und Willen überzeugt. Ein großes Kompliment für diesen leidenschaftlichen Auftritt.“

Ein Blick in die offizielle Statistik zeigt hier Unterschiede – aber keine krasse Benachteiligung für eine der beiden Mannschaften. Refrath musste sieben Zeitstrafen verarbeiten sowie eine Rote Karte, Aachen nur drei Zeitstrafen. Demgegenüber gab es sieben Siebenmeter für die HSG (die zwei ungenutzt ließ) und lediglich drei für den BTB (der alle verwertete). Auch interessant: In den letzten 13 Minuten fanden nach dem 23:20 für die Gäste kaum noch Bestrafungen statt: Ein Siebenmeter für Refrath, eine Zeitstrafe gegen Refrath – das war es zunächst. Über den folgenden Rest wird jedoch zumindest aus Aachener Sicht noch zu sprechen sein und Breuers direktes Urteil zum Spiel könnte glatt untergehen: „Es war von unserer Seite alles, was es braucht im Kampf um den Klassenerhalt – mit Einsatz, mit vielen Rückständen, aber immer wieder zurückkämpfen und sicherlich auch mit dem einen oder anderen Fehler. Wir haben einfach ein paar Chancen liegen lassen, vor allem, als wir vier Minuten Überzahl hatten und da auch kurz doppelt. Ich glaube, diese Phase geht 1:1 aus oder wir verlieren die sogar. Das war wirklich ein Knackpunkt, wo wir das Spiel hätten auf unsere Seite ziehen können. Unterm Strich sind wir ganz oft an freien Bällen gescheitert.“

BTB Aachen: Zaghloul (1), Schüler – Monteiro Pai, Jacobs (4/3), Mattner (3), Horn, Breuer-Herzog (1), Wudtke (3), Büchel (1), Klinkenberg, Wagner, Münster (2), Herzog, Denert (2), Schnalle (9), Kepp (1).

HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer, Vatter – Neukirch, Branding (1), Willers (5), Schallenberg (2), Faust (1), Geerkens, Bürger (3), Noll (8/3), Merz (4/2), Speckmann (2), Dibowski (1), Capota (1).

 

TSV Bonn rrh. – OSC Rheinhausen 32:30 (13:14). Die Gäste, mit der Empfehlung von sechs Siegen hintereinander angetreten, schienen sich auch diesmal auf den Weg zu zwei Punkten zu begeben – da sie bis zum 11:6 (17.) die klar bessere Mannschaft waren. Weil sich die Bonner, zuvor selbst drei Mal hintereinander erfolgreich, davon jedoch nicht nachhaltig aus der Bahn werfen ließen und sich zunehmend in die Partie zurückarbeiteten, war der Abend noch vor der Pause offen und nachher kippte er komplett auf die Seite der Hausherren. Beim Stande von 14:15 (32.) lag die TSV noch zurück, doch gut vier Minuten und vier Tore später lag sie mit dem 18:15 (36.) bereits mit drei Treffern vorne. Übers 22:17 (44.), 25:21 (48.) und 28:24 (54.) hatten die Gastgeber nun bis zum 31:26 (58.) knapp drei Minuten vor der Schluss-Sirene vieles im Griff – was jetzt allerdings die Rheinhausener so nicht hinnehmen wollten. In einer Auszeit suchten sie nach neuen Mitteln und fanden sie auch, zumal Bonn wenig später die Zeitstrafe gegen Nils Bullerjahn hinnehmen musste (58.). Das erstaunliche Resultat: Eine Minute und 32 Sekunden darauf hatte der OSC seinen personellen Vorteil in einen 4:0-Lauf zum 30:31 (60.) umgesetzt, sodass plötzlich wieder alles möglich zu sein schien. Nach einer Bonner Auszeit machte schließlich Daniel Fischer mit dem 32:30 fünf Sekunden vor dem Ende alles klar für die Gastgeber, die das Resultat entsprechend feierten. „Wir sind extrem glücklich, dass wir das geschafft und gezeigt haben, dass wir gegen die Top-Mannschaften nicht nur mithalten, sondern eigentlich auch punkten können. Wir machen es zwar am Ende ein bisschen knapper als nötig, aber wir gewinnen verdient. René Krouß gibt uns in der zweiten Halbzeit noch einmal ein paar Paraden, die uns dann, wo wir vorlegen, auch erhöhen lassen. Ansonsten machen Franz Krohn und Timo Worm ein super Spiel und bringen uns zusammen mit einer starken Abwehr, angeführt von Finn Hoffmann, auf die Siegerstraße. Am Ende hätten wir einfach eine von den letzten drei freien Torchancen unterbringen müssen.“

Rheinhausen konnte mit dem Ausgang des Abends nachvollziehbar weniger anfangen. „Wir starten gut und erfüllen unseren Matchplan, bekommen dann aber einen Bruch im Spiel und retten uns in die Pause“, fand Trainer Sascha Wistuba, „in der zweiten Halbzeit haben wir nach der Roten Karte in der 34. Minute gegen Alexander Ernst keinen wirklichen Zugriff mehr in der Abwehr. Unser Angriffsspiel stockte zunehmend. Bonn macht es dann clever und nutzt seine Chancen konsequent. Diese Leichtigkeit und der Spielwitz fehlten uns hinten heraus. Das letzte Aufbäumen kommt leider zu spät und wir verpassen es, noch einen Punkt mitzunehmen. Insgesamt hatten wir zu viele kleine Baustellen, die uns in der Summe den Sieg gekostet haben. Glückwunsch nach Bonn. Wir sind natürlich in erster Linie enttäuscht, dass wir nicht an die Leistungen der letzten Spiele anknüpfen konnten, und uns die Chance, Dormagen noch zu stürzen, vorerst versaut haben.“ Vor dem Duell mit dem Spitzenreiter am 10. Mai hat der OSC sowieso noch die Aufgaben am 18. April gegen den HC Gelpe/Strombach, am 25. April beim BTB Aachen und am 2. Mai gegen Unitas Haan zu bestreiten.

TSV Bonn rrh.: Krouß (1), Meißenburg – Krohn (8/2), F. Hoffmann (2/1), Bullerjahn (3), Santen (1), Heitkötter (1), Fricke (1), Bitzer (3), Danz, Fischer (4/2), Kästner, Worm (6/2), Bohrmann (2).

OSC Rheinhausen: Lenz, Seemann – Adrian (4), Rippelmeier, Mook, Ernst, Kauwetter, Dreier (2), Zwarg (7), Hüller (11/6), M. Molsner, Käsler (2), Kölsch, Schlögl (4).

 

TV Korschenbroich – VfL Gummersbach II 42:24 (16:10). Die Durststrecke ist vorbei und nach fünf Spielen ohne Sieg gingen die Korschenbroicher mal wieder als Gewinner von der Platte. Dass dafür der inzwischen abgeschlagene Tabellenletzte aus dem Oberbergischen herhalten musste, wird ihnen beim TVK zunächst einmal herzlich egal gewesen sein. Für die Mannschaft von Trainer Frank Berblinger geht es auf der Zielgeraden einer insgesamt ernüchternden Spielzeit vor allem darum, noch das eine oder andere Erfolgserlebnis zu feiern. „Wichtig war, dass wir das sehr gute Spiel bestätigen, das wir in Aldekerk gehabt haben. Das waren viele, viele richtige Schritte in die richtige Richtung. Und von daher bin ich sehr, sehr zufrieden mit dem Spiel. Wir haben das über 60 Minuten wirklich sehr, sehr gut durchgezogen. Torhüter Felix Krüger hat heute das erste Mal nach seiner Verletzung wieder 60 Minuten durchgespielt und eine sehr gute Leistung gezeigt. Wir haben uns als Ziel gesteckt, dass wir die letzten Heimspiele auf jeden Fall positiv gestalten wollen – nicht nur ergebnistechnisch, sondern eben auch spielerisch. Das haben wir heute umgesetzt“, fand der Coach.

Dustin Franz eröffnete den Abend mit dem 1:0 (1.) für die Hausherren (1.), die nicht ein einziges Mal zurücklagen und den VfL bereits nach fünf Minuten abschüttelten. Aus dem 3:3 (5.) wurde das 8:3 (11.) und kurz darauf aus dem 9:6 (18.) das 12:6 (20.). Die Gäste reagierten mit einer Auszeit und konnten die Angelegenheit in der Folge zunächst wieder etwas offener gestalten. Nach dem Seitenwechsel zog der TVK dann vom 18:12 (34.) erstmals auf zehn Tore davon – 22:12 (36.). Die Frage nach dem Sieger war somit frühzeitig beantwortet, die Korschenbroicher allerdings noch lange nicht fertig mit der Partie. Rekordverdächtig präsentierte sich vor allem Max Zimmermann: Der Linksaußen, der im Sommer nach 27 Jahren beim TVK seine Handball-Karriere beenden wird, steuerte innerhalb von dreieinhalb Minuten sechs Treffer vom 24:15 (38.) zum 30:15 (42.) bei. Am Ende standen für das Vereins-Urgestein 14 Tore im Spielbericht zu Buche. Wichtiger als diese Statistik war an diesem Abend jedoch der Erfolg für die ganze Mannschaft.

TV Korschenbroich: Bartmann, Krüger – Schiffmann (4), Schneider, Krantzen (5/1), Eugler (4), Hartz (6), Brinkhues (1), König, Zimmermann (14/1), Büscher (2), Franz (5), Bitzel (1).

VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt – Shimizu (1), Britz (4/3), Kübler (1), Bohnenkamp (2), Kiesewalter (1), Hartmann (3), Fleisch (2), Patzelt (5), Ulmerich (1), Riedel (4).

 

HC Gelpe/Strombach – HC Weiden 32:36 (16:16). Im ausgehenden Februar und über den kompletten März waren die Weidener, die bis dahin durchaus noch zur direkten Spitzengruppe gehörten, nicht vom Erfolg verwöhnt – 31:41 beim OSC Rheinhausen, 28:32 gegen den TV Aldekerk, 30:30 beim SSV Nümbrecht, 24:28 gegen die TSV Bonn rrh.. Weil die Serie von vier Spielen ohne Sieg nun im Oberbergischen zu Ende ging, waren die Weidener auch entsprechend erleichtert.  „Endlich, muss man sagen – wenngleich wir nicht viel anders gemacht haben als die Wochen zuvor“, sagte Trainer Marc Schlingensief, „die Bereitschaft war da und der Matchplan wurde grundsätzlich gut durchgezogen. Zu Beginn kommen wir in der Abwehr noch nicht so gut rein, aber in Richtung Ende der ersten Halbzeit stabilisieren wir uns. Wenn die Chancen besser genutzt worden wären, dann hätte auch eine Führung auf der Anzeigetafel stehen können. Mit dieser Gewissheit und der weiterhin stabilen Abwehr kommen wir sehr gut aus der Halbzeit und setzen uns entscheidend ab. Die 4:2-Deckung von Strombach bringt uns etwas in Verlegenheit, ohne dass es noch mal brenzlig wurde.“ Ein gute Note vergab Schlingensief dabei an die gesamte Mannschaft, die als Team überzeugte, und ein Sonderlob gab es für den 17 Jahre alten Jonas Bergstein aus dem eigenen Nachwuchs: „Er konnte in seinem ersten Regionalligaspiel schon gute Impulse setzen und dies mit zwei Toren belohnen.“ Dass die Weidener den Negativtrend stoppten, kam aus ihrer Sicht auch noch gerade rechtzeitig, weil am nächsten Samstag das Derby gegen den tief im Abstiegskampf steckenden Nachbarn BTB Aachen auf dem Programm steht.

Dass die Weidener zunächst hinterherliefen, hatte viel mit Gelpes Mike Heinzerling zu tun, der mit dem 6:3 (11.) bereits seinen vierten Treffer erzielte. Ab dem 7:7 (14.) war die Partie vor allem ausgeglichen und bis zur Halbzeit konnte sich niemand absetzen – 10:10 (18.), 13:13 (26.), 16:16 (30.). Danach brauchten die Gäste nur gut vier Minuten, um mit dem Zwischenspurt vom 18:17 (33.) bis zum 22:17 (37.) die Entscheidung zu ihren Gunsten einzuleiten. Mit dem 26:19 (42.) und 29:22 (49.) lagen sogar jeweils sieben Treffer zwischen den Hausherren und den Weidenern, die auch nach dem 30:26 (52.) oder 33:29 (56.) sowohl die Übersicht als auch die Kontrolle behielten. Dass ihr Talent Jonas Bergstein, der Kapitän der A-Jugend, nach seinem vorherigen 28:21 (45.) mit dem Treffer zum 35:30 (58.) keinen ganz unwichtigen Beitrag leistete, passte dabei ganz gut und rundete das Weidener Stimmungsbild zusätzlich ab.

HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger (2), Makowiecki, Maier (4/1), Altjohann (1/1), Pötz (5), Heinzerling (9), Roth (2), Müller (1), Meinhardt (4), Walch (3), Rostalski (1).

HC Weiden: Rüttgers, Riechmann – T. Meurer (4), J. Frauenrath (4/1), Scheidtweiler (5), Wolff, Xhonneux (8/3), Gerke, Rojko (2), Bergstein (2), Bösel (4), Fiedler (1), K. Frauenrath, Deutz (3), Bergerhausen (1), Eissa (2).

 

SSV Nümbrecht – TV Aldekerk 40:37 (17:18). Sollte es für den SSV Nümbrecht am Ende der Spielzeit mit dem Klassenerhalt klappen, wäre das vermutlich vor allem ein Resultat der Stärke in der heimischen Halle. 15 Punkte hat der Aufsteiger in seinem ersten Regionalliga-Jahr geholt – zwölf davon bisher zu Hause. Durch den Sieg über den TVA sprangen die Oberbergischen auf Rang elf, der nach jetzigem Stand für den Klassenerhalt reichen würde (hängt final vom Endstand in der 3. Liga ab). Für die Aldekerker bleibt die Saison dagegen eine Achterbahnfahrt und die einzige Konstante die eigene Unbeständigkeit. „Wir kriegen es einfach nie hin, nach einer Unterbrechung, nach einer Pause irgendwie an die Leistung anzuknüpfen, die wir vor der Pause hatten.  Wenn man 37 Tore auswärts wirft, egal wo, muss man ein Spiel gewinnen. Das wird allerdings relativ schwierig, wenn man 40 Tore kassiert. Wir haben das Spiel bis zur 45. Minute voll im Griff und nehmen sogar bei drei Toren plus noch mal eine Auszeit, um auf die neue Abwehrvariante zu reagieren. Ich weiß nicht wieso, aber ab da brechen alle Dämme – hinten wie vorne. Wir machen vorne viel zu viel leichte Fehler, wir verlassen komplett unsere taktische Devise. Bei allem Respekt vor Nümbrecht, das haben wir uns mal wieder selbst zuzuschreiben und das ist natürlich ernüchternd. Dieser Tabellenplatz, den wir gerade innehaben, so ehrlich muss ich einfach sein, ist zu wenig. Wir müssen die Schwankungen rauskriegen“, sagte TVA-Trainer Tim Gentges.

Die Gäste vom Niederrhein fanden durch den Doppelpack von Tim Könnes zwar den besseren Start in die Partie (3./2:0, konnten aber nie mehr als zwei Tore Differenz zwischen sich und den SSV bringen. Vom 6:8 (10.) an glichen die Hausherren zum 8:8 aus (13.) und in der Folge blieb die Angelegenheit meistens ausgeglichen. Aldekerk machte aus dem 13:13 (25.) vor der Pause zwar das 16:13 (28.), aber Nümbrecht verkürzte wieder und Tobias Schröter traf quasi mit der Halbzeit-Sirene zum 17:18 (30.). Nach dem Seitenwechsel bot sich zunächst ein ähnliches Bild: Im Anschluss ans 21:21 (35.) legten die Gäste wieder vor – und diesmal sogar vier Tore zum 26:22 (41.). Doch im Anschluss verlor der TVA komplett den Faden und der SSV fand den Schalter, um die Partie zu kippen. Vom 28:31 (47.) drehte Nümbrecht die Angelegenheit durch einen 5:0-Lauf auf 33:31 (51.) und kurz darauf erzielte Johannes Urbach erstmals einen Drei-Tore-Vorsprung für die Hausherren – 36:33 (55.). Obwohl Aldekerk spät auf 37:38 (58.) verkürzte, behielten die Oberbergischen die Nerven und Lennart Last besiegelte mit seinem Doppelpack zum 40:37-Endstand (59./Siebenmeter, 60.) den Erfolg des SSV.

SSV Nümbrecht: Winkler, Schoger – Benger (2), Urbach (2), Hampel, Last (10/4), Witthaut, P. Donath, Hartmann (9), Schröter (6), Dissmann (3/1), D. Donath (2), Weber, Henrichs, Miesbach (6).

TV Aldekerk: Buchmüller, Schoemackers – Grützner (2), Kirschbaum, Poot (5), Brockmann (3), Plhak (5/2), Hahn (1), Könnes (7), Perey, Tobae (3), Küsters (7), Kahl (3), Rutten (1).

 

Unitas Haan – Borussia Mönchengladbach 40:33 (20:12). Ronny Rogawska kennt sich ja bestens aus im Geschäft und auch in der Regionalliga. Also war ihm als Trainer klar, was auf ihn und seine Borussia in Haan zukommen würde – eine richtig schwierige Aufgabe, die nur bei optimalem Verlauf was Zählbares für den weiteren Kampf um den Klassenerhalt bringen würde. Die Einschätzung bestätigte sich dann, weil die nun bei 15:7 Punkten fürs Kalenderjahr 2026 angekommenen Haaner nach einer kurzen Anlaufzeit ihren aktuellen Trend bestätigten, zum dritten Mal hintereinander gewannen und gleichzeitig zum dritten Mal hintereinander die Grenze von 40 Treffern erreichten oder übertrafen (vorher 40:25 gegen den VfL Gummersbach II und 43:35 bei der HSG am Hallo Essen). „Eigentlich haben wir einen sehr guten Start hingekriegt“, sagte Rogwaska, „dann war es, wie von mir angesprochen, die stärkste Seite der Unitas, dass du dir nicht so viele technische Fehler erlauben darfst. Das haben wir von der 13. bis zur 27. Minute  nicht geschafft und sieben bis acht technische Fehler gemacht – was die Unitas bestraft hat.“ Konsequenz aus jener Zeitspanne: Nach der eigenen 7:6-Führung (13.) blieben die Gäste nur bis zum 10:10 (20.) auf Augenhöhe, ehe sie mit 10:13 (23.) und nach dem 11:13 (34.) mit 11:17 (27.) ins Hintertreffen gerieten. Und das 12:20 (30.) zur Pause war schließlich keine tragfähige Basis mehr für einen Erfolg, obwohl sich die Gäste anschließend nicht aufgaben. Der Beleg in Zahlen: In der Teilwertung alleine für die zweite Halbzeit ging ein 21:20-Sieg auf das Konto der Mönchengladbacher.

Haan legte zwar mit dem 30:20 (42.) und 33:23 (48.) jeweils Führungen im zweistelligen Bereich vor, doch Rogawskas Mannschaft hielt den Rückstand immerhin im Rahmen – 28:34 (52.), 32:37 (57.). Jener Widerstand war es, dem Borussia-Coach einiges an Zuversicht entnahm: „Wir hatten in der zweiten Halbzeit die Moral, da zurückzukommen, aber auch hier wieder eine Phase, wo wir zu viele Ballverluste haben oder die Chancenwertung nicht gut genug war. Wir haben Moral gezeigt bis zum Ende – hört sich zwar ein bisschen blöd an bei 40 Gegentoren, aber wir hatten Phasen im Spiel, wo wir wieder rankommen.“ Um den Kampf gegen den Abstieg und hier in erster Linie das Fernduell mit dem ebenfalls bei 13:29 Punkten zu findenden BTB Aachen zu bestehen, werden kleinere einzelne Bausteine allerdings kaum reichen – weil Mönchengladbach vor einem schwierigen Restprogramm steht. Weiter geht es am nächsten Samstag gegen den Spitzenreiter TSV Bayer Dormagen II, ehe am 25. April beim Letzten VfL Gummersbach II ein Spiel folgt, in dem für die Borussia eine Niederlage vermutlich verboten ist. Zu Ende geht die Saison am 2. Mai gegen die HSG am Hallo Essen (Dritter), am 9. Mai gegen den TV Korschenbroich (Vierter) und am 16. Mai bei der HSG Refrath/Hand (Achter).

Unitas Haan: Seher (1), Joest – Schulz (8), Mensger (4/1), Richartz (3), Brandenburg (7), Korbmacher (6), Hinkelmann, Rath (1), Disler (2), Bleckmann (1), Werthebach (7), Freie, Austrup.

Borussia Mönchengladbach: Heck, Erkes – Prinz, Dicks, Jennes (1), Weis (9/6), Herholz (4), Bremges (3), Semrau (1), Berner (4), Nix (5), Lipok (1), Markovic (3), Slabospytskyi (1), Roth (1).