| 07. Mai 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Augenblicke: Jan König (vorne) und der TV Korschenbroich sehen den zweiten Platz in Reichweite, während es für Aaron Jennes (hinten) und Borussia Mönchengladbach um den Klassenerhalt geht. Was das fürs bevorstehende Derby bedeutet? Vermutlich nicht so viel – obwohl der Zweite TVK als Favorit gelten muss. (Foto: Sven Frank)
Für die meisten ist die Saison gelaufen – mehr oder weniger den Erwartungen entsprechend. Mindestens voll im Soll oder eigentlich darüber liegt der TSV Bayer Dormagen II, der seit dem vergangenen Wochenende mit bisher 39:9 Punkten aus 24 Spielen als Meister feststeht. Also wird die Mannschaft von Trainer Peer Pütz aufsteigen und in der Saison 2026/2027 in der 3. Liga antreten. Gemessen an den vor der Saison formulierten Ansprüchen haben sie sich beim OSC Rheinhausen sogar deutlichst selbst übertroffen. So hatte es der neue Trainer Sascha Wistuba damals angesichts einiger personeller Veränderungen im Kader formuliert: „Ich bin frohen Mutes, dass wir einen guten Job machen. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben.“ Nun ist der OSC als Dritter mit 31:17 Zählern vor dem Endspurt immer noch ein Kandidat für die Vizemeisterschaft und er kann sich jetzt in Dormagen noch einmal von den Qualitäten des Tabellenführers überzeugen – ohne jeden Druck. Um was es dann geht, bestimmen beide Mannschaften selbst, und sie haben sicher die Gelegenheit, ein würdiges Spitzenspiel auf die Platte zu bringen. Um richtig viel geht es allerdings nicht mehr und was oben passiert, steht klar im Schatten des Abstiegskampfes. Der könnte spannender kaum sein, zumal gleich drei Kandidaten intensiv darin verwickelt sind. Während der Letzte VfL Gummersbach II (8:40) bereits als Absteiger notiert ist, stehen drei andere auf der Kippe: Borussia Mönchengladbach (17:31), BTB Aachen (16:32) und SSV Nümbrecht (15:33). Das Trio ist jetzt an zwei Kracherspielen beteiligt und mindestens eins davon hat das Zeug zum Samstags-Thriller. Bereits das Derby in der Jahnhalle hat es in sich, wo die Borussia mit seinem in Korschenbroich lebenden Trainer Ronny Rogawska den Zweiten TV Korschenbroich (32:16) zum Derby erwartet. Die 60 um 18.30 Uhr beginnenden Netto-Minuten dürften es in sich haben, zumal der eine (Mönchengladbach) nichts verschenken darf und der andere (TVK) auf keinen Fall was verschenken will. Es wird Emotionen geben, es wird Leidenschaft geben – und doch sieht die Partie mit dem klaren Favoriten Korschenbroich eher wie der Aufgalopp zum Höhepunkt des Abends in der Halle Gillesbachtal aus: Dort erwartet der BTB um 20 Uhr die Nümbrechter. Es gibt massenhaft Gründe für die Konkurrenten, sich nicht nach einem Zwischenstand aus Mönchengladbach zu erkundigen. Es gibt genug zu tun in der eigenen Vorbereitung.
Aus der Kategorie Endspiel kommt das Duell zwischen den Aachenern und den Nümbrechtern. Der BTB, bis vor Kurzem nach dramatischen Partien gegen die HSG Refrath/Hand (27:28) und den OSC Rheinhausen (28:28) einigermaßen am Boden, brachte sich am vergangenen Wochenende durch das nicht weniger spannende 31:29 beim TV Aldekerk wieder zurück ins Geschäft – und er hat nun plötzlich die Chance, sich bereits am vorletzten Spieltag endgültig eine Position am rettenden Ufer zu sichern. Voraussetzung: Die Mannschaft von Trainer Simon Breuer müsste gegen Nümbrecht gewinnen, auf das es dann uneinholbare drei Punkte Vorsprung hätte. Weil Breuer jedoch genau weiß, was alles in dieser Regionalliga passieren kann, erwartet er zumindest einen Kampf auf des Messers Schneide. „Jetzt gilt es, hoffentlich auch den letzten Schritt zu machen“, sagte der BTB-Coach schon unmitelbar nach dem Happy End in Aldekerk, „wir wissen genau, dass das eine wahnsinnig schwierige Aufgabe wird, aber natürlich glauben wir daran, dass wir das schaffen können. Wir wissen, dass es noch mal ein extremer Kampf wird, und wir müssen 60 Minuten alles geben, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Wir wissen, dass die Nümbrechter auch daran glauben, dass bei uns hinzukriegen. Wir werden uns entsprechend vorbereiten.“ Bei einem Unentschieden wäre die Entscheidung auf den letzten Spieltag am 16. Mai verschoben – mit der Aufgabe der Aachener bei der TSV Bonn rrh. und jener des SSV gegen Unitas Haan.
Nahezu ein Hoch haben in der jüngeren Vergangenheit die Aktien der Mönchengladbacher Borussia im Kampf um den Klassenerhalt gesehen. Das 37:26 beim Letzten und als Absteiger feststehenden VfL Gummersbach II (8:40) war vor allem ein Pflichtsieg und das folgende 39:30 gegen die HSG am Hallo Essen (Sechster/29:19) in dieser Form ebenso verdient wie überraschend. Nun trifft der Aufsteiger auf einen TVK, der sich zwar aufgrund einer Durstrecke von 4:12 Punkten von seinen Hoffnungen auf die direkte Rückkehr in die 3. Liga verabschieden musste, dafür aber inzwischen von Resultaten der Konkurrenz profitieren konnte und nun bei 32:16 Zählern der erste Anwärter auf die Vizemeisterschaft ist – für die höchstwahrscheinlich nur noch die Rheinhausener als echter Mitbewerber in Frage kommen. Auch hier gilt eine einfache Formel: Gewinnt der TVK und verliert der OSC gleichzeitig in Dormagen, geht Rang zwei auf jeden Fall an Korschenbroich. Bei jedem anderen Ergebnis wird die Frage nach der Vizemeisterschaft erst im Saisonfinale beantwortet. Ebenfalls auf jenen letzten Spieltag muss der Vorsicht halber die Borussia bereits jetzt schauen, weil sie nicht zwingend von einem Sieg in Korschenbroich ausgehen darf – den sie zur sicheren Rettung schon an diesem 9. Mai bräuchte. Einzige Ausnahme: Gewinnt der BTB Aachen gegen Nümbrecht, sind gleichzeitig die Mönchengladbacher alle Sorgen los.
Jenseits von Gut und Böse bewegen sich einige andere Klubs – was allerdings besonders für den TV Aldekerk im Jahr eins nach dem Abstieg aus der 3. Liga deutlich näher an Böse liegt. Die Mannschaft von Trainer Tim Gentges schaffte nach der nicht berauschenden Hinrunde (13:13 Punkte) keineswegs die Wende zum Besseren, sondern begab sich zuletzt immer mehr auf eine nahezu atemberaubende Talfahrt und sie ist nach einer Serie von 7:15 Zählern aus den bisherigen elf Spielen in der Rückrunde bis auf Rang zehn abgestürzt (20:28), der soeben den Strich über der direkten Abstiegszone markiert. Gentges versucht den Spagat zwischen Zustandsbeschreibung und Blick nach vorne: „Auch wenn jetzt die Kuh so ein bisschen vom Eis ist, was den Abstieg angeht, ändert das nichts an unserer echt beschissenen Situation. Ich habe kein Allheilmittel, um das in dieser Saison noch irgendwie geradezukippen, und ich denke, meine Mannschaft hat es gerade auch nicht, sonst wären die Ergebnisse anders. Man hat der Mannschaft angesehen, dass sie gewillt ist, das umzusetzen, aber wir kriegen es nicht so umgesetzt, dass wir Spiele gewinnen. Wir kommen nicht ansatzweise an 100 Prozent, wir kommen nicht ansatzweise an 80 Prozent. Das ist eine riesengroße Baustelle und das hat nichts mit handballerischen Fähigkeiten zu tun. Das ist ein reines mentales Problem und in Bezug auf die nächste Saison müssen wir anfangen, daran zu arbeiten. Jeder Spieler ist gewillt, alle aus dem Trainerstab sind gewillt, der Vorstand ist gewillt.“ Die bevorstehenden Aufgabe am Samstag bei Unitas Haan (Vierter/29:19) und zum Abschluss gegen Dormagen II sieht er dabei als eine Art Chance zur Wiedergutmachung. „Nach Haan fahren wir mit dem Bewusstsein, dass es eine unfassbar starke Mannschaft ist und sie so richtig in die Spur gefunden hat“, sagt der ATVCoach, „wir wollen noch immer das bestmögliche Ergebnis rausholen. Das heißt, es sind noch vier Punkte zu vergeben – und am besten holen wir vier. Das klingt vermessen nach den letzten Ergebnissen, aber wir sind fernab davon, diese Spiele abzuschenken. Ich würde mich unfassbar für meine Mannschaft freuen, wenn sie sich mal wieder mit einem Sieg belohnen würde.“

Deutlich weniger angespannt sind Lage und Stimmung beim Vierten HC Weiden, der zwar in der Rückrunde (bisher 11:11 Punkte) ebenfalls nicht an die Bilanz der Hinrunde anknüpfen kann/konnte (18:8), aber vor dem 26:33 zuletzt gegen zu starke Dormagener eine Serie von drei Siegen in Folge auf sein Konto gebucht hatte. Wie der der Vierte Unitas Haan und der Sechste HSG am Hallo Essen steht das Team von Marc Schlingensief nun als Fünfter bei 29:19 Punkten. Und der HC-Coach hat eine klare Idee für die Partie am Samstag beim Letzten Gummersbach II sowie die am 9. Mai gegen Essen: „Trotz der Niederlage haben wir einiges Positives mitnehmen können aus dem Spiel gegen Dormagen, was wir auch mit nach Gummersbach transportieren wollen. Die Gummersbacher gilt es trotz oder gerade wegen des feststehenden Abstieges nicht zu unterschätzen. Fehlender Ergebnisdruck kann Kräfte freisetzen. Das bedeutet für uns, dass wir im letzten Auswärtsspiel noch mal viel investieren müssen, um was Zählbares mitzunehmen. Es steht für mich aber außer Frage, dass wir gewinnen werden, wenn wir es vorne wie hinten schaffen, unsere Leistung abzurufen. Personell sieht es ganz gut aus, einzig Jonathan Deutz plagt sich mit einer Erkältung herum. Alle anderen sollten fit und motiviert sein, sodass wir unser Halbfinale um Platz vier erfolgreich gestalten können.“ Das wäre im Übrigen eine ziemlich präzise Landung nach dem dritten Platz mit 30:18 Punkten aus der Saison 2024/2025 sowie dem vierten Rang mit 29:23 Punkten aus 2023/2024. Weiden und Aldekerk sind noch einmal der Beweis: Für die meisten ist die Saison gelaufen – mehr oder weniger den Erwartungen entsprechend.