Regionalliga Nordrhein
Volle Pulle rein in die Wochen der Wahrheit
Der November kann Weichen stellen nicht nur für Top-Teams wie die Drittliga-Absteiger Korschenbroich und Aldekerk. Unten warten Refrath/Hand und Mönchengladbach noch auf den ersten Sieg.

Noch mehr Power: Thomas Plhak ist mit 35 Jahren so etwas wie der „Alterspräsident“ des TV Aldekerk. Durch seine Leidenschaft bringt der Rechtsaußen, der jetzt einen Bänderriss überstanden hat, trotzdem nicht nur eine sichere Hand bei Siebenmetern mit, sondern auch eine Art „Energie-Booster“. (Foto: Carsten Wulf)

Ist es wirklich schon so weit? Nach nur vier Spieltagen? Für Trainer Tim Gentges und seinen TV Aldekerk gibt es da tatsächlich nur ein klares Ja. „Wir starten in die Wochen der Wahrheit, es kommen richtige Hammerwochen auf uns zu. Das ist natürlich eine Standortbestimmung“, sagt Gentges. Vor der Saison hatte er sich ziemlich zurückhaltend geäußert: „Wir haben einen Umbruch, wie es ihn in Aldekerk seit zehn oder zwölf Jahren nicht gegeben hat. Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen zurück in die 3. Liga.“ Wenn es denn trotzdem in den Bereich des Möglichen rücken würde, wären die Aldekerker sicherlich trotzdem nicht abgeneigt. Also geht es für die mit 6:2 Punkten auf Rang vier hinter der HSG am Hallo Essen (8:2), dem TSV Bayer Dormagen II (8:4) und dem ebenfalls aus der 3. Liga abgestiegenen TV Korschenbroich (7:1) liegenden Aldekerker darum, den Markt der Möglichkeiten zu sondieren. Klar: Dazu bietet das dicke Monatspaket mit den Aufgaben am Samstag gegen den HC Weiden (Fünfter/6:4), am 15. November beim OSC Rheinhausen (Sechster/5:3) und am 28. November in Korschenbroich drei nahezu perfekte Gelegenheiten. Jede dieser drei Etappen ist für sich genommen sehr anspruchsvoll – und bereits gegen Weiden rechnet Gentges mit einer maximal schwierigen Partie. Dass der HC am vergangenen Wochenende mit dem 27:36 in der vorgezogenen Partie bei den Dormagenern einen Rückschlag hinnehmen musste, ändert am Respekt vor dem Gegner wenig: „Weiden wird bei uns eine deutliche Leistungssteigerung zeigen wollen. Was die beiden auf Rückraum Mitte und Rückraum rechts haben, ist schon sehr gut.“ Die eigenen Pläne sehen nachvollziehbar dennoch einen Erfolg des TVA vor, der wieder auf den zuletzt wegen eines Bänderrisses mehrmals verletzt fehlenden Kapitän Thomas Plhak (35) zurückgreifen kann.

Was für die Aldekerker gilt, trifft nahezu deckungsgleich auf den TV Korschenbroich zu – der im Übrigen als einziger Regionalligist mehr oder weniger offensiv sein Interesse an einer sofortigen Rückkehr in die 3. Liga formuliert hat. „Wir haben da Blut geleckt und wir wollen so weit wie möglich oben mitspielen“. sagte Trainer Frank Berblinger unmittelbar vor dem Saisonstart. Bisher ist Korschenbroich mit drei Siegen und einem Unentschieden auf Rang drei als einzige Mannschaft mit nur einem Minuspunkt sehr genau im Zielkorridor unterwegs – und es bestreitet in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Aldekerkern eine Art Paarlaufen in Sachen Schwierigkeitsgrade: Am Samstag kommt der mit dem neuen Trainerduo Sascha Wistuba/Nico Biermann gut gestartete OSC Rheinhausen (Sechster/5:3) in die Waldsporthalle, ehe die Partien am 15. November beim TSV Bayer Dormagen II und am 28. November gegen den TVA folgen. „Wir haben richtig Lust, auch wenn gleich eine richtig harte Aufgabe auf uns wartet“, betont Berblinger, der mit maximal viel Respekt auf den am Anfang der Trilogie wartenden OSC blickt. Und dass dessen Neuzugang Lukas Hüller (von der HSG Krefeld Niederrhein gekommen) einer der auffälligsten Spieler in der Regionalliga ist, hat sich inzwischen überall herumgesprochen. Es sind dabei nicht nur die schon 37 Tore (davon 14 per Siebenmeter), die den Rückraumspielers so wertvoll machen: Er bringt darüber hinaus eine ungewöhnliche Übersicht und Vielfalt an Ideen mit.

Zu einem Höhenflug haben in der jüngeren Vergangenheit nach 2:4 Punkten aus den ersten drei Spielen die Dormagener angesetzt, die durchs 38:25 gegen den BTB Aachen (Zwölfter/2:8), mit dem 31:25 beim VfL Gummersbach II (Elfter/2:8) und dem 36:27 gegen Weiden in drei Partien immerhin 105 Tore erzielt haben, demnach 35 im Durchschnitt. Die Mannschaft von Trainer Peer Pütz, die als einzige der Klasse bereits sechs Mal im Einsatz war, bestreitet im laufenden Monat lediglich zwei weitere Einsätze – jenen schon nicht einfachen am Sonntag bei der Unitas Haan (Zehnter/2:6) und den vermutlich noch komplizierteren am 15. November gegen den TV Korschenbroich. Viel spricht dafür, dass der TSV Bayer am Ende des Monats ebenfalls besser weiß, wie es in der laufenden Saison um die Chancen für seine junge Mannschaft bestellt ist. Ganz nebenbei: In Dormagen betonen sie ja immer wieder, dass es ohnehin in erster Linie „nur“ um die Entwicklung der Talente geht – die im Übrigen auch am 5. Dezember zu einer Art Hauptuntersuchung antreten. Dann geht es zum aktuellen Spitzenreiter HSG am Hallo Essen (8:2), der seinerseits am Samstag beim HC Gelpe/Strombach antritt (Neunter/4:4). Die HSG ist jener bisher ungeschlagene Klassen-Neuling, der nach eigener Aussage vornehmlich mit dem einzigen Ziel aufgestiegen ist, um sich innerhalb der nächsten Jahre in der Regionalliga unter den besten sechs Teams zu etablieren. Nun denn.

Nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher warten weit unten bereits in dieser frühen Phase der Saison auf die beiden einzigen sieglosen Mannschaften gleich mehrere wegweisende Aufgaben. Als Schlusslicht hinkt zurzeit der Aufsteiger Borussia Mönchengladbach hinterher, sowohl bei der Anzahl der Spiele (erst drei) als auch mit seiner Ausbeute von 0:6 Zählern aus Duellen mit Konkurrenten aus der oberen Hälfte – 26:32 in Weiden, 28:37 gegen Rheinhausen, 30:32 in Aldekerk. Einfacher wird es für die Mannschaft von Trainer Ronny Rogawska im Moment nicht, denn sie tritt beim Siebten TSV Bonn rrh. (5:3) an, für den der kommende Samstag zu hundert Prozent was ganz Besonders ist: Die Partie um 17.15 Uhr ist eingebettet in den Bonner Tag des Handballs, bei dem die Gastgeber die Werbetrommel für ihren Sport und für sich selbst rühren wollen. Dass dazu ein Stück weit besser ein Sieg passt, verstehen sie in Mönchengladbach. Und dass die Borussia darauf keine große Rücksicht nehmen kann, verstehen sie wiederum in Bonn.

Vereint im Leiden mit Borussia Mönchengladbach ist die HSG Refrath/Hand (13./1:7). Nach dem beachtlichen und verdienten 28:28 vom Saisonbeginn in Korschenbroich schrammte das Team von Trainer Kelvin Tacke gegen ebenfalls starke Konkurrenz dreimal relativ knapp an Zählbarem vorbei – 27:29 gegen Weiden, 30:32 in Rheinhausen, 28:31 gegen Aldekerk. Nun treten die Refrather beim SSV Nümbrecht (Achter/4:2) an und sie stehen im Oberbergischen erneut vor eine hohen Hürde: Der Aufsteiger, der wie Mönchengladbach erst drei Spiele hinter sich hat, bildet zusammen mit Essen und Korschenbroich das Trio der ungeschlagenen Klubs. Vor zwei wegweisenden Heimspielen in Folge steht nach zwei Niederlagen hintereinander (25:38 in Dormagen II, 31:34 in Essen) der BTB Aachen, der den aktuellen Spieltag am Freitagabend gegen den VfL Gummersbach II eröffnet, dann wieder ein Pause einlegt und am 29. November gegen Borussia Mönchengladbach weitermacht. Auch für die Mannschaft von Trainer Simon Breuer sind das offensichtlich Wochen der Wahrheit.