| 29. November 2025 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Null Raum: Max Eugler (Mitte/mit Ball) und seine Korschenbroicher mussten sich jeden Zentimeter an Platz hart erarbeiten, weil Steffen Hahn (links) und Thomas Plhak (rechts) mit den Aldekerkern über 60 Minuten maximalen Widerstand leisteten. Am Ende hatte der TVK in einer Millimeter-Entscheidung winzige Vorteile. (Foto: Sven Frank)
TV Korschenbroich – TV Aldekerk 28:27 (15:15). Der Rahmen war eines Spitzenspiels würdig, der Verlauf der intensiv geführten Partie auch – und deshalb durften am Ende beide Seiten irgendwie sehr einverstanden sein mit ihren Beiträgen zu diesem Freitagabend. In der Summe konnten naturgemäß die Korschenbroicher deutlich mehr anfangen mit dem Ergebnis. Erstens sah es auf der Anzeigetafel in der vollen Waldsporthalle aus ihrer Sicht einfach besser aus und zweitens kletterte die Mannschaft von Trainer Frank Berblinger durch den knappen Erfolg bei nun 11:3 Zählern zurück an die Tabellenspitze, weil gleichzeitig der bisherige Erste HC Weiden bei der TSV Bonn rrh. mit 36:40 den Kürzeren zog. Der neue Zweite Bonn (10:4), der Dritte TSV Bayer Dormagen II (10:6), die Weidener (10:6) und der Fünfte HSG am Hallo Essen (8:4) bilden damit für den Moment das Führungs-Quintett – hinter dem die auf Rang sechs folgenden Aldekerker ein ausgeglichenes Konto haben (7:7). Tim Gentges wirkte später trotz der Niederlage sehr einverstanden mit der Leistung seines Teams. „Ich muss meiner Mannschaft wieder meinen Respekt zollen, wir machen vieles richtig und lassen uns auch in der zweiten Halbzeit von vier Toren Rückstand nicht aus dem Konzept bringen“, sagte der TVA-Coach, „wir können auch beim Ligaprimus auf Augenhöhe mithalten, wir hatten Korschenbroich am Rande einer Niederlage.“ Kollege Berblinger räumte ein, dass es eventuell anders hätte kommen können: „Das war ein typisches Derby und über 60 Minuten ein Abnutzungskampf und ein richtig gutes Spiel. Hinten heraus haben wir es geschafft, auf plus drei oder plus vier zu kommen – und das dann über die Ziellinie gerettet. Handballerisch waren auch viele gute Sachen dabei und dieses Mal hatten wir das glücklichere Ende auf unserer Seite.“

Über den größten Teil des Abends hinweg ließ sich kaum erkennen, in welche Richtung das Pendel letztlich ausschlagen würde. So legte Aldekerk das 6:4 (9.) vor und lag kurz darauf mit 8:10 (15.) hinten, bevor es mit dem 12:11 (24.) wieder eine Führung erreichte, mit dem 14:15 (27.) erneut einen Rückstand hinnehmen musste und nach dem 15:15 (27.) am Ende der ersten Halbzeit noch einmal vorlegte – 19:17 (38.). Ab dem 20:20 (44.) schien sich der Abend bis zum 24:20 (48.) doch vorzeitig im Sinne der Gastgeber zu entwickeln, aber Aldekerk antwortete stark mit dem 24:24 (53.) und gab selbst nach dem 24:27 (56.) und 25:28 (58.) nicht auf. Maximilian Tobae konnte n0ch auf 26:28 (59.) verkürzen, der Treffer von Niels Poot zum 27:28 (60.) fiel allerdings erst unmittelbar vor dem Ende und damit aus der Sicht des TVA zu spät. „Es tut mir nur leid für die Jungs, dass sie sich wieder nicht belohnt haben“, stellte Gentges ohne einen größeren Anflug von Frust fest, „aber wir werden unsere Früchte noch ernten, das kann ich versprechen. Ich bin stolz auf die Mannschaft.“ Bei den Korschenbroichern musste im Übrigen Sven Bartmann den Posten zwischen den Pfosten für die gesamten 60 Minuten alleine schultern, weil der Keeper-Kollege Felix Krüger derzeit wegen einer Knieverletzung nicht zur Verfügung steht. Im Fall der Fälle hätte allerdings der auf dem Spielbericht als „Offizieller E“ eingetragene Torwarttrainer Simon Vall aushelfen können.
TV Korschenbroich: Bartmann – Schiffmann (1), Krantzen (7), Eugler (1), Hartz (5), Brinkhues (1), Wolf (5), König (3/3), Zimmermann (3), Büscher, Franz (2), Bitzel.
TV Aldekerk: Schoemackers, Keutmann – Grützner, Kirschbaum, Poot (5), Brockmann, Plhak (6/5), Hahn, Könnes (4), Perey, Tobae (2), Küsters (7), Kahl (1), Thelen (2), Gangelhoff.
TSV Bonn rrh. – HC Weiden 40:36 (19:18). Es war ein ziemlich verrücktes Spiel mit einer ziemoich verrückten Geschichte und die Beteiligten waren sich hinterher völlig einig, wem die Hauptrolle in diesem ungewöhnlich torreichen Treffen gehörte. Mann des Abends war sowohl für TSV-Coach Florian Benninghoff-Lühl als auch den Weidener Kollegen Marc Schlingensief ziemlich klar Rückraumspieler Nils Bullerjahn. „Unser Matchwinner kommt nach 45 Minuten – aus dem Urlaub direkt auf die Platte“, sagte Benninghoff-Lühl, „Nils hat überhaupt nicht trainiert und macht in den letzten 15 Minuten fünf Tore und drei Assists. Er bringt uns nach einer sehr schwierigen Phase doch noch auf die Siegerstraße.“ Schlingensief konnte es beinahe kopfschüttlend kaum fassen: „Unsere beste Phase haben wir zwischen dem Beginn der zweiten Halbzeit und der 45. Minute mit einer stabilen Abwehr und einem effektiven Angriff. Bis dahin machen wir eigentlich ein richtig gutes Spiel. Danach bekommen wir in der Abwehr keinen Bezug mehr vor allem auf Bullerjahn, der wahrscheinlich an zehn von 15 Toren am Ende beteiligt ist.“ Als Tatsache blieb festzuhalten, dass die Bonner in jener 45. Minute mit 24:27 zurücklagen, dass Nils Bullerjahn mit dem 25:27 die Aufholjagd der TSV startete und dass er auf der Zielgeraden mit weiteren vier eigenen Toren sowie zahlreichen vorbereitenden Aktionen für seine Mitspieler alles und alle überstrahlte.
In dem spannenden Duell mit beinahe permanent wechselnden Führungen konnte sich zunächst kein Team mit mehr als zwei Toren absetzen und Bonn, das ab der 35. Minute ohne den die Abwehr organisierenden Kreisläufer Daniel Fischer auskommen musste (Rote Karte), rannte auch immer wieder hinterher – 6:6 (11.), 10:10 (15.), 11:13 (18.), 15:14 (21.), 16:17 (27.), 19:18 (30.), 21:23 (37.), 24:24 (42.). Dass Timo Wolff (43.) und zwei Mal Joshua Frauenrath (44./45.) im Anschluss mit jenem 27:24 für Weiden die erste Drei-Tore-Führung auf die Platte legten, wollte kein Bonner so stehen lassen und offensichtlich erst recht nicht Nils Bulerjahn. Nach dem 25:28 (45.) glich die TSV zum 29:29 (49.) aus, bevor nach dem 29:30 (50.) eine 3:0-Serie zum 32:30 (51.) folgte. Im Schluss-Spurt konnten die Gastgeber ihren Vorsprung anschließend übers 36:33 (55.) und 36:35 (57.) zunächst halten, ehe Franz Krohn (57.), Bullerjahn (59.) und noch einmal Krohn (59.) entscheidend auf 39:35 erhöhten. „Das war wirklich ein sehr gutes Spitzenspiel“, urteilte Benninghoff-Lühl, „beide Mannschaften haben über 60 Minuten mit viel Tempo gespielt. Ich finde, dass wir auch der verdiente Sieger sind, weil wir trotz der 40 Tore definitiv Chancen für noch mehr Klarheit haben.“ Schlingensief erwies sich als fairer Verlierer: „Wenn man knapp 50 Minuten in Bonn führt, ist es natürlich ärgerlich, am Ende nichts in den Händen zu haben. Auf der anderen Seite hat man dann auch einiges richtig gemacht. Glückwunsch an Bonn. Die Crunchtine gehört ihnen, wo sie, angeführt von Nils Bullerjahn, das Spiel drehen.“
TSV Bonn rrh.: Krouß, Meißenburg, Czerwinski – Krohn (7), Hoffmann (5), Bullerjahn (5), Santen (2), Heitkötter (1), Fricke (6), Bitzer (1), Fischer (4), Sander, Kästner (2), Worm (3), Bohrmann (4/3).
HC Weiden: Schroif, Riechmann – T. Meurer (5). J. Frauenrath (9/2), Scheidtweiler (3), Wolff (2), Xhonneux (5), Rojko (2), K. Fauenrath (1), Richter, Deutz (3), Bergerhausen (1), Stolzenberg (5), Eissa.
HSG Refrath/Hand – HC Gelpe/Strombach 27:26 (10:14). So oft hatten die Refrather vorher in eigener Halle noch nicht gewonnen in dieser Saison – drei Niederlagen, 0:6 Punkte. Und auch der vierte Versuch, den ersten Heimsieg aufs Konto zu überweisen, drohte zu scheitern. Nach einem ausgeglichenen Start bis zum 6:6 (16.) und 8:8 (21.) schien wieder nichts aus dem Premieren-Erfolg in der Halle Steinbreche zu werden, weil die Mannschaft von Trainer Kelvin Tacke aufgrund zu vieler Fehler völlig den Faden verlor und deshalb mit der Hypothek von vier Treffern Rückstand in den zweiten Durchgang starten musste. Dass die Refrather nachher noch die Wende schafften und am Ende wertvolle Punkte auf ihr Konto überwiesen, fand Tacke logischerweise beachtlich: „Wir sind eigentlich gut ins Spiel gestartet, haben uns aber zum Ende der ersten Halbzeit völlig unnötige Ballverluste geleistet, die Strombach genutzt hat. In der zweiten Hälfte haben wir dann in der Abwehr eine offensivere Variante gespielt und Bälle gewonnen, mit denen wir ein richtig gutes Tempospiel aufziehen konnten – was die Basis war, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen und zu gewinnen.“ Der Sieg war für die auf 5:9 Zähler und zunächst auf Rang elf verbesserte HSG im unteren Drittel ziemlich wichtig, dürfte jedoch nur ein erster Schritt im weiteren Kampf um mehr Sicherheit sein. Dünner geworden ist die Luft inzwischen nach der zweiten Niederlage in Folge für Gelpe/Strombach, das als Neunter nun bei 6:8 Punkten (nach 6:4) weitermacht.

Ziemlich genau fünf Minuten dauerte es, ehe die Hausherren nach dem 8:8 mit 8:12 (21.) in Rückstand gerieten und sich davon nur sehr langsam erholten. Am Amfang der zweiten Halbzeit erhöhte Gelpe/Strombach sogar auf 15:10 (31.), doch mit dem 6:1-Lauf zum 16:16 (39.) sorgte Refrath für eine ausgeglichene Partie – 18:17 (40.), 21:21 (46.), 24:23 (51.), 25:24 (55.). Anschließend machten Lukas Dibowski (56.) und Pascal Noll (57.) durch ihre Treffer zum 27:24 den Weg frei für die HSG, bevor Arvid Pötz für den HC auf 25:27 (59.) verkürzte. Das 26:27 (60.) durch den von Lukas Altjohann sechs Sekunden vor Schluss verwandelten Siebenmeter sorgte aus der Sicht der Gäste nur noch für eine Ergebnis-Kosmetik.
HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer (1) – Branding, Willers (1), Schallenberg (2), Faust (1), Geerkens, Bürger (2), Georgi (3), Schrage, Noll (10/2), Merz, Speckmann, Dibowski (7), Capota.
HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger (1), Schürmann, Makowiecki, Maier (2), Altjohann (2/1), Pötz (4), Viebahn (6), Heinzerling (4), Meinhardt (5), Walch (1), Rostalski, Schimanski, Kolken (1).