Regionalliga Nordrhein
Viele Fragen: Wie gefährlich ist Essen? Bleibt Weiden dran? Was wird aus Aachen?
TVK will bei der HSG am Hallo die Tabellenspitze verteidigen, der HC Weiden durch Sieg gegen Haan dranbleiben. Unten hofft der Letzte BTB Aachen auf eine Überraschung in Rheinhausen.

Verriegelt und verrammelt: Dass Sven Bartmann vor der Saison vom Zweitliga-Aufsteiger HSG Krefeld Niederrhein gekommen ist, hat sich für den Tabellenführer TV Korschenbroich schon doppelt und dreifach ausgezahlt. Im Verbund mit seiner Abwehr stellt der erfahrene Torhüter schließlich die mit weitem Abstand beste Defensive der Regionalliga. Insgesamt hat der TVK in bisher neun Spielen 231 Gegentore kassiert – nur 25,66 pro Partie. (Foto: Michael Jäger)

In der vergangenen Saison hatte der TV Korschenbroich am Ende nicht mehr genug selbst in der Hand und deshalb musste er auch sofort wieder aus der 3. Liga in die Regionalliga absteigen. Dort kann das Team von Trainer Frank Berblinger jetzt zumindest sehr viele Dinge nahezu alleine zu seinen Gunsten lenken – und einiges spricht momentan dafür, dass am TVK im Kampf um die Meisterschaft nicht viele Möglichkeiten vorbeiführen: Die 15:3 Punkte sind für den Tabellenführer ein sehr anständiges Grundkapital auf dem direkten Weg zurück nach oben. Ob die Korschenbroicher als „Wintermeister“ in die Pause über Weihnachten/Neujahr gehen, können sie ebenfalls selbst bestimmen – durch ein entsprechendes Ergebnis zum Jahres-Abschluss bei der HSG am Hallo Essen (Siebter/10:8). Der Aufsteiger begann zwar nach dem kürzlich erfolgten Rücktritt des bisherigen Trainers Felix Linden unter der Regie von Niklas Rolf als Coach mit einem 29:26 bei Unitas Haan (Sechster/10:8) , verlor aber anschließend zwei Mal hintereinander – 28:36 gegen den TSV Bayer Dormagen II (Dritter/12:6) aus dem oberen Drittel, 32:33 beim VfL Gummersbach II (13./5:13) aus dem Tabellenkeller. Gefährlich sind die Essener trotzdem – unter anderem deshalb, weil sie in Matthis Blum den besten Torschützen der Klasse in ihren Reihen haben (85 Treffer/9,44 pro Spiel) und allgemein eine Menge an Erfahrung auf die Platte bringen. TVK-Coach Berblinger weiß das alles sehr genau: „Das wird ein richtig, richtig schwerer Prüfstein für uns. Essen ist der stärkste der drei Aufsteiger. Wir müssen noch einmal alles geben und über die gesamten 60 Minuten in Angriff und Abwehr konzentriert agieren.“ 

Dass der HC Weiden als Zweiter (14:6) aktuell als der erste Verfolger der Korschenbroicher daherkommt, ist sicher kein Zufall. Das Team von Trainer Marc Schlingensief bringt als eine der wenigen Mannschaften in der Regionalliga ausreichend Konstanz mit – und sie hat zwar bisher drei Mal verloren, aber ausschließlich auswärts und gegen Konkurrenz aus dem direkten Umfeld: Das 23:30 beim TVK gehört ebenso dazu wie das 27:36 beim TSV Bayer Dormagen II oder das 36:40 bei der TSV Bonn rrh. (Vierter/12:6). Obwohl die Bilanz in eigener Halle mit vier Siegen aus vier Partien gegen Borussia Mönchengladbach (32:26), den OSC Rheinhausen (40:36), den SSV Nümbrecht (38:23) und den HC Gelpe/Strombach (38:32) sogar noch makellos ist, leitet Schlingensief daraus keine Garantie auf den fünften Erfolg ab. „Uns erwartet gegen Haan noch mal eine knackige Aufgabe“, betont der HC-Coach, „Haan ist gespickt mit erfahrenen Spielern, einige auch mit Drittliga-Erfahrung. Im Angriff macht sich das durch ein druckvolles, aber sehr fehlerarmes Aufbauspiel bemerkbar mit vielen guten Entscheidungen. Die Abwehr ist sehr robust und kompakt aufgestellt. Ihre Ergebnisse der letzten fünf Spiele mit 8:2 Punkten zeigen, dass sie in die obere Tabellenhälfte gehören. Ich stelle mich auf ein körperliches und intensives Spiel ein. Es wird darum gehen, dass wir vor allem über eine aktive Abwehr ins Tempospiel kommen und dass wir uns im Angriff nicht unnötig an der kompakten Abwehr aufreiben.“ Insgesamt peilt Weiden auf jeden Fall einen Erfolg an: „Wir wollen auch im fünften Heimspiel gewinnen und uns vor heimischem Publikum mit einer guten Leistung aus dem alten Jahr verabschieden.“

Einen ähnlichen Plan verfolgt der neben Korschenbroich zweite Drittliga-Absteiger TV Aldekerk, der es bei seinem Jahresfinale mit dem zuletzt vier Mal hintereinander geschlagenen und deshalb nach unten abgerutschen HC Gelpe/Strombach (Elfter/6:12) zu tun bekommt. Trainer Tim Gentges warnt sein Team eindringlich davor, weniger als hundert Prozent zu investieren: „Wir dürfen Strombach nicht unterschätzen, sie haben schon einige Mannschaften vor enorme Probleme gestellt. Wir müssen über 60 Minuten konsequent unseren taktischen Plan verfolgen.“ Welche Folgen bereits ein paar Zentimeter weniger an Leidenschaft/Einsatz haben können, bekamen die Aldekerker vor knapp zwei Wochen sehr schmerzhaft zu spüren, als sie mit dem 30:31 in eigener Halle gegen den SSV Nümbrecht (Zehnter/7:11) nahezu aus allen Wolken fielen. Die Antwort darauf und der Hinweis auf die wahren Stärken seiner Mannschaft filterte Gentges dann direkt danach aus dem 34:32 bei den bis dahin auf Rang zwei liegenden Bonnern: „Der letzte Samstag hat uns gezeigt, wo wir leistungsmäßig stehen können. Der Samstag davor hat uns aber auch gezeigt, dass wir immer alles investieren müssen, um leistungsmäßig da zu stehen, wie wir in Bonn standen. Das gilt es jetzt halt gegen Gelpe/Strombach erneut auf die Platte zu bringen. Der Sieg in Bonn hat die Jungs auch vom Kopf her freier gemacht – aber ihnen auch vor Augen geführt, was man investieren muss. Wir müssen über 60 Minuten konsequent unseren taktischen Plan verfolgen. Wenn wir das alles beherzigen, dann haben wir sehr gute Chancen, das Spiel zu gewinnen.“ Dass die Linkshänder-Fraktion erneut dezimiert und zurzeit nur Rechtsaußen Thomas Plhak richtig fit ist, ändert nichts an der Aldekerker Idee für den Abschluss des Handball-Jahres 2025.

Hinter dem Top-Duo aus Korschenbroich und Weiden kämpfen zunächst die Dormagener um den direkten Kontakt nach vorne – was bei der weiter in den Rückspiegel und zu den Abstiegsplätzen blickenden HSG Refrath/Hand (Neunter/7:11) keine ganz einfache Aufgabe sein dürfte. Ähnliches gilt für die Bonner, die das Regionalliga-Jahr 2025 am Sonntagabend beim SSV Nümbrecht beenden. Der Aufsteiger konnte zwar lediglich eins seiner vergangenen sechs Spiele gewinnen, sorgte genau da allerdings durchs 31:30 in Aldekerk für ein ziemlich großes Staunen. Einen vergleichbaren Paukenschlag könnte kurz vor Weihnachten auch der inzwischen ans Tabellenende abgerutschte BTB Aachen (4:14) sehr gut gebrauchen, dessen bisher einziger Saisonsieg bereits weit über zwei Monate alt ist: Am 3. Oktober gabs das 26:23 gegen Unitas Haan. Anschließend wanderten zählbar nur noch ein 30:30 gegen den VfL Gummersbach II und ein 30:30 gegen Borussia Mönchengladbach (Zölfter/5:11) aufs schmal bestückte Konto. Ganz klar: Beides war für Duelle mit direkten Tabellen-Nachbarn in Heimspielen aus BTB-Sicht nachvollziehbar zu wenig. Aachens Trainer Simon Breuer und seine Mannschaft sind inzwischen um jeden Punkt verlegen und sie hoffen deshalb beim OSC Rheinhausen (Fünfter/10:8) auf einen ordentlichen Abschluss – was sich direkt nach dem jüngsten 29:35 im Derby gegen die Weidener so anhörte: „Wir werden noch mal alles reinwerfen und hoffentlich für eine kleine Überraschung sorgen.“ Weil Breuer jedoch auf der anderen Seite als Realist gilt, erwartet er natürlich, dass der OSC das alles ganz anders sieht. Und er weiß sowieso genau, wie viel Arbeit auf seine Mannschaft zukommt, weil Rheinhausen mit 312 Treffern in neun Spielen und einem Durchschnitt von 34,66 Toren pro Partie extrem viel offensives Potenzial besitzt. Erstaunlich eigentlich: Das Team des OSC-Trainergespanns Sascha Wistuba/Nico Biermann hat zu Hause bloß eins von bisher vier Spielen gewonnen. Gleichzeitig hat Aachen bei vier Auswärts-Einsätzen bislang gar nichts Zählbares geholt. Beinahe sicher ist immerhin, dass es spannend und sich eins von beiden ändern wird.