Regionalliga Nordrhein
Am Tabellenende: Aachen und die tausend Kleinigkeiten
Der BTB hat erst einen Sieg geholt - und ist deshalb Letzter. Trainer Simon Breuer und sein Team nehmen den Kampf an, der extrem schwierig wird. Korschenbroich bleibt selbst bei einer Niederlage in Bonn vorne.

In der Ruhe liegt die Kraft: Von Thomas Schmidt

Die Regionalliga ohne den BTB Aachen? Kaum vorstellbar. Und noch denkt auch keiner besonders ausdauernd daran, dass es vielleicht so kommen könnte – obwohl die Lage aus Aachener Sicht definitiv um Lichtjahre besser sein könnte. Die Mannschaft von Trainer Simon Breuer hat das Kalenderjahr 2025 mit der bescheidenen Ausbeute von 4:16 Punkten aus zehn Spielen hinter sich gebracht und sie geht entsprechend als Tabellenletzer ins neue Jahr 2026 – das fürs Team keine einzige einfache Aufgabe bereithält, sondern eher einen Dauerlauf an hohen bis höheren Hürden. Drei davon gehören noch zur Hinrunde – jene am Samstag gegen den TV Aldekerk (Sechster/11:9) sowie die am 17. Januar beim SSV Nümbrecht (Zehnter/9:11) und die am 24. Januar gegen die TSV Bonn rrh. (Fünfter/12:8). Was die Aachener auszeichnet: Von Panik ist weit und breit nichts zu erkennen, die Beteiligten nehmen die Situation an und sie suchen gleichzeitig intensiv nach einem Weg ans rettende Ufer. Breuer verweist zunächst aufs Offensichtliche: „Wenn man rein auf die Ergebnisse schaut, muss man sagen, dass wir unsere Heimspiele weniger gewonnen haben. Auswärts haben wir uns ja zuletzt schon immer sehr schwer getan. Wir hatten einige knappe Spiele dabei, gerade am Anfang gegen Korschenbroich und auch in Gelpe. Wenn wir da nicht unglücklich verlieren, gehen wir die anderen Spiele mit einem ganz anderen Selbstverständnis an. So war direkt viel Druck da.“ Nach dem 32:35 beim HC Gelpe/Strombach (Elfter/6:14) war der BTB auch beim folgenden 23:26 gegen den Spitzenreiter TV Korschenbroich (16:4) grundsätzlich auf Augenhöhe unterwegs, ging aber erneut leer aus. Es folgte am 3. Oktober mit dem 25:22 über Unitas Haan (Achter/10:10) ein hart erkämpfter Sieg – der allerdings bis heute der einzige auf dem Konto geblieben ist. 

Relativ teuer waren unter anderem die beiden folgenden Unentschieden (30:30/28:28) gegen die direkten Kellerkonkurrenten VfL Gummersbach II (13./5:13) und Borussia Mönchengladbach (Zwölfter/5:11). Eine der Ursachen aus Breuers Sicht: „Wir hatten in Tim Schnalle und Milan Monteiro Pai zwei wichtige Spieler angeschlagen/verletzt – auch wenn die öfter gespielt haben. In den wichtigen Spielen gegen Gummersbach II und gegen Gladbach haben sie einfach gefehlt. Tim ist zwar die ganze Zeit dabei, hat aber seit dem ersten Spiel, in dem er sich verletzt hat, nicht wirklich trainiert. Entsprechend ist das, was Vorbereitung und Zusammenspiel angeht, schwierig. Das sind einfach zwei wichtige Jungs für uns.“ Daran ganz alleine lag es allerdings nicht und bei der Ergründung der Ursachen ist der BTB-Trainer, der von der Suche nach Ausreden im Übrigen gar nichts hält, in einem anderen Punkt fündig gworden. „Was in den letzten Jahren gut geklappt hat, dass jeder seine kleine Aufgabe gut erfüllt, klappt in diesem Jahr nicht so hunderprozentig“, stellt Breuer fest, „wir verlieren nicht ständig hoch, aber wir sind dann immer diese Nuancen schwächer und weniger selbstbewusst. Wir sind auf jeden angewiesen, weil wir allgemein über das Kollektiv kommen und natürlich auch Spieler haben, die stärker oder schwächer sind – was wir über das Mannschaftliche ausgeglichen haben. In diesem Jahr sind es immer Kleinigkeiten, gerade in Heimspielen, die nicht für uns liefen. Vor allem haben wir in jedem Spiel ein Loch drin. Wir schauen natürlich, woran das liegen mag, letztlich bringt uns das aber nicht so viel weiter.“

Aktuell versuchen die Aachener, an dem einen oder anderen Puzzleteil zu arbeiten: „Wir haben rein taktisch offensiv wie defensiv ein, zwei Dinge, die wir mit dazunehmen oder verändern wollen – ohne Sachen, die gut gelaufen sind, ganz beiseitezulegen, um vielleicht flexibler als vorher zu sein. Wir werden immer wieder viel sprechen müssen, im Austausch bleiben untereinander und die eine oder andere mentale Schraube drehen, in der Ansprache etwas verändern, in der Herangehensweise vor Spielen unter der Woche – aber alles nur mit Kleinigkeiten, um den Schlüssel zu finden, dass uns das nachhaltig hilft. Die Situation ist schwierig und sie wird bis zum Ende schwierig bleiben. Wir werden alles versuchen, das auf den Weg zu bringen. Es ist aber klar, dass vieles davon abhängt, wie wir aus den Startlöchern kommen, oder dass wir erst mal ein weiteres Erfolgserlebnis haben. Natürlich brauchen wir ein paar mehr Siege und Punkte, aber es geht in erster Linie mal darum, ein Spiel zu gewinnen.“

Was den BTB jedoch bei allen guten Wünschen für sich selbst allgemein nicht überrascht, hat mit den Aldekerkern zu tun – die auf keinen Fall mehr als 100 Kilometer anreisen, um die Punkte dann aus lauter Höflichkeit oder Mitleid mit den Gastgebern ohne Gegenwehr abzuliefern. Obwohl die Aachener gleichzeitig sowieso viel Respekt vor dem Gegner haben, der in den vergangenen drei Serien in der 3. Liga unterwegs war, glauben sie an eine Chance. „Aldekerk ist ein bisschen eine Wundertüte dieses Jahr, da hat sich einiges getan im Kader“, findet Breuer, „da stellen sich immer wieder Schwankungen ein und wir müssen sehen, dass wir am Wochenende eine ausnutzen können, auch wenn die Vorbereitung suboptimal ist. In diesem Januar haben wir drei Heimspiele und das ist, wenn man das einfach umkehrt, eine Riesenchance für uns, uns im neuen Jahr direkt wieder auf einen guten Weg zu machen. Wir werden alles versuchen.“ Nach dem Duell mit dem TVA tritt der BTB am 17. Januar in Nümbrecht an, ehe er am 24. Januar die TSV Bonn rrh. erwartet und am 31. Januar zum Rückrunden-Beginn den HC Gelpe/Strombach.

Aldekerks Coach Tim Gentges schätzt zwar den Kollegen Simon Breuer, kann ihm allerdings tatsächlich keine Unterstützung im direkten Duell zusagen. Für die Aldekerker, die vor gut einem Monat am 6. Dezeber 2025 mit dem 30:31 zu Hause gegen die Nümbrechter einen Schuss vor den Bug bekamen, soll eher die eigene Serie weitergehen. Nach dem 34:32 in Bonn und dem 32:28 gegen Gelpe/Strombach sieht Gentges den TVA schließlich auf dem richtigen Weg – den sie nun rund um die Vogteihalle gerne fortsetzen wollen: „Schade, dass wir in die Pause mussten, da meine Mannschaft auf das Nümbrecht-Spiel eine sehr, sehr gute Reaktion gezeigt hat und ein deutlich anderes Gesicht. Wir waren richtig gut und es hat richtig Spaß gemacht – und daran gilt es anzuknüpfen. Das ist aber ein sehr undankbarer Start, denn man sollte sich vom Tabellenstand der Aachener nicht täuschen lassen. Da sind einige gute Handballer drin und Simon ist ein Trainer, der weiß, was er tut. Das wird eine knackige Aufgabe, aber wir wollen unsere Hausaufgaben machen, Das wird nur funktionieren, wenn wir genau diese Leistungsbereitschaft und die Frische im Kopf hinbekommen. Aachen kämpft auch um jeden Punkt. Es geht darum, deutlich zu zeigen, dass sie gerne Punkte holen können – nur nicht gegen uns.“ Unter dem Strich spricht einiges für einen spannenden Samstagabend in der Halle Gillesbachtal.

Der TV Korschenbroich verteidigt die Spitze, wenn er aus Bonn zumindest einen Punkt mitnimmt – was ihm die TSV nach dem 28:31 in Nümbrecht unmittelbar vor der Pause über Weihnachten und Neujahr kaum richtig einfach machen dürfte. „Das wird für uns schon eine echte Herausforderung“, sagt TVK-Frank Berblinger, vor seinem Wechsel nach Korschenbroich im Sommer 2024 selbst in Bonn tätig, „wir müssen an unsere Grenzen in der Deckung und im Angriff gehen.“ Theoretisch könnte sich der Tabellenführer sogar eine Niederlage erlauben, ohne Rang eins einzubüßen – weil der Zweite HC Weiden (16:6) und der Dritte TSV Bayer Dormagen (12:8) noch in der Pause sind: Sie hatten ihr mal fürs kommende Wochenende angesetzte Duell in den November 2025 vorgezogen. Weiden verlor damals in Dormagen klar mit 27:36 und ist im Moment trotzdem der einzige echte Verfolger des Tabellenführers. Der Vierte OSC Rheinhausen (12:8), der bei der Unitas Haan antritt (Zehnter/10:10), und die HSG am Hallo Essen (Siebter/11:9), die es mit der gefährdeten Borussia Mönchengladbach zu tun bekommt, wollen momentan in erster Linie ihre Position in der oberen Hälfte festigen. In die Kategorie Abstiegskampf gehört das oberbergische Derby zwischen Gelpe/Strombach und Nümbrecht, während der akut gefährdete VfL Gummersbach II und die nach drei Siegen aus den vergangenen vier Partien deutlich entlastete HSG Refrath/Hand (Neunter/9:11) den elften Spieltag erst am 27. März komplettieren.