Regionalliga Nordrhein
Halbzeitmeister: Korschenbroich oder Weiden?
TVK bleibt auf jeden Fall vorne, wenn er in Gelpe/Strombach gewinnt. Verfolger Weiden muss nach Essen. Unten brauchen besonders Aachen, Mönchengladbach und Gummersbach II weiter jeden Punkt.

Mit großen Schritten: Max Hartz (hier beim Wurf gegen Rheinhausens Torhüter Julian Seemann) und seine Korschenbroicher haben es selbst in der Hand, ob sie die Hinrunde als Erster beenden und damit den Weg in Richtung Aufstieg konsequent fortetzen. (Foto: Sven Frank)

Wo wird die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft fallen? Die Duelle mit den aktuell noch zwei wirklichen Verfolgern stehen für den Tabellenführer TV Korschenbroich erst am 21. Februar beim HC Weiden und am 14. März gegen den TSV Bayer Dormagen II auf dem Programm. Dass diese drei den Titel und damit das Recht zum Aufstieg in die 3. Liga unter sich ausmachen, darf für den Moment bereits vor dem finalen Spieltag der Hinrunde als beschlossene Sache gelten: Korschenbroich (20:4 Punkte) und Weiden (18:6) wirken gerade sehr stabil, während die Dormagener (14:8/eine Partie weniger) zuletzt mit ihrem 32:24 beim Vierten OSC Rheinhausen (14:10) sehr deutlich nachwiesen, was sie zumindest hin und wieder leisten können – und nicht zuetzt dann, wenn sie mit Verstärkung aus dem Zweitliga-Kader antreten können. So standen in Rheinhausen unter anderem auch Linksaußen Felix Böckenholt und Rückraumspieler Krischa Leis fürs Team von Trainer Peer Pütz auf der Regionalliga-Platte. Außerdem ist der TSV Bayer die einzige Mannschaft, die den TVK in dieser Saison bezwingen konnte – mit dem 28:27 am 15. November im Sportcenter. Auf dem Weg zu den Spitzenspielen muss Korschenbroich jetzt trotzdem zuerst ein paar andere Hausaufgaben machen und schon Teil eins am Samstag beim HC Gelpe/Strombach (Zehnter/10:14) wird nicht ganz ungefährlich. „Uns erwartet uns wie in den übrigen Begegnungen in dieser starken Regionalliga Nordrhein kein einfaches Spiel“, findet TVK-Trainer Frank Berblinger, „aber wir fahren nach Gummersbach, um die Hinrunde positiv zu beenden. Wir wollen mit einer kompakten Deckung und unserem Tempospiel mit einem Erfolgserlebnis nach Korschenbroich zurückkehren.“ Ähnliches gilt für die Aufgaben am 1. Februar bei der HSG Refrath/Hand (Achter/11:11) und am 7. Februar beim BTB Aachen (Zwölfter/7:17), zumal die Konkurrenz jeden Ausrutscher des Tabellenführers sicher gerne annehmen würde.

Dormagen muss/will seine Position im oberen Drittel nun gegen den TV Aldekerk verteidigen, der als Sechster bei 13:11 Punkten selbst keine Chancen mehr oder höchstens sehr geringe auf eine Top-Platzierung hat. Ein Kernproblem: Dem Team von Trainer Tim Gentges geht die Konstanz ab und so kassierte der Drittliga-Absteiger in den vergangenen fünf Partien zwei Niederlagen gegen um den Klassenerhalt kämpfende Konkurrenten – 30:31 gegen den SSV Nümbrecht (Elfter/10:14), 30:33 in Aachen. Auch das jüngste 28:27 gegen Unitas Haan (Neunter/10:14) war aus der Sicht der Gastgeber nicht maximal überzeugend. Für Gentges ist es kein Rätsel, was in Dormagen auf seine Mannschaft zukommt und was sie für ein gutes Ergebnis tun muss: „Das wird eine sehr, sehr knackige Aufgabe. Das ist eine top ausgebildete Mannschaft und wir müssen an unser Limit kommen, um in Dormagen zu bestehen und/oder zwei Punkte mitzunehmen. Die Jungs sind gewillt und heiß darauf, mal wieder einen von oben zu schlagen, aber wir müssen eine deutliche Steigerung zu Haan zeigen. Wir müssen über 60 Minuten eine stabile und rigorose Abwehr hinstellen, wir brauchen zwei gut aufgelegte Torhüter, wir brauchen ein kluges und langes Angriffsspiel und die nötige Effektivität. Wir haben einige Ausfälle, aber davon dürften wir uns nicht aufhalten lassen. Wir müssen uns von der ersten Minute an und schon beim Aufwärmen selbst puschen. Ich bin aber guter Dinge, die Trainingswoche war extrem gut und das hat Spaß gemacht. Wir werden alles daransetzen, zu gewinnen.“

Der OSC Rheinhausen weiß, dass er nach dem offensiven Saison-Minusrekord vom 24:32 gegen Dormagen II auf jeden Fall seine Abschluss-Quote steigern sollte, weil ihm sonst selbst beim Schlusslicht VfL Gummersbach II (5:15) vielleicht eine weitere Niederlage droht. Der Fünfte HSG am Hallo Essen (13:11), zuletzt mit dem 27:29 bei der HSG Refrath/Hand (Achter/11:11) eher träge und schwach unterwegs, prüft nun die Weidener, die mit vier Siegen hintereinander im Rücken antreten und dabei in jedem dieser vier Spiele deutlich mehr als 30 Treffer erzielten – insgesamt 146, was einem Durchschnitt von 36,50 Treffern pro Einsatz entspricht. HC-Trainer Marc Schlingensief geht allerdings davon aus, dass sich die Weidener dafür allein nicht viel werden kaufen können: „Uns erwartet ein dickes Brett. Das Team aus Essen besteht zu großen Teilen aus erfahrenen Spielern, die erwartungsgemäß in der oberen Tabellenhälfte stehen. Angeführt werden sie von Matthis Blum, der nicht nur sehr torgefährlich ist, sondern vor allem seine Mitspieler gut in Szene setzt. Wir müssen es hinkriegen, dass wir sie trotz der Erfahrung zum Nachdenken bekommen und stressen. Das bekommen wir hin, wenn wir aktiv und leidenschaftlich verteidigen im Kollektiv. Im Angriff brauchen wir, wie in den letzten Wochen auch sehr gut praktiziert, die richtigen Ideen und Umsetzungen. Das bedeutet, dass wir variabel auf die gestellten Aufgaben reagieren und mit einer hohen Effektivität arbeiten. Personell ist es leider wieder etwas übersichtlicher. Kommen wir aber an unser Leistungslimit, können wir natürlich etwas mitnehmen aus Essen.“

Als Schlusslicht der oberen Hälfte kommt im Moment die TSV Bonn rrh. daher, die Anfang Dezember 2025 noch zu den Top-Teams gehörte, in der Folge allerdings den Faden verlor, vier Niederlagen hintereinander einstecken musste und dabei sogar drei Heimspiele in Folge abgeben musste – wobei das jüngste 29:37 gegen den HC Gelpe/Strombach mit am Ende acht Toren Differenz besonders schmerzhaft ausfiel. Nun tritt das Team von Trainer Florian Benningshoff-Lühl beim BTB Aachen an, der mitten im Kampf gegen den Abstieg steckt und auf Bonner Nöte weder Rücksicht nehmen kann noch will. Mit dem 33:30 gegen den TV Aldekerk und dem 28:28 in Nümbrecht hat die Mannschaft von BTB-Trainer Simon Breuer zwar einen kleinen Schritt nach vorne gemacht und das Tabellenende verlassen – aber der Vorletzte Borussia Mönchengladbach und der Letzte Gummerbach II (beide 5:15) sind mit jeweils zwei Spielen in Rückstand und haben zwei Minuspunkte weniger auf dem Konto. Sollte den Aachenern jetzt gegen eine aus dem Rhythmus geratene TSV erneut einen Heimsieg landen, wären sie noch besser zurück im Geschäft. Was sie beim BTB allerdings einkalkulieren: Freiwillig wird Bonn die Punkte nicht in der Halle Gillesbachtal lassen. Ganz im Zeichen des Versuchs, einen Platz am rettenden Ufer zu ergattern, steht auch die Partie der um jeden Zähler verlegenen Möchengladbacher gegen die HSG Refrath/Hand, die vier ihrer vergangenen fünf Aufgaben erfolgreich lösen konnte und dabei auch zwei Mal hintereinander gegen über ihr angesiedelte Klubs gewann – 33:31 gegen Dormagen II, 29:27 gegen HSG am Hallo Essen. Was das auch aus der Sicht des Refrather Trainers Kelvin Tacke bedeuet? Eher nichts. Diese Regionalliga ist immer wieder für neue Wendungen gut.