Regionalliga Nordrhein
Irre Refrather ringen auch Korschenbroich nieder
HSG gewinnt mit 33:32 gegen den Spitzenreiter TVK, der zum zweiten Mal in Folge verliert - wie Weiden mit dem 35:38 in Mönchengladbach. Die Borussia und Aachen machen unten weiter Boden gut.

Der Möglichmacher: Trainer Kelvin Tacke bescheinigte seinen Refrathern nach dem Coup gegen Korschenbroich eine einwandfreie Leistung. (Foto: Thomas Schmidt)

HSG Refrath/Hand – TV Korschenbroich 33:32 (14:16). Die Straße war ja bereitet und die Korschenbroicher hatten vermutlich vor, die angedachte Route ohne größeres Federlesen zu beschreiten – irgendwie als entsprechende Antwort auf das 29:32 zuletzt beim eher um den Klassenerhalt kämpfenden HC Gelpe/Strombach (Neunter/12:16 Punkte) und als Hinweis an die Konkurrenz, dass am besten niemand mit einer eventuell längeren Schwächephase des Spitzenreiters rechnen möge. Dass sich die Niederlage im Oberbergischen mit ein bisschen Verzögerung zunächst sowieso nicht gravierend auf die Stellung des Spitzenreiters auswirken sollte, lag dann zusätzlich erst mal auch an den Resultaten der Mitbewerber. Der TSV Bayer Dormagen II büßte im Nachholspiel am vergangenen Mittwoch gegen Borussia Mönchengladbach (13./8:18) in letzter Sekunde einen Zähler ein – und den bis dahin ersten Verfolger HC Weiden erwischte es gleich zweimal hintereinander – erst 22:25 bei der HSG am Hallo Essen (Vierter/17:11), nun 35:38 in Mönchengladbach. Und was machten die Korschenbroicher an diesem Sonntagnachmittag daraus? Unter dem Strich nichts, weil sie die gute Ausgangslage am Anfang der zweiten Halbzeit wieder einbüßten – und in einem dramatischen Finale selbst ein Unentschieden verpassten. Nach dem 30:33 (56.) konnte sich der TVK noch auf 32:33 (59.) heranarbeiten, ging jedoch wenig später leer aus – obwohl es Refrath auch noch mal etwas spannend machte, als Lars Branding genau 14 Sekunden vor dem Ende mit seinem Siebenmeter-Versuch scheiterte. Unter dem Strich zeigten die Refrather erneut, warum sie in den beiden Heimspielen zuvor sowohl die Dormagener (33:31) als auch die Essener (29:27) besiegt – und dadurch ihre Basis für den Kampf um den Klassenerhalt deutlich verbreitert hatten. Mit dem sechsten Platz und einem mittlerweile positiven Konto (15:11) steht die HSG nun fast perfekt da, während Korschenbroich bei 20:8 Zählern verstärkt in den Rückspiegel schauen muss: Dormagen als neuer erster Verfolger (19:9) hat fast aufgeschlossen und liegt nur noch einen Punkt zurück.

Refrath eröffnete die Partie mit dem 1:0 (1.) von Conradin Willers, ehe der Tabellenführer seiner Stellung vorübergehend gerecht wurde und den ersten Durchgang für einen längeren Zeitraum kontrollierte – 9:7 (15.), 14:10 (24.), 15:11 (26.). Die Hausherren gaben aber nicht auf, sondern sie steigerten ihre Intensität eher, waren mit dem 14:16 (30.) zur Pause wieder dran und gerieten doch noch mal mit drei Toren ins Hintertreffen. Das 18:21 (37.) war trotzdem irgendwie ein Turboschalter für Refrath, das nun in einer ganz starken Phase über einen 5:0-Lauf zum 23:21 (41.) die komplette Partie drehte und zugleich die Basis für reichlich Spannung legte – 24:24 (44.), 26:26 (48.). Auch nicht hilfreich für die Gäste: Beim Stande von 27:26 für die HSG verpasste Jan Magnus König beim Siebenmeter die Chance zum Ausgleich (49.) und auf der anderen Seite traf Refrath erst zum 28:26 (50.) sowie kurz darauf zum 29:26 (51.). Die drei Tore mehr transportierten die Hausherren dann in die Schlussphase hinein, als sie das 32:29 (55.) und 33:30 (56.) erzielten. Der Rest waren ein intensives Anrennen der Korschenbroicher und eine genauso intensive Gegenwehr der Hausherren bis zum Happy End. Ebenfalls glücklich war hinterher HSG-Trainer Kelvin Tacke: „Das war gerade in der zweiten Halbzeit ein überragender Kampf der Jungs. Auch haben wir es geschafft, die einfachen Fehler, die wir in der ersten Hälfte hatten, zu reduzieren, und wir konnten unser Tempospiel besser umsetzen. Entscheidend war unsere bewegliche Abwehr zusammen mit einer guten Leistung beider Torhüter.“ Deutlich weniger begeistert wirkte Korschenbroichs Coach Berlinger, der sich sogar deutlich frustriert äußerte: „Wir führen zur Halbzeit mit zwei Toren, müssen aber normalerweise mit vier, fünf oder sechs plus in die Pause gehen. Nach der Halbzeit haben wir ein paar schlechte Minuten, diesmal in der Deckung und im Angriff. Wir kämpfen uns wieder ran und am Ende schaffen wir es trotzdem nicht, wenigstens den Punkt mitzunehmen. Wir sind, wie in der letzten Woche, an uns selbst gescheitert. Das war absolut unnötig und wir sind mega-enttäuscht. Dieses Wochenende und letztes Wochenende spielt die Konkurrenz für uns und zwei Mal können wir die Chance nicht nutzen, uns ein Stück weit abzusetzen. Darüber müssen wir reden und schauen, dass wir die Köpfe schnellstmöglich wieder nach oben kriegen. Nichtsdestotrotz sind wir immer noch Erster und wir haben alles in der eigenen Hand. Aber wir müssen schleunigst zusehen, dass die Selbstverständlichkeit wieder reinkommt, dass die Effektivität wieder reinkommt.“

HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer – Neukirch (4), Branding, Willers (5), Faust (2), Geerkens (1), Bürger (2), Georgi, Schrage (1), Noll (11/5), Merz, Speckmann (1), Tent, Dibowski (6).

TV Korschenbroich: Bartmann, Köß – Schiffmann (2), Krantzen (5), Eugler (3), Hartz (5), Brinkhues, Wolf (2), König (2/1), Zimmermann (10), Bxüscher (2/1), Franz (1), Bitzel.

 

HSG am Hallo Essen – OSC Rheinhausen 39:30 (18:15). Wer aktuell die Nummer eins im Ruhrgebiet ist? Nach diesem Neun-Tore-Sieg beim Rückrunden-Auftakt geht dieser „Titel“ zunächst an den Aufsteiger aus Essen, der zum Saisonstart vor vier Monaten ein 30:30 aus Rheinhausen mitgenommen hatte und nun im direkten Vergleich klar vorne liegt. Auch in der Tabelle wirkte sich das Ergebnis aus, denn die HSG zog bei nun erreichten 17:11 Punkten vorbei am OSC und löste den bei 16:12 Zählern stehenden Nachbarn auf Platz vier ab. Zumindest Essens Trainer Niklas Rolf konnte dann auch mit dem Verlauf des Abends einiges anfangen: „Es war das erwartete Offensiv-Spektakel, es war ein sehr schnelles und athletisches Spiel. Die 30 Gegentore geben das zunächst gar nicht her, aber wir haben den OSC im stehenden Angriff sehr gut unter Kontrolle gekriegt. Lukas Hüller haben wir nicht immer verteidigt bekommen, aber ich bin sehr zufrieden mit unserer Abwehr. Wir haben von beiden Torhütern gute Paraden bekommen und vorne haben wir endlich mal Team-Handball gespielt. Man sieht da eine Entwicklung. Das ist ein verdienter Sieg und ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat sehr gut den Fight angenommen. Jetzt geht es weiter, Schritt für Schritt und Spiel für Spiel.“ Für Rolf war die Partie persönlich was Besonderes: Am 20. September 2025 stand er beim Unentschieden in Rheinhausen noch als Spieler auf der Platte und zog sich dabei jene Schulterverletzung zu, die ihn für den aktiven Handball bis auf Weiteres auf Eis legt. Als die HSG dann im November einen Nachfolger für den zurückgetretenen Trainer Felix Linden suchte, war die Lösung rasch gefunden: Rolf übernahm das Amt und er steht seitdem nach einer Art Rollenwechsel selbst an der Seitenlinie.

Das Team des OSC-Trainergespanns Sascha Wistuba/Nico Biermann ging zunächst übers 1:0 (2.) mit 2:1 (4.) in Führung und legte dann auch das 5:3 (9.) sowie das 6:5 (12.) vor, lief aber ab dem 7:8 (15.) für den Rest der Partie hinterher. Bis zum 11:12 (19.) blieb das Duell ausgeglichen, ehe sich die Waage erkennbarer auf die Seite der Hausherren neigte – 15:12 (22.), 17:14 (27.), 19:15 (32.). Nach dem 23:18 (41.) hielt Essen den Vorsprung fürs letzte Drittel bei mindestens fünf Treffern, bevor es auf der Zielgeraden ab dem 33:28 (53.) noch einmal zusätzlichen Spaß an der Partie fand. Fünf Tore in Folge brachten mit dem 38:28 (58.) sogar ein Zehn-Tore-Polster und Rheinhausen konnte die Pleite durch zwei Treffer von Max Molsner und Felix Käsler in der 59. Minute soeben in den einstelligen Bereich zurückholen. Die bisher höchste Niederlage in dieser Saison bleibt es trotzdem – und für die Essener ist es gleichzeitig wenig überraschend der klarste Erfolg nach dem Aufstieg. „Die Chancenauswertung war nicht gut, das Torhüterduell geht klar an Essen. Heute war gegen gut aufgelegte Essener nichts zu holen“, stellte OS-Coach Wistuba enttäuscht fest, „wir waren in vielen Aktionen zu zaghaft und zurückhaltend. Die Niederlage fällt am Ende etwas zu hoch aus, da wir hinten aufmachen, ist aber verdient.“ Sein Folgerung für die nächste Aufgabe gegen Borussia Mönchengladbach (13./8:18) am kommenden Samstag: „Wir sind gewarnt. Sie spielen die letzten Spiele sehr gut und wir brauchen wir überall 20 Prozent mehr, um wieder als Sieger vom Platz zu gehen.“

HSG am Hallo Essen: Stecken (1), Christmann – Blum (10/4), Sinkovec (4), K- Bekston, Ciupinski (6), Enders (2), Szczesny (7), Ellwanger (3), Lange, Basic (2/2), Genkel, A. Bekston (1), Meyer, Basholli, Schupe (3).

OSC Rheinhausen: Lenz, Zimmermann – Adrian (2/1), Rippelmeier, Mook, Ernst (7), Kauwetter, Dreier, Zwarg (3), Hüller (8/2), M. Molsner (1), Käsler (6), Kölsch (2), Schlögl (1).

 

Borussia Mönchengladbach – HC Weiden 38:35 (17:13). Der eine Traum lebt und die Mönchengladbacher haben weiter eine Chance auf den Klassenerhalt. Nach einem schmerzhaften Start ins Kalenderjahr 2026 mit drei zum Teil sehr unglücklichen Niederlagen hatte die Mannschaft von Trainer Ronny Rogawska in der vergangenen Woche zunächst im Nachholspiel beim damaligen Dritten TSV Bayer Dormagen II (jetzt Zweiter/19:9 Punkte) ein wertvolles Unentschieden geholt. Die neu entstandene Hoffnung konnte Mönchengladbach nun offensichtlich ins Heimspiel gegen Weiden transportieren, das bis vor Kurzem sehr stabil unterwegs war – und als der einzige echte Verfolger des Spitzenreiters TV Korschenbroich (20:8) galt. Weil die Hausherren über 55 der 60 Minuten vorne lagen, ging der Sieg auch in Ordnung, und Rogawska wertet ihn als zusätzliche Bestätigung: „Wir haben heute gesehen, wozu wir in der Lage sind. Wir waren von Anfang an mega-gallig in der Abwehr, wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft kaum Chancen zugelassen und Matthias Hoffmann hat eine super Torwartleistung gezeigt. Unter dem Strich war es eine coole Mannschaftsleistung. Riesenlob an alle.“ Seine Mannschaft belegt zwar mit 8:18 Punkten als Vorletzter weiter einen Abstiegsplatz, hat aber inzwischen mit einem Spiel weniger den direkten Kontakt zur Konkurrenz: Besonders der ebenfalls aufgestiegene Zwölfte SSV Nümbrecht (10:16) liegt nicht besonders weit weg. Weiden gehört demgegenüber als Dritter mit 18:10 Zählern unverändert zur Spitzengruppe, hat jedoch aufgrund des 22:25 vor einer Woche bei der HSG am Hallo Essen (Vierter/17:11) und der jetzigen Niederlage in Mönchengladbach einiges an Boden verloren. HC-Trainer Marc Schlingensief redete hinterher nicht um den heißen Brei herum. „Man muss auch sagen, dass Gladbach für das Spiel gebrannt hat und sie wollten mit allen Mitteln gewinnen. Dieses Feuer wurde bei uns erst entfacht, als es im Prinzip schon zu spät war. Das Spiel verlieren wir aber nicht hinten heraus, sondern in der ersten Halbzeit.“ Ganz nebenbei zeigte er sich selbstkritisch: „Wir kommen an sich ganz gut rein ins Spiel – verlieren aber dann zu schnell die Kontrolle und liegen folgerichtig hinten. Unser Problem war vorrangig vorne, wo wir nicht die richtigen Lösungen gefunden haben. Das muss ich mir auch ankreiden, da ich hier auf die falschen taktischen Mittel gesetzt habe.“

Nach dem 3:3 (5.) bekamen die Hausherren das Spiel immer besser in den Griff und nach dem 8:7 (15.) setzten sie sich schrittweise ab – 12:8 (21.), 14:10 (26.), 16:10 (28.). Dass die Borussia in der zweiten Halbzeit ab der 34. Minute ohne Rückraumspieler Niklas Weis weitermachen musste (Rote Karte), wirkte sich zunächst nicht erkennbar aus – weil sie aus dem dort verbuchten 20:15 (33.) sogar eine 25:17-Führung (39.) machen konnte. Für Rogwaska sah das Folgende so aus: „Mir war klar, dass wir so in der zweiten Halbzeit vielleicht nicht weiterspielen könnten, aber es hat bis zur 40. Minute gut geklappt. Dann sind wir ein bisschen ins Schwimmen geraten, weil uns Weiden durch eine doppelte Manndeckung gezwungen hat, im Angriff sehr schnell zu verfahren – und wir hatten Abschluss-Probleme. Bis drei Minuten vor Schluss müssen wir dann um den Sieg kämpfen.“ Weiden war tatsächlich rasch auf 22:25 (44.) dran und schien wieder komplett in die Partie zurückzukehren. „Beim 17:25 gehen wir in eine offenen Deckung und holen hieraus auch genügend Ballgewinne“, sagte Coach Schlingensief, „dann sind es am Ende zwei, drei Kleinigkeiten, dass wir das Spiel nicht komplett drehen können.“ Bis zum 33:34 (58.) durch Maxim Rojko kamen die Gäste noch heran, ehe Manuel Bremges und Jordi Weisz in derselben Minute auf 35:33 und 36:33 erhöhten. Anschließend vergab Joshua Frauenrath für Weiden eine Siebenmeter-Chance und Domenik Roth mit dem 37:33 (59.) sowie Niklas Berner mit dem 38:33 (59.) ließen die Gastgeber endgültig jubeln.

Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann, Erkes – Dicks (2), Jennes (1), Weis (5), Herholz (3), Bremges (3), Semrau, Weisz (4/2), Berner (8), Westhofen (2), Nix (2), Lipok (6), Markovic, Slabospytskyi, Roth (2).

HC Weiden: Rüttgers, Riechmann – T. Meurer (4). J. Frauenrath (7/3), Scheidtweiler (2), Wolff (1), Xhonneux (4), Rojko (6), Floßbach (1), Bösel (1), K. Frauenrath (2), Richter, Bergerhausen (3), Stolzenberg (1), Eissa (3).

 

BTB Aachen – HC Gelpe/Strombach 32:28 (16:17). Es war das absolute Spitzenspiel dieses Regionalliga-Wochenendes – zumindest, wenn man nur die Tabelle des Jahres 2026 betrachtet. Da standen die Gäste aus dem Oberbergischen vor der relativ weiten Fahrt an die Grenze zu Belgien und den Niederlanden mit der makellosen Bilanz von 6:0 Punkten als Erster ganz oben, während die Aachener für den gleichen Zeitraum 5:1 Zähler aufzuweisen hatten. Durch den Sieg am Samstagabend ist der BTB jetzt mit 7:1 Punkten „Spitzenreiter 2026“. Viel kaufen kann sich die Mannschaft von Trainer Simon Breuer hiervon aber noch nicht und in der harten Realität ist dieser Traumstart vor allem die Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Aachener weiter berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen dürfen. Für den Moment steht Breuers Team mit 11:17 Punkten als Elfter auf dem ersten ganz sicheren Nicht-Abstiegsplatz. Der Vorsprung auf den SSV Nümbrecht (Zwölfter/10:18) sowie auf Borussia Mönchengladbach (13./8:18) und den VfL Gummersbach II (14./5:19) ist jedoch alles andere als komfortabel und insbesondere die Borussia zeigte in dieser Woche mit drei Punkten aus zwei Spielen, dass sie sich ebenfalls kein bisschen geschlagen gibt. Klare Sache: Den Aachenern steht vermutlich noch ein hartes Stück Arbeit bevor und an „Spitzenspiele“ werden sie beim BTB eher keine Gedanken verschwenden – auch nicht mit dem Blick zur Aufgabe am kommenden Samstag beim tatsächlichen Tabellenführer TV Korschenbroich (20:8).

Trotz der langen Anreise fand der HC deutlich besser in die Begegnung. Beim 1:6 (6.) musste Breuer seine Mannschaft zu einer ersten Auszeit bitten (6.). Erst nach dem 4:10 (14.) bekamen die Aachener Stück für Stück einen besseren Zugriff auf die Partie und sie glichen beim 13:13 (23.) sogar schon wieder aus. In der zweiten Hälfte drehte der BTB das 16:18 (33.) zum 19:18 (37.) und das 20:21 (44.) zum 24:21 (49.). Folge: Ab da war der Knoten bei den Hausherren geplatzt und nach dem 29:24 (54.) geriet der Sieg in der Schlussphase nicht mehr in Gefahr. „Wir haben uns zurückgefightet mit einer dann wieder guten Defensiv-Torwart-Kombination bis zum Ende des Spiels mit einem guten Louis Zaghloul im Tor. Und vorne haben wir unsere Chancen genutzt, geduldig gespielt und letztlich einfach verdient gewonnen gegen eine Mannschaft, die aktuell auch einen guten Lauf hatte und sehr selbstbewusst aufgetreten ist. Sich da gegen diese Widerstände zur Wehr gesetzt zu haben, macht uns natürlich in diesem Moment ein Stück weit stolz. Nächste Woche fahren wir nach Korschenbroich und auch da wollen wir versuchen, unsere Chance zu nutzen. Mit solchen Auftritten wie aktuell haben wir unsere Chance und wir wollen diesen Lauf weiter mitnehmen, solange es geht“, sagte BTB-Coach Breuer.

BTB Aachen: Zaghloul (2), Schüler – Huckemann, Jacobs (11/8), Horn (2), Wudtke (4), Büchel, Käsgen (1), Wagner (4), Schmitz, Münster (2), Herzog, Denert, Schnalle (4), Panse (2).

HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger, Maier (10/5), Altjohann, Pötz (4), Viebahn (3), Soldanski (5), Heinzerling (3), Roth, Müller, Meinhardt (2), Walch, Rostalski (1).

 

VfL Gummersbach II – TV Aldekerk 29:32 (14:13). Es wäre schon peinlich gewesen, wenn die Aldekerker verloren hätten – aber nicht, weil die mit der jüngsten Mannschaft der Regionalliga auf dem letzten Tabellenplatz liegenden Gummersbacher (5:19 Punkte) als Außenseiter gelten mussten. VfL-Trainer Jan Schwenzfeier hatte diesmal auch einen besonders heftigen personellen Mangel zu verwalten: Neben den beiden Torhütern Tjorven Knackstedt (18) und Lars Machnacz (19) standen dem VfL lediglich acht Feldspieler aus den Jahrgängen 2007 und 2008 zur Verfügung. Bis zur 45. Minute und dem 21:23-Rückstand drohte den Aldekerkern dann trotzdem eine Niederlage – und Co-Trainer Nils Wallrath war hinterher vor allem erleichtert: „Das war ein hartes Stück Arbeit gegen aufopferungsvoll kämpfende Gummersbacher. Nach der zweiten Roten Karte kommen wir ein bisschen besser ins Spiel und drehen auch das Spiel. Wir müssen uns trotzdem den Vorwurf gefallen lassen, dass wir hier nicht mit hundert Prozent Einstellung hinfahren, das ist leider immer wieder ein Problem bei einer so jungen Mannschaft. Darauf weisen wir permanent hin, dass wir viele Spiele über die Einstellung gewinnen können. Jetzt nehmen wir die zwei Punkte dankend mit.“ Als Siebter steht der TVA nun mit 15:13 Punkten unverändert im gesicherten Mittelfeld, während die Gummersbacher (5:19) als Schlusslicht mittlerweile einen weiteren Weg ans rettende Ufer haben – und das Derby am nächsten Samstag gegen den SSV Nümbrecht (Zwölfter/10:18) wohl dringend gewinnen müssen, um mit halbwegs realistischen Aussichten auf den Klassenerhalt weitermachen zu können. Schwenzfeier war trotz der schwierigen Lage weit davon entfernt, seinem Team einen Vorwurf zu machen: „Die Vorzeichen waren für uns schlecht ohne Rechtsaußen und mit drei Rückraumspielern waren wir nur zehn Spieler. Nichtsdestotrotz ist in den ersten 45 Minuten unser Plan sehr gut aufgegangen. Wir haben versucht, Aldekerk mit einer offensiven Deckung unter Druck zu setzen, und das ist uns bis dahin ganz gut gelungen. Es steht irgendwann 23:22 für uns und dann macht sich eben der Kraftverschließ bemerkbar. Aus meiner Sicht verpassen wir es vorher, ein bisschen höher in Führung zu gehen. Das kann Aldekerk am Ende mit deutlich mehr Breite im Kader beantworten.“

Der TVA startete nach der gut 130 Kilometer weiten Anreise mit durchaus größeren Schwierigkeiten und er lag früh mit 2:6 (5.) im Hintertreffen, kämpfte sich aber zurück und übernahm sogar selbst die Führung – 8:7 (11.), 12:10 (21.). Anschließend lief das Duell bis zum 17:17 (36.) in der zweiten Halbzeit komplett auf Augenhöhe, ehe wieder die Hausherren regelmäßig vorlegten und beim 22:20 (44.) längst eine noch größere Gefahr für Aldekerk waren. Danach kassierte der Drittliga-Absteiger erst das 21:23 (45.) und gleichzeitig die Rote Karte gegen Steffen Hahn – was ihn nicht daran hinderte, aus dem Rückstand ein 23:23 (47.) zu machen. Nach dem 24:23 (48.) durch Maximilian Tobae sah Thomas Brockmann ebenfalls die Rote Karte (49.) und trotzdem konnte Fabian Küsters auf 25:23 (50.) erhöhen. Frei war der Weg zum Sieg damit allerdings immer noch nicht für die Gäste, die auf den 24:25-Anschluss (50.) des VfL erst ein paar Minuten verzögert antworteten, als sie aus dem 27:25 (52.) das 28:25 (55.) und 29:25 (56.) machten. Letzte Zweifel beseitigte allerdings erst Fabian Küsters  mit dem 31:27 (59.) genau 80 Sekunden vor der Schluss-Sirene.

VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt – Shimizu, Kübler, Rath (9/3), Haglund (7), Kiesewalter, Patzelt (5), Ulmerich (3), Riedel (5).

TV Aldekerk: Buchmüller, Schoemackers – Grützner (3), Poot, Brockmann, Plhak (7/3), Hahn, Könnes (3), Perey (2), Tobae (6), Küsters (4), Kahl (2), Niederholz (1), Thelen, Rutten (4).

 

Unitas Haan – TSV Bonn rrh. 31:22 (15:12). Sind das wirklich noch jene Bonner, die vor nicht mal zwei Monaten nach einem 38:34-Sieg beim OSC Rheinhausen (Fünfter/16:12) auf der Sonnenseite des Handballs standen und mit 12:4 Punkten zu den Top-Teams in der Regionalliga gehörten? Seit diesem 6. Dezember 2025 jedenfalls hat die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl ziemlich jeden Faden sowie den einstigen Schwung verloren – und sie setzte die Talfahrt auch in Haan fort und verlor schon zum sechsten Mal hintereinander, sodass sie sich vorsichtshalber umorientieren sollte. Bei 12:16 Zählern ist die Mannschaft von Trainer Florian Benninghoff-Lühl inzwischen auf Rang zehn abgerutscht und sie steht jetzt – woran bis vor Kurzem keiner gedacht hatte – fast mitten im Abstiegskampf. Die Distanz zum mittlerweile vier Mal in Folge ungeschlagenen Elften BTB Aachen (11:17) ist praktisch nicht mehr vorhanden und selbst der Zwölfte SSV Nümbrecht (10:18) liegt nur zwei Punkte entfernt. Von hinten drückt außerdem zumindest der Vorletzte Borussia Mönchengladbach (8:18), der  durch gute Auftritte in der jüngeren Vergangenheit den Anschluss gefunden hat. In der Summe braucht Bonn nicht nur für die bevorstehende Aufgabe am nächsten Samstag gegen den TSV Bayer Dormagen II (Zweiter/19:9) eine massive Steigerung, sondern auch für die Partien nach Karneval am 21. Februar beim Letzten VfL Gummersbach II (5:19), am 28. Februar gegen die HSG am Hallo Essen (Vierter/17:11) und am 7. März in Mönchengladbach. Sicher ist dabei nur, dass die TSV mit ihrer derzeitigen Formkurve in keine der bevorstehenden Partien als Favorit geht. Für Benninghoff-Lühl steht ebenfalls fest, dass die Bonner in Gefahr sind: „Ich bin so gar nicht zufrieden mit der Leistung, die wir heute gebracht haben, das war eine unserer schwächeren. Und das brauchen wir gerade nicht. Wer die Tabelle lesen kann, der muss so langsam, aber sicher verstehen, dass wir uns mit zwölf Punkten ganz bestimmt nicht ausruhen können, sondern dass wir hart arbeiten müssen, damit wir nicht noch tiefer unten reinrutschen.“

Einer der Gründe dafür, dass Bonn praktisch nie ein Gegner auf Augenhöhe sein konnte: Die Gäste bekamen insgesamt zwölf Siebenmeter zugesprochen, wussten allerdings nur fünf davon zu nutzen. Nach dem 0:3 (5.) und 3:7 (10.) brachte eine Auszeit beim Stande von 4:8 (11.) vorübergehend etwas Besserung und Bonn verkürzte auf 8:9 (17.) oder 10:11 (21.), doch mit dem 10:15 (29.) gab es erneut eine größere Hypothek – und in der zweiten Halbzeit fiel bald die Entscheidung. Vom 16:14 (34.) zog Haan durch eine 6:0-Serie auf 23:14 (45.) weg, immer wieder großzügig von den Gästen unterstützt. „Wir haben leider da weitergemacht, wo wir zuletzt aufgehört haben, und einfache, freie Bälle verworfen“, sagte Benninghoff-Lühl, „und was man in Haan nicht machen darf – wir ziehen uns nicht ordentlich zurück und laufen so direkt einem Rückstand hinterher. In der zweiten Halbzeit schaufeln wir weiter an unserem Grab, indem wir in der entscheidenden Phase den Anschluss verlieren. Wir verwerfen vier Siebenmeter in Folge und bei minus acht in Haan, zwischenzeitlich sogar minus zehn, ist es dann gegessen.“ Nach dem 18:26 (52.) nahm die TSV noch einmal eine Auszeit, die allerdings mäßig wirkte – 18:28 (54.) 21:31 (59.). Worin sich die Gäste auf jeden Fall treu blieben: Sie ließen in der Endphase erneut Siebenmeter liegen (zwei). Der Treffer von Kevin Fricke holte die Lücke zur Unitas zwar in der letzten Minute in den einstelligen Bereich zurück, doch viel anfangen konnte Bonn mit neun Toren Unterschied sicher auch nicht. 

Unitas Haan: Seher, Joest – Schulz (4), Mensger (8/2), Wöstmann (6), Brandenburg (3), Maesch, Hinkelmann, Rath (3), Völker (3), Austrup (4).

TSV Bonn rrh.: Krouß, Czerwinski – Krohn (2), Bullerjahn (3), Santen (2), Heitkötter, Fricke (1), Bitzer (4/1), Weber (2), Fischer (1), Sander (2), Worm (1/1), Bohrmann (4/3), Danz.

 

TSV Bayer Dormagen II – SSV Nümbrecht 38:25 (19:11). Über weite Strecken dieses Duells war auf der Platte ein Klassenunterschied erkennbar zwischen den Dormagenern, die ihre Ansprüche auf einen Spitzenplatz untermauern konnten, und den Gästen aus dem Oberbergischen, für die es „nur“ um den Klassenerhalt geht. TSV-Trainer Peer Pütz war zufrieden mit dem, was seine Mannschaft unmittelbar vor dem Beginn des Endspiels bei der Europameisterschaft in Herning zwischen Dänemark und Deutschland (34:27) gezeigt hatte: „Das war ein sehr erfreulicher Heimsieg. Wir haben am Anfang zu viel aus dem Rückraum verworfen und wir hatten eine schlechte Wurfauswahl, sind aber eigentlich ganz cool geblieben. Wir haben uns ab der zwölften Minute kontinuierlich abgesetzt und das auch in der zweiten Halbzeit mit vielen Wechseln sehr gut durchgezogen – insgesamt ein guter Abend.“ Noch wertvoller wurde das Ergebnis aufgrund der Ergebnisse zweier Konkurrenten aus dem oberen Drittel: Der Spitzenreiter TV Korschenbroich musste sich mit 32:33 bei der HSG Refrath/Hand (Sechster/15:11) geschlagen geben und der HC Weiden mit 35:38 bei Borussia Mönchengladbach (13./8:18), sodass die drei Top-Teams enger zusammengerückt sind: Korschenbroich (20:8) liegt jetzt nur noch einen Punkt vor den Dormagenern (19:9), die Weiden (18:10) überholt haben und der neue Zweite sind. Aktueller Vorteil für den TSV Bayer: Er hat in der Hinrunde sowohl den TVK (28:27) als auch den HC (36:27) bezwungen. Nümbrecht ist nach der Niederlage in Dormagen dort angekommen, wo es sich vor der Saison selbst gesehen hat – mitten im Abstiegskampf (Zwölfter/10:18).

Die Hausherren führten schnell mit 4:1 (4.), nutzten aber in der Folge nicht alle Angriffe konsequent und ließen Nümbrecht zurück ins Spiel – 5:5 (10.), 7:7 (12.). Dann brachten vier Treffer hintereinander vom 9:8 (18.) bis zum 13:8 (23.) erneut eine klare Führung, auf die der SSV nur noch wenige Antworten fand. Mit dem zweiten 4:0-Lauf machte Dormagen vor Pause aus dem 15:11 (26.) das 19:11 (30.) und damit war das Spiel bereits am Ende der ersten Halbzeit entschieden. Das 24:14 (38.) schraubte den Abstand dann zum ersten Mal in den Bereich von zehn oder mehr Treffern – wo er in der Folge bis zur Schluss-Sirene auch blieb. Erst nach dem 36:20 (52.) nahmen sich die Hausherren etwas zurück und lieber zahlreiche Wechsel vor, um die Einsatzzeiten zu verteilen. Dass sie die finalen acht Minuten des Abends mit 2:5 abgeben mussten, störte die Dormagener deshalb nur am Rande – und es war damit immer noch der höchste Saisonsieg. Im Übrigen bildete das Ergebnis so eine exakte Kopie des Spiels vom 12. Oktober 2025 ab, als die Dormagener gegen den BTB Aachen ebenfalls mit 38:25 gewonnen hatten.

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (5), Srugies (3), Hinrichs, Kasper (6), Emmerich, Doepner (2), Ostrowski, Krist (2), Bahns (6), Kopp, Scholl (2),  Schindler (1), Hein, Kriescher (11/7).

SSV Nümbrecht: Winkler, Rydzewski (1) – Benger (3), Urbach (3), Hampel (3), Last (2), Witthaut (2/1), P. Donath (1), Hartmann (1), Schröter (1), Dissmann, D. Donath (5), Henrichs (1), Miebach (2).