Regionalliga Nordrhein
Der nächste Kracher: Rheinhausen gegen Korschenbroich
Formstarker OSC und schwankender TVK treffen sich zum Duell der Verfolger des Ersten Dormagen II. Auch Essen und Weiden liegen auf der Lauer. Unten steht Mönchengladbach vor einem Monat der Wahrheit.

Wie siehts aus? Ex-Profi Dennis Szczesny und seine Essener sind für den Moment jedenfalls im Kampf um die Spitzenplätze die größte Gefahr für den Spitzenreiter TSV Bayer Dormagen II. Das direkte Duell steht aber nach der Osterpause erst am 12. April in Dormagen auf dem Programm. (Foto: Thomas Schmidt)

Wer ist denn der mit den besten Aussichten? Und was braucht einer, der sich in dieser Saison den Aufstieg in die 3. Liga sichern will? Gibt es irgendwo und irgendwie einen Trend? Der Blick zurück auf die beiden ersten Monate im Jahr 2026 erklärt nicht alles, aber ziemlich viel. So sieht die Tabelle unter den fünf Mannschaften aus, die zurzeit für die Meisterschaft in Frage kommen: 1. TSV Bayer Dormagen II 25:9 Punkte, 2. TV Korschenbroich 23:11, 3. HSG am Hallo Essen 23:11, 4. OSC Rheinhausen 22:12, 5. HC Weiden 22:12. Und so sieht die Tabelle unter denselben Teams nur für den Januar und Februar aus: 1. Dormagen 13:1, 2. Essen 12:2, 3. Rheinhausen 10:4, 4. Korschenbroich 7:7, 5. Weiden 6:6. Daraus folgt zuerst, dass Dormagen auf den einstigen Spitzenreiter TV Korschenbroich, der lange als klarer Titelkandidat Nummer eins galt, innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums sechs Zähler mehr auf sein Konto bringen konnte, die HSG am Hallo sechs und der OSC immerhin noch drei. Daraus folgt auch, dass es den einen etwas größeren Favoriten inzwischen nicht mehr gibt – obwohl manche diese Rolle unverändert den Korschenbroichern zuschreiben oder sogar zuschieben wollen. Richtig ist dabei, dass die Mannschaft von Trainer Frank Berblinger weiter alles selbst in der Hand hat., wobei sie vermutlich nicht mehr besonders viele Punkte abgeben darf. Ob der TVK seine bisherige Rolle behält oder ob er es nur durch die Unterstützung anderer schaffen kann, entscheiden dabei vielleicht schon die kommenden zweieinhalb Wochen: Der Stresstest beginnt am Samstag bei den Rheinhausenern, die zuletzt beim 41:31 gegen die Weidener erneut ihr offensives Potenzial voll zur Geltung brachten und gleichzeitig nachwiesen, dass sie gegen Konkurrenten von oben gewinnen können. Korschenbroich wird erneut versuchen müssen, den Ausfall seines Spielmachers Mats Wolf (Kreuzbandriss) als Team zu kompensieren – was allerdings schwierig ist mit dem kleinen Kader, den grundsätzliche jede Lücke stark trifft.

Das Duell wird im Übrigen auch ein Treffen von Gegensätzen und manches hängt davon ab, welche der Qualitäten an diesem Abend schwerer wiegt. Beide Teams warten mit einem Torverhältnis von plus 44 auf, kommen jedoch auf unterschiedlichen Wegen dorthin. Erstens: Der TV Korschenbroich stellt mit 509:465 Toren trotz der mäßigen Bilanz im Jahr 2026 weiter die beste Abwehr, die auf einen Wert von 27,35 Gegentreffern pro Partie kommt. Zweitens: Der OSC Rheinhausen stellt mit 572:528 Toren den besten Angriff, der auf einen Wert von 33,64 Treffern pro Partie kommt. Das eine hat natürlich viel damit zu tun, dass im Korschenbroicher Kasten hinter der guten Deckung in Sven Bartmann ein Torhüter der Extraklasse seine Arbeit verrichtet. Das andere hat ebenso viel damit zu tun, dass im Rheinhausener Angriff in Lukas Hüller (130 Tore) und Alexander Ernst (89) zwei torgefährliche und das Spiel lenkende Rückraumspieler treibende Kräfte zur Verfügung stehen. Die besten Korschenbroicher sind Linksaußen Max Zimmermann (96) und Rechtsaußen Florian Krantzen (68). Nummer drei in der internen Torjägerliste der TVK war bisher Mats Wolf (58) vor Ben Büscher (48), der zuletzt beim 27:27 gegen Unitas Haan ebenfalls nicht an Bord sein konnte (krank). Schlussfolgerung aus allem: Korschenbroich ist angeschlagen und Rheinhausen gleichzeitig ausreichend nah an der Realität. Sascha Wistuba und Nico Biermann als Trainerteam bleiben lieber auf dem Teppich: „Wir müssen die Kirche im Dort lassen und wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen.“ Wie das aussieht, falls nach dem Sieg über den HC Weiden zusätzlich ein Erfolg über den TV Korschenbroich gelingt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Vor ihrer nächsten Reifeprüfung steht die HSG am Hallo Essen, die im neuen Jahr bereits Erfolge über Weiden (25:22) und Rheinhausen (39:30) vorweisen kann: Die Mannschaft von Trainer Niklas Rolf tritt nun beim HC Gelpe/Strombach an (14:20), dessen Rang neun im Moment den Beginn der Gefahrenzone markiert. Sieben seiner elf Minuspunkte gab es für den Aufsteiger in Duellen mit zum Teil besonders stark bedrohten Klubs aus der unteren Hälfte – 33:33 beim SSV Nümbrecht (Elfter/12:22), 29:32 in Gelpe/Strombach, 32:33 beim VfL Gummersbach II (14./7:23), 27:29 bei der HSG Refrath/Hand (Achter/15:17). Aufgrund ihres bestens besetzten Kaders mit erfahrenen Kräften wie Dennis Szczesny. Simon Ciupinski oder Lukas Ellwanger und Top-Werfer Matthis Blum (wie Rheinhausens Lukas Hüller bei 130 Toren angekommen) ist den Essenern wirklich alles zuzutrauen – wobei vor der nächsten Meisterschaftspause über Ostern durchaus drei echte Stolpersteine im Weg liegen. Dabei ist klar, dass es Geschenke weder jetzt gegen Gelpe/Strombach noch am 14. März beim ebenfalls auf jeden einzelnen Zähler angewiesenen BTB Aachen (Zwölfter/11:23)  oder am 22. März gegen Unitas Haan (Sechster/19:15) geben wird. Die HSG am Hallo bleibt/wird nur für den Fall ein besonders heißer Titelkandidat, wenn sie aus diesen drei Aufgaben eine positives Bilanz einfährt. Sollte das gelingen, wäre die Fortsetzung der Meisterschaft am 12. April ein echter Höhepunkt, weil die HSG dann beim Spitzenreiter in Dormagen antritt, der sich in der Hinrunde in Essen deutlich mit 38:26 durchsetzte und überhaupt gegen die Mitbewerber aus dem oberen Drittel bislang keine einzige Niederlage hinnehmen musste.

Die direkten Vergleiche aus der Hinrunde sprechen hier in der Summe eine deutliche Sprache – 36:27 gegen HC Weiden, 28:27 gegen TV Korschenbroich, 36:28 in Essen, 32:24 in Rheinhausen. Punktverluste kassierte die junge Mannschaft von Bayer-Trainer Peer Pütz vor allem gegen Kontrahenten aus der unteren Hälfte – 29:29 beim SSV Nümbrecht (Elfter/12:22), 34:34 gegen die TSV Bonn rrh. (10./14:20), 24:30 beim HC Gelpe/Strombach, 31:33 bei der HSG Refrath/Hand (Achter/15:17), 33:33 gegen Borussia Mönchengladbach (13./10:22). Viel wird davon abhängen, wie Pütz für seine Spieler den terminlichen Spagat aus Regionalliga-Aufgaben sowie Einsätzen der ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga und der A-Jugend in der 1. Bundesliga moderieren kann. Es gibt auf der einen Seite hin und wieder Leihgaben von „oben“ durch Spieler wie Krischa Leis, Max Schmidt oder Felix Böckenholt, während andere wie Marvin Landau, Ben Srugies oder Malte Adam „hauptberuflich“ besonders für die Dormagener A-Jugend auf der Platte stehen. Sicher ist auf jeden Fall, dass die Partie gegen die Unitas Haan kein Selbstläufer wird, zumal die Unitas mit der Empfehlung von 9:1 Punkten aus den vergangenen fünf Spielen ohne Niederlage nach Dormagen kommt. Setzt der TSV Bayer seine Serie fort, ist der Boden für ein mögliches Spiel der Spiele am 14. März in Korschenbroich bereitet – in das Dormagen unabhängig vom Resultat gegen Haan auf Grund des besten Torverhältnisses (plus 75) auf jeden Fall als Tabellenführer geht. Wie gefährlich Haan sein kann, musste Pütz‘ Mannschaft im Übrigen bereits beim 31:35 in der Hinrunde erfahren.

Die zuletzt mit dem 31:41 beim OSC Rheinhausen schwer getroffenen Weidener wollen zeigen, dass die höchste Niederlage in dieser Saison nicht mehr als ein Ausrutscher war. Deshalb stand für Trainer Marc Schlingensief das Ziel fürs bevorstehende Heimspiel gegen den TV Aldekerk (Siebter/17:17) schnell fest: „Wir werden unsere Lehren aus dem Spiel ziehen und nächste Woche wieder voll angreifen.“ Die Aldekerker rechnen auch genau damit, wollen jedoch ihrerseits alles für was Zählbares investieren – zumal sie hoffen, dass die vorherigen durchwachsenen Wochen durchs jüngste 30:24 über die HSG Refrath/Hand erledigt sind. „Wir haben die richtige Reaktion gezeigt und die Mannschaft hat die richtige Abfahrt genommen“, sagt Trainer Tim Gentges, „auf dieser Leistung aufzubauen, wird die Herausforderung jetzt von Woche zu Woche sein. Da rückt das Ergebnis erst mal in den Hintergrund. Im Vordergrund muss stehen, dass wir eine Stabilität reinkriegen und dass wir von der Leidenschaft und vom Willen wieder genau das zeigen, was wir gegen Refrath gezeigt haben. Wir wissen um die Verwundbarkeit von Weiden, wir wissen aber auch um die Stärke von Weiden. Ziel muss es sein, die Leistung von Refrath zu bestätigen über Emotionalität und spielerische Faktoren. Wenn wir das hinkriegen, dann haben wir eine ernsthafte Chance, zu bestehen und sogar zu punkten. Sollten wir davon abweichen, wird es sehr, sehr schwer. Weiden ist immer noch ein Kandidat auf den Titel.“ HC-Kollege Schlingensief und seine Mannschaft haben die Pleite beim OSC tatsächlich aufgearbeitet – und abgehakt. Das soll nun folgerichtig bei aller Wertschätzung für die Gäste in einer passenden Leistung gegen Aldekerk münden: „Es war nicht verwerflich, in Rheinhausen zu verlieren, aber wir haben uns unter Wert verkauft. Das ist uns allen bewusst. Aldekerk hat schon sehr gute Spiele abgeliefert, aber bei ihnen bemerkt man aufgrund des Umbruchs im Sommer eine fehlende Konstanz. Wir haben zu Hause ein Alleinstellungsmerkmal in der Liga – sonst ist kein Team zu Hause ohne Punktverlust. Diese Serie wollen wir weiter ausbauen. Dafür benötigen wir vor allem in der Abwehr wieder mehr Teamarbeit. Darüber wollen wir uns wieder die Sicherheit für den Angriff holen.“ Acht Siege in bisher acht Weidener Heimspielen deuten definitiv darauf hin, dass der TV Aldekerk in der Halle Parkstraße ein ganz dickes Brett wird bohren müssen.

Nur noch dicke Bretter hat in den nächsten Wochen der Vorletzte Borussia Mönchengladbach zu bohren (10:22), der gemeinsam mit dem Neunten HC Gelpe/Strombach, der TSV Bonn rrh., dem SSV Nümbrecht, dem BTB Aachen und dem Schlusslicht VfL Gummersbach II (7:23) die direkte Abstiegszone bildet. Nun steht die Borussia sogar vor einem Monat der Wahrheit mit den Partien am Samstag gegen Bonn, am 10. März gegen Gummersbach II (Nachholspiel), am 14. März in Gelpe/Strombach und am 21. März gegen Aachen. Jene Aachener bestreiten am Sonntag in Gummersbach ebenfalls eine Partie, die für ihren weiteren Kampf gegen den Abstieg entscheidende Weichen stellen dürfte – und eine Niederlage kann sich die Mannschaft von Trainer Simon Breuer so wenig erlauben wie die Hausherren, die ja nach Minuspunkten mit ihnen gleichauf liegen (bei aktuell zwei Spielen weniger). Weit genug entfernt von den gefährlicheren Plätzen liegt ein Stück weiter vorne der Achte HSG Refrath/Hand, der im neuen Jahr mit drei Siegen gestartet war (unter anderem 33:32 gegen Korschenbroich), anschließend allerdings drei Mal hintereinander klar als Verlierer von der Platte ging. Den Refrathern bietet der laufende Monat insgesamt die Chance, sich endgültig aller Gefahren zu erledigen, denn sie tritt nach dem Heimspiel am Sonntag gegen Nümbrecht am 14. März in Bonn, am 21. März in Gelpe/Strombach und am 27. März in Gummersbach an (Nachholspiel). Und das ist dann ein bisschen anders als oben: Die Refrather haben einigermaßen deutlich die besten Chancen auf den Klassenerhalt. Was sie draus machen und was die anderen zulassen, ist eine andere Frage.