Regionalliga Nordrhein
Mönchengladbach und Korschenbroich: Vereint im Leid
Borussia ist nach 27:27 im Nachholspiel gegen Gummersbach II weiter Vorletzter. TVK kämpft im Spitzenspiel gegen Dormagen II um den Anschluss. Die Lage spitzt sich allgemein oben wie unten weiter zu.

Im Anflug: Max Zimmermann (Mitte) und die Korschenbroicher stehen in der Tabelle natürlich klar besser da als Niklas Weis (links) und Torhüter Jonah Erkes mit den Mönchengladbachern, aber von Handball-Euphorie sind im Moment beide sehr weit entfernt. (Foto: Sven Frank)

Borussia Mönchengladbach – VfL Gummersbach II 27:27 (13:13). Wer Vorletzter ist und zu Hause gegen den Letzten nicht gewinnt, muss sich ernsthaft Gedanken machen, wie er den Kampf um den Klassenerhalt erfolgreich bewältigen will. Verbessert hat dieses Unentschieden im Nachholspiel die Lage sicher nicht für die Borussia und grundsätzlich konnte keiner der Beteiligten mit dem Ergebnis viel anfangen. Die Borussia verpasste den Sprung auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz und setzt seine Wochen der Wahrheit mit nun 11:25 Punkten weiter von Rang 13 aus fort, während die bei 8:26 Zählern angekommenen Gummersbacher weiter am Ende der Tabelle dem Feld hinterherlaufen. Borussia-Trainer Ronny Rogawska weiß dabei, dass der Weg ans rettende Ufer für seine Mannschaft ein weiter sein wird, doch ans Aufgaben denken sie rund um die Jahnhalle acht Runden vor dem Ende der Saison natürlich nicht: „Schwer zu sagen, ob es ein Punktverlust oder ein Punktgewinn ist. Wir werden es irgendwann sehen, wenn es eine endgültige Tabelle gibt. Wir sind noch drin im Spiel und nichts ist entschieden.“ Das stimmt auf der einen Seite. Auf der anderen aber verpasste Mönchengladbach zum dritten Mal hintereinander in einem Duell mit der direkten Konkurrenz aus der unteren Hälfte knapp was Zählbares – nach dem 32:34 zuvor beim SSV Nümbrecht und dem 27:28 gegen die TSV Bonn rrh., die dadurch ihre eigenen Aussichten auf eine Position am rettenden Ufer massiv verbesserte und nun auf Platz neun (16:20) ein Feld aus sechs Mannschaften anführt, aus dem am Ende mit einiger Wahrscheinlichkeit die beiden Absteiger stammen. Der HC Gelpe/Strombach (10./14:22), der BTB Aachen (11./13:23), Nümbrecht (Zwölfter/12:24), Mönchengladbach und Gummersbach II  vervollständigen diesen Kreis, zu dem vermutlich keiner so richtig gerne gehört.

Den Mönchengladbachern bleibt nun wenig Zeit, um sich entsprechend aufzurichten, denn vor der Meisterschafts-Pause über die Osterschulferien stehen direkt zwei weitere wegweisende Partien auf dem Programm: Am Samstag geht es zum HC Gelpe/Strombach und am 21. März erwartet die Borussia den BTB Aachen, der nun selbst gegen die HSG am Hallo Essen (Zweiter/25:11) ebenso vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht wie die Nümbrechter gegen den Fünften HC Weiden (22:14). Alle Beteiligten sollten im Übrigen langsam den jeweiligen direkten Vergleich in den Blick nehmen, der ja am Ende bei Punktgleichheit über die genaue Platzierung entscheidet – und gerade für Mönchengladbach vielleicht doppelt wichtig wird. Den direkten Vergleich mit dem SSV hat Mönchengladbach übers 28:28 aus der Hinrunde und der Rückrunden-Niederlage kürzlich verloren – und die beiden anderen stehen jetzt in naher Zukunft zur Debatte: Aus der Hinrunde bringt die Borussia gegen Gelpe/Strombach immerhin einen 36:27-Sieg ein, während das damalige 28:28 in Aachen eigentlich im Moment in alle Richtungen zeigt. Ähnliches gilt fürs jetzige 27:27 gegen den VfL Gummersbach II, der jedoch fürs Rückrunden-Duell am 25. April auf sein Heimrecht zurückgreifen kann. Ganz nebenbei: Ein Auswärtssieg fehlt den Mönchengladbachern in dieser Saison noch, weil bisher in acht Spielen bei 3:13 Punkten erst drei Unentschieden heraussprangen. Rogawska hätte wohl wenig dagegen, wenn der Knoten schon an diesem Wochenende aufgeht. Irgendwann und irgendwo muss er vielleicht sogar platzen, weil die Borussia nach dem Heimspiel gegen Aachen in eigener Halle nur Schwergewichte der Liga erwarten – am 18 April den Ersten TSV Bayer Dormagen II (27:9), am 2. Mai die HSG am Hallo Essen (25:11) und am 9. Mai zum Derby den TV Korschenbroich (23:13).

Das Nachholspiel gegen Gummersbach begann für die Hausherren, als hätten sie selbst eine mehr als 100 Kilometer weite Anfahrt in den Beinen – und nicht die Gäste aus dem Oberbergischen, die mit dem 3:0 (5.) einen Blitzstart hinlegten. Die Borussia konnten zwar relativ bald zum 3:3 (10.) ausgleichen, lief aber ab dem 3:5 (14.) ebenso schnell wieder hinterher – 5:5 (16.), 5:8 (17.), 7:10 (21.). Nach dem 10:10 (22.) entwickelte sich dann zunächst bis zur Pause eine völlig ausgeglichene Begegnung, ehe der Abend am Anfang der zweiten Halbzeit mit dem 18:14 (36.) erneut in die Richtung der Gäste zu laufen schien. Weil der Borussia nun ein 5:0-Lauf zum eigenen 19:18 (41.) gelang, war aber erneut alles offen und fürs letzte Drittel jeder Sieger möglich. Übers 21:21 (48.), 23:23 (54.) und 25:25 (58.) stand das Spiel in der Schlussphase in der Folge komplett auf der Kippe und Paul Lipok brachte Mönchengladbach mit dem 26:25 (48.) wieder nach vorne. Pech für die Borussia: Für Thomas Prinz war die Partie nach einer Roten Karte (58./dritte Zeitstrafe) beendet. Glück für die Borussia: Nachdem Tim Rath kurz darauf für den VfL in Überzahl zum 26:26 (58.) ausgeglichen hatte, sorgte Jordi Weisz fürs nächste Mönchengladbacher Plus – 27:26 (59.). Anschließend verpasste Rogawskas Mannschaft allerdings die Entscheidung zu ihren Gunsten, als beide Seiten nach der Roten Karte gegen Gummersbachs Patrick Kiesewalter (60.) für die restlichen 54 Sekunden in Gleichzahl auf der Platte standen: Linksaußen Domenik Roth wusste vorne die Gelegenheit zum  28:26 nicht zu nutzen. Dass Moritz Riedel praktisch mit der Schluss-Sirene das 27:27 für Gummersbach schaffte, traf die Mönchengladbacher wenig später noch härter – und hielt für den VfL einen kleinen Funken Hoffnung aufrecht. „Wir haben mehrere Optionen, um mit zwei, drei Toren wegzugehen, tun das aber nicht. Kurz vor Schluss können wir uns eigentlich mit zwei Toren absetzen, doch das hat nicht geklappt“, sagte Borussia-Coach Rogawska, für den die zur Niederlage führende Ursache nicht nur wegen der letzten Szene auf der Hand lag: „Der ausschlaggebende Punkt, dass wir heute nicht gewinnen, ist einfach unsere Chancenwertung.“

Borussia Mönchengladbach: Heck, Hoffmann, Erkes (3) – Prinz, Dicks (1), Jennes (1), Weis (5/2), Bremges (1), Semrau, Weisz (6), Berner, Nix, Lipok (6), Markovic, Slabospytskyi, Roth (4).

VfL Gummersbach II: Machnacz (1), Knackstedt – Shimizu, Kübler, Bohnenkamp, Rath (7/3), Haglund (5), Kiesewalter (4), Hartmann (1), Patzelt, Ulmerich (5), Riedel (4).

Ob die in den vergangenen Wochen erfolgte Neuordnung der Liga im oberen Drittel bis zum Ende der Saison hält, wird sich unter anderem am Samstag im Duell zwischen dem Ersten TSV Bayer Dormagen II und dem gerade aufgrund eines begrenzten Kaders personell leidenden TV Korschenbroich zeigen. Für Korschenbroich, das keine seiner drei vergangenen Partien gewinnen konnte und erst recht nach dem Saison-Aus seines Spielmachers Mats Wolf aufgrund seines kleinen Kaders an die Grenze des Machbaren gelangt ist, bietet das Heimspiel gegen die junge Dormagener Mannschaft die letzte Gelegenheit, vorne weiter im Geschäft zu bleiben. Im Duell der Hinrunde war der TVK noch über weite Strecken die führende Mannschaft, ehe er nach einem 27:24 fünf Minuten vor dem Ende keinen eigenen Treffer mehr erzielte und anschließend vielmehr vier Gegentore hintereinander zum 27:28 hinnehmen musste. Die Rechnung ist jetzt relativ einfach: Gewinnt Korschenbroich als Vierter (23:13) gegen den Tabellenführer (27:9), ist er auf zwei Punkte dran – und gewinnt Dormagen, liegt Korschenbroich nicht nur sechs Zähler hinten, sondern im Grunde sogar sieben, weil am Ende der Saison bei Punktgleichheit der direkte Vergleich über die Ermittlung der genauen Platzierung entscheidet. Im Paket mit dem Auftritt am 21. März beim TV Aldekerk (Siebter/19:17) könnten die Korschenbroicher noch vor der Meisterschaftspause über die Oster-Schulferien wissen, ob die weitere Vergabe der Meisterschaft ohne sie stattfinden wird oder ob sie oben weiter eine zu beachtende Rolle einnehmen.

Wir sind wieder wer! Nic Kirschbaum und die Aldekerker wollen nach einer Durststrecke ein starkes letztes Saisondrittel spielen. (Foto: Carsten Wulf)

Jene Aldekerker im Übrigen, die nach 4:8 Zählern aus den ersten sechs Spielen im Kalenderjahr 2026 und zum Teil sehr schwierigen Leistungen in eine handfeste Krise geraten waren, sehen sich inzwischen wieder au dem richtigen Weg. Nach dem 30:24 gegen die HSG Refrath/Hand (Achter/17:17) gewann das Team von Trainer Tim Gentges mit 32:28 beim HC Weiden – was durchaus ziemlich bemerkenswert war, weil die Weidener vorher alle acht Heimspiele für sich entschieden hatten. Nun wollen die Aldekerker gegen den Dritten OSC Rheinhausen (22:14) dem nächsten Team aus der Spitzengruppe das Leben so schwer wie möglich machen und so zeigen, dass sie den Rest der Serie mit maximalem Ehrgeiz angehen. Gentges hat dabei zunächst viel Respekt vor Rheinhausen. „Der OSC hat sich in der laufenden Saison richtig gesteigert und ist enorm gefestigt in allem, was sie da tun“, sagt Gentges, „sie sind sehr stabil, sie haben eine gute Spielsteuerung. Das ist für mich gerade die Mannschaft der Stunde und auch ein ganz heißer Kandidat, was den Aufstieg angeht. Wir freuen uns auf dieses Spiel.“ Trotzdem hat Aldekerks Coach klare Vorstellungen vom Verlauf des Abends: „Wir wollen zu Hause natürlich gewinnen und dafür werden wir alles investieren. Wir müssen aber gleichzeitig alles investieren, denn wenn wir davon abweichen, wird es gegen den OSC Rheinhausen sehr, sehr schwer. Aber auch der OSC muss an seine Leistung der letzten Wochen rankommen, um bei uns zu bestehen. Wir wollen weiter den Anschluss nach oben haben beziehungsweise wir wollen uns noch mehr Luft nach unten verschaffen. Wir möchten einfach diese Welle, die wir gerade reiten, weitergehen.“

Die Mannschaft der Stunde sind im Übrigen tatsächlich nicht die Rheinhausener – und es gibt aktuell sogar zwei davon. Ganz vorne liegt für 2026 auch hier Dormagen II mit 15:1 Punkten aus acht Spielen ohne Niederlage und auf Platz zwei folgt der Aufsteiger HSG am Hallo Essen mit 14:2 Zählern – mit dem Baustein eines 39:30 gegen die Rheinhausener am 31. Januar 2026. Der TSV Bayer II kann dabei fünf Siege hintereinander in die Waagschale werfen, Essen und Rheinhausen stehen bei jeweils vier Erfolgen. Ob jetzt eine der Serien reißt, ist eine spannende Frage – und vielleicht setzen ja die drei führenden Klubs ihren Höhenflug fort, bevor es nach der Pause über Ostern ab dem 11./12. April in die entscheidenden Wochen der Saison geht. Dafür könnte sich im oberen Drittel auch noch einmal der HC Weiden zurückmelden, der sich zuletzt durch eine Berg- und Talfahrt um manche Chance brachte, nach 2:4 Punkten durch zwei Siege und vor allem durch das 31:24 über die Korschenbroicher zu alter Stärke zu finden schien und dann doch zwei weitere Niederlagen hinnehmen mussten – 31:41 in Rheinhausen, 28:32 gegen Aldekerk. Nun bekommt es die Mannschaft von Trainer Marc Schlingensief vier Mal in Folge mit Konkurrenten aus der unteren Hälfte zu tun – am Samstag beim SSV Nümbrecht, am 21. Mai gegen die TSV Bonn rrh., am 11. April gegen den HC Gelpe/Strombach und am 18. April im Derby gegen den BTB Aachen. Für die Weidener wird es eine Wanderung zwischen Chance und Risik0. Geschenke sind jedenfalls keine zu erwarten.