| 29. März 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Gekommen, um zu bleiben: Stanko Sabljic und Torhüter Sebastian Bliß (von links), zwei der verbliebenen Routiniers im Team von Trainer Filip Lazarov, setzten mit dem Sieg gegen Kirchzell einer Serie von sechs Spielen ohne Niederlage die Krone auf. Interaktiv konnte vorzeitig den Klassenerhalt feiern. (Foto: Thomas Schmidt)
Interaktiv.Handball – TV Kirchzell 43:32 (20:18). Die Ratinger wollten sich offensichtlich gar nicht lange darauf einlassen, erst noch die Ergebnisse der Konkurrenz abwarten zu müssen für die letzten fehlenden Millimeter im Kampf um den Klassenerhalt. Also nahm die Mannschaft von Trainer Filip Lazarov den Abend besonders in der zweiten Halbzeit lieber selbst in die Hand, zerlegte die Abwehr der defensiv insgesamt erstaunlich schwachen Gäste vorübergehend nach Belieben und fuhr am Ende vollkommen ungefährdet den elften Sieg in der laufenden Saison ein – der ebenfalls „nur“ zwei Punkte wert war, aber irgendwie doppelt zählte. Erstens: Die Ratinger festigten ihren achten Platz und sie stehen dort jetzt bei einem ins Positive gedrehten Konto bei 26:24 Zählern. Zweitens: Das Polster auf den Drittletzten SG Schalksmühle-Halver Dargons, die den ersten Abstiegsplatz einnehmen (14./15:35), beträgt immer noch elf Punkte. Drittens: Der Aufsteiger Interaktiv hat, weil in den restlichen fünf Spielen der Saison nur maximal zehn Punkte zu holen sind, vorzeitig eine Position am rettenden Ufer fest gebucht und kann auch 2026/2027 in der 3. Liga antreten. Gleichzeitig schraubten die Ratinger ihren erst vier Wochen alten Torerekord vom 40:36 bei den Dragons zusätzlich ein Stück hoch. Mit dem 40:30 (56.) durch Luca Elias Schulz war die vorherige Marke bereits erreicht, ehe erneut Schulz (57.) und Richard Sibbel (58.) auf 41:30 und 42:30 erhöhten. Kurz vor dem Ende setzte dann Luis Venedey den aus Ratinger Sicht extrem gut passenden Schlusspunkt zum 43:32-Endstand, der ganz nebenbei den höchsten Sieg für 2025/2026 aufs Konto überwies. Den restlichen Aufgaben am 11. April bei der HSG Hanau (Dritter/38:12), am 18. April gegen die TSG Haßloch (15./8:42), am 25. April bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (Sechster/32:18), am 1. Mai beim Longericher SC (Vierter/35:15) und am 9. Mai gegen die TSG Münster (Fünfter/33:17) kann Interaktiv nun auf jeden Fall ziemlich gelöst angehen. Für den Moment sieht es sogar danach aus, dass Ratingen am Ende in der oberen Hälfte durchs Ziel gehen könnte und damit als Nummer zwei im Westen hinter dem Longericher SC, aber vor dem TuS 82 Opladen (Neunter/22:32) und den Bergischen Panthern (Zwölfter/18:32), Das muss so als nicht mal kleine Überraschung gelten.
Weil die schon vorher relativ komfortable Lage das sowieso zuließ, hatten die Hausherren ihren Kader durch Philipp Riemann, Lennart Schröder und Noah Matteo Megale zusätzlich mit Talenten aus der eigenen A-Jugend aufgestockt – während erfahrene Kräfte wie der eigentlich spielende Sportliche Leiter Stanko Sabljic und Luca Wenzel zunächst auf der Bank saßen. Ein Nachteil für die Hausherren war das allerdings nicht und das 0:1 (2.) sowie das 1:2 (4.) kurz darauf steckten sie unbeeindruckt weg – 4:3 (8.), 8:5 (11.), 11:8 (16.), 17:12 (25.). Weil Ratingen kurz vor der Pause offensichtlich ein Stück zu viel wollte und bei einigen Fehlern vorübergehend von einer klaren Linie abwich, kam Kirchzell bis zum Ende der ersten Halbzeit auf 18:20 (30.) heran und blieb im zweiten Abschnitt zunächst in Sichtweite – 22:20 (33.), 25:22 (39.). Die Entscheidung zugunsten der Ratinger leitete ein folgender 5:0-Lauf innerhalb von nur drei Minuten zum 30:22 (42.) ein, das dem Rest der Partie fast jede Spannung nahm. Beim 36:26 (50.) lagen schließlich zehn Tore Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten und dass der TV mit dem 29:36 (52.) sowie dem 30:37 (53.) vorübergehend wieder auf sieben Tore verkürzte, war für Interaktiv relativ ungefährlich. Der Erfolg stand in diesem Fall über allem und eine mühselige Angelegenheit war es unter dem Strich auch nicht. Stanko Sabljic fand den Interaktiv-Auftritt begeisternd: „Das war eine richtig starke Angriffsleistung. Wir waren auf einem Level, das wir auf jeden Fall behalten wollen. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, dass wir so etwas abgerufen haben. Ich hoffe, dass es so bleibt, dass wir weiter so gut den Ball laufen lassen können. Das war schon ein sehr gutes Level.“ Für den TV Kirchzell (Zehnter/20:30) galt das nicht so sehr und der Schaden war im Gegensatz auch durchaus nicht ganz unerheblich, weil er – anders als die Ratinger – mit einem geschmolzenen Polster auf Schalksmühle in die letzten fünf Aufgaben geht.
Interaktiv.Handball: Plessers, Bliß – Schulz (7), Venedey (4), Szabo (3), Riemann (1), Sibbel (5), Kübler (2), Körber (6), Seher (7), Schröder, Koenemann, Megale (4), Stock, Wenzel (3), Sabljic (1).
TuS 82 Opladen – Bergische Panther 27:33 (10:12). Es ist absurd. Am 21. März, also vor etwa einer Woche, treffen die Opladener in einer vorgezogenen Partie des 27. Spieltages (17./18./19. April) auf die HSG Nieder-Roden, die als Siebter kommt und als Favorit gelten muss. Der TuS 82 kann gerade mal neun einsatzfähige Feldspieler auf den Spielbericht schreiben – und zu denen gehören in Jan Jagieniak, Maxim Swiedelsky und Johann Neuner gleich drei Kreisläufer, sodass vor allem Optionen für den Rückraum eine echte Mangelware sind. Das Ergebnis? Opladen, das seine Möglichkeiten voll ausschöpft, gewinnt über viel Kampf mit 30:28 und sichert sich zwei wertvolle Zähler für den nun fast sicheren Klassenerhalt. Jetzt schreiben wir den 27. März – einen Freitagabend, an dem wieder vieles anders läuft als erwartet. Diesmal kann der TuS 82 fürs Derby gegen die Bergischen Panther alle Zeilen des Spielberichts ausfüllen und neben zwei Torhütern (Colin Beckert, Benedikt Klein) weitere 14 Namen eintragen – fünf mehr als gegen Rodgau Nieder-Roden. Ergebnis? Das Team von Trainer Stefan Scharfenberg präsentiert sich als ein Schatten seiner selbst und verliert in der Summe verdient – ausgerechnet dieses Duell unter Nachbarn, ausgerechnet gegen eine Mannschaft, die vorher bloß eins ihrer neun Spiele im Jahr 2026 gewinnen konnte und aufgrund der mageren Ausbeute von 3:15 Zählern daraus tief in den Abstiegskampf gerutscht ist. In den Phasen, als es nach der Pause besonders drauf ankommt, hat Opladen den Panthern wenig entgegenzusetzen – keine Festigkeit in der Abwehr, keine Ideen, keinen Spielwitz, keine Leidenschaft. Weil der TuS 82 von allem zu wenig auf die Platte bringt, springt im Übrigen auch eher ein „Derby light“ heraus. Die ganz großen Emotionen fehlen ebenso wie die engen Situationen mit dem für solchen Duelle typischen Feuer – und wenn sie überhaupt da sind, kommen sie von den Panthern, die nachvollziehbar zugreifen und sich einen wertvollen Sieg sichern, der ihnen im unteren Drittel mehr Luft verschafft: Als Zwölfter liegt das Team des Trainergespanns Alexander Oelze/Jens-Peter Reinarz nun bei 18:32 Zählern und damit weiter drei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Dort ist weiter die SG Schalksmühle-Halver zu finden (14./15:35), die selbst mit 36:33 beim Schlusslicht TV Homburg (6:44) gewann und bei einer Niederlage in Opladen wären die Panther mit nur einem Punkt mehr in den Saison-Endspurt gegangen. Den bestreitet der TuS 82 (22:32) vom neunten Platz aus und seine restlichen Sorgen sind wohl trotz der Derby-Pleite überschaubar.

Für die ersten Minuten entstand der Eindruck, dass der nach wie vor ohne besonders wichtige Stammkräfte wie Oliver Dasburg und Markus Sonnnenberg antretende TuS 82 erneut zu einem Heimsieg in der Lage sein könnte, weil er die Fehler der Panther bestrafte und schnell eine 5:1-Führung (7.) vorlegte. Dann ließ Louis Elsässer sogar noch einen Siebenmeter für die Gäste ungenutzt (8.) und die Szene war tatsächlich eine Art Signal – das jedoch keine Steigerung des TuS 82 brachte, sondern vor allem die Panther zurück in die Partie. Übers 4:7 (12.) und 5:8 (16.) drehten die Gäste ein 8:10 (23.) bereits beim 11:10 (24.) keine 120 Sekunden später in die erste eigene Führung und sie erhöhten rund vier Minuten danach auf 12:10 (29.). Opladen dagegen war bis zur Pause offensiv gar nicht mehr mit von der Partie, fand anschließend in der zweiten Hälfte nach dem 11:12 (31.) ab dem 17:19 (40.) keinen engen Kontakt mehr und rannte immer hinterher – 17:21 (43.), 19:24 (46.). Aus dem 20:26 (50.) wurde zwar ein 22:26 (52.) und kurz darauf ein 24:27 (54.), doch ein echtes Aufbäumen ergab sich daraus trotz des Versuchs, durch eine offene Deckung Verwirrung zu stiften, nicht wirklich. Im Anschluss an eine Auszeit (55.) beseitigten die Panther vielmehr mit dem 28:24 (55.) und 29:24 (56.) die letzten Zweifel an ihrem Sieg und anschließend hätten sie fast noch das 28:34 von 24. Oktober 2025 aus der Hinrunde ins Positive gedreht und nicht „nur“ ausgeglichen. Opladens Trainer Scharfenberg verzichtete bei aller Enttäuschung auf richtige Kritik: „Das ist ein bitteres Ergebnis, aber man muss feststellen, dass die Panther das zu Recht gewonnen haben. Ich denke, nach einem Start, wo einiges für uns läuft und wir mit 5:1 führen, sieht man dann schon in der ersten Halbzeit, dass wir insbesondere im Angriff größere Probleme bekommen. Das ergänzen wir dann durch Probleme, die wir gegen vier Rückraumspieler in der Deckung haben. Wir haben heute nicht ausreichend viel Zugriff auf beiden Seiten des Feldes aufbauen können. Das ist für uns erklärbar, die Jungs haben in den letzten Wochen alles reingehauen. Wir hatten auch diese Woche mit Verletzungen und Krankheitsfällen zu kämpfen und da sind heute ein paar PS nicht auf die Platte gekommen. Das ist uns in den letzten Wochen nicht passiert. Nichtsdestotrotz ist es natürlich schade, dass wir im Derby und im letzten Heimspiel die Punkte nicht behalten haben.“
Weil das mit dem zehnten Saisonsieg nicht klappte und stattdessen die 15. Niederlage auf der Anzeigetafel stand, werden manche vielleicht froh sein, das Kapitel Bielerthalle, in der ab jetzt Reparatur-, Renovierungs- und Sanierungs-Arbeiten durchgeführt werden, für die Serie 2025/2026 bereits abgearbeitet zu haben. Die Bilanz aus den 15 Heimspielen weist den TuS 82 mit 10:20 Punkten schließlich beinahe als einen der Abstiegskandidaten aus – und damit gab es einen Heimvorteil in den vergangenen Monaten bei vier Siegen, zwei Unentschieden und neun Niederlagen vorwiegend in der Theorie. Den Grundstein für den Klassenerhalt legte Opladen eher über die bei 12:12 Zählern und das Torverhältnis (360:348/plus zwölf) leicht positive Auswärts-Bilanz, die eine Welt besser aussieht als jene des Drittletzten Schalksmühle-Halver (3:21), des Vorletzten Haßloch (2:22) und des Letzten Homburg (1:23). Am 11. April tritt der TuS 82 nun noch beim Zweiten TV Gelnhausen an, ehe er seine Saison am 25. April bei den Dragons und am 2. Mai bei der ebenfalls gefährdeten MT Melsungen II (13./16:34) beschließt.
TuS 82 Opladen: Beckert, Klein – Bosdorf, Milde (2), Winchenbach (2), Wolfram (3), Dittmer (2), Swiedelsky (4), Jagieniak, Kroner (9/4), Schmitz (2/2), F. Johannmeyer, Werschkull. L. Johannmeyer (2), Hess (1), Neuner.
Bergische Panther: Eigenbrod, Mohr – Müller (4), Hermann (3), Flemm (4/4), Meurer (7), Taymaz (2), Lindemann (2), Exner (3), Lorenz, Vornehm (1), Schütte, Ballmann (6), Schön (1), Elsässer.
Longericher SC – TSG Haßloch 40:23 (19:10). Das Duell nahm praktisch von der ersten Sekunde an den erwarteten Verlauf und die Frage nach dem Gewinner war spätestens am Ende der ersten Halbzeit beantwortet. Klar erkennbar: Die Kölner wollten unbedingt ihre Chancen auf einen der drei nach den Durchführungsbestimmungen zu vergebenden Plätze für den DHB-Pokal 2026/2027 wahren – und die Gäste aus dem Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz hatten keine geeigneten Mittel, um dagegen viel zu unternehmen. Dabei dürften die HG Saarlouis (44:6) und der TV Gelnhausen (41:7) die Meisterschaft unter sich ausmachen, weil die HSG Hanau als Dritter (36:12) und Longerich als Vierter (35:15) sowie die TSG Münster (33:17) als Fünfter und die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (32:18) als Sechster zu weit zurückliegen. Eine Gelegenheit, um noch dichter an Hanau heranzurücken, bekommt der LSC vor allem am 25. April im direkten Duell in Hessen – und nach dem 34:23 aus der Hinrunde brächte ein erneuter Sieg über die HSG immerhin auch das Plus im direkten Vergleich. Vorher tritt Longerich, das inzwischen mit 845 Toren aus 25 Spielen (Durchschnitt 33,80) wieder den besten Angriff der 3. Liga Süd-West stellt, am 11. April bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II und am 17. April gegen den TV Kirchzell an (Zehnter/20:30), nachher am 1. Mai gegen Interakiv.Handball (Achter/26:24) und am 9. Mai beim HLZ Friesenheim/Hochdorf II (Elfter/19:31).

Der LSC erwischte mit dem 3:0 (4.) den besseren Start, hatte in der Folge bis zum 5:4 (9.) ein paar Probleme und nach einer 5:0-Serie bis zum 10:4 (17.) endgültig die volle Kontrolle – 13:6 (22.), 16:9 (26.), 19:13 (30.). Beim 24:14 (39.) lag die Differenz erstmals im zweistelligen Bereich und die chancenlosen Haßlocher (Vorletzter/8:42), bei 844 Gegentoren (Durchschnitt 33,76) ausgestattet mit der schlechtesten Abwehr der Klasse, konnten nur noch versuchen, den Schaden mir ihrem Mini-Kader von nur zehn Spielern (inklusive Torhüter) irgendwie in Grenzen zu halten. Das gelang ihnen fürs restliche Drittel nur in einem sehr engen Rahmen – und beim 32:17 (49.) standen bereits 15 Tore Unterschied auf der Anzeigetafel. Es kam, was kommen musste: Mit dem 40:22 (59.) von Lars Becker erreichte Longerich bereits zum siebten Mal in der laufenden Saison die bisweilen als magisch bezeichnete Grenze von 40 Toren. Sogar einen persönlichen Rekord erzielte Rückraumspieler Jonas Kämper, der es insgesamt auf 13 Treffer brachte und nach 24 Einsätzen bei 132 Toren steht. Intern ist er damit die klare Nummer eins vor Lukas Martin Schulz (19/112) Lennart Niehaus (25/103).
Longericher SC: Kull, Babic – Pyszora (4), Henrich (2), Richter (4), Niehaus, Leitz (3), Schulz (4/3), Kaysen (5), Nolting (1), Kremp, Becker (4), Kämper (13).