Regionalliga Nordrhein
Bahn frei für Dormagen: Kein Verfolger mehr da
Tabellenführer TSV Bayer II gewinnt "Spitzenspiel" gegen den Dritten HSG am Hallo Essen mit 33:21 und profitiert noch vom 30:32 des Zweiten OSC Rheinhausen in Bonn.

Der Kunstschütze: Marijan Basic konnte hier unmittelbar vor der Pause die gesamte Dormagener Abwehr und Torhüter Max Conzen ziemlich artistisch überrumpeln und auf 10:13 verkürzen. Später hatten die Essener (mit der Nummer 5 Atdhe Basholli) allerdings keine Chance mehr auf ein spektakuläres Ergebnis. (Foto: Thomas Schmidt)

TSV Bayer Dormagen II – HSG am Hallo Essen 33:21 (13:10). Stell dir vor, es ist Spitzenspiel. Und kaum einer geht hin. Wenn der Erste auf den Dritten trifft und sich eine Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft anbahnt, sollte das Interesse mindestens überdurchschnittlich sein. Vielleicht war das aber gestern am frühen Nachmittag im Dormagener Sportcenter, das eine der schönsten Spielstätten des Landes beherbergt und bei voller Auslastung Platz für 3000 Zuschauer bietet, gar kein richtiges Spitzenspiel. Was auf dem Etikett stand, passte jedenfalls kaum zum Inhalt – weil sich klar weniger als 100 Fans zu einer Magerkulisse auf den Tribünen verloren, weil oft eine Atmosphäre wie bei einem sommerlichen Testspiel mitten in der Vorbereitung herrschte, weil keine Spannung aufkam, weil die mit einer engen Partie zu verbindenden Emotionen in der Regel fehlten. Dass die Gastgeber am Ende mit zwölf Toren Differenz gewannen und den nun ehemaligen Verfolger aus dem Rennen um die Meisterschaft nahmen, war zwar nach der ersten Halbzeit noch nicht zu erkennen, deutete sich allerdings im zweiten Durchgang früh an. Und dabei musste die Mannschaft von Trainer Peer Pütz keineswegs eine überragende Leistung abrufen – im Gegenteil. Ihr genügte in den meisten Phasen der vom beiden Seiten mit vielen Fehlern bestückten Partie bereits Durchschnitt, zumal der HSG am Hallo hinterher alle Mittel für eine Wende oder wenigstens ein ordentliches Ergebnis fehlten. Der mehr als deutliche und in der Summe sicher komplett verdiente Erfolg sorgte aus Sicht der Hausherren dafür, dass die Tabellenspitze nun bei 33:9 Punkten in Beton gegossen ist. Einer der ebenfalls guten Gründe dafür hatte sich schon am Samstag durch die 30:32-Niederlage des Zweiten OSC Rheinhausen bei der TSV Bonn rrh. ergeben – und nun tat der TSV Bayer das Seine dazu. Rheinhausen als Zweiter (28:14) und die Essener als Dritter (27:15) liegen jetzt fünf beziehungsweise sechs Zähler zurück, sodass Platz eins praktisch vergeben ist. Nicht mal eine außergewöhnliche Phantasie oder eine KI kann eine Entwicklung entwerfen, die Dormagen am Aufstieg in die 3. Liga hindert. 

Eins der größeren Probleme aus der Sicht der HSG: Ihr stand ab der elften Minute in Dennis Szczesny eine zentral wichtige Führungsfigur nicht mehr zur Verfügung. Der 32-Jährige erlitt ohne gegnerische Einwirkung beim Aufkommen auf dem Hallenboden eine Verletzung am rechten Fuß – das Aus. „Das war für unser Spiel natürlich ein bisschen schwierig“, stellte HSG-Coach Niklas Rolf fest, der zunächst allerdings trotzdem eine 5:3-Führung (13.) für die Essener sah. Dennoch lag hier schon der Anfang vom Ende, denn die Gäste fabrizierten lediglich eine gesteigerte Fehlerquote und für fast 13 Minuten bis zum 5:11 (23.) kein eigenes Tor mehr, sondern eine schmerzhafte 0:8-Serie. Essen kam zwar bis zur Pause auf 10:13 (30.) und kurz nachher auf 13:15 (35.) heran, wirkte anschließend aber eher wie ein Wiederholungstäter: Dormagen, das deutlich dynamischer wirkte, erhöhte durch vier Tore hintereinander auf 19:13 (37.) und veranlasste Rolf direkt zur dritten und letzten HSG-Auszeit in diesem Duell. Für eine nennenswerte Aufholjagd  kam Essen allerdings nicht in Frage – und spätestens nach dem 24:16 (46.) war die Angelegenheit geklärt. Auf der Zielgeraden wurde es auch noch zweistellig, weil die Hausherren bis zum Schluss aufs Gaspedal drückten und aufs 29:21 (55.) eine 4:0-Serie zum mehr als hohen Endstand folgen ließen. Nach dem 36:28 aus der Hinrunde stehen im Übrigen in den beiden direkten Duellen mit Essen erstens 4:0 Punkte und zweitens 69:49 Treffer auf dem Konto der Dormagener. Viel aussagekräftiger geht es kaum.

Dass von guter Laune beim Verlierer hinterher wenig zu spüren war, ließ sich nachvollziehen. Trainer Rolf redete nicht um den heißen Brei herum: „Das war ein gebrauchter Tag für uns. Wirklich gut gehalten hat trotz der vielen Gegentore Mathis Stecken, der uns lange im Spiel gehalten hat. Vorne im Angriff kam ganz viel zusammen über mangelnde Tiefe im Angriff, schlechte Wurfauswahl und viel Wurfpech. Alles in allem war das ein völlig verdienter Sieg für Dormagen. Hinten heraus sind mir auch die Spieler weggebrochen, Kai Bekston ist ausgefallen im Spiel, Christoph Enders schon angeschlagen ins Spiel gegangen. Dormagen kann man eigentlich vorzeitig zum Aufstieg gratulieren, aber es war nicht die Art und Weise, wie wir uns präsentieren wollten.“ Wesentlich mehr wusste der Kollege Pütz aus Dormagener Sicht mit dem Geschehen anzufangen – ohne dass er in Euphorie ausgebrochen wäre: „Das Abwehr-Torhüter-Spiel war über das gesamte Spiel sehr stabil und sehr zuverlässig, wir haben Matthis Blum verhältnismäßig gut in den Griff bekommen. Ich denke, das war die Basis zum Erfolg insgesamt. In der ersten Halbzeit haben wir sowohl im Abschluss als auch, was technische Fehler angeht, deutlich zu viel liegen lassen. Wir hätten uns schon früher absetzen können. In der zweiten Halbzeit haben wir uns im Angriff deutlich gesteigert, besser getroffen und viel weniger Fehler gemacht. In der Summe war das eine sehr zufriedenstellende Leistung.“ Jenes Urteil traf vor allem auf Keeper Max Conzen zu (34), der sich im Duell Routine zwischen den Pfosten ein Duell auf Augenhöhe mit Essens Mathis Stecken (33) lieferte. Kaufen konnte sich dafür allerdings höchstens Conzen etwas.

TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (6/2), Srugies (3), Hinrichs (1), Hahn, Kasper (2), Emmerich (1), Leis (2), Ostrowski (6), Bahns (3), Scholl (1), Böckenholt (6/2), Schindler (1/1), Scheel, Hein (1).

HSG am Hallo Essen: Stecken, Christmann – Blum (2), Basholli, Sinkovec (1), Enders (2), K. Bekston, A. Bekston (1), Neitsch (1), Szczesny, Ellwanger (3), Lange (1), Ciupinski (3), Basic (5/2), Genkel, Schupe (2).