| 23. April 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Verbaut: Auch für die Essener Atdhe Basholli (vorne) und Christoph Enders (rechts) waren die Dormagener vor Kurzem zu sehr überlegen. Torhüter Max Conzen, Krischa Leis und Julius Bahns (von links) hatten am 12. April beim 33:21 jedenfalls alles im Griff mit der Abwehr des TSV Bayer. Der Spitzenreiter scheint ganz vorne nur noch über sich selbst stolpern zu können. (Foto: Thomas Schmidt)
Es ist ja schon länger nicht mehr die Frage, ob der TSV Bayer Dormagen II in der Regionalliga die Meisterschaft holt und sich dadurch das Recht zum Aufstieg in die 3. Liga sichert. Es ist vielmehr nur die Frage übrig, wann es so weit sein wird. Vier Spieltage vor dem Ende der Saison liegt das Team von Trainer Peer Pütz nach einer Serie von 23:1 Punkten aus den zwölf Partien im Kalenderjahr 2026 bei 35:9 Punkten klar vor dem Zweiten OSC Rheinhausen (30:14), dem Dritten HSG am Hallo Essen (29:15) und dem Vierten TV Korschenbroich (28:16). Diese drei Klubs könnten den Spitzenreiter jedenfalls theoretisch noch einholen – was rein rechnerisch für die Unitas Haan und den HC Weiden (beide 27:17) nicht mehr möglich ist. Und natürlich gehen die Dormagener jetzt als Favorit ins Heimspiel gegen die HSG Refrath/Hand (Achter/21:23), die für 2026 nur bei 12:12 Zählern steht – was fürs Team von Trainer Kelvin Tacke trotzdem insgesamt als ordentlich gilt. Ob den Refrathern nun der Rückgriff auf den 21. Dezember 2025 was bringt? An jenem Sonntagnachmittag vor vier Monaten gewann die HSG in eigener Halle mit 33:31 gegen den TSV Bayer II, der damals die bislang letzte seiner ohnehin lediglich drei Niederlagen hinnehmen musste. Die beiden vorherigen sind im Übrigen sogar noch älter, weil sie vom 4. Oktober 2025 (24:30 beim HC Gelpe/Strombach) und vom 9. November 2025 (31:35 bei Unitas Haan) stammen. Vorteil für Refrath: Die Gäste, die den Klassenerhalt bereits in der Tasche haben, können ohne jeden Druck probieren, ob für sie im Sportcenter vielleicht eine weitere Überraschung möglich ist. Vorteil für Dormagen: Die junge Mannschaft wirkte zuletzt selbst in engen Situationen (von den es nicht besonders viele gab) ziemlich abgeklärt – und sie weiß bereits beim Anwurf am Sonntagmittag um 13.30 Uhr, ob sie eventuell bereits einen Matchball für die Meisterschaft in der Hand hat. Die gesamte Konkurrenz aus dem oberen Drittel spielt schließlich bereits am Samstagabend.
Sehr aufmerksam werden die Dormagener sicher beobachten, wie die Rheinhausener ihre Aufgabe angehen und ob sie die Herausforderung bestehen. Geschenkt wird der OSC dabei nicht mal den kleinsten Zentimeter Raum bekommen, weil er beim BTB Aachen antritt – dem im Kampf um den Klassenerhalt auf dem vorletzten Platz bei 13:31 Punkten das Wasser bis zum Hals steht. Zehn ihrer 13 Punkte holte die Mannschaft von Trainer Simon Breuer zu Hause in der Halle Gillesbachtal, wo sie zuletzt allerdings drei Mal hintereinander leer ausging mit dem 22:32 gegen Dormagen, dem 22:28 gegen Essen und dem 27:28 zuletzt gegen Refrath/Hand. Eine der möglichen Rechnungen in der Titelfrage ist einfach: Sollte Rheinhausen in Aachen beide Punkte abgeben, genügt dem TSV Bayer knapp 18 Stunden später ein knapper Sieg, um vorzeitig die Meisterschaft sicher zu haben. Dann läge der OSC schließlich bei drei Restspielen sieben Zähler hinten, die er selbst theoretisch nicht mehr auffangen kann. Dass die Aachener ihr Möglichstes geben werden, versteht sich von selbst, aber dem BTB geht es hier kein bisschen darum, dem OSC Rheinhausen zu schaden oder die Dormagener zu befördern. Es ist alleine das Eigeninteresse, das die Aachener antreibt und in einer richtig schwierigen Situation beinahe mal eine Überraschung benötigt. Und weil sie beim BTB wissen, dass sie – wie vor einer Woche beim 29:34 im Derby in Weiden – von keinem Großzügigkeit erwarten dürfen, verspricht auch dieser 23. Spieltag wieder eine Menge Spannung. Nachvollziehbar ist dabei, dass Rheinhausen mit seinem Trainergespann Sascha Wistuba/Nico Biermann seine eigenen Ideen vom Verlauf des Abends hat. Gegen den Titel „Vizemeister“ hätten sie im Ruhrgebiet wenig einzuwenden und deshalb käme ihnen eine Niederlage in Aachen nicht besonders gelegen. Erstaunlicher Fakt aus der Statistik: Der BTB ist als Vertreter des Kellers bei 655 und 665 Gegentreffern mit der knapp besseren Abwehr ausgestattet als die Rheinhausener, die ihrerseits bei den selbst erzielten Toren in einer ganz anderen Liga unterwegs sind. Der OSC steht bei 733 Toren, der BTB bei 593. Das heißt, dass der Zweite pro Partie im Durchschnitt über sechs Treffer mehr anbringt als der Vorletzte. Was das fürs direkte Duell bedeutet? Erst einmal nichts.
Den Abstieg nicht mehr vermeiden wird der Tabellenletzte VfL Gummersbach II (8:36), dem vier Runden vor Schluss fünf Punkte bis zum rettenden Ufer sowie offensichtlich die für den Klassenerhalt nötigen Mittel fehlen. Davor sieht dann jedoch der Versuch, sich eine Position am rettenden Ufer zu sichern, immer mehr nach einem echten Hauen und Stechen aus: Darin verwickelt sind die beiden Aufsteiger SSV Nümbrecht (15:29) und Borussia Mönchengladbach (13:31) sowie die Aachener, die aus der schwierigsten Situation heraus in den Endspurt gehen. Ihr Weg bis ans Ende der Saison führt sie nach dem Heimspiel gegen Rheinhausen am 2. Mai zum TV Aldekerk (Neunter/20:24) und zum Abschluss am 16. Mai zur TSV Bonn rrh. (Siebter/24:20). Dazwischen liegt am 9. Mai ein Duell, das eine Art Endspiel ist: Der BTB trifft am vorletzten Spieltag auf die Nümbrechter und er wird diese Partie gewinnen müssen. Nach dem 28:28 aus der Hinrunde hätte Aachen dann wenigstens den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich auf seiner Seite – den er im Bezug auf die Mönchengladbacher nicht mehr für sich verändern kann (28:28/28:34). Der Borussia bietet sich dafür jetzt gleich die Gelegenheit, einiges für die eigene Sicherheit zu tun, falls sie nun vom VfL Gummersbach II beide Punkte mitnimmt, und ein Erfolg brächte Mönchengladbach womöglich auf eine Höhe mit Nümbrecht, das in Bonn antritt. Einfacher wird es danach auch nicht mehr für das Team von Borussia-Trainer Ronny Rogawska, das am 2. Mai die HSG am Hallo Essen erwartet und am 9. Mai im Derby den TV Korschenbroich, bevor sie am 16. Mai die Dienstreise zur HSG Refrath/Hand vor sich hat.

Ziemlich frei von sämtlichen Zwängen geht unter anderem der HC Weiden auf die Zielgerade der Saison und das zwischendurch wackelnde Team von Trainer Marc Schlingensief scheint sich gefangen zu haben: Nach 1:7 Punkten aus vier Spielen ohne einen Erfolg gab es zuletzt die Siege beim HC Gelpe/Strombach (36:32) und gegen Aachen (34:29). Beim Fünften Unitas Haan können/müssen die Weidener nun zeigen, wie stark sie der Aufwind trägt. Schlingensief rechnet mit einem Härtetest: „Auf uns wartet gerade das formstärkste Team, wenn man von Dormagen absieht. In den letzten zehn Spielen sprechen 17:3 Punkte für sich. Überraschend finde ich ihre Performance nicht mit Blick auf ihren Kader, Haan ist durchgängig gut besetzt und das auch doppelt. Dadurch können sie 60 Minuten sehr intensiv agieren mit hohem Tempo und viel Druck. Das bedeutet für unsere Abwehr, immer zu versuchen, einen Schritt vorauszudenken und den Druck auf die Angreifer hochzuhalten. In der Abwehr zeigen sie viel körperliche Präsenz und sie agieren ziemlich kompakt. Hier dürfen wir uns nicht viele Fahrkarten erlauben und vor allem müssen wir schnell zurück sein. Alles in allem ist das eine sehr knackige Aufgabe. Wir wollen uns aber bestmöglich präsentieren.“ Ähnliches wünscht sich der Kollege Tim Gentges, dessen TV Aldekerk mittlerweile doch meilenweit hinter den eigenen Zielen und Ansprüchen steckt und vor der Hürde im Oberbergischen beim HC Gelpe/Strombach im kompletten Mittelmaß versunken ist. „Wir müssen zusehen, dass wir die restlichen vier Spiele bestmöglich bestreiten“, findet der TVA-Trainer, „wenn wir das noch positiv gestalten, nimmt man das natürlich mit in die nächste Saison. Und das ist auch, glaube ich, wichtig für den Kopf und für das generelle Selbstbewusstsein. Kriegen wir unsere Leistung, die wir abrufen können, komprimiert und konstant hin, beziehungsweise können wir unsere Schwächephasen auf einen Minimalwert schrauben, werden wir in Strombach gewinnen. Sollte dies aber nicht geschehen, wird es für uns wieder ein böses Erwachen geben. Wir sind in einer Phase, in der wir uns nicht mehr Favorit nennen können, dafür sind wir zu unkonstant in unseren Leistungen. Aber das heißt jetzt nicht, dass wir die Flinte ins Korn werfen. Auf gar keinen Fall.“