Harz beiseite
Zwei aus drei: Königsdorfs Damen wollen durch das Nadelöhr
Der Meister der Regionalliga Nordrhein startet am Sonntag gegen Baunatal in die Aufstiegsrunde. Trainer Ole Romberg ist zuversichtlich und sieht sein Team weiter als vor einem Jahr.

Hoch hinaus: Kapitänin Deborah Seipp und der TuS Königsdorf stießen in der Regionalliga kaum auf echte Gegenwehr. In der Aufstiegsrunde zur 3. Liga werden die Karten jetzt aber neu gemischt. (Foto: Maria Schulz/TuS Königsdorf)

Es ist eine leidige Diskussion um Fairness und Planungssicherheit. Und es wäre sicher gut, wenn der Meister einer Liga automatisch auch aufsteigen würde. Im Handball ist das aber aus verschiedenen Gründen nicht immer gegeben. Ein Beispiel zum Vergleich: In der Herren-Regionalliga des Handballverbandes Nordrhein steht der Aufsteiger zur 3. Liga vier Spieltage vor dem Ende der Saison im Grunde fest, denn der TSV Bayer Dormagen II hat bei 35:9 Punkten einen kaum noch einzuholenden Vorsprung auf den ersten Verfolger OSC Rheinhausen (30:14). In derselben Spielklasse der Frauen ist die „normale“ Spielzeit längst beendet und der TuS Königsdorf mit 43:1 Zählern ungeschlagen Meister geworden. Und obwohl die Mannschaft von Trainer Ole Romberg in ganz anderen Welten vor der Konkurrenz unterwegs war (Vizemeister HC Weiden landete bei 31:13 Punkten), ist der TuS noch nicht aufgestiegen. An der Schnittstelle zwischen dritter und vierter Spielklasse im Frauenbereich müssen die Vereine, die nach oben wollen, noch einmal durch eine Aufstiegsrunde. Die Königsdorferinnen haben hier durchaus bereits Erfahrung, denn vor einem Jahr nahm das Team ebenfalls an der Qualifikation teil. Die damaligen Gegner, der ASC Dortmund, die TSG Leihgestern und der HC Leipzig II waren damals noch ein paar Nummern zu groß und nach sechs Partien beendete der TuS die Runde mit 0:12 Punkten auf dem letzten Rang.

Ein Jahr später sieht Romberg ganz andere Vorzeichen und sein Team in der Entwicklung ein gutes Stück weiter. „Ich glaube, dass wir eine sehr, sehr gute Entwicklung genommen haben, individuell, aber auch mannschaftlich. Der O-Ton von allen Spielerinnen ist, dass sie noch nie in einer Mannschaft gespielt haben, in der sie sich so wohl gefühlt haben. Ich glaube, dass wir eine gute Chance haben, es dieses Mal zu schaffen. Das ist das klare Ziel“, erklärt der Coach. Der Modus sieht dabei auf den ersten Blick schon einmal etwas freundlicher aus. Da nicht aus allen Regionalverbänden Vereine an der Aufstiegsrunde teilnehmen wollen, besteht die Qualifikationsgruppe Mitte in diesem Jahr lediglich aus drei Mannschaften. Neben Königsdorf kämpfen die HSG Baunatal aus Hessen und Borussia Dortmund II hier um zwei Tickets für die 3. Liga. Gespielt wird wieder jeweils in einem Hin- und Rückspiel. Bereits am kommenden Sonntag startet der TuS in der heimischen Gerhard-Berger-Halle gegen Baunatal (17 Uhr), bevor es am 3. Mai nach Dortmund und am 17. Mai nach Hessen geht. Ob Königsdorf in der Saison 2026/2027 in der 3. Liga antritt, steht dann spätestens am 30. Mai nach dem Rückspiel gegen die Borussia fest.

Die beiden Konkurrenten waren in der bisherigen Spielzeit lange nicht so souverän unterwegs wie die Königsdorfer. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass Trainer Romberg mit dem nötigen Respekt an die kommenden Aufgaben rangeht. Gerade die Dortmunder sind dabei als Reserve eines Bundesligisten schwer auszurechnen. „Das ist sicherlich die Wundertüte in der Gruppe. Sie haben einen riesigen Pool von bestimmt 26 Spielerinnen, aus dem sie schöpfen können. Wenn der Verein das will, würden sie den Aufstieg sicher schaffen“, meint Romberg. Baunatal sicherte sich in der Liga die Meisterschaft erst durch eine späte Siegesserie auf der Zielgeraden – was psychologisch kein Nachteil für die Hessen sein muss. Romberg gibt zu, dass die letzten Wochen in der regulären Runde mit der längst feststehenden Meisterschaft für sein Team nicht immer ganz einfach waren: „Natürlich war da ein gewisser Druckverlust zu spüren. Aber wir haben auch versucht, etwas Positives draus zu machen. So kannst du die Belastung steuern und mal etwas ausprobieren.“ Spätestens am Sonntag um 17 Uhr wird der Druck dann wieder voll da sein. Dann wollen die Königsdorferinnen alles für ihr großes Ziel geben – damit sie sich in der kommenden Saison gar keine Gedanken mehr über die Fairness einer Aufstiegsrunde machen müssen.