| 26. April 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Der alles gab und selbst artistische Elemente nicht scheute: Nach Lage der Dinge scheint es so gewesen zu sein, dass Aachens starker Keeper Benedikt Schüler den Ball nur 27 Mal aus seinem Kasten holen musste. Auf dem Spielbericht tauchten aber 28 Gegentreffer auf – was nicht nur der Torhüter relativ erstaunlich fand. (Foto: Thomas Schmidt)
Ausdenken kann sich das keiner. Passiert ist es trotzdem. In echt. Und wieder hat eine Hauptrolle der tief im Kampf um den Klassenerhalt steckende und zurzeit auf einem Abstiegsplatz liegende BTB Aachen, der bereits nach dem 27:28 gegen die HSG Refrath/Hand am 11. April einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels abgegeben hatte. Damals bekam Refrath im Finale der Partie einen Siebenmeter zugesprochen – wobei das vorherige Foul aus der Sicht des BTB nach bereits abgelaufener Spielzeit passiert sein soll. Jetzt war die Halle Gillesbachtal erneut der Schauplatz eines Dramas, dessen Drehbuch vielleicht noch ein Stück ungewöhnlicher ist. Im Mittelpunkt stehen diesmal nicht die alleine schon irren letzten 37 Sekunden. Hier erzielt Len Kepp mit dem 28:27 (60.) zunächst die nach dem frühen 1:0 (2.) erst zweite Führung für die Gastgeber, die einen Erfolg sehr gut gebrauchen können. Anschließend nimmt OSC-Trainer Sascha Wistuba eine Auszeit – und genau eine Sekunde vor der Schluss-Sirene gelingt Nik Dreier noch der 28:28-Endstand. Das alleine wäre aus Aachener Sicht schmerzhaft genug, aber verkraftbar, weil das im Handball eben vorkommt. Im Zentrum intensiver Ermittlungen rückt allerdings bald die 42. Minute, in der zunächst Felix Horn die Hausherren auf 18:20 heranbringt. Das sieht auch der offizielle Spielbericht so. Ebenso führt dieses Dokument die 30 Sekunden darauf gegebene Zeitstrafe gegen Aachens Kai Münster auf. Münster hat den von der halbrechten Position aus einlaufenden Rheinhausener Max Schlögl gefoult. Beide klären das rasch untereinander, alles scheint in Ordnung zu sein. Ebenfalls im zur Verfügung stehenden Videomaterial erkennbar: Schlögl hat zumindest kurz den Kreis betreten – und die Unparteiischen entscheiden passend dazu auf Abwurf für den BTB, der diesen entsprechend ausführt und im folgenden Angriff durch den inzwischen längst als Spieler mitwirkenden Trainer Simon Breuer auf 19:20 (43.) verkürzt. Dachte er jedenfalls. Denn im Spielbericht steht wie aus dem Nichts zeitlich exakt parallel zur Münster-Zeitstrafe ein 21:18 durch Schlöel – der jedoch überhaupt nicht aufs Tor geworfen hat. Deshalb hat Breuer keinen Zweifel: „Dieses 18:21 hat es nie gegeben. Und beim Unentschieden kostet uns das entsprechend einen Punkt. In dieser Konstellation tut es natürlich wahnsinnig weh, dass wir zwei Spiele hintereinander irgendwie einen Punkt geklaut kriegen quasi.“ Bis zur Klärung des Vorfalls liegen die Aachener mit 14:32 Punkten weiter auf dem vorletzten Platz und wenn jetzt Schluss wäre, müssten sie gemeinsam mit dem Schlusslicht VfL Gummersbach II (8:38) absteigen, der nach dem 27:26 im Kellerduell mit Borussia Mönchengladbach selbst theoretisch nicht mehr zu retten ist. Der Elfte Mönchengladbach (15:31), der Zwölfte SSV Nümbrecht (15:31) und Aachen (14:32) machen den zweiten Absteiger unter sich aus. Der auf Rang zehn abgerutschte TV Aldekerk (20:26) befindet sich zwar auf einem abenteuerlichen Kurs und erneut in einer tieferen Krise, er liegt allerdings ausreichend weit weg von der direkten Gefahrenzone.
Deutlich unaufgeregter ist die Lage im Kampf um die Meisterschaft, wo der TSV Bayer Dormagen II nach seinem 27:21 über die HSG Refrath/Hand (Achter/21:25) praktisch nicht mehr einzuholen ist. Die Tabelle weist fürs Team von Trainer Peer Pütz 37:9 Punkte aus – und damit sechs mehr als beim Zweiten Rheinhausen, der bei 31:15 Punkten steht. In der Theorie könnte der OSC vielleicht an Dormagen vorbeikommen, falls er selbst noch drei Mal gewinnt und der TSV Bayer II noch dreimal verliert. Vor allem Letzteres gilt als extrem unwahrscheinlich und dazu müsste Rheinhausen für den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich die 24:32-Niederlage aus der Hinrunde wettmachen. Die für diesen Verlauf notwendige Phantasie ist auch im Ruhrgebiet nicht vorhanden. Nicht mehr in die Vergabe der Meisterschaft eingreifen können der Dritte TV Korschenbroich (30:16), der Vierte HC Weiden (29:17) und der Fünfte HSG am Hallo Essen (29:17), die aber jeweils noch Kandidaten für die Vizemeisterschaft sind.
VfL Gummersbach II – Borussia Mönchengladbach 27:36 (12:16). Für gut zehn Minuten schien sich der Abend im Oberbergischen aus der Sicht der Gäste vom Niederrhein in die falsche Richtung zu entwickeln, denn nach einer deutlich mehr als 100 Kilometer weiten Anreise starteten sie durchaus schleppend und rannten zunächst hinterher – 0:2 (6.), 3:4 (13.). Anschließend drehte das Team von Trainer Ronny Rogawska die Sache aber mit dem eigenen 5:4 (15.) in die erste Führung und es gab sie anschließend auch nicht mehr ab. Beim 8:10 (22.) oder 11:13 (27.) war Gummersbach dann immer noch in Reichweite und niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, was nach dem 12:16 (30.) am Ende der ersten Halbzeit beim Start in den zweiten Durchgang über den VfL hereinbrechen würde: Es war ein Wirbelsturm mit üblen Folgen für den Tabellenletzten. Niklas Berner (31.) und Paul Lipok (32.) erhöhten zunächst auf 18:12 für die Borussia, ehe vor allen Dingen die große Jordi-Weisz-Schau begann. Innerhalb der folgenden drei Minuten und 39 Sekunden Minuten erzielte der Spielmacher der Borussia fünf Treffer – darunter direkt hintereinander die vier zum 23:13 (38.), 24:13 (39./Siebenmeter), 25:13 (39.) und 26:13 (40.) innerhalb von zwei Minuten und fünf Sekunden. Ebenfalls bemerkenswert: Weisz konnte seine Serie anbringen, obwohl Gummersbachs Trainer Jan Schwenzfeier unmittelbar davor in einer Auszeit (37.) versucht hatte, den Mönchengladbacher Lauf – bis dahin 4:0 – zu unterbrechen. Der Plan ging allerdings daneben und durch die zweite 4:0-Serie in Folge stand der um den Klassenerhalt kämpfende Aufsteiger vorzeitig als Sieger fest. Dass es so kaum weitergehen konnte, war aber klar, und dass in der Folge das letzte Drittel der Partie mit einer 10:14-„Niederlage“ endete, brachte die Borussia angesichts des klaren Vorsprungs nicht mehr wirklich aus der Fassung.
Nachvollziehbar war, dass Rogawska hinterher wenig auszusetzen hatten am Auftritt seines Teams: „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel hingelegt – sei es in der Abwehr, sei es im Angriff. Wir haben sehr stark gedeckt und wir haben Gummersbach gezwungen, in Situationen zu kommen, die wir gerne haben wollten über die Außen. Nach zehn Minuten sind wir langsam in unser Spiel reingekommen mit erster Welle und zweiter Welle. Mir hat heute gefallen, dass wir im Angriff geduldiger waren als vielleicht in anderen Spielen. Gummersbach hat kurz probiert, uns mit ihrem Sieben gegen Sechs vor neue Aufgaben zu stellen, aber wir hatten das im Training besprochen. Ausschlaggebend war dann, dass wir uns einfach komfortabel mit zehn Toren absetzen konnten. Und wir haben das bis zum Ende durchgezogen. Die zwei Punkte waren voll verdient und sehr wichtig für uns.“ Ganz durch ist die Borussia zwar noch nicht, aber sie hat für ihre drei letzten Aufgaben in der Saison 2025/2206 nun deutlich weniger Druck – was angesichts der schwierigen Spiele am 2. Mai gegen die HSG am Hallo Essen, am 9. Mai gegen den TV Korschenbroich und am 16. Mai bei der HSG Refrath/Hand sicher nicht verkehrt ist.
VfL Gummersbach II: Machnacz, Knackstedt – Shimizu (3), Britz (2), Kübler (2), Bohnenkamp (1), Haglund (4/2), Kiesewalter Kasch, Hartmann (2), Fleisch, Krieg (7/4), Patzelt (1), Ulmerich (5), Riedel.
Borussia Mönchengladbach: Heck, Lyrmann, Erkes – Prinz, Jennes (3), Weis (5), Herholz, Bremges (1), Semrau (1), J. Weisz (11/6), Berner (5), Nix, Lipok (6), Markovic (4), Slabospytskyi, Roth.
TSV Bayer Dormagen II – HSG Refrath/Hand 27:21 (12:8). Die Dormagener boten diesmal zwar keine Leistung am oberen Rand ihrer Möglichkeiten, hatten aber nach einer durchwachsenen Anfangsphase alles unter Kontrolle und sie gewannen insgesamt ungefährdet. Inzwischen sind die Dormagener seit mehr als vier Monaten ungeschlagen und am Aufstieg in die 3. Liga bestehen deshalb keinerlei Zweifel mehr – was bei einer Bilanz von inzwischen 25:1 Punkten aus den vergangenen 13 Partien auch vollkommen in Ordnung geht. Was die Refrather immerhin für sich beanspruchen können: Sie waren am 21. Dezember 2025 das bislang letzte Team, das den Dormagenern eine Niederlage zufügen konnte (33:31). Auf ein ähnliches Kunststück durfte das Team von Trainer Kelvin Tacke diesmal nur für gut zehn Minuten hoffen, als der Motor der Gastgeber zuerst deutlich stotterte, nach dem 1:0 (3./Siebenmeter) von Marvin Landau vorübergehend gar nichts mehr produzierte und erst nach dem 1:3 (12.) richtig am Spiel teilzunehmen begann. Refrath sah anschließend bis zum 5:5 (18.) wie ein gleichwertiger Gegner aus, geriet aber durch vier Gegentore in Folge mit 5:9 (22.) in Rückstand und war kurz darauf bloß beim 7:9 (26.) und 8:10 (30.) etwas dichter dran. Den ersten größeren Schritt in Richtung Erfolg legte der Favorit halbzeit-übergreifend mit dem 5:1-Lauf vom 11:8 (30.) zum 16:9 (36.) zurück, ehe er nachher aus dem 16:12 (38.) durch eine 4:0-Serie auf 20:12 (42.) erhöhte. Beim 24:14 (48.) und 25:15 (51.) lagen später zehn Treffer zwischen den beiden Teams, bevor die HSG den Blick auf die Anzeigetafel durch ihr 6:2 für die letzten zehn Minuten erträglicher gestalten konnte.
Beide Trainer gaben in der Analyse dem TSV-Keeper die Bestnote – wobei die Refrather Keeper ebenfalls einen guten Tag erwischt hatten. „Wir haben das gesamte Spiel über sehr gut gedeckt und wir hatten in Max Conzen wieder einen sehr guten Torhüter dahinter“, stellte TSV-Coach Pütz fest, „das war über die 60 Minuten die Basis zum Erfolg. Wir haben uns in den ersten 15 Minuten im Angriff ein bisschen schwergetan und ein, zwei gute Chancen liegen lassen, und viele technische Fehler gemacht. Wir haben das aber relativ stetig verbessert, wir sind grundsätzlich viel stabiler als Mannschaft geworden. Wir konnten uns schon in der ersten Halbzeit absetzen und das in der zweiten ganz gut fortführen, sodass wir insgesamt relativ souverän gewinnen.“ Kollege Tacke sah das in vielen Punkten durchaus nicht unähnlich: „Wir haben über lange Phasen eine überragende Abwehrleistung gehabt, einschließlich Rückzugsverhalten und Torhüterleistung. Was überhaupt nicht funktioniert hat, war unser Angriffsspiel. 21 Tore sind viel zu wenig, wir haben eine Vielzahl an technischen Fehlern und Fehlwürfen gehabt. Der Max Conzen im Tor bei Dormagen hatte eine überragende Leistung. Dann haben wir kurz vor der Halbzeit eine Phase, wo wir die Kontrolle verloren haben, wir sind kopflos geworden. In der zweiten Halbzeit haben wir eine lange Durststrecke, wo wir dann minus zehn zurückliegen. Wir sind noch mal zurück ins Spiel gekommen und haben ein adäquates Ergebnis rausgeholt. Auf der Abwehrleistung kann man definitiv aufbauen, aber nach vorne hat mir das Umschaltspiel überhaupt nicht gefallen.“
TSV Bayer Dormagen II: Conzen, Klein – Landau (8/5), Srugies, Hinrichs, Hahn, Kasper (3), Emmerich (2), Döpner (4), Ostrowski (5), Bahns (2), Scheier, Friederich, Hüter, Schindler (3/1), Scheel, Hein.
HSG Refrath/Hand: Hablowetz, Krämer, Vatter – Neukirch (3), Branding (1), Willers (4), Schallenberg (1), Faust (3), Hippert, Geerkens, Bürger (3), Georgi (2), Noll (3/1), Merz (1), Speckmann, Capota.

TV Korschenbroich – HSG am Hallo Essen 31:26 (14:14). In der Summe dieses Spiels sprach fast immer mehr für die Gastgeber, die das 0:1 (2.) schnell ausbügelten und dann bis zum 14:11 (29.) durchgehend führten. Essens Antwort mit drei schnellen Treffern zum 14:14 (30.) am Ende der ersten Halbzeit sorgte allerdings für neue Spannung, ehe sich der TVK mit dem 20:17 (40.) erneut auf den Weg zum Sieg machte und Essen mit dem 22:22 (48.) wiederum dran war. Das Kopf-an-Kopf-Rennen dauerte nun über ein 25:24 (51.) und 26:25 (54.) für die HSG bis zum 26:26 in der 57. Minute – bis Essen ganz am Ende praktisch nicht mehr stattfand und die Hausherren über einen 6:0-Lauf für die letzten fünfeinhalb Minuten zum 31:26 (60.) die letztlich klare Entscheidung zu ihren Gunsten besorgten. TVK-Trainer Frank Berblinger war nachvollziehbar einverstanden mit dem Resultat: „Riesenkompliment an meine Mannschaft. Von Anfang bis Ende haben wir deckungsmäßig sehr gut gearbeitet in Kombination mit Sven Bartmann im Tor. Wir gehen mit einem Unentschieden in die Pause, sind aber an und für sich die bessere Mannschaft, wir haben nur zu viele freie Würfe liegen lassen. Wir kommen gut raus, aber in der zweiten Halbzeit hat Essen bis auch Vollgas gegeben und gekämpft ohne Ende – und dann war es eben so, dass wir mit einem Tor hinten waren. Zu dem Zeitpunkt hätte das Spiel gut und gerne in die andere Richtung gehen können. Hinten heraus haben wir wieder eine riesen Moral bewiesen, wir waren in der Deckung wieder kompakt und wir haben einfache Tore gemacht über die erste und zweite Welle und am Ende mit fünf Toren gewonnen – ich glaube, vom Spielverlauf her wirklich verdient.“
Das Prädikat verdient hielt HSG-Coach Niklas Rolf in dieser Form nur bedingt für passend. „Es ist ärgerlich, dass wir da keine zwei Punkte entführen konnten“, fand Essens Trainer, „es sah lange nicht so aus, dann sah es lange sehr, sehr gut aus – und dann haben wir uns da so ein bisschen selber aus der Spur gebracht mit einer Zeitstrafe wegen Meckerns. Hinten heraus hatten wir nicht mehr das nötige Spielglück und zwei Minuten vor Schluss bei minus vier war auch einfach die Luft raus. Ich muss meiner Mannschaft trotzdem ein Kompliment machen, sie hat aufopferungsvoll gekämpft. Uns haben Leute gefehlt, der komplette Mittelblock mit Lukas Ellwanger und Dennis Szczesny ist nicht dabei gewesen. Wir haben das Spiel offen gehalten, in der zweiten Halbzeit ist uns hinten heraus leider ein bisschen die Puste ausgegangen.“ Während die HSG am Hallo den Saison-Endspurt am nächsten Samstag bei Borussia Mönchengladbach fortsetzt, tritt Korschenbroich bei der TSV Bonn rrh. an. Einfach werden beide Aufgaben nicht, weil Mönchengladbach in den Abstiegskampf verwickelt ist und Bonn sechs Siege hintereinander als Empfehlung mit in die Partie bringt.
TV Korschenbroich: Bartmann, Krüger – Schneider, Krantzen (5), Eugler, Hartz (5), Brinkhues (1), König (5), Zimmermann (3), Büscher (3), Franz (4), Bitzel (5).
HSG am Hallo Essen: Stecken, Christmann – Blum (5/4), Basholli (3), Sinkovec (4), Enders (3), K. Bekston, A. Bekston, Neitsch, Lange, Ciupinski (3), Basic (2/1), Bongard, Schupe (6).
TSV Bonn rrh. – SSV Nümbrecht 31:25 (16:13). Wer wissen will, wie die Definition von „Lauf“ lautet, könnte gut und gerne bei den Bonnern nachfragen. Das Team von Trainer Florian Benningshoff-Lühl gehörte im ersten Teil der Saison und noch Anfang Dezember 2025 zu den Spitzenteams in der Regionalliga. Dann verabschiedeten sich die Bonner mit zwei Niederlagen aus dem Jahr 2025 und sie ließen Anfang 2026 weitere fünf hintereinander folgen: Durch die insgesamt sieben Pleiten am Stück musste Bonn erstens seine Rechte auf eine Top-Platzierung abgeben und für den Moment sogar vorsichtshalber in Richtung Abstiegszone schauen. Genau umgekehrt läuft es nun seit dem 31:32 vom 28. Februar gegen die HSG am Hallo Essen, denn anschließend wanderten 12:0 Zähler aufs Konto der Bonner, die nun im Heimspiel gegen den Aufsteiger zum sechsten Mal hintereinander gewannen – was ihnen bei mittlerweile 26:20 Punkten den Sprung auf den siebten Platz brachte. Auch Trainer Florian Benninghoff-Lühl nahm den Erfolg natürlich gerne zur Kenntnis, brach aber angesichts der Qualität des Spiels nicht eben in Begeisterung aus: „Wir gewinnen verdient. Leider war es spielerisch wahrscheinlich einer der schwächsten Abende in der Regionalliga von beiden Mannschaften. Wir decken über die ganze Partie gut und René Krouß dahinter im Tor ist auch sehr gut. Deswegen können wir uns unzählige Fehlwürfe leisten und gewinnen trotzdem.“
Nümbrecht erwischte mit dem 4:1 (7.) und 7:4 (12.) den besseren Start, aber nach der ersten Führung beim 8:7 (18.) hielt Bonn in der Regel einen knappen Vorsprung, ehe es kurz vor der Pause vom 13:13 (27.) auf 16:13 (30.) erhöhte und in der zunächst torarmen zweiten Halbzeit mit drei Treffern vorne blieb – 18:15 (41.). Wichtige Etappen waren anschließend die Serie vom 19:16 (43.) zum 22;16 (47.) und die Phase vom 24:20 (50.) bis zum 26:20 (52.). Endgültig klar war der Erfolg der Hausherren dann mit dem 29:23 (57.) von Finn Hoffmann. „Wir kommen schwer ins Spiel – genau wegen dieser Fehlwürfe“, stellte Benninghoff-Lühl fest, „danach werfen wir wenigstens eine vernünftige Quote im Rest des Spiels, was sich auch darin niederschlägt, dass wir die Partie nach und nach drehen und dann kontrollieren können – das immer gestützt auf eine wirklich sehr, sehr starke Abwehr. Viele Zeitstrafen können wir immer wieder nutzen, um doch freie Abschlüsse zu nutzen. Wir sind wahrscheinlich einfach ein kleines Stückchen die Glücklicheren heute, aber auch spielerisch einen Ticken stärker.“
TSV Bonn rrh.: Krouß, Meißenburg – Krohn (3), F. Hoffmann (5/2), Bullerjahn (1), Santen (1), Heitkötter, Fricke (8/2), Bitzer (6), Danz (1), Fischer (2/2), Bohrmann (4).
SSV Nümbrecht: Winkler (1), Rydzewski, Schoger – Benger (5), Urbach (1), Last (2), Witthaut (1), P. Donath, Hartmann (9), Schröter, Dissmann (2/1), D. Donath (3), Ranke, Henrichs (1).
HC Gelpe/Strombach – TV Aldekerk 30:25 (13:7). Es ist der 21. Februar 2026 und die Aldekerker verlieren sang- und klanglos mit 29:37 bei der um den Klassenerhalt kämpfenden Borussia Mönchengladbach. Auf dem damaligen Höhepunkt eines abwärts zeigenden Trends gibt es auch Konsequenzen: Trainer Tim Gentges und sein Co-Trainer Nils Wallrath verkleinern den Kader und fordern eine Kehrtwende. Hier und da wird es zwar besser, aber viel ist zwei Monate später nicht mehr davon zu erkennen. Die folgenden sieben Partien haben nun enttäuschende 5:9 Punkte gebracht und die Pleite beim Tabellen-Nachbarn HC Gelpe/Strombach (jetzt Neunter/ebenfalls 20:26) war bereits die dritte in Folge nach dem 37:40 beim ebenfalls gefährdeten SSV Nümbrecht und dem 31:34 gegen die TSV Bonn rrh.. Gengtes wirkte hinterher fassungslos und er stellte sich (erneut) die Sinnfrage: „Wir entpuppen uns gerade als Aufbaugegner für wirklich jeden in der Liga, der Sog zieht uns immer weiter nach unten. Was wir heute gezeigt haben, war teilweise Arbeitsverweigerung und teilweise irgendwie eine Frechheit. Wir verlieren wieder komplett das Konzept, nur weil wir am Anfang wieder drei, vier hundertprozentige Chancen liegen lassen. Es ist eine komplett beschissene Situation und irgendwie stoßen Nils und ich an unsere Grenzen. Es muss sich schleunigst vieles ändern. Das größte Fragezeichen ist, warum die Mannschaft so an Selbstvertrauen einbüßt, nur weil mal ein, zwei Bälle verworfen werden oder weil mal ein Fehler gemacht wird.“ Ausklammern von der Kritik wollte Gentges lediglich die Keeper Nick Buchmüller und Joscha Schoemackers sowie Luis Niederholz (18), den Jüngsten im Team: „Unsere beiden Torhüter muss ich rausnehmen, die eine sehr gute Leistung gezeigt haben, die gebrannt haben. Und ich muss einen Luis Niederholz rausnehmen, der alles reingeworfen hat, was er kann, was er heute machen konnte.“
Wo sich die Aldekerker besonders über weite Strecken der ersten Halbzeit aufhielten, lässt sich kaum beantworten, doch auf der Platte schienen sie sich nicht durchgehend zu befinden. Nach der 3:2-Führung (9.) durch den Treffer von Thomas Brockmann kassierte Aldekerk bis zum 3:9 (18.) rasend schnell sieben Gegentreffer hintereinander und schon hier war die Sache eigentlich gelaufen. Eine kurz darauf beantragte Auszeit (19.) konnte zwar den Lauf der Hausherren unterbrechen, doch richtig ins Spiel zurück fanden die Gäste in der Folge nicht mehr. Und dann kam es in der zweiten Halbzeit sogar noch viel schlimmer: Hier brauchte der HC für seinen 8:0-Lauf vom 15:11 (34.) bis zum 23:11 (40.) keine sechs Minuten und diese Phase dürfte die bitterste für Aldekerk in der gesamten Saison gewesen sein. Verhindern ließ sich die Pleite fortan erst recht nicht mehr und am Ende war es belanglose Ergebniskosmetik, dass aus dem 21:29 (53.) noch ein weniger peinlich aussehendes 25:30 (60.) wurde.
HC Gelpe/Strombach: Ahmed Elnoamany, Löpker – Dräger, Makowiecki (1), Maier (5/2), Altjohann (1), Pötz (6), Viebahn (2), Heinzerling (8), Jürges (2), Roth (2), Müller (1), Walch (2), Rostalski.
TV Aldekerk: Buchmüller, Schoemackers – Grützner (2), Kirschbaum, Poot (3), Brockmann (3), Plhak (3/2), Hahn, Könnes (1), Tobae (4), Küsters (1), Kahl (4), Niederholz (4), Rutten.
BTB Aachen – OSC Rheinhausen 28:28 (13:16). Beide Seiten hatten hinterher durchaus einige Mühe, sich mit der rein sportlichen Analyse dieses ungewohnten Abends zu beschäftigen. BTB-Trainer Breuer war besonders bemüht, das Positive hervorzuheben: „Punktgewinn, Punktverlust? Auf der einen Seite haben wir das ganze Spiel zurückgelegen, außer beim 1:0 und 28:27. Auf der anderen Seite kriegen wir mit dem Schlusspfiff den Ausgleich. Dieses Ergebnis lässt uns natürlich weiter voll im Kampf um alles bleiben. Wir sind natürlich froh, dass wir noch mal was Zählbares mitnehmen konnten. Das tut uns gut und es gibt uns wieder Hoffnung, dass wir in dem Schneckenrennen da unten eine der beiden anderen Mannschaften hinter uns lassen können. Wir haben leidenschaftlich gekämpft, gut verteidigt mit einem überragenden Benedikt Schüler im Tor, aber insgesamt wahrscheinlich einfach zu viele Chancen ausgelassen und auch immer wieder mal einen technischen Fehler eingestreut – was aber einfach zu unserem Spiel dazugehört. Trotzdem haben wir nie aufgegeben und uns zurückgekämpft.“ Ein Stück besser leben mit dem Resultat konnte allerdings OSC-Kollege Sascha Wistuba – vor allem, weil den Rheinhausenern in Daniel Zwarg (Knie) und Justin Kauwetter (privat verhindert) zwei Rückraumspieler fehlten und Niklas Kölsch sowie Noah Adrian angeschlagen waren. „Wir gehen arg gebeutelt in das Spiel“, sagte Wistuba, „trotzdem haben wir alles selber in der Hand. Wir haben eine Wurfeffizienz von etwas mehr als 50 Prozent – und das ist einfach zu wenig, um am Ende gegen nicht aufgebende Aachener zwei Punkte mitzunehmen. Bis Mitte der zweiten Halbzeit haben wir eigentlich ein gutes Stellungsspiel in der Abwehr, lassen uns dann aber vom Spielertrainer Simon Breuer regelrecht an der Nase herumführen. Respekt an Aachen, die sich von der Halle haben tragen lassen und sich einen Punkt erkämpft haben.“ Bei allem Respekt vor den Gastgebern konnte Wistuba natürlich nicht wissen, ob und welches juristische Nachspiel kommen wird: „Aachen hat Einspruch eingelegt, da ihnen ihres Erachtens ein Tor geklaut wurde. Ob das Spiel noch wiederholt werden kann, wann diese Entscheidung fällt und ob es überhaupt zum Tragen kommt, steht noch aus.“
Aachens 1:0 (2.) durch den von Carsten Jabobs genutzten Siebenmeter blieb für einen sehr langen Zeitraum die einzige Führung der Hausherren, die ab dem 7:8 (15.) vorerst hinterherrannten und vor der Pause den Anschluss zu verlieren drohten – 10:14 (24.), 12:16 (29.). Im zweiten Abschnitt sah es dann bis zum 16:19 (41.) oder 19:22 (43.) ebenfalls noch nicht nach einer Wende aus, aber nach jener verwirrenden Szene aus der 42. Minute war im Anschluss ans 22:22 (50.) wieder jedes Ergebnis möglich. Was sicher für die Moral der Aachener spricht: Sie gaben tatsächlich nie auf, glichen das 23:25 (54.) zum 25:25 (56.) aus und machten immer den Eindruck, jede sich bietende Chance für den Klassenerhalt nutzen zu wollen. Wie das auf der Platte weitergeht, bestimmt der Spielplan, der den BTB am nächsten Samstag zum TV Aldekerk führt. Parallel dazu wird Aachen sicher beobachten, wie die Nümbrechter in ihrem Derby gegen den HC Gelpe/Strombach abschneiden.
BTB Aachen: Schüler, Elsen, Sadequi – Huckemann, Jacobs (7/3), Horn (1), Breuer-Herzog (4), Wudtke (1), Büchel (1), Kaesgen (1), Klinkenberg, Wagner (2), Münster, Herzog (2), Schnalle (5), Kepp (4).
OSC Rheinhausen: Lenz, Seemann – Adrian (1), Rippelmeier (1), Mook (1), Ernst (3), Dreier (2), Hüller (3), M. Molsner (4), Käsler (8), Kölsch (2), Schlögl (3).
Unitas Haan – HC Weiden 24:27 (14:12). Der dritte Erfolg hintereinander war nach dem 36:32 beim HC Gelpe/Strombach und dem 34:29 im Derby gegen den BTB Aachen sicher der sportlich wertvollste, weil die Gastgeber aus Haan zuvor aus zehn Begegnungen 17:3 Punkte gesammelt und auf diesem Weg nur beim Fast-Meister TSV Bayer Dormagen verloren hatten (33:39). Für HC-Trainer Marc Schlingensief stand dann auch vorher fest, was auf sein Team zukommen würde: „Alles in allem ist das eine sehr knackige Aufgabe.“ Diese Einschätzung sollte sich von Beginn an als zutreffend erweisen und am Ende hatten die Weidener den Erfolg besonders ihrer starken Leistung in der Defensive zu verdanken – die im ersten Durchgang schon nicht schlecht funktionierte und im zweiten nur noch zehn Gegentreffer zuließ. Ein Sonderlob hatte Schlingensief auch für seine beiden Torhüter: „Das Spiel war geprägt von zwei intensiven Abwehrreihen und es wurden jeweils nur schwere Würfe zugelassen. Wir haben uns im Angriff diszipliniert verhalten, aber in der ersten Halbzeit zu zaghaft und zu statisch. Drangeblieben sind wir durch Rückraumtore oder Gegenstöße. Mit der Hereinnahme von Harvey Riechmann, der den auch überzeugenden Tom Keller im Tor abgelöst hat, haben die Jungs in der Abwehr Beton angerührt. Der Angriff war weiter diszipliniert und er hatte genügend Durchschlagskraft.“
Die Aktionen der Gäste waren vorne bis zum 1:4 (7.) flüssig, ehe sie ins Stocken gerieten und Weiden nach dem 5:5 (11.) mit 8:11 (22.) ins Hintertreffen geriet. Auch am Anfang der zweiten Halbzeit stand mit dem 12:15 (34.) ein Drei-Tore-Rückstand auf der Anzeigetafel, doch übers 15:25 (36.) und 16:16 (40.) blieb die insgesamt nicht eben trefferreiche Partie lange ein Duell auf Augenhöhe. Erst die Dreier-Serie vom 21;20 (51.) bis zum 24:20 (56.) machte den Weg ein bisschen frei für den HC, der auf Haans 22:24-Anschluss (56.) mit dem 25:22 (57.), 26:22 (58.) und 27:22 (59.) die aus seiner Sicht passenden Antworten fand. „Entscheidend war die bessere Torhüterleistung auf unserer Seite“, urteilte Schlingensief, „der Matchplan wurde gut durchgezogen und auch jeder hat seine Aufgabe gut gemeistert. Kollektiv hat das Team vollkommen überzeugt.“ Eine ähnliche starke Mannschaftsleistung werden die Weidener sicher auch am kommenden Samstag brauchen, weil sie dann auf den Fast-Meister TSV Bayer Dormagen II treffen.
Unitas Haan: Seher, Goeken – Schulz (1), Mensger (5), Richartz (2), Wöstmann, Maesch, Korbmacher, Micus (1/1), Hinkelmann (1), Rath (1), Völker (2), Bleckmann (2), Werthebach (9/3), Friele, Austrup.
HC Weiden: Keller, Riechmann – T. Meurer (1), J. Frauenrath (5/2), Scheidtweiler (2), Wolff (1), Xhonneux (6/2), Gerke, Bösel (1), Fiedler (1), K. Frauenrath, Deutz (2), Bergerhausen (3), Stolzenberg (5), Eissa.