| 30. April 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Kaum zu glauben, aber wahr: Obwohl Carsten Jacobs der zweitbeste Werfer in der Regionalliga ist und im Schnitt mehr als sieben Tore pro Abend erzielt (nach der offiziellen Statistik 166 in 23 Spielen), befinden sich seine Aachener in größter Abstiegsgefahr. Drei Chancen hat der BTB nun noch, um sich daraus zu befreien. Die Entscheidung fällt vielleicht erst in der letzten Minute des letzten Saisonspiels. (Foto: Thomas Schmidt)
Wer da einen Gewinner sieht, der am Ende dem Kopf aus der Schlinge zieht, sollte sich möglicherweise im Glücksspiel betätigen. Gesicherte Erkenntnis ist im Keller der Tabelle nur, dass der Letzte VfL Gummersbach II mit aktuell 8:38 Punkten in Kürze die Klasse verlassen und runter in die Oberliga muss. Davor passiert seit Wochen das, was Simon Breuer, der Trainer des BTB Aachen, zuletzt als eine Art „Schneckenrennen“ eingestuft hat – was ja auch stimmt, weil niemand so recht vom Fleck kommt. Was passiert ist seit dem Anfang des Jahres 2026? Der Elfte Borussia Mönchengladbach, der bei 15:31 Zählern gerade gerettet wäre, absolvierte zwei Spiele mehr als die Konkurrenz und landete nach bisher 15 Partien bei 10:20 Punkten, was einem Durchschnitt von 0,66 entspricht. Der Zwölfte SSV Nümbrecht, der ebenfalls bei 15:31 Zählern steht und zurzeit ebenfalls gerettet wäre, blickt auf 6:20 Punkte aus 13 Partien – Durchschnitt 0,46. Dicht dahinter liegen auf Rang 13 die Aachener, die mit ihren 14:32 Punkten absteigen müssten, falls jetzt Schluss wäre. Hier ergeben 9:17 Zähler aus 13 Spielen einen Wert von 0,69 – was tatsächlich besser als ist jener Stand bei den Konkurrenten und trotzdem nicht genügen würde. Dem BTB steht das Wasser noch ein bisschen höher bis zum Hals. Grund Nummer eins: Aachen profitiert vorwiegend immer noch von einer Serie von vier Spielen ohne Niederlage (7:1) vom Anfang des Jahres und es ging zuletzt fünf Mal hintereinander als Verlierer von der Platte. Zweimal traf es Breuers Team dabei besonders hart – am 11. April beim 27:28 gegen die HSG Refrath/Hand (Achter/21:25) und am vergangenen Wochenende beim 28:28 gegen den OSC Rheinhausen (Zweiter/31:15). Gegen beide Spielwertungen formulierte der Verein einen Einspruch, doch den einen – und zwar den mit den deutlich größeren Aussichten auf Erfolg – hat er mittlerweile zu den Akten gelegt und beim anderen – genau bei dem mit den geringeren Aussichten – läuft das Verfahren noch. Ob das die richtige Entscheidung ist/war, wird spätestens am 16. Mai nach dem letzten Spieltag in der Saison 2025/2026 feststehen.
Die Niederlage gegen Refrath wollten die Aachener so nicht hinnehmen, weil ihrer Ansicht nach die Spielzeit bei der letztlich zum Siebenmeter und dem Siegtreffer für die HSG führenden Szene bereits abgelaufen sei. Das zu hundert Prozent nachzuweisen, dürfte allerdings maximal schwierig sein. „Wir warten auf eine Entscheidung“, sagt Breuer. Im anderen Fall ist das Warten beendet, bevor es richtig begonnen hat. Hier lag in der Partie gegen Rheinhausen in der 42. Minute ein Regelverstoß vor, weil den Rheinhausenern mit dem 18:21 aus Sicht der Gastgeber ein nachweislich nie gefallenes Tor gutgeschrieben wurde. Sportjuristisch wäre demnach alles auf ein Wiederholungsspiel hinausgelaufen – verbunden allerdings mit dem Risiko, dann zu verlieren und überhaupt nichts in der Hand zu haben. „Du weißt ja nicht, was dieser eine Punkt am Ende wert ist“, erklärt Breuer, der am 11. April nach intensiven internen Gesprächen aus dem handballerischen Ruhestand zurückgekommen ist und wieder mit auf der Platte steht. Sein Ziel ist jedoch nicht eine unmögliche Wunderheilung der Aachener Sorgen, sondern der Versuch, durch Erfahrung, Ruhe und unverändert vorhandene Qualität die viel zu hohe Fehlerzahl auf ein geringeres Maß zurückzuschrauben. Der Plan ging auch auf beim Drama gegen Refrath, ehe Breuer im Derby beim HC Weiden (29:34) aus privaten Gründen nicht dabei sein konnte. Anschließend war es der 42 Jahre junge Spielertrainer auf Zeit, der beim Drama gegen Rheinhausen im der zweiten Halbzeit auch als Torschütze mit vier Treffern eine Schlüsselrolle einnahm. Ebenfalls auf die Platte geht Breuer bei Bedarf für die restlichen drei Spiele am Samstag beim TV Aldekerk (Zehnter/20:26) sowie am 9. Mai im Abstiegsfinale gegen den SSV Nümbrecht und am 16. Mai bei der TSV Bonn rrh. (Siebter/26:20). Mit dem Blick darauf wollen sich die Aachener als Mannschaft weniger um juristische Fragen kümmern, sondern besonders um das, was sie selbst beeinflussen können. Dazu gehört in erster Linie die eigene Leistung.
Was der TV Aldekerk und der BTB gemeinsam haben, ist der Punktequotient für 2026, denn auch Aldekerk steht hier nach 13 Spielen bei 9:17 Zählern und 0,69 Punkten pro Spiel. Für Trainer Tim Gentges und seine Mannschaft ist das viel zu wenig und gerade die jüngste Entwicklung eine Katastrophe – nicht nur, aber auch wegen der mageren Ausbeute von nur einem Unentschieden und vier Niederlagen aus den vergangenen fünf Auftritten. Für einen Teil der jüngsten 25:30-Pleite beim HC Gelpe/Strombach (Neunter/20:26) fand Gentges sogar diese griffige Formulierung: „Arbeitsverweigerung.“ Unter dem Strich erweckt das alles den Anschein, dass die nach der vergangenen Saison personell umgebauten Aldekerker auf der Suche nach sich selbst eigentlich keinen oder höchstens wenige Zentimeter vorangekommen sind. Das war die Einschätzung damals: „Ich traue den Jungs eine Menge zu.“ Diese Theorie stimmt zwar aus Sicht des Trainers immer noch, doch in der Praxis folgt viel zu selten der Beleg dafür – und deshalb wirkt Gentges manchmal nicht verzweifelt, aber nachdenklich. „Es ist schwer, die richtigen Worte in der Phase zu finden, in der wir uns gerade befinden, ohne wie ein Tonbandgerät zu klingen oder irgendwelche Phrasen rauszuhauen“, meint Aldekerks Coach, „aber ich glaube, was anderes bleibt mir nicht übrig. Das Spiel gegen Aachen ist jetzt wirklich wichtig. Nach den letzten Spielen haben wir das eine oder andere bei unseren Zuschauern gutzumachen, aber auch uns selber gegenüber. Es wird jetzt wichtig sein, zu zeigen, dass wir dazu gewillt sind. Wir brauchen Konzentration im Abschluss, im Angriff, in der Abwehr, im Spielaufbau, eigentlich in allem – und nicht nur phasenweise, sondern mal über 50 Minuten. Dann sind wir schwer zu schlagen. Diese Konstanz haben wir zurzeit nicht. Ich hoffe, wir geben trotzdem alles dafür, dass es am Samstag erfolgreich wird.“ Also trifft eine allgemeine Alderkerker Verunsicherung auf Aachener Abstiegssorgen. Das könnte echt spannend werden und keiner will/wird auf die Nöte des jeweils anderen Rücksicht nehmen. Für den engen Abstiegskampf sind zwei weitere Partien ebenfalls nicht ganz unbedeutend: Die Borussia Mönchengladbach trifft auf die HSG am Hallo Essen (Fünfter/29:17), die jenseits von Gut und Böse steht, und der SSV Nümbrecht bestreitet beim inzwischen gesicherten HC Gelpe/Strombach (Neunter/20:26) ein Derby im Oberbergischen.
Ganz vorne stellte sich nur noch die Frage, wann der Tabellenführer TSV Bayer Dormagen II (37:9) die letzten und winzig kleinen Zweifel an der Meisterschaft und am Aufstieg in die 3. Liga beseitigt. Falls die Mannschaft von Trainer Peer Pütz noch vor dem Spitzenspiel am 10. Mai gegen den Zweiten OSC Rheinhausen finale Klarheit haben und dafür aus eigener Kraft sorgen will (wovon auszugehen ist), müsste sie am Samstagabend in der Halle Parkstraße beim HC Weiden (Vierter/29:17) etwas Zählbares holen. Weiden hat allerdings bei allem Respekt vor der bisherigen Saisonleistung des Spitzenreiters nicht vor, den Dormagenern nur bereitwillig zur Meisterschaft zu verhelfen/zu gratulieren – im Gegenteil. „Auf uns wartet der designierte Meister. Mit einem Punkt können sie die Meisterschaft für sich entscheiden. Dass sie diesen einen Punkt gegen uns holen, wollen wir mit allen Mitteln verhindern“, betont Schlingensief. Dass dafür vermutlich eine nahezu optimale Vorstellung notwendig ist, weiß er natürlich: „Die Trauben hängen für uns sehr hoch, aber unmöglich ist es nicht in eigener Halle. Es muss aber einiges passen. Unsere Abwehr muss zu einem Bollwerk werden und wir dürfen den schnellen Dormagenern nicht zu viel Platz geben zur Entfaltung. Andererseits müssen wir sie auch zu Fehlern zwingen, sodass wir eine Mischung aus kompakter und aktiver Abwehrarbeit benötigen. Im Angriff ist es die Aufgabe, die bewegliche Abwehr von Dormagen so in Bewegung zu bekommen, dass wir uns klare Chancen erarbeiten – und diese müssen dann erst mal am starken Torhüter Max Conzen vorbei. Das Hinspiel haben wir vor allem im Angriff hergegeben, weil wir etwas zu ideenlos in die Abwehr gerannt sind. Das wird uns hoffentlich nicht mehr passieren.“ Dormagen steht im Übrigen auch dann vorzeitig als Aufsteiger fest, wenn es in Weiden leer ausgeht und gleichzeitig Rheinhausen gegen Unitas Haan (Sechster/27:19) nicht gewinnt. Mit Glücksspiel hat das allgemein sowieso wenig zu tun, wenn einer auf den TSV Bayer II als Meister der Regionalliga 2025/2026 setzt.