| 10. Mai 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Wir sind Aachen, wie haben es geschafft: Nach dem Sieg über Nümbrecht feierten Mannschaft und Fans gemeinsam. Es soll noch eine längere Nacht geworden sein. (Foto: BTB)
BTB Aachen – SSV Nümbrecht 34:27 (16:11). Es ist ziemlich genau vier Wochen her, erst vier Wochen, da waren die Aachener ziemlich am Boden zerstört. Erstens: Die 28:34-Niederlage beim direkten Kellerkonkurrenten Borussia Mönchengladbach vom 21. März vor der Oster-Unterbrechung in der Meisterschaft wirkt hier noch nach. Zweitens: Am 11. April gibt es ein 27:28 gegen die HSG Refrath/Hand – und der BTB legt einen Protest ein. Drittens: Am 18. April folgt im Derby beim HC Weiden eine 29:34-Niederlage. Viertens: Am 25. April steht gegen den OSC Rheinhausen ein 28:28 auf der Anzeigetafel – und Aachen kündigt erneut einen Einspruch an, verfolgt ihn letzlich allerdings nicht. Und jetzt? Der Sieg über den Aufsteiger aus dem Oberbergischen hebt die Aachener in den siebten Himmel, denn sie schaffen, was sie vielleicht zwischendurch selbst nicht mehr geglaubt haben – den Klassenerhalt. In der Addition mit dem 31:29 zuletzt beim TV Aldekerk steht das Konto des Teams von Trainer Simon Breuer auf dem zwölften Platz bei 18:32 Punkten, die diesmal reichen. Nümbrecht als Vorletzter (15:35) kann den Rückstand nicht mehr aufholen und es muss zusammen mit dem Schlusslicht VfL Gummersbach II (8:42) runter in die Oberliga. Breuer denkt in der Stunde des Sieges auch daran: „Wir sind überglücklich. Gleichzeitig muss man immer einen Blick auf den Unterlegenen haben – und dass die Freude und das Leid so nah beieinander sind, ist für die Nümbrechter natürlich hart.“
Trotz eines 5:4 (11.) und 7:4 (15.) deutet zunächst nicht viel auf einen deutlichen Erfolg der Hausherren hin, weil der SSV zurückkommt und selbst zweimal die Führung übernimmt – 10:9 (22.), 11:10 (24.). Der Rest des ersten Durchgangs gehört jedoch den Aachenern, die den Rückstand vor der Pause über einen 6:0-Lauf ins 16:11 (30.) drehen und direkt am Anfang der zweiten Hälfte die Treffer zum 17:11 (32.) und 18:11 (34.) folgen lassen. Es ist die Phase, die dem BTB fast Flügel verleiht und von der sich die Gäste nicht mehr erholen. Aachen hat immer ausreichend Vorsprung zwischen sich und dem Gegner – 21:14 (38.), 24:16 (42.), 26:18 (47.). Dann verkürzt Nümbrecht zwar auf 21:26 (49.), doch an den Kräfteverhältnissen auf der Platte ändert sich grundsätzlich wenig. Spätestens mit den Antworten zum 28:21 (53.) und 31:23 (56.) beseitigen die Hausherren alle Zweifel am eigenen Erfolg und auf der Tribüne können schon die an Karneval erinnerenden Feierlichkeiten beginnen. Auffällig nach der Schluss-Sirene: Trotz der für beide Seiten hohen Bedeutung für die Partie stehen hinterher nur jeweils sechs Siebenmeter und insgesamt sechs Zeitstrafen im offiziellen Spielbericht. Der führt im Übrigen Aachens Coach wieder als Spielertrainer, denn bereits in der achten Minute wird aus dem „Offiziellen B“ auf der Bank der Spieler Breuer. Er trägt später nicht nur seine Erfahrung und Übersicht, sondern auch die Tore zum 22:15 (39.), 23:15 (41.) und 28:21 (53.) bei.
Seine eigenen Beiträge sind für Breuer selbst jedoch nicht so sehr wichtig, denn er feiert lieber mit dem Team: „Am Ende des Tages sind wir wahnsinnig zufrieden und ich glaube, wir haben hochverdient gewonnen. Wir waren über die 60 Minuten die bessere Mannschaft. Unsere Defensive war 45 Minuten lang wirklich top. Am Ende haben wir bei einer offenen Deckung noch mal ein bisschen geschwommen, aber letztlich größtenteils geführt – früh auch entscheidend geführt. Mit einer wahnsinnig guten Abwehr-Torwart-Leistung und einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung haben wir unser Ziel erreicht.“ Vergessen sind jedenfalls für den Augenblick die Leiden der vergangenen Wochen und manches ist einfach abgehakt. „Am Ende des Tages ist auch die Entscheidung, den Punkt gegen Rheinhausen zu nehmen, die richtige gewesen“, sagt Breuer, „wir sind super glücklich heute, auch wenn die Saison nicht so gelaufen ist, wie wir uns das erhofft haben.“ Auf dem Saison-Abschluss am nächsten Samstag bei der TSV Bonn rrh. (Siebter/28:22) lastet nun immerhin keinerlei Druck mehr. Und der künftige Trainer Philipp Reinertz, der seit einigen Wochen als Breuer-Nachfolger feststeht, wird in der Regionalliga an der Seitenlinie stehen.
BTB Aachen: Elsen, Sadequi – Monteiro Pai (3), Jacobs (10/6), Mattner, Horn (5), Breuer-Herzog (3), Wudtke (1), Büchel (1), Klinkenberg, Wagner, Münster (2), Herzog, Denert (2), Schnalle (5), Kepp (2).
SSV Nümbrecht: Winkler, Rydzewski – Benger, Urbach, Hampel, Last (1), Witthaut (3/3), P. Donath, Hartmann (3), Schröter (2), Schanz (4), Dissmann (5), D. Donath (4), Weber (1), Henrichs, Miebach (4).
Borussia Mönchengladbach – TV Korschenbroich 35:32 (21:12). Es gab mal eine Zeitspanne im Februar und März, als die Borussia geradewegs auf dem Weg zurück in die Oberliga zu sein schien – nach dem 32:34 beim SSV Nümbrecht, nach einem 27:27 gegen den VfL Gummersbach II und nach der 24:40-Klatsche beim HC Gelpe/Strombach ebenfalls aus dem unteren Drittel der Tabelle. Eine Art Wende begann mit dem 34:28 gegen den gleichfalls stark gefährdeten BTB Aachen und jüngst setzte das Team von Trainer Ronny Rogawska zu einer Art Steigerungslauf mit immer wertvolleren Ergebnissen an: Was das 36:27 beim Schlusslicht Gummersbach II als Pflichtsieg andeutete, bestätigte das 39:30 gegen die HSG am Hallo Essen. Und nun setzte die Borussia dieser Reihe die Krone auf – weil sie im Derby gegen Korschenbroich als Außenseiter galt, weil sie sich einfach nicht an diese Rolle hielt, weil sie zwei Punkte einsammelte. Mit 19:31 Zählern hat Mönchengladbach als Elfter den Klassenerhalt ebenso sicher wie der direkt hinter ihm folgende Zwölfte BTB Aachen (18:32). Absteiger sind der SSV Nümbrecht (15:35) und Gummersbach II (8:42). Borussia-Trainer Rogawska war nachvollziehbar begeistert: „Wir haben ein supercooles Spiel gemacht. Wir hatten sogar in der ersten Halbzeit zehn Tore Vorsprung durch einen megaguten Torwart Jonah Erkes und die Abwehr, die richtig kompakt stand. Mir war dann klar, dass wir nicht noch so eine zweite Halbzeit spielen konnten, aber wir haben es hingekriegt, wirklich bis zum Ende dagegenzuhalten.“
TVK-Trainer Frank Berblinger, dessen Team trotz der Pleite weiter auf dem zweiten Platz liegt (32:18), konnte auf der anderen Seite besonders mit dem Start seines Teams wenig anfangen: „Die erste Halbzeit war eine absolute Katastrophe. In den ersten paar Minuten haben wir im Angriff gut gespielt, nur haben wir die Tore nicht gemacht – und Gladbach hat aufs Tempo gedrückt. Wir haben relativ lange gebraucht, bis wir das erste Tor machen, und in der ersten Halbzeit haben wir in der Abwehr nicht den Zugriff gekriegt und zwischendurch haben wir auch im Angriff zu kopflos gespielt.“ Der Blick auf den Verlauf des Abends erklärt die Bauchschmerzen bei den Gästen, die bis zum 0:5 (6.) nichts auf die Anzeigetafel brachten und fürs 1:6 (6.) einen Strafwurf von Max Zimmermann brauchten. Ab dem 15:6 (19.) drohte den Korschenbroichern sogar ein Debakel im zweistelligen Bereich, in den die Borussia tatsächlich vorübergehend eindrang – 21:11 (30.), 22:12 (32.), 23:13 (32.). Nachdem die Entscheidung gefallen war, konnte der Favorit den längst feststehenden Schaden eingrenzen, doch näher als bis auf die sechs Treffer beim 22:28 (47.) kam er zunächst nicht heran. Auf der Zielgeraden war es danach selbst beim 33:29 (56.) und 34:31 (59.) nicht mehr wirklich spannend und nach dem 35:31 von Manuel Bremges genau 41 Sekunden vor der Schluss-Sirene durfte die Borussia in den Jubelmodus schalten.
Rogawska sah den Erfolg es als gerechten Ertrag für die richtige Leistung zum richtigen Zeitpunkt: „Wir waren einfach sehr, sehr stark, sehr fokussiert, sehr konzentriert. Und am Ende war es ein verdienter Sieg. So konnten wir uns den Klassenerhalt sichern, was mich enorm freut für den Verein und für die Mannschaft. Riesenkompliment an die ganze Mannschaft, wir haben uns selber belohnt.“ Das Saisonfinale am nächsten Samstag bei der HSG Refrath/Hand (Achter/24:26) können die Mönchengladbacher jedenfalls ziemlich gelassen angehen. Dem TV Korschenbroich bietet sich zum Abschluss immerhin die Chance, durch einen Sieg über den HC Gelpe/Strombach (Neunter/22:28) aus eigener Kraft die Vizemeisterschaft hinter dem TSV Bayer Dormagen II (39:9) zu sichern. Dafür, dass es klappt, gab tatsächlich die zweite Halbzeit bei der Borussia mit einem 20:14 einiges her. „Da haben wir uns ganz gut berappelt, da haben die Jungs Moral bewiesen“, stellte TVK-Trainer Berblinger fest, „am Ende hat es nicht gereicht, weil wir bei allem Einsatz trotzdem den einen oder anderen individuellen Fehler zu viel drin hatten. Sonst wäre vielleicht ein bisschen mehr möglich gewesen. Wir haben absolut verdient verloren. Gladbach hat von Anfang bis Ende gefightet, wir haben in der ersten Halbzeit den Kampf nicht so angenommen, dafür in der zweiten umso mehr.“
Borussia Mönchengladbach: Heck, Lyrmann, Erkes (1) – Prinz, Jennes (1), Weis (9/5), Herholz, Bremges (6), Semrau, J. Weisz (6/2), Berner (3), Nix (1), Lipok (4), Markovic (1), Roth (3).
TV Korschenbroich: Bartmann, Krüger – Schneider, Krantzen (1), Eugler (1), Hartz (10), Brinkhues (1), König (3/1), Zimmermann (11/2), Büscher (1), Franz (2), Bitzel (2).