| 24. Juli 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Wir schaffen das! Nelson Weisz (Mitte) und seine Mannschaft haben jedenfalls echt Lust auf Handball am Golf von Salerno. (Foto: UDE)
Salerno. Das hört sich doch nach Urlaub an. Die Amalfiküste ist praktisch nebenan, die Insel Capri wäre mit der Fähre zu erreichen. Und dann hat Salerno selbst eine Menge zu bieten: Es ist Universitätsstadt – was in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig ist – mit rund 40000 Studenten, es bietet Kunst, Kultur, Bauwerke wie den Dom, es gilt als lebendig. Das alles wäre attraktiv genug, aber für rund 20 Handballer aus dem Ruhrgebiet vermutlich alleine kein Grund gewesen, in diesem Jahr in den Süden Italiens zu reisen. Sport können sie dort nämlich auch: Die Stadt mit rund 130000 Einwohnern ist besonders anziehend, weil sie im Moment die EUSA Games beherbergt, die nichts anderes sind als die Europameisterschaften der Hochschulen. Das Team der Uni Duisburg/Essen, im Juni Dritter bei den Deutschen Meisterschaften in Oldenburg, hat dabei unter der Regie von Trainer Nelson Weisz sowieso nicht vor, die „Dienstreise“ als Dauerparty zu gestalten – was in grauer Vorzeit wohl hin und wieder so gewesen sein könnte. Die Mannschaft nimmt das Turnier vielmehr angemessen ernst und sie würde am liebsten an den Erfolg von den EUSA Games 2024 in Ungarn anknüpfen. Damals erreichte die UDE das Finale und musste sich dort erst nach einem engen Kampf mit 29:32 gegen die Uni Suceava aus Rumänien geschlagen geben.
Weisz, der aus einer wirklich handball-verrückten Familie stammende Essener aus Leidenschaft, strebt natürlich einen vergleichbaren Erfolg an, kann und will ihn allerdings nicht garantieren. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich das Aufgebot im Vergleich zu 2024 für ein Studententeam systembedingt verändert hat und inzwischen nicht mehr jeder Ehemalige mit von der Partie ist. Moritz Görgen etwa, einst unter anderem als Rechtsaußen der Bergischen Panther unterwegs, und Trainer-Bruder Jordi Weisz vom Regionalligisten Borussia Mönchengladbach sind nicht mehr an Bord. Ihre Treffer zum Beispiel im Finale (Görgen sieben/Weisz fünf) werden der Mannschaft fehlen. Fabian Neher, der im Endspiel sechs Tore erzielte, gehört dagegen weiter dazu. Das Aufgebot für 2026, Tor: Sebastian Büttner (TuS Lintorf/2024 dabei), Nick Buchmüller (TV Aldekerk), Luca Steffel (DJK Adler Königshof); Linksaußen: Benjamin Kahl (zuletzt TV Aldekerk), Jonas Kolski (DJK Adler Königshof/2024 dabei); Rechtsaußen: Aaron Scherz (OSC Rheinhausen); Kreis: Nik Dreier (HSG Am Hallo Essen), Timo Kohl (HSV Überruhr), Etrit Xhafolli (HSG VeRuKa); Rückraum links/Mitte/rechts: Steffen Brinkhues (zuletzt TV Korschenbroich/2024 dabei), Fabian Neher (HG Hamburg-Barmbeck/zuletzt TV Gladbeck/2024 dabei), Mika Petersen (OSC Rheinhausen), Ben Terwint (OSC Rheinhausen), Bennett Schober (TuS Bommern), Albin Xhafolli (HSG VeRuKa). Neben Trainer Nelson Weisz kümmern sich Erik Reese (VfL Rheinhausen/2024 noch aktiv auf der Platte) als Mädchen für alles/Mann für alle Fälle in den Bereichen Planung und Organisation sowie Yuriy Zolotarevskiy als Arzt mit engem Bezug zum Ruhrgebiet und zum Handball um die Belange der Spieler.
Was zum guten Ton gehört: Alle Spieler des aktuellen Kaders, die überwiegend in Vereinen aus der Regionalliga und der Oberliga unterwegs sind, müssen zusätzlich einiges investieren. Da geht es nicht nur um den Faktor Zeit, denn die neue Mannschaft hat sich nicht nur einmal zum gemeinsamen Training getroffen. „So gut vorbereitet waren wir noch nie“, sagt Nelson Weisz. Darüber hinaus muss die Mannschaft einen Teil eigenes Geld etwa für die Flüge beisteuern, weil der Allgemeine Deutsche Hochschul-Sportverband einiges an Kosten für die gesamte Teilnahme abdeckt, aber eben nicht alles. Am Ende hat der gemeinsame Kraftakt dafür gesorgt, dass alle ihren Traum von der Europameisterschaft in die Tat umsetzen können. Und aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre weiß Nelson Weisz, dass sich der Aufwand lohnen sollte: „Das wird eine coole Sache.“ Was er ebenfalls weiß: „Das wird richtig anstrengend.“ Nach der Anreise am Samstag folgt am Sonntag ein Termin mit dem wichtig klingenden Kürzel „GTM“, hinter dem sich das noch wichtigere „General Technical Meeting“ verbirgt. Dort erfahren die Teilnehmer alles mehr oder weniger Wesentliche zum Turnier, oft vorgebracht von Offiziellen in eher formeller Kleidung. „Die nehmen das sehr ernst“, erklärt Weisz. Was er und sein Team dafür bislang nicht kennen, sind die Gegner oder gar eine Auslosung für die Partien in den vier Gruppen aus jeweils drei Mannschaften. Einerseits kommen zwar „nur“ die beiden Gruppenersten ins Viertelfinale, doch am Ende werden alle Plätze ausgespielt und deshalb geht es für die Dritten ebenfalls weiter. Weisz hat diese Rechnung aufgemacht: „Das sind sechs Spiele in sieben Tagen.“ Es versteht sich trotzdem oder gerade deshalb von selbst, dass die Uni Duisburg-Essen gerne bis ganz zum Schluss am Sonntag (1. August) um 17 Uhr im Einsatz ist. Dann wird schließlich nach dem Halbfinale am Samstag um 19.30 Uhr das Finale angepfiffen.

Rückblick: Sebastian Büttner, der im „richtigen“ Handballer-Leben beim Regionalliga-Aufsteiger TuS Lintorf zwischen den Pfosten steht, war bereits 2024 beim Gewinn der Silbermedaille dabei. (Foto: UDE)
Uni-Coach Weisz liebt seinen Einsatz für die Studenten-Mannschaft, würde allerdings gerne in den „normalen“ Handballbetrieb zurückkehren. Ein paar Trainerstationen hat der 34-Jährige in diesem Bereich schon hinter sich: Zuerst war er Trainer der TuSEM-Zweiten, mit der er 2021/2022 den Aufstieg aus der Regionalliga in die 3. Liga schaffte. Im Sommer 2023 übernahm Nelson Weisz den Regionalligisten HG Remscheid, mit dem er auf Rang fünf über die Ziellinie kam – und wo er die im Rückzug (Oktober 2024) aus der Klasse mündenden finanziellen Turbulenzen nicht mehr direkt zu spüren bekam. Im Rückblick überwiegt aus seiner Sicht auf jeden Fall das Positive: „Remscheid hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Mit dem Beginn der Serie 2024/2025 stand der Lehrer für Sport und Geschichte wieder bei TuSEM Essen an der Seitenlinie – diesmal als Co-Trainer von Daniel Haase in der 2. Bundesliga. In ihrer ersten Saison hielten Haase/Weisz mit Essen nach einem harten Kampf die Klasse, ehe ihnen der erneut tief im Kampf gegen den Abstieg steckende Klub im Dezember 2025 im Paket den Stuhl vor die Tür setzte. Danach gab es zwar Kontakte unter anderem in die 2. Liga (als Co-Trainer) und in die 3. Liga, aber in der Summe passten die Ideen nicht so zusammen, dass sie sich hätten realisieren lassen. Die richtige Aufgabe reizt Nelson Weisz allerdings unverändert sehr: „Ich habe Lust, was zu machen.“ Das gilt auch für Salerno. Die Mannschaft und ihr Trainer sind heiß drauf.