| 02. September 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Gefangene: Der Handball allgemein und vor allen Dingen der unterhalb der 1. und 2. Bundesliga hat im Moment viel zu tun, nicht zuletzt mit sich selbst. (Foto: Thomas Schmidt)
Armer Handball. Du hast etwas Besseres verdient – und auf keinen Fall das. Als wäre die Umstellung vom bisherigen System „nuLiga“ über das neue „Handball360“ ins „Handball.net“ nicht schon beanspruchend genug. Die damit zu tun haben, kämpfen immer noch und seit vielen Wochen mit Fehllei(s)tungen, Irrungen und Wirrungen jedweder Art. Für die zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich diesem Feld widmen und versuchen, das alles irgendwie in einen brauchbaren Betriebsmodus zu heben, bedeutet das jede Menge Einsatz an Zeit. Und wer das durchhält, muss definitiv über eine hohe Frustrationstoleranz verfügen. Es geht nicht schlimmer? Oh doch. Vorab dies zur Klarstellung: „Handball360“ und „Handball. net“ haben sich nicht irgendwelche System-Freaks in einem stillen Hinterzimmer ausgedacht: Das Ganze entstand vielmehr auf Veranlassung des Deutschen Handball-Bundes und der ihm angehörenden Landesverbände, die dazu entsprechende Beschlüsse gefasst haben. Es ist mithin keine Privatangelegenheit. Wir wollen dabei an dieser Stelle (vorerst) nicht intensiv auf die technischen Abläufe des vergangenen Wochenendes eingehen. Dass jenes auf den Freitagabend angesetzte Spiel des Aufsteigers TSV Bayer Dormagen II bei der TSG Münster auf der Startseite immer noch nicht zu finden ist, sondern viel weiter hinten auf dem 16. Spieltag? Geschenkt. Es lag ja immerhin ein komplizierter Tausch des Heimrechts vor und den entsprechend einzupflegen, war offensichtlich zu anspruchsvoll. Dass die Partie rund einen Tag nach der Schluss-Sirene in der Tabelle fehlte? Ebenfalls geschenkt. Ob einzelne Positionen an den Spieltagen wie die Aufstellungen wirklich übersichtlich sind? Von professionell sind sie jedenfalls recht weit entfernt. Kehren wir besser wieder zu Dormagen II zurück, wo die Nummer 1 bei Keeper Islam Ahmed Elnoamany zu Hause ist. Dahinter folgt bei den durch sehr schöne Symbole gekennzeichneten Kategorien Tore, Siebenmeter und Zeitstrafen jeweils ein „Nicht verfügbar“. Mutmaßlich ist damit ja gemeint, dass der Bayer-Torhüter weder einen Treffer aus dem Feld heraus erzielt noch einen Strafwurf verwandelt oder sich eine Zeitstrafe eingefangen hat. Alles ebenfalls geschenkt. Was uns allerdings wirklich traurig bis richtig wütend macht, ist der Versuch, die ganze Nummer mit etwas zu unterlegen, dass wohl der Versuch eines „Textes“ sein soll. Was es in Wirklichkeit ist? Es lässt sich nicht anders sagen: Schrott. Wer es liest, muss Schmerzen empfinden: Es klingt wie ein von einer Künstlichen Intelligenz produziertes Zeug, höchstens reif für den Abfalleimer. Daran ist höchstens alles künstlich, aber nichts intelligent. Blöder geht es vielmehr kaum. Halten die dafür Verantwortlichen den Handballer allgemein wirklich für derart dumm? Wir greifen hier erneut auf die TSG Münster und den TSV Bayer Dormagen II zurück. Was dort im Unterpunkt Vorbericht zu finden ist, eignet sich höchstens zum Fremdschämen. Wir gehen es der Reihe nach durch.
Überschrift: „Vor dem Spiel: Tsg Münster gegen Tsv Bayer Dormagen II“
Das ist zwar inhaltsleer, weil wir uns bereits im Bereich der genau dies ausdrückenden Vorberichte befinden, aber für sich (noch) völlig harmlos, obwohl die Abkürzungen TSG und TSV in Wirklichkeit in Großbuchstaben daherkommen.
Zitat: „Am 28. August 2026 um 20:15 Uhr treffen die Tsg Münster und der Tsv Bayer Dormagen II in der Eichendorffschule Münster aufeinander. Es handelt sich um ein wichtiges Duell in der 3. Liga Männer – Süd-West, da beide Teams versuchen, ihre Position in der Tabelle zu festigen.“
Es ist wie früher in der Schule: Die Wiederholung eines Fehlers – diesmal die fehlenden Großbuchstaben bei den Abkürzungen – führt nicht zu einer schlechteren Note. Der Fehler zählt nur einmal. Dass die Partie nicht in der genannten Schule, sondern in deren Sporthalle ausgetragen werden soll, lässt sich vernachlässigen. Und es handele sich um ein wichtiges Duell in der 3. Liga. Wer hätte das am Anfang der Saison gedacht? Beide Teams würden versuchen, ihre Position in der Tabelle zu festigen. Welche Position? Es ist doch der erste Spieltag. Da sind eigentlich alle auf demselben Stand. Oder wissen sie bei Handball.net mehr? Warnung: Es kommt noch schlimmer.
Zitat: „Derzeit liegt die Tsg Münster im Mittelfeld der Tabelle, während der Tsv Bayer Dormagen II etwas hinterherhinkt. Der Abstand zwischen den beiden Mannschaften ist entscheidend für den Verlauf des Spiels und könnte Auswirkungen auf das Selbstvertrauen beider Teams haben.“
Das ist ja interessant. Münster liegt im Mittelfeld der Tabelle, während Dormagen hinterherhinkt? Obwohl beide bisher keine einzige Partie bestritten haben? Der Unsinn setzt sich fort – und der „Autor“ behauptet, der (tatsächlich gar nicht vorhandene Abstand) zwischen den Mannschaften sei entscheidend für den Verlauf des Spiels. Vielleicht haben sie auch da tiefere Einblicke, die dem unwissenden Außenstehenden und dem das Ganze nicht durchdringenden Laien verborgen bleiben. Die Krönung dieser Passage ist dann der Ausflug in den Bereich der Hobby-Psycho-Analytik. Auswirkungen auf das Selbstvertrauen beider Teams ließen sich im Übrigen mit einer ähnlichen Begründung für den Fall konstruieren, dass sich Trainer/und oder Spieler einen derartigen Unfug antun.
Zitat: „In den letzten Spielen hat die Tsg Münster eine wechselhafte Form gezeigt, was sie zu einem unberechenbaren Gegner macht. Das Team muss sicherstellen, dass sie ihre Leistung stabilisieren können, wenn sie einen Sieg vor heimischem Publikum anstreben wollen.“
Die Nummer beginnt direkt mit einer sich aufdrängenden Frage: Münster hat eine wechselhafte Form gezeigt – ja, in welchen Spielen in der neuen Saison denn? Und ob die Mannschaft unberechenbar ist, können sie im jetzigen Stadium des frischen Handball-Jahres in Münster selbst am besten beurteilen. Man müsse sicherstellen, dass sie ihre Leistung stabilisieren können? Das wünschen sich alle Trainer und zwar von montags bis sonntags. Wenn sie einen Sieg anstreben wollen? Wir gehen jede Wette darauf ein, dass das bei der TSG vor heimischem Publikum der Fall ist. Immer. Wie bei jeder Mannschaft im Übrigen. Platter geht es kaum.
Zitat: „Die direkten Begegnungen zwischen diesen beiden Mannschaften zeigen eine ausgeglichene Bilanz, was darauf hindeutet, dass man mit einem spannenden Match rechnen kann. Historisch gesehen neigen diese Spiele dazu, hart umkämpft zu sein und könnten von kleinen Details entschieden werden.“
An dieser Stelle müssen wir den stärksten Tobak verarbeiten. Es gehört fast in den Bereich der höheren Kunst, in nur zwei Sätzen mit etwa 250 Zeichen derart viel dummes Zeug anzubieten. Glückwunsch. Dass eine Bilanz zwischen zwei Klubs, die NOCH NIE gegeneinander angetreten sind, ausgeglichen sei, muss als stramme Idee aus einer verschwurbelten Gedankenwelt durchgehen. Münster ist vor einem Jahr aufgestiegen, Dormagen erst in diesem Jahr gefolgt. Immerhin hatte der „Autor“ an dieser Stelle eine beinahe prophetische Gabe: Daraus auf ein spannendes Match zu schließen, gehört zwar in den Bereich des Übersinnlichen, aber beim späteren 28:28 war es tatsächlich spannend. Der misslungene Ausflug in die Historie, die in der gemeinten Form überhaupt nicht stattgefunden hat, treibt den Leser zwar weiter an den Rand der Verzweiflung, ist jedoch innerhalb dieser Unfug-Passage sogar stimmig. Vielleicht muss man sich darauf nur einlassen und den Verstand irgendwo abgeben. Ach so: Und diese Spiele neigen nicht nur dazu, hart umkämpft zu sein, sie können auch von kleinen Details entschieden werden? Da sind wir für den Moment mal total überrascht bis sprachlos. Echt? Wirklich? Hakt nach bei Trainern in der 1. Bundesliga, der 2. Bundesliga, der Regionalliga, der Verbandsliga, der Landesliga, der Bezirksliga oder der Kreisliga: Jeder hat das bereits erlebt. Ohne Ausnahme. Jeder.
Zitat: „Faktoren wie Heimvorteil und individuelle Fehler könnten entscheidend sein für den Ausgang dieser Partie.“
Wer hätte das gedacht. Das zeichnet wahrscheinlich nur diese Partie aus. Oder sollte es sich um eine allgemeingültige Wahrscheinlichkeitsform handeln? Könnte, hätte, wäre – der Möglichkeiten sind viele, in jedem Spiel und von 0 Uhr bis 24 Uhr.
Zwischen-Überschrift: Spieler im Fokus
Zitat: „Im Fokus stehen einige Spieler von beiden Seiten, deren Leistungen möglicherweise den Ausschlag geben können. Die besten Torjäger des Teams sollten besonders aufmerksam gemacht werden. Es gibt jedoch keine Informationen über mögliche Ausfälle oder Sanktionen seitens der Spieler.“
Ebenfalls sehr beliebt: Man wiederholt im ersten Satz exakt das, was bereits in der Überschrift steht. Geht gemeinhin als Anfängerfehler durch, ist mittlerweile aber durchaus weit verbreitet. Das klingt beinahe so bemerkenswert wie die folgende Feststellung, dass die besten Torjäger besonders aufmerksam gemacht werden sollten. Sind die Herren sonst etwa schläfrig bis unaufmerksam oder nicht in der Lage, dem Geschehen zu folgen? Oder ist gemeint, dass AUF die besten Torjäger der Teams aufmerksam gemacht werden solle. Darauf wiederum kommen die beteiligten Trainer vermutlich nicht alleine. Also ist es besser, dass es ihnen jemand noch einmal im Detail erklärt. Keine Informationen über Ausfälle oder Sanktionen? Hört sich beinahe ungeheuerlich an. Eventuell sind mit Sanktionen vielleicht Strafen/Bestrafungen gemeint. Das tut uns leid, dass hier nichts Genaueres vorliegt. Woher es allerdings vor dem Start kommen soll, ist ein Rätsel.
In der Summe stellen wir zwei Dinge fest. Erstens: Das alles ist leider kein Einzelfall, sondern die Regel. Wer sich etwa in den Vorbericht zum Spiel zwischen der HSG Krefeld Niederrhein, die als Top-Meisterschaftsfavorit auf direktem Weg zurück in die 2. Bundesliga will, und Interaktiv.Handball wagt, findet ähnliche Satzschöpfungen: „Die letzten Leistungen des Teams werden entscheidend sein für den Selbstvertrauenseffekt im ersten Spiel der Saison. Ein Blick auf die Historie lässt vermuten, dass auch dieses Mal keine Mannschaft als klarer Favorit ins Rennen geht. Zu beachten sind die wichtigsten Spieler beider Mannschaften anhand ihrer bisherigen Leistungen sowie mögliche Sanktionen oder Verwarnungen.“ Zweitens: Eine Steigerung oder eine Qualitäts-Offensive bleibt zudem in den Berichten zu den Spielen aus. Zwei Belege zu Münster gegen Dormagen: „Einen bemerkenswerten Einfluss hatte auch Kenneth Fuhrig, der zwei Tore innerhalb weniger Minuten erzielte (13:31 und 15:36), was dazu beitrug, dass der Gastgeber bei einer Führung von fünf Toren lag (15-10)“, heißt es an einer Stelle. Letzteres ist schlicht falsch: Es gab keinen Spielstand von 15:10 aus TSG-Sicht und keinen von 10:15 aus TSV-Sicht. „Kurz gesagt spiegelte dieses Aufeinandertreffen die Stärke beider Teams wider – sowohl offensiv als auch defensiv waren sie ausgezeichnet umgesetzt worden. Für Tsg Münster bleibt das Unentschieden eine Chance zur Verbesserung ihrer Tabellenposition gegen einen starken Gegner wie Dormagen II“, teilt uns das „kurze Spielfazit“ mit. Wir drehen es mal eben um: „Für Dormagen II bleibt das Unentschieden eine Chance zur Verbesserung ihrer Tabellenposition gegen einen starken Gegner wie Münster.“ Was bleibt einem übrig angesichts des drohenden Blutdruck-Anstiegs? Es wird auf Dauer zu starken Kopfschmerzen führen, wenn wir nur pausenlos den Kopf schütteln. Wir werden noch nach Antworten suchen.
Unser Fazit für den Stand der Dinge: Das alles ist ein in der gebotenen Ruhe nachzulesender Beleg dafür, dass du eine KI sicher nicht sich selbst überlassen darfst – wobei allein der Einsatz zur Erstellung von Inhalten mindestens und sowieso irgendwo gekennzeichnet sein müsste. Und ganz, ganz früher gab es mal die Vision, dass am Ende doch ein Mensch als finale Kontroll-Instanz das zu veröffentlichende Material überprüfen müsse – und sei es nur, um den Schein zu wahren. Irgendjemand hat das auf den Namen „Gatekeeper-Funktion“ getauft. Eine KI führt ja eigenlich nur aus, was ihr aufgetragen wurde, anhand von Parametern, die vorher eingegeben wurden. Also waren die Vorgaben bereits maximal minderwertig und drübergeschaut hat auch niemand. Ganz sicher müsste dieses Vorhaben einer/eine/mehrere aus dem Kreis der dafür Zuständigen/Verantworlichen abgesegnet und darüber hinaus freigegeben haben, die entsprechende Knöpfe zu drücken. Das ist im Paket alles ziemlich armselig – und auf gar nicht mal so lange Sicht schädlich für den Sport. Es ist der Abschied von jedem Niveau. Armer Handball. Du hast etwas Besseres verdient – und auf keinen Fall das.