3. Liga
TuS 82 im Aufwind, Aufsteiger im Keller
Opladener gewinnen Mittelrhein-Derby mit 24:23, während der TSV Bayer Dormagen II weiter auf den ersten Sieg wartet. Interaktiv ist beim 23:33 in Saarlouis chancenlos.

Echt unhaltbar: Opladens Len Johannmeyer (Nummer 43/mit Ball, links/Nummer 55 Lucius Heß) war mit zehn Toren der effektivste Werfer und der auffälligste Spieler im Derby beim TSV Bayer Dormagen II. Die Dormagener Abwehr, hier mit Julius Bahns (Mitte/Nummer 30) und Maximilian Naumann (rechts/Nummer 25) fand selten ein richtiges Mittel gegen den Rückraumspieler des TuS 82, der am Ende einen 24:23-Sieg aufs Konto überweisen durfte. (Foto: Thomas Ellmann)

Einem war es am Ende herzlich gleichgültig, ob es anderswo schon eine größere Hallen-Auslastung gab, ob das Mittelrhein-Duell in einer ziemlich tristen Atmosphäre stattfand oder ob auch die Stimmung in der Regel nicht zu diesem als Mittelrhein-Derby zu bezeichnenden Spiel passte. Und es war nachvollziehbar, dass der TuS 82 Opladen das nach der kurzen Dienstreise zum TSV Bayer Dormagen II sowieso nicht zu seinem Thema machen wollte – obwohl sein neuer Trainer Aaron Hahn ja gleichzeitig als Co-Trainer des Dormagener Zweitliga-Teams unterwegs ist. Für die Opladener, die nicht unverdient gewannen, zählte im Grunde nur der knappe 24:23-Erfolg, durch den sie eine Woche nach dem 31:23 bei der HSG Rodgau Nieder-Roden (13./3:7) zum zweiten Mal hintereinander gewannen, ihr Konto auf 4:6 Punkte verbesserten und in der Tabelle auf den neunten Platz kletterten. Der Klassen-Neuling TSV Bayer II, der nach dem Aufstieg in die 3. Liga dort weiter sieglos ist, steckt auf der anderen Seite als Vorletzter bei 2:8 Zählern unverändert im Keller der Tabelle fest. Einziger Klub aus dem Handball-Westen mit einer weißen Weste ist die HSG Krefeld Niederrhein, die gegen die Bergischen Panther mit einem 40:26 (20:15) den nächsten ungefährdeten Sieg erzielte und über ihre weiße Weste (10:0) unverändert an der Spitze thront – was jeweils keine besondere Überraschung ist. Der Vorjahresdritte Longericher SC, der nach einem 30:30 (13:15) gegen das HLZ Friesenheim-Hochdorf II (Sechster/5:5) auf dem achten Platz (5:7) die obere Tabellenhälfte abschließt, liegt unter anderem deshalb knapp vor der benachbarten Konkurrenz, weil er bereits ein Spiel mehr ausgetragen hat als die Opladener, Interaktiv.Handball und die Bergischen Panther (alle 4:6) auf den Rängen neun, zehn und elf. Für Interaktiv, das kürzlich noch den Zweiten TV Gelnhausen (9:1) beim 28:29 ziemlich stark in Verlegenheit gebracht hatte, gab es jetzt mit dem 23:33 (11:15) beim Dritten HG Saarlouis (8:2) nichts zu holen. 

Das Duell im spärlich gefüllten Dormagener Sportcenter stand von Beginn an im Zeichen starker Abwehrreihen und einer hohen Fehlerquote – auf beiden Seiten. Der Sieg der Opladener ging unter dem Strich alleine deshalb in Ordnung, weil sie nach dem 0:1 (5.) und 1:2 (6.) ab dem 4:3 (11.) überwiegend führten und nach dem 7:3 (18.) zunächst für rund 40 Minuten fast alles im Griff hatten – 9:6 (24.), 10:9 (27.), 14:11 (34.), 17:14 (37.), 21:19 (51.), 21:20 (53.), 23:20 (58.). Dass der TSV Bayer am Ende alles riskierte und seine Deckung komplett öffnete, brachte ihm zwar nach dem 21:24 (59.) noch das 22:24 (59.) und 23:24 (60.) jeweils durch Finn Hoffmann, doch zu mehr reichte es nicht mehr. Opladen nahm zwölf Sekunden vor der Schluss-Sirene seine letzte Auszeit und konnte sich für den kurzen Rest des Spiels darauf konzentieren, keinen Ballverlust zu riskieren. Größte Stützen der Gäste waren Keeper Colin Beckert, der hinter der gut auf die Dormagener Zweitkampf-Qualitäten eingestellten Deckung mit dem starken Julius Heß ein paar Klasse-Paraden zeigte, und Rückraumspieler Len Johannmeyer, den die Hausherren auf dem Weg zu insgesamt zehn Toren praktisch nie unter Kontrolle bekamen. Bayer-Trainer Peer Pütz hob trotz der Niederlage eher die aus seiner Sicht positiven Punkte hervor: „Das war eine knappe Niederlage in einem umkämpften Spiel. Nach dem letzten Spiel sind mit Linus Leitz, Luka Kersten und Piet Hahn drei Rückraumspieler ausgefallen, sodass wir wieder ziemlich viel umdisponieren mussten. Wir haben uns da gerade am Anfang im Angriff auf jeden Fall sehr schwergetan, uns dann aber eigentlich gut reingekämpft in der ersten Halbzeit. Insgesamt haben wir aber auch einfach ein paar zu viele Chancen liegen lassen. Gerade am Ende, aber auch bei einigen knappen Situationen, wo Tore gepfiffen wurden oder wir vielleicht noch einen Siebenmeter mehr hätten bekommen können, war es ein bisschen unglücklich. In der Abwehr haben wir eigentlich über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht und uns da stabilisiert. Darauf können wir auf jeden Fall aufbauen.“ Kollege Aaron Hahn, den Pütz aus der gemeinsamen Arbeit für den TSV Bayer Dormagen bestens kennt, war nachvollziehbar wesentlich zufriedener mit dem Verlauf des Abends und dem allgemeinen Trend.

„Das war wieder eine gute Abwehrleistung mit einem starken Colin Beckert in der Kiste“, stellte Hahn fest, „wir sind sehr schnell auf vier Tore weg. Wir haben vorne wieder ein, zwei technische Fehler bzw. Fehlwürfe zu viel und wir lassen Dormagen zur Halbzeit zu nah rankommen, aber wir konnten uns über das gesamte Spiel auf die Abwehr verlassen, auf Lucius Heß mit einer überragenden Leistung in den Zweikämpfen, und vorne hat Len Johannmeyer gute Entscheidungen getroffen vor allem in Überzahlsituationen und mit einer wirklich hohen Präzision in den Pässen. Das war insgesamt eine runde Leistung.“ Insgesamt scheint der schwierig in die Saison gestartete TuS 82, der am nächsten Sonntag auf die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II trifft (Zwölfter/3:7), die drei Auftakt-Niederlagen (0:6) wenigstens fürs Erste abgeschüttelt/aufgearbeitet zu haben. Bitter für Dormagen: Der Klassen-Neuling war in sämtlichen bisherigen fünf Spielen auf Augenhöhe unterwegs, verpasste jedoch immer einen Sieg – auch durch die beiden Unentschieden bei der TSG Münster (28:28) und bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (31:31). Außerdem fiel alle drei Niederlagen maximal knapp aus mit dem 33:34 beim HV Vallendar, dem 31:32 bei der HSG Rodgau Nieder-Roden und jetzt dem 23:24 gegen Opladen. Als mathematisch unwahrscheinlich gilt sicher, dass es über die gesamte Serie so weitergeht. Dafür, dass der Knoten ausgerechnet am kommmenden Wochenende im Spiel beim Zweiten Gelnhausen platzt, bietet den Dormagenern allerdings auch keiner eine Garantie.

Eine Garantie auf was Zählbares oder nur eine greifbare Wahrscheinlichkeit hatte Interaktiv.Handball vor der Aufgabe beim zu den Top-Teams in der 3. Liga Süd-West zählenden Dritten HG Saarlouis (8:2) ebenfalls nicht. Dann kamen die Ratinger mit dem 3:2 (5.) durch Alexander Poschacher zwar zu einer frühen Führung, insgesamt aber nicht annähernd für einen Punkt in Frage. Das 3:3 (5.) kurz danach war bereits der letzte Gleichstand in dieser Partie, die Saarlouis ab dem 11:10 (22.) immer klarer dominierte und kurz nach der Pause frühzeitig zu seinen Gunsten entschied: Hier brauchte der Favorit nur gut vier Minuten, um aus dem 16:13 (30.) einen komfortablen 20:13-Vorsprung (35.) zu machen. Beim 20:25 (48.) waren die Gäste noch einmal bis auf fünf Tore dran, ehe die Lücke nach dem 23:30 (55.) doch auf einen zweistelligen Wert anwuchs – 23:31 (56.), 23:32 (58.), 23:33 (60.). Ratingens spielender Sportlicher Leiter Stanko Sabljic (Kreisläufer, Abwehr-Zentrum), diesmal mit vier Treffern bereits der beste Torschütze bei Interaktiv, fand ein klares Urteil: „Glückwunsch an Saarlouis, das ist ein verdienter Sieg in meinen Augen. Vielleicht ist das zu hart, aber das war so wie A-Jugend gegen Erwachsene. Wir waren nicht mutig genug und das ist auf jeden Fall eine Sache, über die wir reden müssen. Ich weiß, dass das zu einem Entwicklungsprozess gehört, und wir müssen auf jeden Fall aus diesem Spiel viel lernen.“ Wie schnell das funkioniert, dürfte bereits das nächste Heimspiel am Samstag gegen den Vierten Saase3 Leutershausen zeigen (7:3).

TSV Bayer Dormagen II – TuS 82 Opladen 23:24 (11:12). 

TSV Bayer Dormagen II: Elonamany, Klein – Landau (3/2), Almendinger, Deist, Kriescher (2), Unbehaun (1), Doepner (2), Naumann (1), Bahns (1), Scheier, Hoffmann (5), Scholl (3), Richartz, Adam (5), Ishiaku.

TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr, Wiese – Gießelmann (4), Dittmer, Heinzerling (1), Jagieniak, Emmerich (2), F. Johannmeyer, Sonnenberg, Kostorz, Werschkull (4), L. Johannmeyer (10/3), Heß (3), Roth.

 

HG Saarlouis – Interaktiv.Handball 33:23 (15:11). 

Interaktiv.Handball: Bliß, Windeck – Schulz (5/2), Venedey, Szabo, Waldbach (2), Stock (3), Sibbel, Kübler (3), Körber, Seher (2), Schröder (1), Poschacher (1), Megale (2), Sabljic (4).

 

HSG Krefeld Niederrhein – Bergische Panther 40:26 (20:15).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki (1) – Wollny (1), Wolfram (1), Schneider (2), Kösters (1), Siegler (4), Michalski (1), Braun, Jagieniak (2), Persson (7), Ingenpaß (2), Rose (11), Papina (5/4), Mevissen (2).

Bergische Panther: Eigenbrod, Berblinger – Müller (2), Hermann (1), Meurer (6), Taymaz (4), Lindemann (3), Lorenz, Schütte, Ballmann (2), Schön (2), Büscher (4), Elsässer (2/1).

 

Longericher SC – HLZ Friesenheim-Hochdorf II 30:30 (13:15).

Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (7) Schrief, Richter (1), Wolf, Breithaupt (1), Leitz (5), Schulz (10/3), Nolting, Kremp (6), Dahlke.