| 09. Oktober 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Ich schrei vor Glück! Ronny Rogawska kann als Trainer mit seinen Mönchengladbacher auf einen perfekten Saisonstart blicken (drei Siege). Die bisherigen Erfolge des Tabellenzweiten stehen jetzt allerdings im Heimspiel gegen den Spitzenreiter OSC Rheinhausen auf dem Prüfstand. Der Abend könnte spannend werden. (Foto: Michael Jäger)
Vier Mannschaften haben in dieser Saison noch keinen Punkt abgegeben in der Regionalliga – der Spitzenreiter OSC Rheinhausen, der direkte Verfolger Borussia Mönchenglach, der Dritte TV Korschenbroich (alle drei Siege/6:0) und der Fünfte HSG am Hallo Essen (zwei Unentschieden, ein Sieg/4:2). Wenn sich zwei aus diesem Kreis begegnen, handelt es sich demnach auf jeden Fall schon mal um ein Spitzenspiel. Das hier ist aber noch besser, denn mehr Gipfeltreffen geht nicht: Mönchengladbach, in der vergangenen Serie eher Abstiegskandidat, erwartet die Rheinhausener, die zurzeit defensiv das Maß aller Dinge sind. Bei 92:69 Toren (plus 23) stehen für die Mannschaft des Trainergespanns Sascha Wistuba/Nico Biermann die wenigstens Gegentreffer (23 pro Spiel) auf dem Konto – und sie trifft damit auf eine Borussia, die bei 104:88 Treffern im Durchschnitt bei 34,66 erzielten Toren pro Begegnung steht. Wer sich da durchsetzen kann? Völlig offen. Dass die Borussia in Niklas Weis (20 Tore), David Hansen (17) und Jordi Weisz (15) über drei ebenso erfahrene wie durchsetzungsfähige Rückraumspieler verfügt, wissen sie in Rheinhausen natürlich. Und dass der OSC dem nicht nur in seinem Dreh- und Angelpunkt Lukas Hüller (19) einiges entgegenzusetzen hat, weiß Mönchengladbachs Trainer Ronny Rogawska genauso gut. Viel spricht dafür, dass die Jahnhalle den ersten echten Kracher in 2026/2027 erlebt.
Fast nicht zu glauben, aber richtig: Das immer besonders reizvolle Duell zwischen dem TV Aldekerk (Achter/3:3) und den Korschenbroichern folgt rein sportlich erst ein paar Zentimeter dahinter – was in erster Linie an den Aldekerkern liegt, die sich am vergangenen Wochenende zumindest vorerst selbst aus dem Rennen um eine Top-Platzierung genommen haben. Das Team von Trainer Tim Gentges machte da über keine einzige der 60 Minuten beim Aufsteiger TuS Lintorf den Einruck, dass es für Höheres in Frage kommt – im Gegenteil. Unter dem Strich war der TVA an diesem für ihn schwarzen Samstag mit dem 23:30 sogar ganz gut bedient, sodass sich alle Beteiligten rund um die Vogteihalle zunächst wohl schütteln und dann sammeln müssen. Komplett anders sieht das bei den Korschenbroichern aus, die zuletzt nach einem 37:30 gegen den BTB Aachen (Elfter/2:4) und einem 32:29 bei der TSV Bonn rrh. (Sechster/4:2) auch einiges an Glück auf ihrer Seite hatten, als sie die HSG Siebengebirge (Neunter/2:4) auf den letzten Drücker mit 33:32 bezwingen konnten. Dass beim TVK in dieser Woche zeitweise dennoch nicht die grenzenlose Euphorie anzutreffen war, hat mit dem seit Längerem unter einer Knieverletzung leidenden Henrik Schiffmann zu tun: Der 32 Jahre alte Rückraumspieler hatte gehofft, wieder auf die Platte zurückkehren zu können, bestätigte nun allerdings offiziell, dass er seine aktive Karriere auf ärztliches Anraten beendet.

Von derartigen Hiobsbotschaften sind die Aldekerker im Moment nicht betroffen, doch dafür ist die allgemeine Laune aufgrund der Nicht-Leistung in Lintorf stark getrübt – und fast sieht es so aus, als hätte es die beiden ersten Spiele mit 3:1 Punkten (23:22 beim HC Weiden, 34:34 gegen Essen) gar nicht gegeben. „Das Lintorf-Spiel liegt uns noch recht schwer im Magen“, sagt TVA-Trainer Tim Gentges, „wir waren enttäuscht darüber, dass wir eine wirklich gute Chance, richtig gut in die Saison zu starten, haben liegen lassen. Anstatt jetzt mit 5:1 Punkten ganz frisch, frei und fröhlich gegen Korschenbroich anzutreten, haben wir uns schon wieder einen leichten Druck auferlegt – den wir eigentlich vermeiden wollten. Entweder halten wir oben den Anschluss – oder wir müssen uns schon wieder ein Stück weit nach unten orientieren. Es fehlt uns an Stabilität, immer noch.“ Dem Auftritt in Korschenbroich sieht Gentges trotzdem mit maximaler Freude entgegen, weil genau dieses Duell seiner Ansicht nach zu den Höhepunkten im Saison-Kalender gehört: „Wir versuchen, es jetzt gegen Korschenbruch besser zu machen. Das ist natürlich nicht einfach. Es waren immer geile Duelle, es waren immer knappe Duelle. Wir spielen zu Hause und wir wollen die zwei Punkte. Diesen Frust und diesen Druck muss man einfach in positive Energie umwandeln. Ich habe absolutes Vertrauen in meine Mannschaft, dass so etwas wie gegen Lintorf nicht noch mal passiert und dass wir auf Augenhöhe agieren werden. So ein Derby macht immer Bock.“
Klarer Fall: Der Bock auf Handball ist auch beim aktuellen und bisher punktlosen Letzten HC Weiden (0:6) noch da. Nach der Auftakt-Niederlage gegen Aldekerk ging die Mannschaft von Trainer Marc Schlingensief auswärts zweimal hintereinander leer aus – 27:37 bei Unitas Haan (Zehnter/2:4), 22:31 in Rheinhausen. Dass die bevorstehende Aufgabe gegen die HSG am Hallo Essen dadurch nicht einfacher geworden ist, weiß Schlingensief. Und er schätzt die Essener sowieo hoch ein: „Es wartet die nächste schwere Aufgabe auf uns. Essen ist gut in die Saison gestartet und bisher ungeschlagen, das Team ist im Kern zusammengeblieben mit guten Verstärkungen. Vor allem die Neuzugänge Claudius Mittich und Mike Schulz wussten bisher zu überzeugen. Aber nach wie vor bleibt eine der Hauptaufgaben, die Kreise von Matthis Blum so gut es geht einzuengen, denn von ihm geht das Angriffsspiel im Großen und Ganzen aus. Sie stellen gleichzeitig eine robuste, aber auch aktive Abwehr mit guten Keepern dahinter.“ Plan der Weidener, die in der vergangenen Saison und im Jahr davon immerhin jeweils Dritter waren, ist es dennoch, mit Verspätung etwas Zählbares aufs eigene Konto zu bringen. „Wir haben die beiden Niederlagen ausgiebig analysiert und die Jungs und auch wir als Trainerteam waren sehr selbstkritisch und wir wissen, dass das bisher nicht den Leistungen entsprach, wozu wir grundsätzlich in der Lage sind. Auf der anderen Seite waren unsere letzten beide Gegner sehr stark – wo wir mitgenommen haben, dass zu viele vermeidbare Fehler rigoros bestraft werden. Wir sind alle optimistisch, dass wir daraus sehr viel gelernt haben, und wir sind heiß drauf, zu Hause die ersten Punkte zu holen.“
Um die ersten Punkte kämpft auch die HSG Refrath/Hand (Zwölfter/0:6), die bei der HSG Siebengebirge antritt – die wiederum trotz der starken Leistung in Korschenbroich ebenfalls noch kein Spiel gewonnen hat. Die TSV Bonn rrh. und der HC Gelpe/Strombach (Vierter/4:2) treffen sich zu einem Duell der drei Teams (außerdem Essen), die dem Spitzentrio am dichtesten auf den Fersen sind. Der TuS Lintorf (Siebter/3:3) kann/will/muss bei der Unitas Haan (Zehnter/2:4) den zumindest in der Klarheit überraschenden Sieg vom vergangenen Wochenende gegen Aldekerk bestätigen. Ein ziemlich klares Ziel verfolgt der zuletzt beim 29:42 in Gelpe/Strombach chancenlose BTB Aachen im nicht ganz unwichtigen Heimspiel gegen den Aufsteiger SG Langenfeld (13./0:6). „Unsere Personalsituation verbessert sich langsam. Somit dürften wir wieder mehr Optionen haben und dann sicherlich auch eine bessere Leistung als am vergangenen Samstag zeigen können. Es ist Heimspielzeit im Gilles und da darf es gegen Langenfeld eigentlich keine Ausreden geben. Wir wollen auf jeden Fall gewinnen und werden alles in die Waagschale werfen, damit die zwei Punkte in Aachen bleiben. In meinen Augen stehen wir vor einem richtungsweisenden Spieltag, der Aufschluss geben wird, ob wir uns ins untere Tabellendrittel orientieren oder ob wir den Anschluss ans Mittelfeld halten.“ Eine Garantie bietet sich weder den Lintorfern noch den Aachenern – außer der, dass sowohl die Haaner als auch die Langenfelder garantiert ganz andere Pläne und Ziele verfolgen.