3. Liga
Opladen chancenlos – und Interaktiv vergrößert Dormagener Sorgen
TuS 82 verliert beim Tabellenführer Krefeld mit 19:32. Ratingen gewinnt beim weiter sieglosen Aufsteiger TSV Bayer II verdient mit 32:28.

Was ist denn hier los? Trainer Peer Pütz versuchte von draußen immer wieder sehr engagiert, seine Dormagener auf einen erfolgreichen Weg zu lenken. Dennoch ging der Aufsteiger beim 28:32 gegen Interaktiv erneut leer aus. (Foto: Thomas Ellmann)

Natürlich war ihnen klar, dass die Anzahl der Siege geringer ausfallen würde. Damals hatte der TSV Bayer Dormagen II ja die Regionalliga zumindest in der Rückrunde dominiert und sich am Ende der Saison 2025/2026 mit 43:9 Punkten bei 20 Erfolgen sowie jeweils drei Unentschieden und nur drei Niederlagen mit einem deutlichen Abstand den Titel in der Regionalliga gesichert. Inzwischen sieht sich das Team von Trainer Peer Pütz tatsächlich mit einer ziemlich harten Wirklichkeit konfrontiert – sieben Spiele, kein Sieg, 2:12 Punkte, schon fünf Niederlagen, vorletzter Platz, akute Gefahr. Beim 28:32 (9:14) gegen Interaktiv.Handball, das durch den verdienten Erfolg seinerseits eine Serie von zuvor drei Niederlagen hintereinander beendete, war auch nicht wirklich klar zu erkennen, wie die Dormagener den Weg aus dem Keller finden sollen. Interaktiv dagegen verbesserte sich auf den neunten Rang und sein Konto auf 6:8 Punkte – und die Ratinger liegen damit vor den Bergischen Panthern (Zwölfter/5:9) und dem TuS 82 Opladen (13./4:10). Während die Panther beim TV Kirchzell (Sechster/8:6) ein 35:35 (17:21) erzielten, waren die Opladener beim einsamen Tabellenführer HSG Krefeld Niederrhein (14:0) von der ersten Minute an chancenlos und sie mussten am Ende mit dem 19:32 (8:15) ein entsprechend hohes Ergebnis hinnehmen. Weil die direkte Gefahrenzone (drei Absteiger) auf Platz 14 bei der HGS Nieder-Roden beginnt (3:11), müssen für den Moment sowohl die Panther als auch die Opladener den Blick besonders intensiv nach unten richten – wo Dormagen ja im Moment zumindest vorerst bereits festsitzt.

Für den TSV Bayer II begann das Heimspiel gegen Interaktiv wie ein Albtraum. Dass Pütz seine Mannschaft früh in der neunten Minute zur ersten Auszeit zusammenrief, war der Beleg für einen komplett misslungenen Start mit zahlreichen Fehlern verschiedener Art und ausgelassenen Möglichkeiten – 0:1 (4.), 0:2 (6.), 0:3 (8.), 0:4 (9.). Wesentliches zum Besseren aus der Sicht der Hausherren änderte sich in der Folge aber nicht und die defensiv bestens eingestellten Ratinger, die in Keeper Sebastian Bliß einen sehr starken Rückhalt hatten, blieben jederzeit Herr der Lage. Dormagen verkürzte zwar vom 2:7 (14.) auf 7:9 (18.), doch näher als auf diese zwei Treffer kam der Aufsteiger anschließend nicht mehr heran. Aus den fünf Treffern Unterschied mit dem 14:9 (30.) am Ende der ersten Hälfte machte Interaktiv in der zweiten Hälfte mit dem 22:14 (40.), 25:17 (47.), 26:18 (48.) und 27:19 (49.) jeweils acht Tore Differenz, sodass die Partie beizeiten entschieden war. Stanko Sabljic, der spielende Sportliche Leiter bei Interaktiv, nahm die beiden Punkte gerne zur Kenntnis und mit nach Hause, sah jedoch durchaus noch Möglichkeiten für Steigerungen: „Wir waren von der ersten bis zur letzten Minute, glaube ich, die bessere Mannschaft. Mein Gefühl war, dass wir hier ein A-Jugend-Spiel haben. Ich habe sehr viele meiner Jungs trainiert und ich kenne auch viele von Dormagen. Das war für mich sehr interessant. Wir müssen weiter an unserer Mentalität arbeiten und wir müssen in solchen Spielen 60 Minuten im System bleiben, um am Ende höher zu gewinnen.“

Sabljic selbst (38) und Keeper Bliß (36) waren in einer ansonsten jungen Mannschaft die erfahrenen Fixpunkte, die Dormagen für sein noch jüngeres Team nicht hatte. „Wir sind heute vor allem in der ersten Halbzeit extrem häufig an Sebastian Bliß gescheitert“, fand TSV-Trainer Pütz, „wir konnten einfach sehr, sehr viele gut herausgespielte Chancen nicht nutzen, sind so sofort in einen deutlichen Rückstand geraten und konnten nie wirklich näher rankommen. Gerade in der ersten Halbzeit und dann auch noch mal am Ende haben wir eigentlich eine gute Abwehrleistung, woraus wir wegen der vielen Fehlwürfe kein Kapital schlagen konnten. Wir haben uns auch durch die Fehlwürfe ein bisschen aus der Ruhe und aus dem System bringen lassen.“ Oft werden sich die Dormagener das nicht mehr leisten können. Interaktiv macht am nächsten Samstag gegen die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II weiter (Zehnter/5:9), während Dormagen II am Sonntag beim HLZ Friesenheim-Hochdorf II antritt (Elfter/5:9).

Der TuS 82 kam in Krefeld gar nicht erst dazu, sich Gedanken über verpasste Chancen oder Ähnliches machen zu dürfen. Mit dem schnellen 0:4 (7.) war der Verlauf des Abends früh skizziert, ehe der TuS 82 zweimal doch den Anschluss herstellte – 2:4 (9.), 3:5 (11.). Den favorisierten Eagles schien trotzdem immer wieder selbst ein mittlerer Gang zu reichen, um die Partie zu kontrollieren und sie vorzeitig zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ab dem 21:11 (41.) rückte ein Ergebnis mit mehr als zehn Toren Differenz immer näher und nach dem 15:29 (53.) und 16:30 (57.) konnte Opladen den Schaden mit dem 18:30 (58.) und 19:31 (59.) wieder ein bisschen eingrenzen. Den Schlusspunkt setzten allerdings die Krefelder mit dem 32:19 (60.) durch Nick Braun. Ein Beleg für den krassen Unterschied zwischen beiden Mannschaften: Für Krefeld waren Lucas Schneider, Niklas Michalski, Julius Rose, Maciej Papina und Braun jeweils vier Mal erfolgreich – und ihre 20 Treffer hätten bereits zum Sieg gereicht. Das ist sicher kein Zufall, denn der TuS 82 stellt mit insgesamt 175 Toren aus sieben Spielen (Durchschnitt 25,00) den schwächsten Angriff der Klasse.

Co-Trainer Fabrice Voigt, der Chefcoach Aaron Hahn an der Seitenlinie vertrat, war auf der einen Seite sehr realistisch – und auf der anderen bemüht, das Positive herauszuarbeiten und den Blick nach vorne zu richten. „Wir fahren mit einer hochverdienten Niederlage nach Hause. Wir haben eigentlich eine erste Halbzeit, worauf wir aufbauen können – von der Mentalität her, von der Aggressivität her. Wir haben am Anfang leider Pech in Unterzahl, wir werfen Freie nicht ins Tor und der Torwart von Krefeld zieht uns da relativ früh den Zahn. Wir laufen dann immer mehr in eine Art Verunsicherung rein. Unsere Abwehr stand eigentlich relativ stabil, mit stabilen Torhütern – aber wir schaffen es dann nicht, die Chancen, die wir uns erarbeiten, reinzumachen. Und von Minute zu Minute wurden wir etwas verunsicherter. Wir müssen jetzt einfach sehen, dass wir die 30 Minuten mitnehmen, die wir zwar auch verlieren, wo wir aber couragiert auftreten. Die zweite Halbzeit müssen wir abhaken, das war nichts. Jetzt gilt es, weiter mit harter Arbeit zu trainieren und sich nächste Woche das Erfolgserlebnis zu holen, was wir brauchen, damit unsere Köpfe wieder freier werden. Das ist eine neue Mannschaft und es war klar, dass es auch schwierig wird am Anfang, gerade bei einem sehr starken Gegner. Krefeld ist vielleicht auch nicht der Gradmesser gerade für uns.“ Dieser Gradmesser dürfte auf jeden Fall am kommenden Samstag im Heimspiel die HSG Hanau sein (Achter/6:6).

TSV Bayer Dormagen II – Interaktiv.Handball 28:32 (9:14).

TSV Bayer Dormagen II: Elonamany, Klein (1) – Landau, Loske, Unbehaun (5/2), Doepner (4), Naumann (2), Richartz, Bahns (4), Hoffmann (2), Scholl (3), Adam (4), Hahn (1), Schmidt, Manders (2).

Interaktiv.Handball: Bliß (1), Windeck – Heinrichsmeyer, Schulz (9/3), Venedey (2/1), Szabo (1), Waldbach (2), Körber (5), Seher (4), Schröder, Poschacher (1), Eckardt, Megale (3), Sabljic (4), Hufnagel, Jungmann.

 

HSG Krefeld Niederrhein – TuS 82 Opladen 32:19 (15:8).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Wollny (1), Wolfram (2), Schneider (4), Kösters (1), Siegler, Michalski (4), Braun (4), Jagieniak (1), Persson (6), Rose (4), Papina (4/3), Mevissen (1).

TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr – Mucha, Dittmer (4/1), Heinzerling (1), Jagieniak (1), Emmerich (1), F. Johannmeyer (3), Sonnenberg (1), Kostorz, Werschkull, L. Johannmeyer (6/3), Heß (1), Roth (1).

 

TV Kirchzell – Bergische Panther 35:35 (21:17).

Bergische Panther: Eigenbrod (1), Berblinger – Müller (5), Hermann, Lindemann (2), Exner (9/1), Lorenz, Schütte, Ballmann (8), Schön (2), Büscher (4), Elsässer (4/1).

 

Longericher SC – HV Vallendar 37:28 (13:15).

Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (9), Schrief, Pyszora (1), Henrich (2), Richter, Braun, Thöne, Breithaupt (1), Leitz (5), Schulz (10/6), Nolting (4), Kremp (3), Dahlke (2).