3. Liga
Krimi in Ratingen, Premieren für Dormagen und Opladen
Interaktiv gewinnt in der letzten Sekunde mit 29:28. TuS 82 holt beim 35:35 gegen Hanau den ersten Heimsieg, Dormagen II beim 31:28 in Friesenheim-Hochdorf II den ersten Saison-Erfolg überhaupt.

Der Mann für die letzte Sekunde: Durch den ultraspäten Treffer von Luca Elias Schulz kam Interaktiv.Handball mit dem 29:28 gegen die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II nicht nur zu einem Punkt, sondern sogar noch zum Sieg. (Foto: Thomas Schmidt)

Es war wohl die Zeit für was Neues in der 3. Liga. Und besonders der Aufsteiger TSV Bayer Dormagen II hatte was zu feiern – was er direkt nach der Partie beim HLZ Friesenheim-Hochdorf II auch ausgiebig noch auf der Platte tat. Erstens: Durch das 31:28 (16:12) gelang der Mannschaft von Trainer Peer Pütz der erste Saisonsieg. Zweitens: Dieser Erfolg war mit dem Blick auf den weiteren Saisonverlauf doppelt und dreifach wertvoll, weil der Aufsteiger die rettenden Plätze intensiv im Blick behält. Die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (Zwölfter/5:11) und Friesenheim-Hochdorf II (13./5:11) stehen derzeit knapp über dem Strich, die HSG Rodgau-Nieder-Roden (14./5:11) und Dormagen (15./4:12) knapp darunter. Dahinter scheint alleine der HV Vallendar (16./2:14) leicht den Anschluss zu verlieren. Ein Stück davor konnte Interaktiv.Handball durch sein hauchdünnes 29:28 (16:14) über Dutenhofen II sein Konto auf 8:8 Zähler ausgleichen und auf den sechsten Platz klettern, während der auf Rang zehn verbesserte TuS 82 Opladen (6:10) nach dem 35:30 (15:15) gegen die HSG Hanau (Neunter/6:8) riesig erleichtert war, weil ihm im dritten Anlauf der erste Heimsieg in der 3. Liga 2026/2027 gelang. Den ersten Punktverlust gab es für den Tabellenführer HSG Krefeld Niederrhein (15:1) mit einem 30:30 (15:11) beim Zweiten TV Gelnhausen (14:2) und trotz klarer Führungen (40./21:14 und 41./22:15) wäre Krefeld am Ende beinahe noch leer ausgegangen. Gar nicht zum Versuch, was Zählbares aufs eigene Konto zu überweisen, kamen der Longericher SC (Achter/7:9) und die Bergischen Panther (Elfter/5:9), denn dieses verlegte Duell geht erst 9. Dezember über die Bühne.

Bei manchem, der es mit den Opladenern hält, machten sich schnell gemischte Gefühle breit – weil die Gastgeber im dritten Spiel nach der Rückkehr in die renovierte/sanierte Bielerthalle aufgrund einer Kette an Fehlwürfen und sonstigen Fehlern im Schnellverfahren mit 0:3 (3.) in Rückstand gerieten. Auch für den größeren Rest der ersten Halbzeit rannte das Team von Trainer Aaron Hahn nach dem Ausgleich zum 3:3 (7.), 7:7 (15.) und 8:8 (17.) fast immer hinterher – 9:12 (25.), 11:14 (27.). Kurz darauf lieferten die Hausherren aber einen Nachweis intakter Moral und sie antworteten durch vier Tore hintereinander zum 15:14 (30.), das die erste Führung an diesem Abend war. Mit dem 15:16 (31.) folgte dann der letzte Rückstand in dieser nun auf Augenhöhe stattfindenden Partie, ehe die Waage langsam doch auf die Seite der kämpferisch starken Opladener kippte – 20:17 (39.), 20:20 (42.), 22:22 (46.), 26:22 (50.). Hanau konnte zwar auf 25:27 (51.), 28:30 (56.) und 29:31 (56.) verkürzen, aber die Treffer von Johannes Emmerich (57.) und Finn Johannmeyer (58.) zum 33:29 machten den Weg endgültig frei zum Erfolg des TuS 82, für den Paul Gießelmann mit dem 34:30 (59.) und 35:30 (60.) die Schlusspunkte setzte, sodass letztlich sogar ein klarer Sieg auf der Anzeigetafel stand. Hahn war nachvollziehbar einverstanden: „Grundsätzlich können wir sehr zufrieden sein. Wir haben einen wirklich schwierigen Start, dann bekommt relativ schnell Levin Werschkull eine Rote Karte. Kompliment an die drei Rückraumspieler Len Johannmeyer, Finn Johannmeyer und Johannes Emmerich, die das durchgezogen haben. Kämpferisch vor allem war es eine wirklich gute Leistung insgesamt eine wirklich runde Sache mit einer deutlich verbesserten Chancenverwertung von ungefähr 70 Prozent. Das war ein guter Step nach vorne.“

Einen mindestens ähnlich hohen Aufwand musste Interaktiv für den Erfolg über Dutenhofen-Münchholzhausen II treiben – und die Mannschaft von Trainer Filip Lazarov machte die beiden Punkten im immer ausgeglichenen Duell mit wechselnden Führungen erst sehr kurz vor Schluss richtig klar. Vor der Pause lagen die Ratinger bis zum 8:9 (17.) immer mal wieder hinten, ehe sie vorlegten und mit dem 16:14 (30.) am Ende der ersten Halbzeit mit Vorteilen in den zweiten Durchgang gingen – und bis zum 19:18 (37.) stabil aussahen. Dutenhofen glich allerdings nicht nur aus, sondern übernahm mit dem 23:20 (45.) und 24:21 (46.) die Führung und setzte die Hausherren hier unter neuen Druck. In der Summe war der Ratinger Rückstand aber nur der Auftakt für eine maximal intensive Schlussphase, in der jeder Sieger möglich war – 24:24 (50.), 27:27 (58.), 28:27 (59.), 28:28 (60.). Nach diesem Ausgleich der Gäste sechs Sekunden vor dem Ende schien das Unentschieden bereits besiegelt zu sein, doch es folgte noch der Auftritt von Luca Elias Schulz: Der Rückraumspieler rannte im ICE-Tempo sehr energisch auf das Tor der Gäste zu, traf Millimeter vor der Sirene zum 29:28 – und verschwand in einer Traube aus Mitspielern, die sich jubelnd auf ihn stürzten. Stanko Sabljic, der spielende Sportliche Leiter bei Interaktiv, atmete zunächst tief durch: „Das war am Ende ein sehr, sehr glücklicher Sieg. Es war eine ausgeglichene Partie von Anfang an, dann fängt die zweite Halbzeit nicht so gut an und in meinen Augen spielt Dutenhofen auch besser. Sie gehen in Führung und da gab es wirklich eine sehr gute Antwort von uns – mit dem jungen Till Windeck im Tor. Wir kommen mit Kampfgeist zurück ins Spiel und ich finde, das war sehr lernreich für unsere junge Truppe. Wir haben zwei Punkte genommen, das war nicht einfach. Wir haben super gekämpft und nicht aufgehört. Darüber bin ich sehr glücklich.“

Für Dormagen war der Auftakt in Fiesenheim-Hochdorf II mit dem 2:5 (7.) und 3:6 (9.) zwar sehr übersichtlich, aber der Klassen-Neuling ließ sich davon nicht aus der Bahn werfen – im Gegenteil. In den folgenden elfeinhalb Minuten kassierte das Team von Peer Pütz keinen einzigen Gegentreffer mehr, während es selbst sieben Tore erzielte und die Angelegenheit zum 10:6 (20.) drehte. Nachher konnte die HSG den 12:16-Rückstand (30.) am Ende der ersten Halbeit mit dem 15:16 (34.) und 16:17 (38.) zwar verkürzen, doch näher als auf zwei Tore wie beim 19:21 (42.) oder 20:22 (44.) kam sie nicht mehr heran. Auf der Zielgeraden gaben die Gäste dann einen deutlicheren Sieg aus der Hand, indem sie aus dem 25:22 (52.) zunächst das 27:22 (54.) machten und anschließend nach dem 29:23 (56.) durch einen 0:4-Lauf auf 29:27 (59.) vorübergehend für neue Spannung sorgten. Bevor es jedoch richtig eng wurde, beseitigten Malte Adam und Maximilian Schmidt mit dem 30:27 (59.) und 31:27 (60.) letzte Zweifel am ersten Dormagener Saisonsieg. Für Trainer Pütz ging das so weitgehend in Ordnung: „Das war eine sehr gute kämpferische Leistung. Nach anfänglichem Rückstand sind wir besser in der Abwehr und im Tempospiel geworden. Dann haben wir ein bisschen den Faden verloren, uns aber gut gefangen und die Führung wieder ausgebaut. Dafür, dass wir personell wieder umdisponieren mussten wegen der Ausfälle von Finn Hoffmann und Piet Hahn, haben wir es sehr gut gelöst.“

TuS 82 Opladen – HSG Hanau 35:30 (15:15). 

TuS 82 Opladen: Beckert (1), Mohr – Mucha (1), Gießelmann (2), Jagieniak, Emmerich (7), F. Johannmeyer (3), Sonnenberg (1), Kostorz (3), Werschkull (1), L. Johannmeyer (6/4), Heß (6), Swiedelsky, Roth (4).

 

Interaktiv.Handball – HSG Dutenhofen-Mpchholzhausen II 29:28 (16:14).

Interaktiv.Handball: Bliß, Windeck – Grafl, Heinrichsmeyer, Schulz (6/3), Venedey (2), Szabo (5), Waldbach (4), Sibbel (1), Körber (5), Büttner (1), Schröder, Poschacher (1), Eckardt (1), Megale (1/1), Sabljic (2).

 

HLZ Friesenheim-Hochdorf II – TSV Bayer Dormagen II 28:31 (12:16).

TSV Bayer Dormagen II: Elonamany, Klein – Landau (3), Almendinger, Unbehaun (4/4), Doepner (4), Ostrowski, Naumann (1), Richartz, Bahns (1), Scheier (2), Scholl (3), Adam (3), Marcus, Ishiaku (3), Schmidt (7).

 

TV Gelnhausen – HSG Krefeld Niederrhein 30:30 (11:15).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Wollny (3), Wolfram (1), Schneider (1), Kösters (5), Siegler, Michalski, Braun, Jagieniak (1), Persson (8), Ingenpaß, Rose (4), Papina (7/5), Mevissen.