| 15. Januar 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Fokussiert: Zum Niederknien ist die bisherige sportliche Bilanz der im Abstiegskampf steckenden Borussia Möchengladbach in dieser Saison nicht, aber Trainer Ronny Rogawska und seine Mannschaft wollen sich einiges einfallen lassen – auch schon jetzt fürs Derby beim Spitzenreiter TV Korschenbroich. (Foto: Thomas Schmidt)
Es ist der 21. Oktober 2023. Der Aufsteiger Borussia Mönchengladbach verliert zu Hause gegen den TV Korschenbroich mit 29:34. Fünf Monate später gewinnt der TVK am 2. März 2024 beim 32:26 auch das zweite Derby in der Saison 2023/2024. Das Ende vom Lied ein bisschen später: Korschenbroich steht mit 39:13 Punkten an der Tabellenspitze und sichert sich als Meister den Sprung in die 3. Liga – während die Borussia als Letzter mit 16:36 Punkten zurück in die Oberliga muss, sodass sie nun wieder zwei Klassen tiefer unterwegs ist. Das Jahr darauf bringt allerdings die nächste „Familien-Zusammenführung“, was sich aber zumindest die Korschenbroicher ganz und gar nicht so vorgestellt haben – weil sie die 3. Liga so schnell wieder verlassen müssen, wie sie gekommen sind. Gleichzeitig repariert die Borussia den Unfall Abstieg, indem sie die Gruppe 1 der Oberliga dominiert und auf direktem Weg in die Regionalliga zurückkommt. Sollte dahinter eine besondere Art an System stecken? Tatsache ist jedenfalls vor dem nächsten Derby am Freitagabend, der eine brodelnde Waldsporthalle erleben dürfte, dass sich die Bilder von heute und die von damals ähneln. Korschenbroich liegt nach elf Spielen mit 18:4 Zählern vor dem HC Weiden (16:6) und dem OSC Rheinhausen (14:8) auf dem ersten Platz mit einer klaren Tendenz zum Aufstieg in die 3. Liga. Demgegenüber hat sich Mönchengladbach mit erst einem Saisonsieg für den Moment auf dem vorletzten Platz einsortiert und es liegt lediglich über das bessere Torverhältnis (minus 15/minus 22) knapp vor dem aktuellen Schlusslicht VfL Gummersbach II (beide 5:13 aus erst neun absolvierten Partien). Niemand wird deshalb Borussia-Trainer Ronny Rogawska widersprechen: „Wir gehen da als ganz klarer Außenseiter hin.“ Eine Favoritenrolle seiner Mannschaft kann und will Frank Berblinger zwar nicht abstreiten, aber der TVK-Kollege wirkt eher betont sachlich. „Grundsätzlich freuen wir uns auf das Spiel“, sagt Berblinger, „das ist immer was Besonderes. Trotzdem ist es auch nur ein Spiel, in dem es um zwei Punkte geht.“
Obwohl tatsächlich kein einziger Zähler mehr als üblich vergeben wird, sind die Begleit-Umstände außergewöhnlich – noch mehr als sonst und noch mehr als in der Serie 2023/2024. Das hat zuächst mit Ronny Rogawska zu tun, der in Korschenbroich lebt und lange für den TVK an der Seitenlinie stand – und trotzdem schon damals am liebsten mit seiner Borussia den Korschenbroichern ein Bein gestellt hätte. Was mittlerweile oben draufkommt: Seinerzeit hieß der Korschenbroicher Trainer Dirk Wolf, heute ist es eben Frank Berblinger, mit dem Rogawska eine ebenso lange wie erfolgreiche Vergangenheit verbindet. In der gemeinsamen Zeit bei der HSG Düsseldorf stiegen beide im Jahr 2004 zusammen als Spieler in die Bundesliga auf und 2009 gelang das beiden noch einmal – mit dem inzwischen ins Trainergeschäft gewechselten Ronny Rogawska und dem weiter als Rechtsaußen tätigen Frank Berblinger. Gerade weil Berblinger den Dänen so sehr gut kennt, rechnet er mit dem „Schlimmsten“ und ist auf alles vorbereitet: „Beide Mannschaften kennen sich sehr gut, beide Trainer kennen sich sehr gut aus langer gemeinsamer Vergangenheit. Ronny und ich sind auch freundschaftlich zusammen unterwegs. Wir werden mit Sicherheit vielleicht die eine oder andere Überraschung von ihm erleben, er denkt sich ja immer was aus an taktischen Kniffen bei solchen Spielen. Wir schauen, dass wir auf alles vorbereitet sind, was da kommen kann.“
Grundsätzlich sprechen die Zahlen in fast allen Bereichen für Korschenbroich, das bei einem Torverhältnis von plus 46 erst eins seiner bisher elf Spiele verloren hat und mit der besten Abwehr der Klasse daherkommt (nur 26,63 Gegentore pro Partie). Die Borussia auf der anderen Seite konnte bisher erst einen Sieg auf ihre Konto überweisen und ging zuletzt zweimal ganz leer aus – 29:30 gegen Unitas Haan, 25:31 bei der HSG am Hallo Essen. Der TVK erlitt mit dem 27:28 beim TSV Bayer Dormagen II bisher eine einzige Niederlage, während Mönchengladbach bei zwei Konkurrenten unter anderem aus dem unteren Drittel einen dringenden notwendigen Erfolg verpasste (28:28 gegen den SSV Nümbrecht, 28:28 beim BTB Aachen) und so seine Lage selbst verschärfte. Rogawska weiß das alles und sehr genau, dass für seine Mannschaft eine Menge passen muss: „Für uns geht es darum, wenn wir eine Chance haben wollen, dass wir als Team agieren und hinten in der Abwehr zuzupacken mit den Vorgaben und taktischen Hinweisen, die ich den Jungs gebe. Gleichzeitig geht es darum, eine möglichst hohe Effektivität im Angriff zu haben. Der TVK steht sehr gut da mit seiner 6:0-Deckung und er ist sehr gut eingespielt. Torhüter Sven Bartmann hat, das merkt man in jedem Spiel, mehr und mehr Vertrauen mit seinen Jungs in der Abwehr. Er füllt hinten oft seinen Part aus und das ist ein Grund, dass Korschenbroich da steht, wo sie stehen.“ So sehr unterscheidet sich Berblingers Idee nicht davon: „Für uns kommt es darauf an, da weiterzumachen, wo wir letzte Woche aufgehört haben – mit einer stabilen Deckung im Verbund mit einer wieder stabilen Torhüterleistung, mit wenig Fehlern im Angriff und einer guten Wurf-Effektivität, mit wenig technischen Fehlern, mit einem guten Tempospiel.“

In einer ähnlichen Favoritenrolle müssen sich auch die Weidener sehen, die als erster und derzeit einziges Verfolger des Tabellenführers auf den Letzten VfL Gummersbach II treffen. Klar ist, dass die Mannschaft von Trainer Marc Schlingensief nur durch einen Erfolg seine derzeit starke Position festigen kann. Vergleichbar sieht es für den Dritten OSC Rheinhausen aus, der sich durch drei Siege hintereinander nach vorne gearbeitet hat und nun auf den Fünften TSV Bayer Dormagen II trifft (12:8). Nach dem 31:33 zum Abschluss des Jahres 2026 bei der vor allem um Sicherheit bemühten HSG Refrath/Hand (Neunter/9:11) starten die Dormagener erst jetzt ins neue Jahr – und für beide gilt, dass sie weiter vorne lediglich durch einen doppelten Punktgewinn wenigstens halbwegs im Geschäft bleiben. Daraus fürs Erste verabschiedet hat sich die TSV Bonn rrh. (Sechster/12:10), die nun im Heimspiel gegen den HC Gelpe/Strombach (Elfter/9:11) den Trend von zuletzt drei Niederlagen hintereinander am liebsten stoppen würde.
Sogar um die reinste Form der Frustbewältigung geht es für den Drittliga-Absteiger TV Aldekerk, der jüngst mit seiner 30:33-Niederlage beim vorherigen Letzten BTB Aachen (Zwölfter/6:16) einen weiteren Rückschlag erlitt und nun als Siebter mit 11:11 Punkten dem Niemandsland der Tabelle angehört. Auf der Zielgeraden 2025 schien die Mannschaft von Trainer Tim Gentges nach der 30:31-Pleite gegen den SSV Nümbrecht (Zehnter/9:13) übers 34:32 in Bonn und das 32:28 gegen Gelpe/Strombach wieder zu sich selbst zu finden – was sich in Aachen als Trugschluss erwies. Nun streben die Aldekerker gegen die nicht viel schlechter platzierte Unitas Haan (Achter/10:12) wenigstens eine Stabilisierung ihrer Position in der oberen Hälfte an. Das wird nur durch einen Heimsieg funktionieren. Gentges weiß, dass die Aldekerker an einer Art Kreuzung angekommen sind. „Wir haben jetzt jede Woche dieselbe Aufgabe, denn die Entwicklung steht im Vordergrund“, sagt Aldekerks Coach, „wir haben alle schon gesehen, was diese Mannschaft leisten kann. Was ein riesiger Unterschied ist zwischen einer Spitzenmannschaft wie Korschenbroich und uns ist, sind die Stabilität und Kontinuität in solchen Leistungen. Da kommt jetzt mit Haan eine Mannschaft zu uns, die es uns nicht leicht machen wird. Es ist die Zeit angebrochen, in der sich zeigen wird, in welche Richtung man sich entwickelt. Wir können den Kontakt zum oberen Drittel halten, oder man versinkt ein bisschen in der Bedeutungslosigkeit in dieser Liga. Das gilt es zu verhindern. Oberste Priorität muss es sein, gegen Haan zu gewinnen, wir haben ein Heimspiel und wir wollen die zwei Punkte.“
Ganz klar im Zeichen des Abstiegskampfes steht die Dienstreise der trotz des Erfolges gegen Aldekerk weiter stark bedrohten Aachener (Zwölfter/6:16) beim Aufsteiger SSV Nümbrecht (Zehnter/9:13), der im Dezember 2024 durch Siege in Aldekerk (31:30) und gegen Bonn (31:28) überrascht hatte, zuletzt allerdings im Derby beim HC Gelpe/Strombach mit 29:43 unter die Räder kam. Bester der drei Aufsteiger neben Mönchengladbach und Nümbrecht ist die HSG am Hallo Essen, die nach dem 31:25 vom vergangenen Wochenende über die Borussia mit 13:9 Punkten auf Rang vier vorgestoßen ist und nun zuerst bei der HSG Refrath/Hand (Neunter/9:11) und eine Woche darauf am 24. Januar gegen den HC Weiden überprüfen kann/muss, ob sie sich für längere Zeit im oberen Drittel der Tabelle festzusetzen vermag. Sicher ist dabei höchstens, dass bereits die Refrather in eigener Halle eine Menge Widerstand leisten werden.