| 30. August 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Gute-Laune-Kabine: Dormagens junge zweite Mannschaft war mit dem Unentschieden in Münster offensichtlich sehr einverstanden. (Foto: TSV Bayer)
Die ganz großen Überraschungen blieben überwiegend aus – wären aber durchaus möglich gewesen. Einverstanden dürfte mit dem Premieren-Spieltag für 2026/2027 in der 3. Liga Süd-West vor allem der Aufsteiger TSV Bayer Dormagen II gewesen sein, der sich bei der TSG Münster mit dem 28:28 (13:15) in der Summe einen verdienten Punkt sicherte und gleichzeitig den Lohn dafür erntete, dass er nach einem klaren Rückstand aus der ersten Halbzeit nicht aufgegeben hatte. Nachvollziehbar: Die Dormagener feierten den Punktgewinn wie einen Sieg. Weniger Begeisterung herrschte dagegen beim TuS 82 Opladen, der nach einer lange offenen Partie beim TV Kirchzell bis kurz vor Schluss für einen Erfolg in Frage kam, nun jedoch den einen oder anderen entscheidenden Fehler einstreute und deshalb mit leeren Händen nach Hause fuhr – 31:34 (15:17). Dass Neuzugang Paul Gießelmann (Bergischer HC/elf Tore, drei durch Siebenmeter) als Linksaußen der erfolgreichste Werfer des Abends war, brachte die Opladener dann auch kaum weiter. Nicht außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit bewegte sich die Niederlage des letztjährigen Aufsteigers Interaktiv.Handball, der bei der HSG Krefeld Niederrhein, dem klarsten Meisterschafts-Favoriten, mit dem 33:41 (19:21) trotz einer streckenweise überzeugenden Leistung später chancenlos aussah. Ebenfalls dem Erwartbaren entsprach das 28:32 (13:15) der Bergischen Panther bei der HG Saarlouis, dem Meister der 3. Liga Süd-West aus der vergangenen Saison. Erheblich mehr dürfte sich dafür der Longericher SC zum Saisonstart ausgerechnet haben, aber die Kölner mussten sich eine Woche nach dem 37:35 in der ersten Runde des DHB-Pokals gegen den Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen mit einem 30:30 (16:18) gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden begnügen. Vielleicht lag es unter anderem daran, dass die Kölner mit einem Auge bereits auf die Auslosung zur zweiten Pokalrunde schielten: Die ergab am Sonntagabend, dass der LSC in gut drei Wochen (22. bis 24. September) auf den Zweitligisten VfL Eintracht Hagen trifft. Ein Traumlos ist es sicher nicht, wie das beim SC Magdeburg, der SG Flensburg-Handewitt oder dem THW Kiel der Fall gewesen wäre.
Nach einem Drittel der Partie sprach in Münster nichts für Dormagen und alles für die TSG, die bei einer 12:7-Führung (23.) alles in der Hand zu haben schien. Der Aufsteiger hatte sich bis dahin immer wieder die Zähne an der entschlossen zupackenden Abwehr ausgebissen und zugleich die eine oder andere Chance ausgelassen – unter anderem in der sehr früheren Phase der Partie durch Kieran Unbehaun zwei Siebenmeter (2./4.). Kurz vor der Pause konnten die Gäste aus dem 11:15 (28.) noch ein 13:15 (30.) machen, ehe sie sich selbst nach dem 15:19 (37.) wieder zurückkämpfen und spätestens ab dem 20:20 (46.) komplett auf Augenhöhe unterwegs waren. Die TSG machte zwar durch drei Treffer in Folge aus dem 23:23 (50.), doch die junge Mannschaft von Trainer Peer Pütz blieb dran – 25:26 (55.), 27:27 (58.), 27:28 (59.). In einer Auszeit (59.) entwickelte Pütz dann zusammen mit dem Team jene Idee, die wenig später den 28:28-Ausgleich (60.) durch Paul Scholl brachte. Die letzten 40 Sekunden nach der finalen Auszeit der Hausherren brachte dann keine Gefahr mehr. Pütz war in der Summe nachvollziehbar einverstanden: „Wir sind eigentlich solide ins Spiel gestartet, haben dann ein, zwei Chancen beim Siebenmeter liegen lassen und dadurch irgendwie ein bisschen in den Faden verloren und auch zu viele technische Fehler gemacht. Wir haben dann aber schon in der ersten Halbzeit eine gute Reaktion gezeigt, sind auch wieder mit einer deutlich besseren Körpersprache aufgetreten und zur Pause haben wir schon wieder verkürzt. In der zweiten Halbzeit haben wir insgesamt eine gute Leistung gezeigt, wir haben uns in der Abwehr gesteigert und vorne deutlich effektiver gespielt, deutlich weniger Fehler gemacht. Wir haben einen Punkt bei einer sehr guten Mannschaft geholt. Wir hatten auch wieder sechs A-Jugendliche im Kader, also einfach eine extrem junge Mannschaft. Von daher ist das auf jeden Fall ein super Punkt für uns.“
Unter dem Strich wurde es dann doch noch ein Fehlstart für die Opladener, die den Abend so gut begonnen hatten – 3:0 (4.), 5:2 (9.), 6:3 (11.), 8:5 (14.). Bis zum 11:9 (18.) und 13:11 (22.) schien die Mannschaft des neuen Trainers Aaron Hahn den Abend im Griff zu haben. Mit dem 14:13 (26.) lagen allerdings nur vier Minuten darauf zum ersten Mal die Hausherren vorne, die beim 17:14 (29.) einen 6:1-Lauf vollendeten. Dass sich der TuS 82 weder davon noch vom 17:21 (37.) aus der Bahn werfen ließ, sprach nicht zuletzt für eine intakte Moral und ab dem 21:21 (43.) war wieder alles offen. Die Chance auf mehr vergaben die Gäste kurz darauf wohl nach dem Gießelmann-Siebenmeter zum 23:22 (46.), als sie erst hinten den Ball erkämpften und den folgenden eigenen Angriff erfolglos abschlossen – und hier die Chance zum 24:22 ausließen. Kirchzell nutzte in der Folge die Gunst der Stunde eigene Chancen zum 25:23 (49.) und 28:26 (53.), doch Opladen kam erneut zurück – 28:28 (55.), 30:30 (58.), 31:31 (59.). Es folgte das bittere Finale in der 60. Minute, denn nach dem 31:32 (60.) gabs beim Anwurf einen fatalen technischen Fehler und in den letzten Sekunden gegen eine offene Deckung die Entscheidung – 31:33, 31:34. Hahn wirkte übers Resultat enttäuscht, nicht über die Leistung seiner Mannschaft: „Das ist eine ärgerliche Niederlage. Wir starten extrem gut und in der Folge sind wir vor allem in der ersten Halbzeit auf der linken Abwehrseite sehr anfällig gegen Zweikämpfe. Sie bekommen dort sehr viele Siebenmeter, weil wir ein Stückchen zu defensiv verteidigen. Das stellen wir in der zweiten Halbzeit ab, wir kommen immer wieder ran auf Unentschieden – und jedes Mal, wenn wir dann vielleicht das Momentum noch mal auf unsere Seite bringen können, dann verwerfen wir den Ball oder haben einen technischen Fehler. Das war ein bisschen schade, weil am Ende in diesem Spiel viel mehr drin war. Großes Kompliment an die Jungs für einen sehr guten Fight über 60 Minuten. Aber klar – am Ende müssen wir da dran wachsen, dass wir solche Spiele, die eng sind und wo wir extrem viele Chancen haben, am Ende für uns entscheiden. So viele davon können wir uns nicht erlauben in einer sehr engen Liga, die ich erwarte.“
Den ganz großen Unterschied zwischen beiden Teams, die in unterschiedlichen Handball-Welten unterwegs sind, gab es zumindest vor der Pause nicht in Krefeld. Der Außenseiter aus Ratingen ließ sich selbst von einem 1:4-Start (5.) nicht aus der Ruhe bringen und er lag beim 4:4 (7.) schnell wieder gleichauf. Mit dem 6:5 (10.), 7:6 (11.), 8:7 (13.), 9:8 (14.), 11:10 (18.) und 12:11 (20.) legte das deutlich jüngere Team von Trainer Filip Lazarov sogar jeweils vor – und bis zum 17:17 (28.) deutete überraschend wenig aufs spätere klare Ergebnis hin. Kurz vor der Pause bog der Zweitliga-Absteiger Krefeld trotzdem auf den aus seiner Sicht richtigen/erwarteten Weg ein und für die Dreier-Serie bis zum 20:17 (29.) brauchten die Eagles nur rekordverdächtige 44 Sekunden, ehe sie am Anfang der zweiten Halbzeit durch einen 4:0-Lauf schnell auf 25:19 (35.) davonzogen und spätestens mit dem 28:20 (37.) kurz darauf als Sieger feststanden. Interaktiv gab sich zwar nicht auf, konnte jedoch nie näher als auf fünf Treffer beim 25:30 (46.) oder 28:33 (51.) zurückkommen. Weil der Schluss-Abschnitt nach dem 29:38 (55.) mit 4:3 an die Gäste ging, die in Luca Elias Schulz den besten Werfer des Abends stellten (elf Tore/vier per Siebenmeter), hielt sich die Niederlage am Ende auch in einem vertretbaren einstelligen Rahmen. Der spielenden Sportliche Leiter Stanko Sabljic hatte eine sachliche Analyse: „Wir müssen nicht unzufrieden sein. Wir haben wir viele, viele gute Sachen gemacht. Aber das muss man ehrlich sagen, Krefeld ist ein Spitzenverein. Da hat man gemerkt, dass uns zu Mannschaften wie Krefeld schon Erfahrung fehlt. Die sind viel besser in manchen Sachen, in meinen Augen spielen sie viel erfahrener als wir. Wir können uns an die guten Sachen wenden, weiter arbeiten und weiter bauen.“
TSG Münster – TSV Bayer Dormagen 28:28 (15:13).
TSV Bayer Dormagen: Elonamany, Conzen (1) – Landau, Almendinger, Scheel, Kriescher (3), Unbehaun (3), Döpner, Bahns (2), Scheier, Hoffmann (7/5), Scholl (2), Leitz (6), Kersten, Hein (1), Adam (3).
TV Kirchzell – TuS 82 Opladen 34:31 (17:15).
TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr – Mucha (1), Gießelmann (11/3), Heinzerling (5), J. Jagieniak, Emmerich (3), F. Johannmeyer (5), Sonnenberg (3), Kostorz, L. Johannmeyer, Heß (3), Roth.
HSG Krefeld Niederrhein – Interaktiv.Handball 41:33 (21:19).
HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Kix (3), Wollny, Schneider (3), Kösters, Siegler (1), Michalski (8/1), Braun (2), Jagieniak (5), Persson (8), Ingenpaß (2), Rose (1), Papina (8/5), Mevissen, Mircic.
Interaktiv.Handball: Bliß, Windeck – Schulz (11/4), Venedey (3), Szabo (2), Stock (3), Sibbel, Kübler (4), Körber (3), Seher (6), Büttner, Schröder, Poschacher (1), Megale, Sabljic, Hufnagel.
HG Saarlouis – Bergische Panther 32:28 (15:13).
Bergische Panther: Eigenbrod – Müller (1), Hermann, Taymaz (3), Lindemann (6), Exner (4), Lorenz, Schütte, Ballmann (4), Büscher (5), Elsässer (5/3).
Longericher SC – HSG Rodgau Nieder-Roden 30:30 (14:16).
Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (8), Schrief, Henrich (3), Bertenbreiter, Schmitz, Breithaupt (1), Leitz (3), Schulz (8/1), Nolting, Kremp, Dahlke, Kämper (7).