3. Liga
Der Herbstkrimi: Hauptdarsteller sind Opladen und Dormagen II
TuS 82 verliert gegen Leutershausen mit 21:23, TSV Bayer II in Rodgau mit 31:32. Beide sind noch sieglos und treffen bald aufeinander. Interaktiv.Handball beherrscht geschwächte Longericher beim 43:35.

Verbaut: Paul Gießelmann (beim Wurf) und seine Opladener fanden mit ihren Würfen zu selten den Weg in den Kasten des Gäste-Keepers Jonas Maier. Am Ende reichten 23 Tore für Leutershausen (links Stefan Salger, verdeckt Maximilian Kessler) zum Erfolg. (Foto: Thomas Ellmann)

Das kann ziemlich heiter werden und wer sich für den Handball speziell am Mittelrhein interessiert, müsste sich unbedingt den 25. September vormerken: An diesem Freitagabend in knapp zwei Wochen erwartet der Aufsteiger TSV Bayer Dormagen II den nur ein paar Kilometer entfernt auf der anderen Rheinseite angesiedelten TuS 82 Opladen zu einem Derby, das es schon jetzt in sich hat. Da stehen auf der einen Seite die Dormagener, die ihre Premieren-Saison in der 3. Liga mit einem 28:28 bei der TSG Münster einigermaßen vielversprechend begonnen hatten, dann aber beim Mit-Aufsteiger HV Vallendar unnötig mit 33:34 verloren und nun bei der vorher ebenfalls sieglosen HSG Rodgau Nieder-Roden mit 31:32 den Kürzeren zogen – was sich definitiv ebenfalls hätte vermeiden lassen. In der Summe ergeben sich daraus 1:5 Zähler und Rang 13, die letzte Position vor den drei Abstiegsplätzen. Da stehen auf der anderen Seite die Opladener, die nach dem dritten Einsatz sogar noch ein ganz leeres Konto haben: Nach dem 31:34 beim TV Kirchzell und dem ebenso schmerzhaften 29:31 beim Longericher SC gab es jetzt mit dem 21:23 gegen Saase3 Leutershausen im dritten Spiel die dritte Niederlage. In der Summe ergeben sich daraus 0:6 Punkte und Rang 15, der zweite der drei Abstiegsplätze. Hinter dem TuS 82 liegt über das etwas schlechtere Torverhältnis lediglich die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (ebenfalls 0:6), die das Kellerduell beim bisherigen Letzten Bergische Panther (Zehnter/2:4) mit 23:26 verlor. Neben den rein sportlichen Gesichtspunkten sorgt allerdings eine weitere Zutat für Würze im Derby: Aaron Hahn, Opladens neuer Coach, ist schließlich im „Hauptberuf“ als Co-Trainer der Zweitliga-Mannschaft bei den Dormagenern angestellt – und dem Kollegen Pütz läuft er dort im Grunde täglich über den Weg. Hahn hat ja kürzlich und zwar sehr glaubwürdig betont, dass an jenem Tag nur die Interessen des TuS 82 für ihn zählen. Dieselbe Idee vertritt nachvollziehbar Peer Pütz. Wer die Kenntnisse über den jeweils anderen besser zu nutzen vermag, wird sich an diesem 25. September auf der Platte zeigen.

Erstaunliches zeigt sich für den Moment beim Blick auf Intwraktiv.Handball, das nur am ersten Spieltag eine Niederlage hinnehmen musste – mit dem 33:41 bei der HSG Krefeld Niederrhein, die ihr Konto durchs 38:25 beim HLZ Friesenheim-Hochdorf II auf 6:0 Punkte aufstocken konnte und sich bereits an der Tabellenspitze festgesetzt hat. Eine Woche nach dem 30:23 über die HSG Hanau sicherte sich das Team von Interaktiv-Trainer Filip Lazarov einen zumindest in dieser Höhe überraschenden Erfolg. Beim 43:35 über den personell sehr dünn besetzten Longericher SC war Interaktiv mit Willen und Leidenschaft in Kombination mit Tempo und Spielwitz praktisch von der ersten Minute an Herr der Lage, während die Kölner kaum Gegenmittel fanden und letztlich auch mit den acht Treffern Unterschied gut davonkamen. Bei nun 3:5 Punkten und Platz sechs gehört der Dritte der vergangenen Saison für den Augenblick nur zur unteren Tabellenhälfte. Die Besten im Westen – neben den in einer eigenen Liga spielenden Krefeldern – sind zurzeit tatsächlich die Ratinger, die vor den Panthern, Dormagen II und Opladen einsortiert sind. Es handelt sich zwar vor allem um eine Moment-Aufnahme, aber sie ist für sich einigermaßen erstaunlich.

Ratingen geriet gegen den LSC mit dem 0:1 (2.) nur einmal in Rückstand, war aber übers 4:3 (4.) und 5:4 (5.) bald voll in der Partie und wirkte in der Folge gegen einen besonders defensiv schwachen Kontrahenten abgeklärter – 9:10 (14.), 13:10 (18.), 13:12 (20.), 16:12 (22.), 19:15 (25.), 22:19 (30.). Anschließend reichten in der zweiten Halbzeit knapp fünf Minuten und ein 4:0-Lauf bis zum 26:19 (35.), um die frühe Entscheidung einzuleiten, ehe die nächste 4:0-Serie vom 26:21 (37.) zum 30:21 (40.) fast auf ein happiges Debakel für die Kölner hinzudeuten schien. Die Pleite im zweistelligen Bereich wusste Longerich immerhin zu verhindern, doch Gefahr für die Hausherren entstand selbst durchs 31:36 (50.) nicht mehr. Kein Zufall: In der 54. Minute ging der 40. Treffer mit dem 40:33 auf das Konto von Tark Seher, der mit seinen zehn Toren der beste Werfer des Abends war. Mit dem Auftritt der gesamten Mannschaft zeigte sich nicht nur Stanko Sabljic, der spielende Sportliche Leiter der Ratinger, sehr zufrieden – und er erkannte darüber hinaus weitere Chancen zur Steigerung: „Offensiv war das von uns ein sehr, sehr gutes Spiel. Wir waren sehr geduldig und haben uns komplett an unseren Matchplan gehalten. Man muss auch sehen, dass Longerich ersatzgeschwächt war. In meinen Augen haben wir dafür vielleicht zu viele Gegentore kassiert. Ich glaube, wir sollten unsere Abwehr auf jeden Fall verbessern und weiter so viel Spaß am Handball behalten.“

Der Spaß am Handball dürfte sich beim TuS 82 aktuell wohl eher in Grenzen halten. Opladener Kernproblem: Sie sind nie chancenlos, machen aber unter dem Strich zu viele Fehler und deshalb am Ende nichts aus ihren Möglichkeiten. Darüber hinaus ist eine durchgreifende Besserung für den Augenblick nicht in Sicht – bei 31 Toren im ersten Spiel, 29 im zweiten und nun 21 im dritten. In der Partie gegen Leutershausen, das keineswegs Zauber-Handball auf die Platte brachte, bewiesen die Hausherren immer wieder Moral und machten dadurch auch aus dem 6:8 (19.) eine eigene 9:8-Führung (21.), büßten ihren Vorsprung jedoch bald wieder ein und liefen in der torarmen Auseinandersetzung vor allem aufgrund einer unzureichenden Angriffs-Ausbeute fortan immer hinterher – 9:12 (25.), 10:13 (30.), 12:16 (40.), 15:19 (48.), 18:22 (55.), 19:23 (60.). Die beiden späten Treffer von Cornelius Mucha und Paul Gießelmann zum 20:23 (60.) und 21:23 (60.) in den letzten 21 Sekunden waren im Grunde nicht mehr als wenig einbringende Ergebniskosmetik. Trainer Hahn erkannte ein Muster und legte gleichzeitig die Arbeitsaufgaben fest: „Am Ende ist es genau das gleiche Thema wie die letzten beiden Wochen. Wir verwerfen diesmal nicht nur in den entscheidenden Phasen, sondern über das ganze Spiel. Wir haben eine Wurfquote von gerade mal 50 Prozent.  Wir verwerfen drei Siebenmeter, zwei freie Gegenstöße, sieben Versuche von außen. Und damit gewinnst du halt kein Spiel. Dazu kommt noch, dass wir gerade im Tempospiel sehr viele technische Fehler hatten. Man muss aber sagen, unsere Abwehr stand sehr, sehr gut. Wir hatten eine gute taktische Vorbereitung, die Jungs haben das extrem gut umgesetzt. Wir hatten ein gutes Torhüter-Spiel dahinter. Das heißt, in dem Punkt haben wir uns wieder weiterentwickelt. Wir müssen einfach an den Basics arbeiten, die Bälle reinmachen. Dann werden wir hoffentlich bald die Spiele gewinnen.“

Noch mehr hielt Dormagens Coach Peer Pütz vom Auftritt seines Teams, das jedoch in Nieder-Roden ein glückliches Ende verpasste: „Insgesamt, finde ich, war das eine sehr gute Leistung von uns, auf die man in jedem Fall aufbauen kann. Gerade in der ersten Halbzeit machen wir das vorne wie hinten sehr gut.“ Besonders gemeint dürfte damit der perfekte Start sein, denn in den ersten sechs Minuten zog der Klassen-Neuling gegen wie gelähmt wirkende Hausherren wie ein Orkan durch die Halle – 1:0 (1.), 2:0 (3.), 3:0 (4.), 4:0 (5.), 5:0 (7.). Rodgau arbeitete sich dennoch in den Abend zurück und war beim 14:16 (29.) kurz vor der Pause wieder dran, ehe Dormagen kurz vor dem Seitenwechsel auf 17:14 (30.) und kurz danach auf 18:14 (31.) erhöhte und beim 19:15 (32.) ebenfalls weiter alle Vorteile auf seiner Seite hatte. Was kurz darauf noch keiner ahnte: Das 22:21 (40.) von Marvin Landau war in diesem Duell die letzte Führung der Dormagener, die nach dem 23:23 (43.) mit 24:27 (47.) und 26:29 (51.) in Rückstand gerieten und trotzdem nie aufgaben – 29:29 (55.), 30:30 (57.). Wegen einer Zeitstrafe gegen Philip Wunderlich (59./HSG) und des damit verbundenen Siebenmeters hätte der TSV Bayer II noch zum 31:31 ausgleichen können, doch auf der anderen Seite traf vielmehr Samuel Hoddersen zum 32:30 (59.) für die dezimierten Gäste, bevor Dormagen im Anschluss ans 31:32 (60.) die Zeit weglief. Trainer Pütz fand viel Positives: „Max Conzen war ja bei der Ersten heute, Maximilian Naumann ist noch krankheitsbedingt ausgefallen, sodass wir einfach ein bisschen dezimiert waren und auswärts auch bei einem sehr guten Gegner gespielt haben. In der zweiten Halbzeit dreht das Spiel ein bisschen zu schnell, ein bisschen unglücklich. Wir können aber auch ein, zwei Sachen cleverer machen. Wir kämpfen uns dann aber selber noch mal gut zurück und am Ende ist das einfach eine sehr enge Geschichte, die genauso gut hätte in die andere Richtung gehen können. Von daher war das insgesamt gute Leistung von uns, auf die man auf jeden Fall aufbauen kann.“

Interaktiv.Handball – Longericher SC 43:35 (22:19).

Interaktiv.Handball: Bliß, Windeck (3) – Schulz (7/1), Venedey (1), Szabo (2), Waldbach (2), Stock, Sibbel (4), Kübler (6), Körber (2), Seher (10/1), Büttner, Schröder (1), Poschacher (1), Megale (2), Sabljic (2).

Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (5), Schrief (1), Bertenbreiter (3), Braun (1), Breithaupt (1), Leitz (5), Schulz (8/1), Kremp (6), Kämper (5).

 

HV Vallendar – HSG Krefeld Niederrhein 25:38 (16:20).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki (1) – Kix (3), Wollny (9), Schneider (3), Kösters (2), Siegler, Michalski (1), Braun, Jagieniak (1), Persson (2), Ingenpaß (2), Rose (7), Papina (7/4), Mevissen.

 

Bergische Panther – HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II 26:23 (12:12).

Bergische Panther: Merten, Eigenbrod, Berblinger – Müller (6), Hermann (1), Taymaz (6), Lindemann (4), Exner (1), Lorenz, Schütte, Ballmann (3), Büscher (2), Elsässer (3/1).

 

HSG Rodgau Nieder-Roden – TSV Bayer Dormagen II 32:31 (14:17).

TSV Bayer Dormagen II: Elonamany, Klein – Landau (5/4), Almendinger (3), Scheel (1), Deist, Loske, Unbehaun (2), Döpner (2), Naumann, Scheier, Hoffmann (6), Leitz (11), Adam, Hahn, Vlek (1).

 

TuS 82 Opladen – Saase3 Leutershausen 21:23 (10:13).

TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr (1) – Mucha (2), Gießelmann (4/3), Dittmer (5/1), Heinzerling (1), Jagieniak, Emmerich, F. Johannmeyer, Sonnenberg (2/1), Kostorz, Werschkull (2), L. Johannmeyer (1), Heß (2), Roth (1).