Regionalliga Nordrhein
Wohl wahr: Es gibt keine einfachen Spiele mehr
Nicht nur beim TV Aldekerk, der auf Essen trifft, steht die Euphorie auf dem Prüfstand. Ähnliches gilt für Rheinhausen oder Korschenbroich. Andere wie Refrath, Lintorf und Aachen kämpfen um den ersten Punkt.

Und rein damit: Unter dem Strich fanden Nico Reinartz (Mitte/Nummer 25) und seine Lintorfer beim Start in die neue Regionalliga-Saison aber nicht genug Wege ins Tor der Bonner. Jan Braun (links/23) und Keeper Moritz Czerwinski nahmen mit den Gästen beim 31:27 klar beide Punkte mit an den Mittelrhein. (Foto: Horst Lesch)

Falls Tim Gentges eine Umfrage unter den Trainerkollegen in der Regionalliga starten sollte, bekäme er in diesem Punkt sicher einen Zustimmungswert von um die hundert Prozent. „Es gibt wirklich kein leichtes Spiel mehr“, sagt der mit Leidenschaft dem Handball verfallene Coach des TV Aldekerk, der die Saison am vergangenen Wochenende mit einem Krimi inklusive Happy End beim HC Weiden begann und durch ein 23:22 beide Punkte mit an den Niederrhein nahm. Was sich daraus für die nächsten Spiele ableiten lässt? Nichts oder zumindest ziemlich wenig, wenn es nach Gentges geht. Schon die bevorstehende Aufgabe gegen die HSG am Hallo Essen geht er mit Zurückhaltung an: „Natürlich sind wir voller Euphorie und mit breiter Brust aus Weiden nach Hause gefahren und das wollen wir natürlich jetzt gegen Essen fortführen. Aber Essen ist wirklich gespickt mit Erfahrung. So ein Matthis Blum, Dennis Szczesny, Mike Schulz oder Simon Ciupinski, die haben mehr Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, als so mancher von uns im Fernsehen sehen konnte. Von daher müssen wir wieder an unsere Leistungsgrenze kommen.“ Das dürfte zutreffend sein und gilt umso mehr, weil die Essener ihrerseits nach der Ansicht ihres neuen Trainers Marvin Wettemann beim 29:29 gegen den Aufsteiger HSG Siebengebirge noch nicht an der oberen Leistungsgrenze angekommen sind: „Alles in allem haben wir nicht aufgegeben und das kann man definitiv positiv mitnehmen. Ansonsten gilt es jetzt in den nächsten Wochen, die Abwehr deutlich stabiler hinzubekommen und weitere Schritte nach vorne zu machen.“ Die Aldekerker sind dafür auf der einen Seite heiß auf ihre Heimpremiere und auf der anderen tragen sie aktuell personelle Probleme durch die Gegend. „Diese Woche habe ich bis jetzt sechs krankheitsbedingte Ausfälle, sodass wir nicht wirklich im vollen Umfang trainieren konnten“, sagt Gentges, „aber ganz egal, wer da ausfällt, und egal, mit wie vielen Spielern wir dieses Spiel angehen werden – wir werden Essen alles entgegenwerfen, was wir an diesem Tag zur Verfügung haben.“ Überraschen wird das die Gäste nicht wirklich.

Die Weidener, unglücklicher Auftakt-Verlierer gegen die Aldekerker, bekamen jene Einschätzung von ziemlich schwierigen Aufgaben bereits beim 22:23 zu spüren. Und bei aller Enttäuschung leiteten sie daraus keinen Dauerfrust ab, sondern vor allem ein Plus an Motivation. HC-Coach Marc Schlingensief hat vor der Partie bei Unitas Haan eine klare Handlungsidee entwickelt: „Haan als erstes Auswärtsspiel ist ein echtes Brett. Letztes Jahr hatten wir zwei rassige und enge Duelle gegen sie. Haan spielt mit einigen erfahrenen und körperlich starken Spielern. Hier darf man sich keine lange Schwächephase erlauben. Unsere Aufgabe ist, die positiven Dinge aus dem ersten Spiel zu übertragen und – darauf aufbauend – zu versuchen, die Schwachpunkte zu minimieren.“ Dass die Unitas den eigenen Saisonstart mit einer am Ende deutlich 24:33-Niederlage beim OSC Rheinhausen beendete, sieht Schlingensief auf keinen Fall als Vorteil an. „Haan wird, genau wie wir, nach dem ersten Spiel auf Wiedergutmachung aus sein“, glaubt Weidens Trainer, „auswärts sehe ich uns in der Underdog-Rolle und ich hoffe, dass wir aus dieser Position befreit aufspielen werden.“ In der vergangenen Saison gab es tatsächlich kaum Unterschiede zwischen den beiden Teams: Beide hatten am Ende auf den Rängen drei und fünf 33:19 Punkte, obwohl Weiden die beiden direkten Duelle gewann – in der Hinrunde zu Hause mit 36:31, in der Rückrunde in Haan mit 27:24.

Ein Aufsteiger-Duell bestreiten die mit einem 29:29 bei der HSG am Hallo Essen gestartete HSG Siebengebirge und der TuS Lintorf, der beim 27:31 gegen die TSV Bonn rrh. leer ausging. Wie das Ergebnis für die Bonner wirklich einzuschätzen ist, wird sich bei der Heimpremiere gegen den TV Korschenbroich zeigen, der ein 37:30 gegen den BTB Aachen als Rückendeckung mitbringt. „Sportlich hat Bonn seine Aufgabe in Lintorf sehr souverän gelöst. Wir werden mit viel Selbstvertrauen in das Spiel gehen und schauen, was dort möglich ist“, meint TVK-Trainer Frank Berblinger vor der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte (bis 2024). Ähnliches wie für die Korschenbroicher gilt für den ersten Tabellenführer OSC Rheinhausen, dessen 33:24 gegen Haan beim Aufsteiger SG Langenfeld auf dem Prüfstand steht. Der HC Gelpe/Strombach, am vergangenen Wochenende klarer 35:28-Sieger gegen Langenfeld, tritt bei Borussia Mönchengladbach an – die nach dem eigenen 32:27 bei der HSG Refrath/Hand ebenfalls auf einen gelungenen Start blickt. Die Refrather kämpfen in Aachen in einem Duell zweier Verlierer des ersten Spieltages um die ersten Punkte. „Wir wollen den Heim-Auftakt unbedingt mit einem Erfolg krönen“, betont BTB-Trainer Philipp Reinertz, „Refrath ist ein Gegner, der uns taktisch einige Aufgaben stellen wird. Bei allem Lob für den Gegner sollten wir unser Heimspiel aber gewinnen können, wenn wir Normalform erreichen. Entscheidend wird unsere defensive Performance sein. Hier haben wir am ersten Spieltag leider nicht zeigen können, was wir uns eigentlich erarbeitet haben. Also erwarte ich in dieser Teilleistung eine Reaktion meiner Mannschaft. Personell ist die Lage immer noch leicht angespannt, allerdings darf diese Situation nicht als Ausrede herhalten.“ Wer sein Ziel letztlich erreicht? Ungewiss. Klar ist für die Beteiligten nur das: „Es gibt wirklich kein leichtes Spiel mehr.“