Regionalliga Nordrhein
Krasse Gegensätze: Was Rheinhausen von Weiden trennt
OSC erwartet sieglosen HC - der sich aber wehren will. Auf dem Prüfstand stehen vorne auch die Borussia, Korschenbroich und Aldekerk. Unten hoffen die Refrather, dass sie einen Fehlstart verhindern können.

Leiden lohnt sich: Lukas Hüller (rechts) und seine Rheinhausener wurden für ihren Einsatz in den beiden ersten Saisonspielen mit den maximal möglichen vier Punkten belohnt. Magnus Georgi (links) und seine Refrather dagegen blicken noch auf ein leeres Konto. (Foto: Thomas Schmidt)

Es sind nur Moment-Aufnahmen und trotzdem ist mancher Anblick gewöhungsbedürftig. Dass der Vorjahres-Vizemeister TV Korschenbroich auf Rang drei mit 4:0 Punkten erneut zur Spitzengruppe in der Regionalliga gehört und bei 69 Treffern den stärksten Angriff stellt, geht kaum als Sensation durch. Schon eher eine Überraschung sind die auf dem zweiten Platz stehenden Mönchengladbacher (ebenfalls 4:0), die in der direkten Nachbarschaft nur ein Tor weniger als der TVK erzielt haben (68) und in der vergangenen Serie erst spät den Klassenerhalt unter Dach und Fach brachten. Ein Stück weiter unten müssen sich der HC Weiden, zuletzt als Dritter über die Ziellinie gegangen, und die HSG Refrath/Hand, damals immerhin noch Achter, beim Blick in den Spiegel fragen, ob es denn stimmen kann, was sie da sehen: Beide sind auf den Rängen zwölf und 14 mit jeweils leeren Konten (0:4) noch sieglos – und der HC hat mit 49 Toren aus zwei Partien den bisher am wenigsten durchschlagskräftigen Angriff, während die Refrather angesichts von 65 Gegentreffern mit dem aktuell schwächsten Abwehrpaket daherkommen. Dann gibt es offensichtlich auch die, deren Stand in etwa dem entspricht, was ihnen andere und sie sich selbst zugetraut haben. Bestes Beispiel ist der OSC Rheinhausen, der nach Platz vier aus 2025/2026 nicht aus Zufall an der Tabellenspitze steht. Das Team der Trainer Sascha Wistuba und Nico Biermann kombiniert bisher ganz gut seine Qualitäten vorne wie hinten zur besten Tordifferenz (plus 14). Wistuba/Biermann hatten das vor ein paar Wochen so forumuliert: „Uns ist bewusst, dass wir dieses Jahr das Potenzial haben, unter die ersten drei zu kommen. Dafür muss aber bekanntlich jedes Zahnrädchen ineinandergreifen. Unser Ziel ist es, das Ergebnis aus dem letzten Jahr noch einmal zu verbessern und vor allem konstanter in den Leistungen zu werden.“ Nur 24 Gegentore im ersten Spiel (33:24 gegen Unitas Haan) und noch weniger im zweiten (28:23 bei der SG Langenfeld) waren nun schon mal ein Nachweis defensiver Stabilität. Was die Rheinhausener daraus im Heimspiel gegen die bisher sieglosen Weidener machen, steht allerdings wieder auf einem anderen Blatt. 

Weiden kommt dabei trotz des Starts mit 0:4 Zählern nicht ins Ruhrgebiet, um die Punkte freiwillig abzuliefern, und von Resignation ist beim aktuellen Zwölften wenig zu erkennen. Trainer Marc Schlingensief weiß, was auf seine Mannschaft zukommt, traut ihr aber nach wie vor einiges zu. „Mit Rheinhausen wartet wahrscheinlich das aktuell größte Kaliber der Liga“, sagt Schlingensief, „zu ihrem ohnehin schon guten Kader haben sie sehr sinnvolle und gute Ergänzungen hinzugefügt, was sie noch schwerer ausrechenbar macht. Unabhängig vom Gegner wollen wir unseren Fokus aber grundsätzlich auf unser Spiel lenken und uns Stück für Stück verbessern. Auch in Haan gab es gute Phasen, aber Fehler werden auf dem Niveau konsequent bestraft und wir haben uns auf der anderen Seite auch nicht ausreichend belohnt. Das wird vielleicht gerade in Rheinhausen einerseits schwierig, andererseits vielleicht einfacher, da wir hier keinen Druck haben, punkten zu müssen. Unsere Aufgabe wird es sein, dass wir mutig und beherzt in das Spiel reingehen und und uns nicht verunsichern lassen. Wir haben ohne jeden Zweifel genügend Qualität, auch in Rheinhausen lästig zu sein. Dafür brauchen wir aber eine gute bis sehr gute kollektive Teamleistung.“ Sein Blick auf den zur Verfügung stehenden Kader fällt vorab immerhin sehr erfreulich aus: „Personell gibt es keine Sorgen und alle sollten an Board sein.“

Von ähnlichen Verhältnissen kann der ein paar Kilometer entfernt arbeitende Kollege Philipp Reinertz beim BTB Aachen (Sechster/2:2) vor der Partie beim HC Gelpe/Strombach (Fünfter/2:2) nur träumen. „Die Personalsituation wird immer schwieriger“, erklärt Reinertz, „es drohen zu den Langzeitverletzten Kai Münster, Gabriel Westhofen, Louis Zaghloul und Felix Horn weitere Ausfälle. Tim Schnalle, Paul Boulouednine, Lars Klinkenberg und Oscar Panse sind mit Blessuren aus dem Spiel gegen Refrath gekommen. Bis auf Lars wird es für die drei übrigen Spieler ein Wettlauf gegen die Zeit, um es am Samstag vielleicht aufs Spielfeld zu schaffen. Wir fahren mit viel Respekt zu unserem nächsten Auswärtsspiel, wollen aber den Personalsorgen trotzen und die ersten Auswärtspunkte der Saison einfahren. Uns erwartet ein harter Fight, den wir aber annehmen wollen. Ich bin mir sicher, dass wir 16 Spieler finden, die mit ganz viel Leidenschaft und maximalem Einsatz um zwei Punkte kämpfen werden.“ Beides zusammen reichte zuletzt für einen 33:25-Erfolg über die HSG Refrath/Hand.

Fast ein Gute-Laune-Zentrum ist nach den beiden ersten Spieltagen der TV Aldekerk (Vierter/3:1), der nach dem 23:22 in Weiden zuletzt auf der Zielgeraden ein 34:34 gegen die HSG am Hallo Essen (Neunter/2:2) rettete. TVA-Trainer Tim Gentges ist aber gleichzeitig vorsichtig. „So ein Aufsteiger mit der Euphorie im Rücken ist immer unangenehm und die gezeigten Leistungen und Ergebnisse sind ja jetzt auch nicht so von schlechten Eltern“, findet Gentges, „um in Lintorf bestehen zu können, müssen wir genau an diese Leistungsgrenze kommen und an diese Ruhe und dieses Selbstverständnis, was wir gegen Weiden und gegen Essen an den Tag gelegt haben. Wenn wir da Kontinuität reinkriegen, haben wir sehr gute Chancen, in Lintorf zu bestehen – aber auch nur dann. Sobald Lindorf merkt, dass an diesem Tag etwas gegen uns zu holen ist, wird es schwer werden.“ In der Summe ist Gentges mit dem Lauf der Dinge mehr als bloß zufrieden: „Wir freuen uns einfach darauf, wir haben gerade Spaß am Handball. Wir haben Spaß daran, gemeinschaftlich zu arbeiten und gemeinschaftlich Handball zu spielen. Die Stimmung ist wirklich sehr, sehr gut und die Jungs arbeiten in den Trainingseinheiten sehr gut – nicht nur individuell, sondern auch als Gruppe.“

Insgesamt treten nicht nur Rheinhausener und Aldekerker, sondern auch alle anderen noch ungeschlagenen Teams auf den Prüfstand – der Zweite Borussia Mönchengladbach (4:0) bei der SG Langenfeld (13./0:4), der Dritte TV Korschenbroich (4:0) gegen die ebenfalls unbesiegte HSG Siebengebirge (Zehnter/2:2) und die HSG am Hallo Essen (Neunter/2:2) gegen Unitas Haan (Siebter/2:2). Der TSV Bonn rrh. (Achter/2:2) bietet sich gegen den Letzten Refrath/Hand die Chance, sich in die obere Hälfte vorzuarbeiten – was die Refrather nachvollziehbar unbedingt verhindern wollen, weil sie eigene Interessen verfolgen (müssen). Der Start in die Saison mit zwei Niederlagen hat schon keine Begeisterung ausgelöst und 0:6 Punkte aus drei Spielen wären bereits in diesem frühen Stadium der Serie 2026/2027 eine echte Belastung. Das wäre irgendwie und natürlich ebenfalls nur eine Moment-Aufnahme – und gewöhungsbedürftig.