3. Liga
Gruseliges Halloween: Wenig Süßes, viel Saures
Interaktiv ist bei 28:36 in Vallendar von der Rolle, TuS 82 bei 20:26 gegen Gelnhausen später chancenlos. TSV Bayer II kommt mit 32:46 in Longerich unter die Räder. Eagles verlieren in Leutershausen - 28:29.

Gruppenbild mit Co-Trainer: Opladens Fabrice Voigt (ganz rechts), diesmal als Vertreter von Chefcoach Aaron Hahn federführend in der ersten Reihe, sah trotz der letztlich klaren Niederlage des TuS 82 gegen Gelnhausen sehr brauchbare Ansätze. Gewünscht hätte er sich allerdings ein paar mehr Tore. (Foto: Thomas Ellmann)

Offensichtlich war dieser Samstagabend im Kalender aufgetaucht, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Schließlich stand da was von „Halloween“. Ob jemand bei dieser Gelegenheit bei den Westklubs an der Tür geklingelt hatte? Die hatten dann jedenfalls in der Regel offensichtlich zu wenig Süßes bereit – und bekamen, wohl der Tradition entsprechend, eben ganz überwiegend Saures. Eine echte Überraschung stand ebenfalls in der Bilanz: Interaktiv.Handball, das zuletzt durchaus überzeugende Leistungen und Ergebnisse erzielt hatte, kam mit dem 28:36 (15:18) beim Tabellenletzten HV Vallendar (4:16) fast unter die Räder. Ganz nebenbei konnten die Ratinger die Pleite zwar angesichts ihres auf dem zehnten Platz immerhin noch ausgeglichenen Kontos (10:10) irgendwie verkraften, aber sie wirkte sich auf der anderen Seite direkt und nicht gerade positiv auf den TSV Bayer Dormagen II aus. Der wie Vallendar aufgestiegene Klassen-Neuling musste zusätzlich selbst nach einem Blitzstart mit der 7:2-Führung in der sechsten Minute beim Nachbarn Longericher SC (Siebter/11:9) eine am Ende sehr deutliche 32:46 (16:23)-Niederlage einstecken und er hängt deshalb weiter tief im Keller der Tabelle fest. Nur das bessere Torverhältnis trennt das Team von Trainer Peer Pütz (ebenfalls 4:16) zurzeit noch vom Schlusslicht Vallendar.

Keine größere Überraschung war das 20:26 (12:15) des TuS 82 Opladen (Zehnter/8:12) gegen den Spitzenreiter TV Gelnhausen (18:2), der bisher als einziger Klub der 3. Liga West ohne Niederlage durch die Saison gekommen ist – was bis vor Kurzem auch bei der HSG Krefeld Niederrhein der Fall war. Vor zwei Wochen gabs für die Eagles mit dem 30:30 in Gelnhausen den ersten Punktverlust und anschließend mit dem 29:34 gegen die HG Saarlouis (Zweiter/16:4) die erste Niederlage, auf die jetzt direkt die zweite folgte. Dass die lange hinterherrennenden Krefelder bei Saase3 Leutershausen (Vierter/15:5) auf der Zielgeraden wieder einen Sieg vor Augen hatten und anschließend nach der 28:27-Führung (56.) doch das 28:28 (57.) und 28:29 (60.) kassierten, war ebenso wie das Abrutschen auf Platz drei (ebenfalls 15:5) passend zum Abend echt gruselig aus ihrer Sicht. Einen winzigen Tick weniger bitter sah das 35:35 (17:19) der Bergischen Panther gegen das HLZ Friesenheim-Hochdorf II aus, weil die lange in Rückstand liegenden Gastgeber alleine beim 34:33 (58.) mal die Führung vorlegten. Gleichzeitig brachte sie dieses süß-saure Unentschieden im Duell mit einem Tabellen-Nachbarn nicht wirklich weiter: Als Zwölfter (6:12) gehören die Panther ebenso wie Friesenheim (13./6:14) zu den Mannschaften, die ihren Blick im Kampf um den Klassenerhalt weiter nach unten zu richten haben.

Interaktiv war mit der Empfehlung von drei Siegen hintereinander und einem dadurch erzielten positiven Konto (10:8) nach Rheinland-Pfalz gereist, zeigte sich vom Niveau aus diesen Partien allerdings über weite Strecken meilenweit entfernt. In der ersten Halbzeit sah es bis zum 12:12 (22.) trotzdem nach brauchbaren Chancen für Ratingen aus, das nun jedoch übers 12:15 (24.) und 14:18 (30.) schnell vom Kurs abkam. Hoffen auf eine Wende zum Guten durften die Gäste nachher lediglich bis zum 16:18 (32.), ehe ihnen eine 0:4-Serie das 16:22 (36.) einbrachte und der Rückstand ab jetzt immer bei mindestens fünf Treffern lag – 21:26 (48.), 22:27 (50.). Vallendar brachte den Rest des Abends problemlos über die Bühne und gewann letztlich ebenso verdient wie deutlich. Stanko Sabljic, der spielende Sportliche Leiter bei Interaktiv, fasste das Geschehen mit wenigen Worten zusammen: „Das war ein sehr gebrauchter Tag für uns. Wir haben nicht den Weg gefunden, ins Spiel zu kommen. Glückwunsch an Vallendar, die haben das gut gemacht. Sie haben während des Spiels immer besser und stabiler gespielt. Wir haben es nie geschafft, das Spiel zu drehen und zu diesem positiven Momentum zu kommen, um uns eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.“

Eine bessere Ausgangsposition hatten die Dormagener in Longerich durchaus – aber nur in der ersten Phase, als sie in diesem Mittelrhein-Derby im ICE-Tempo jenes 7:2 (6.) vorlegten. Ähnlich rasant fiel direkt darauf die Antwort der Hausherren aus, die für ihren 5:0-Lauf bis zum 7:7 (10.) keine vier Minuten brauchten, mit dem folgenden 7:8 (10.) den letzten Rückstand hinnehmen mussten und über eine zweite 5:0-Serie zum 12:8 (14.) innerhalb von etwas mehr als drei Minuten die Wende einleiteten. Beim 13:17 (24.) war Dormagen ebenfalls bis auf vier Treffer dran, doch nach dem 16:23 (30.) am Ende der ersten Halbzeit stand der weitere Verlauf des nicht mehr auf Augenhöhe stattfindenden Duells bereits fest. Die sechs Tore in Folge der Longericher vom 24:17 (32.) bis zum 30:17 (38.) brachten die Lücke zwischen den beiden Kontrahenten danach frühzeitig in einen zweistelligen Bereich und erst ab dem 37:21 (46.) ließ Köln den Gästen wieder etwas mehr Luft –  ohne sich vom Überschreiten der 40-Tore-Grenze abhalten zu lassen. „Nach einem sehr guten Start haben wir leider den Faden verloren“, fand TSV-Coach Pütz, „vor allem waren wir in der Abwehr zu passiv und wir haben Robin Kremp und Lukas Martin Schulz nicht in den Griff bekommen. Vorne haben wir zu viele technische Fehler gemacht, die in Gegenstößen geendet sind.“

Eine derartige Menge an Fehlern lieferten die Opladener gegen den Tabellenführer Gelnhausen insgesamt nicht – und trotzdem waren sie nach einem ausgeglichenen Start mit der 10:9-Führung (19.) zunehmend chancenlos. Einer der Gründe: In den restlichen 41 Minuten erzielte der TuS 82 insgesamt nur zehn weitere Tore. Kurz nach der Pause verkürzte Fynn Johannmeyer dann auf 13:15 (32.), aber näher kamen die Gastgeber nicht heran, sodass die Partie letztlich bereits vor dem Einbiegen auf die Zielgerade entschieden und keine Gefahr mehr für Gelnhausen da war – 15:20 (42.), 16:24 (51.). Opladens Co-Trainer Fabrice Voigt, diesmal für den fehlenden Chefcoach Aaron Hahn (als Co-Trainer mit dem Zweitligateam des TSV Bayer Dormagen unterwegs) an der Seitenlinie verantwortlich, war naturgemäß weniger mit dem Ergebnis zufrieden, wohl aber mit dem Auftritt der Mannschaft: „Wir hatten nur vier Rückraumspieler, waren also personell relativ dünn ausgestattet. Wir halten das Spiel in der ersten Halbzeit lange offen. Am Ende haben wir schon in der ersten Halbzeit relativ viele Zwei-Minuten-Strafen. Das hat natürlich Gelnhausen genutzt. Wir stellen eine gute Abwehr, wir finden gute Lösungen – uns haben dann diese vielen Zeitstrafen ein bisschen aus dem Tritt gebracht. Wir finden auch nicht mehr so gute Lösungen im aufgebauten Angriff. Wir haben eine Rote Karte von Maxim Siwedelsky und dadurch, dass wir keine Wechselmöglichkeiten mehr hatten mit Fynn Johannmeyer, der ausgefallen ist mit einer Handverletzung, haben wir mit drei Rückraumspielern oder teilweise mit dem Außen im Rückraum gespielt.“ Mit dem Blick auf die weiteren Aufgaben zeigte sich Voigt sogar relativ zuversichtlich: „Am Ende gewinnt natürlich Gelnhausen zu Recht und verdient, aber insgesamt war ein Fortschritt zu sehen. Die Jungs haben das wirklich gut gemacht. Jetzt müssen wir die Sachen, die nicht gut gelaufen sind, wie zum Beispiel wieder ein bisschen die Abschlussquote, die nur bei 50 Prozent liegt, und die technischen Fehler, die in der zweiten Halbzeit zu groß werden, minimieren. Wir sehen, dass die Jungs sich von Woche zu Woche entwickeln. Und das ist für uns als Trainerteam immer mit das Wichtigste.“

HV Vallendar – interaktiv.Handball 36:28 (18:15).

Interaktiv.Handball: Bliß (1), Windeck – Heinrichsmeyer, Schulz (6), Venedey (1), Szabo (3/1), Waldbach, Sibbel, Kübler (3), Körber (4), Büttner (1), Schröder (3), Poschacher, Eckardt (3), Megale (3/1), Sabljic, Hufnagel.

 

TuS 82 Opladen – TV Gelnhausen 20:26 (12:15).

TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr – Gießelmann, Jagieniak (1), Emmerich, F. Johannmeyer (3), Sonnenberg, Werschkull (3), L. Johannmeyer (4/2), Heß (2), Swiedelsky, Roth (2), Thomas (5/1).

 

Bergische Panther – HLZ Friesenheim-Hochdorf II 35:35 (17:19).

Bergische Panther: Eigenbrod, Berblinger – Müller (3), Hermann (2), Meurer, Lindemann (5), Exner (7/1), Lorenz (1), Schütte, Ballmann (9), Schön (3), Büscher (4), Elsässer (1).

 

Saase3 Leutershausen – HSG Krefeld Niederrhein 29:28 (18:15).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Wollny (3/2), Wolfram, Schneider (2), Kösters (1), Siegler (1), Michalski (2), Braun, Jagieniak (6), Persson (5), Ingenpaß (2), Rose (2), Papina (4/3) Mevissen.

 

Longericher SC – TSV Bayer Dormagen II 46:32 (23:16).

Longericher SC: Kull, Babic – Wörmann (5), Schrief (2), Pyszora, Henrich (3), Bertenbreiter (2), Breithaupt (1), Leitz (3), Schulz (14/3), Kremp (13), Dahlke (3).

TSV Bayer Dormagen II: Elnoamany, Conzen, Klein – Landau (1), Almeninger (1), Frings (1), Lidolt (2), Unbehaun (6/4), Döpner (2), Richartz (2), Bahns (6), Scheier (2), Scholl (1), Adam (4), Marcus, Ishiaku (4).