3. Liga
Wo es draußen langweilig ist und drinnen spannend
In Krefeld und Ratingen gab es Trainerwechsel mit ewig-alten Aussagen. Interaktiv überzeugt mit 34:32 in Kirchzell. Opladen verliert gegen Saarlouis mit 24:35, Dormagen II geht bei den Panthern unter - 26:38.

Lasst mich doch: Stanko Sabljic (Mitte/hier eingerahmt von den Longerichern Robin Kremp/links und Malte Nolting/rechts) verzichtete diesmal sowieso lieber auf einen eigenen Einsatz. Als neuer Interaktiv-Chefcoach konzentrierte sich der bisher regelmäßig mitwirkende Kreisläufer beim Sieg in Kirchzell über die gesamten 60 Minuten auf seine Arbeit an der Seitenlinie. (Foto: Thomas Schmidt)

Du meine Güte. Sie sind so austauschbar – und damit am Ende total langweilig. Was dereinst für Aufregung hätte sorgen müssen und zumindest bei uns auch immer wieder gesorgt hat, registrieren wir heute eher mit einem müden Kopfschütteln. Es lohnt sich nicht mehr, darüber nachzudenken. Wir sehen es als reine Verschwendung von Zeit und Platz. Wie sich die Formulierungen gleichen! Pflichtschuldigst lobt die HSG Krefeld Niederrhein ihren inzwischen ehemaligen Trainer Mark Schmetz, dem sie in dieser Woche den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, unter anderem mit diesen Worten: „Wir bedanken uns bei Mark für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für seine sportliche und persönliche Zukunft alles Gute. Mark Schmetz wird immer einen Teil in den HSG-Geschichtsbüchern einnehmen.“ Tausend Mal gehört, so oder ähnlich. Pflichtschuldigst bedankt sich auch Interaktiv.Handball bei seinem inzwischen ehemaligen Trainer Filip Lazarov nach der ebenso frischen Beendigung der Zusammenarbeit: „Filip Lazarov hat die Entwicklung unseres Vereins seit seinem Wechsel nach Ratingen im Jahr 2018 als Spieler und später als Cheftrainer maßgeblich mitgeprägt. Wir bedanken uns für seinen Einsatz und sein Engagement in den vergangenen Jahren und wünschen ihm für seine persönliche und sportliche Zukunft alles Gute.“ Tausend Mal gehört, so oder ähnlich. Der Unterschied in diesem sehr speziellen Fall: Während die den Aufstieg in die 2. Bundesliga anpeilenden Krefelder nach 1:5 Punkten aus drei Spielen immerhin eine Gefahr für die sportlichen Ziele als Begründung für die Trennung ins Feld führten, blieben die Ratinger etwas Ähnliches schuldig. Unser Vorschlag: Behaltet es einfach für euch, werdet glücklich damit. Es soll jedoch keiner mehr behaupten, dass er auch nur eine entfernte Ahnung von Außendarstellung und/oder Öffentlichkeitsarbeit hat. Wir wissen dabei wenigstens eins sehr sicher: Sollten sich die beinahe irrwitzigen Spekulationen darüber, die Lazarov als Schmetz-Nachfolger sehen wollen, in irgendeiner Form mit Leben füllen, werden wir vor lauter Kopfschütteln heftige Kopfschmerzen bekommen. Es wäre im Übrigen vom gesamten Ablauf her auch nichts, was die 3. Liga atrraktiver macht.

Handball bot das Wochenende auch – und es war dabei durchaus nicht langweilig, sondern ziemlich abwechslungsreich. Mindestens halbwegs erstaunlich war dabei die in dieser Form kaum zu erwartende Niederlage des Aufsteigers TSV Bayer Dormagen II bei den Bergischen Panthern: Nach dem 26:38 (14:20) im Duell zweier gegen den Abstieg kämpfenden Kontrahenten drohen die Dormagener als Vorletzter gemeinsam mit dem Schlusslicht HV Vallendar (beide 4:18 Punkte) dem Rest des Feldes auf längere Sicht hinterherzuhinken, während sich die auf Rang neun verbesserten Panther (8:12) ein Stück mehr Sicherheit verschaffen konnten. Das gilt noch deutlich mehr für Interaktiv, das im ersten Spiel mit dem nun gleichzeitig als Cheftrainer tätigen Sportlichen Leiter und Lazarov-Nachfolger Stanko Sabljic beim TV Kirchzell (Fünfter/12:10) einen nur am Ende knappen 34:32 (17:15)-Erfolg sicherte und als Sechster für den Moment klar zur oberen Tabellenhälfte gehört. Davon ist der TuS 82 Opladen (Elfter/8:14) nach der 24:35 (16:23)-Niederlage gegen die HG Saarlouis (Zweiter/18:4) ein größeres Stück weit entfernt – und auf der anderen Seite liegt das HLZ Friesenheim-Hochdorf II (14./6:14) auf dem ersten der drei Abstiegsränge nur ein kleineres Stück weg. Vorne hat die HSG Krefeld Niederrhein als Dritter (17:5) nach dem 29:22 (15:9) mit Interimstrainer Falk Kolodziej gegen die TSG Münster (Achter/11:9) weiter den Kontakt zu den beiden Plätzen für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Die Positionen eins und zwei nehmen derzeit der TV Gelnhausen (20:2) als einzige noch ungeschlagene Mannschaft und Saarlouis ein.

Für die Opladener waren die Gäste aus dem Saarland schon vorher nicht der richtige Maßstab und dann in der Wirklichkeit auf der Platte eine Nummer zu groß. Mithalten konnte der TuS 82 allerdings am Anfang und mit dem 8:7 (14.) von Lucius Heß lag er auch noch in Führung – bis die erste 0:5-Serie innerhalb von viereinhalb Minuten den 8:12-Rückstand (18.) brachte und die zweite 0:5-Serie vom 9:12 (19.) noch schneller das bereits entscheidende 9:17 (23.) bedeutete. Nach jenem 1:10-Lauf gab sich Opladen zwar nicht auf, doch um mehr als eine Schadensbegrenzung ging es für den Rest der Partie nicht mehr. Weil das Team von Trainer Aaron Hahn nach der Pause in den ersten 22 Minuten nur vier eigene Treffer schaffte, wurde die Lücke übers 17:27 (42.) und 20:31 (52.) immer größer. In der Summe reichte Saarlouis inzwischen sogar der Verwaltungsmodus, während der TuS 82 für den Rest des Abends bis zu 24:35 (59.) immerhin eine Art „Unentschieden“ erzielten. „Das war ein schwieriges Spiel mit schwierigen Voraussetzungen“, sagte Hahn, „ir hatten in der Woche sowieso einige Verletzte und dazu kamen einige Kranke, die sich gestern durchgebissen haben, aber nicht hundertprozentig fit waren. Grundsätzlich muss man sagen, dass wir sehr gut reinkommen und bis zur 15. Minute ein absolut gleichwertiges Spiel haben. Dann brechen wir leider ein Stückchen ein, wir haben vorne technische Fehler und Fehlwürfe, die zu Gegenstößen führen. Wir haben viele Bälle einfach weggeschmissen und laufen nicht gut zurück. In der zweiten Halbzeit ist eine deutliche Steigerung in der Abwehr zu sehen. Vorne haben wir über weite Strecken eine sehr schlechte Wurfquote, aber mit der zweiten Halbzeit kann ich doch auch gut leben. Saarlouis hat absolut verdient gewonnen, da hat man schon einen Klassen-Unterschied gemerkt.“

Die am Ende schwer geschlagenen Dormagener gingen bei den Panthern tatsächlich ein Mal in Führung – und sie hatten selbst weder vor dem Spiel noch nach dem frühen 1:0 (1.) durch Marvin Landau irgendwie damit gerechnet, derart vom Kurs abzukommen. Ab dem 1:2 (4.) lag der Klassen-Neuling immer hinten und lediglich bis zum 7:8 (14.) oder 9:11 (19.) halbwegs aussichtsreich im Rennen. Bereits beim 20:14 (30.) am Ende der ersten Hälfte waren die Panther klar auf dem Weg zu einem für sie enorm wichtigen Erfolg: Näher als auf sechs Tore wie auch beim 16:22 (33.) kam Dormagen nicht mehr heran – 19:28 (39.), 21:31 (44.), 22:36 (50.). Der 4:2-„Erfolg“ für die finalen zehn Minuten des zeitweise erstaunlich einseitigen Abends brachte dem TSV Bayer II dann eher wenig ein. Dass es am Ende nicht ganz so schlimm wurde wie kürzlich mit dem 32:46 beim Longericher SC, dürfte nicht mal ein schwacher Trost gewesen sein. Dormagen, sonst bei seinen Niederlagen wenigstens für knappe Resultate gut, zog zum zweiten Mal hintereinander mit über zehn Toren Unterschied den Kürzeren – und diesmal bei einem Kontrahenten, der ebenfalls wenig anderes als den Klassenerhalt im Sinn hat.

In vergleichsweise ganz anderen Regionen ist in diesen Wochen Interaktiv unterwegs, dass den durch die 28:36-Pleite beim Schlusslicht Vallendar vor einer Woche entstandenen Schaden durch seinen Erfolg in Kirchzell umgehend reparierte. Der Erfolg der Ratinger ging alleine deshalb in Ordnung, weil sie über die gesamten 60 Minuten kein einziges Mal in Rückstand gerieten und nach dem 12:12 (22.) immer vorlegten. Ein wichtiger Schritt war die 3:0-Serie direkt am Anfang der zweiten Halbzeit vom 17:15 (30.) bis zum 20:15 (34.), als die Gäste hinten kompakt arbeiteten und die Kirchzeller Fehler konsequent nutzten. Später behielt Interaktiv mit seiner jungen Mannschaft auch auf der Zielgeraden die Kontrolle und fand übers 25:22 (50.), 26:25 (53.), 27:26 (54.) oder 30:28 (58.) viele aus seiner Sicht richtige Antworten. Entschieden war die Angelegenheit danach in der bisweilen wilde Schlussphase spätestens mit dem 33:30 (60.) von Luca Elias Schulz genau 54 Sekunden vor dem Ende. „Das war ein sehr, sehr gutes Spiel von uns“, urteilte Sabljic, „wir haben super in der Abwehrspiel gespielt, zusammen mit dem Torhüter. In meinen Augen waren wir sehr clever, sehr abgezockt. Auch wenn der Gegner nahekam, haben wir einen kühlen Kopf behalten und immer wieder eine richtige Lösung gefunden. Ich möchte mich bei der Mannschaft und bei meinem Trainerteam für die starke Leistung bedanken.“

TuS 82 Opladen – HG Saarlouis 24:35 (16:23).

TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr – Gießelmann (3), Jagieniak, Emmerich (3), F. Johannmeyer (2), Sonnenberg, Werschkull (2), L. Johannmeyer (4/2), Heß (4), Swiedelsky, Roth (2), Thomas (4).

 

TV Kirchzell – Interaktiv.Handball 32:34 (15:17).

Interaltiv.Handball: Bliß, Windeck – Heinrichsmeyer, Schulz (12/2), Venedey, Szabo (2), Sibbel (2), Kübler (5), Körber (6), Büttner (6), Schröder, Poschacher (1), Eckardt, Megale.

 

Bergische Panther – TSV Bayer Dormagen II 38:26 (20:14).

Bergische Panther: Merten, Eigenbrod – Müller (3), Hermann (1), Meurer (8), Lindemann (1), Zulauf, Exner (4), Lorenz (1), Ballmann (7), Schön (7), Büscher (2), Elsässer (4/4).

 

HSG Krefeld Niederrhein – TSG Münster 29:22 (15:9).

HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Wollny (1/1), Wolfram (1), Schneider (6), Kösters (4), Siegler (3), Michalski, Jagieniak (1), Persson (2), Ingenpaß (3), Rose (4), Papina (4/3) Mevissen.